Lösungsansätze des ländlichen Allgemeinarztmangels


Seminararbeit, 2018
25 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Gesundheitssystem in Deutschland
2.1 Private vs. Gesetzliche Krankenkassen
2.2 Berufsbild Arzt
2.3 Bedarfsplanung

3 Das Problem der Ärzteverteilung in Deutschland
3.1 Ärzteversorgung in ländlichen und städtischen Gebieten
3.1.1 Statistik und Daten
3.1.2 Ärzteverteilung und Prognose
3.2 Ursachen und Gründe für den Mangel an ländlichen Allgemeinärzten
3.2.1 Veränderung der Work-Life-Balance
3.2.2 Verdienstmöglichkeiten
3.2.3 Verteilungsproblem
3.2.4 Demografischer Wandel

4 Lösungsansätze
4.1 Abschaffung oder Anpassung der PKV
4.2 Anpassung der Bedarfsplanung
4.3 Telemedizin
4.4 Finanzielle Anreize setzen
4.5 Nachwuchsförderung
4.6 Rückkehr zur Gemeindeschwester
4.7 Mobile Arztpraxen

5 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Gesundheitssystem in Deutschland

Abbildung 2: Bevölkerungsentwicklung 2012-2030

Abbildung 3: Hausarztverteilung in Deutschland

Abbildung 4: Skepsis gegenüber Telemedizin

Abbildung 5: DB Medibus Exterieur und Interieur

1 Einleitung

Seit geraumer Zeit wird in den Medien des Öfteren über einen bevorstehenden Ärztemangel diskutiert. Vor allem der ländliche Ärztemangel steht dabei zunehmend im Fokus. Es werden verantwortliche in Politik und Behörden gesucht und unterschiedliche Interessengruppen stellen ihre möglichen Lösungen für das Problem der Unterversorgung vor. Die ländliche Bevölkerung scheint am schwersten betroffen zu sein, teilweise wird von einer nicht mehr existierenden medizinischen Versorgung gesprochen, die in manchen eher spärlich bevölkerten Regionen vorherrschen soll. Obwohl in Deutschland jedem Bürger der Zugang zu medizinischer Versorgung rechtmäßig zusteht. Was sind die Ursachen und Gründe für diese Entwicklung? Wie kann es sein, dass ein Mangel entstehen kann, wo doch die deutsche Bevölkerung, betroffen durch den demografischen Wandel, schrumpft und es aber gleichzeitig eine steigende Anzahl an Ärzten gibt? Wesentlich interessanter ist jedoch die Frage, welche Lösungsansätze gibt es, dem ländlichen Ärztemangel entgegen zu wirken?

Die vorliegende Ausarbeitung beschäftigt sich mit der Frage, welche Lösungsansätze es für den ländlichen Allgemeinarztmangel gibt. Dafür werden zu Beginn der Seminararbeit, die grundlegenden Eigenschaften des deutschen Gesundheitssystems erläutert und wichtige Akteure im Gesundheitswesen vorgestellt, die für den weiteren Verlauf der Argumentation von Bedeutung sind. Anschließend wird auf die Ursachen und Gründe sowie das Problem der Ärzteverteilung in Deutschland eingegangen. Diese werden durch Grafiken und Daten verständlich dargestellt. Im Hauptteil der Arbeit werden einzelne Lösungsansätze benannt, die überwiegend aus Erkenntnissen der vorherigen Kapitel beruhen. Abschließend wird ein Fazit gezogen und ein Ausblick gegeben.

2 Das Gesundheitssystem in Deutschland

2.1 Private vs. Gesetzliche Krankenkassen

Das deutsche Gesundheitssystem stellt die notwendigen Rahmenbedingungen für eine umfangreiche und gerechte Bereitstellung medizinischer Versorgung und Betreuung in Deutschland bereit. Es basiert auf dem Solidaritätsprinzip und gewährleistet somit jedem hilfsbedürftigen Menschen entsprechende medizinische Hilfe zu erhalten. Dies geschieht unabhängig von Alter, Gesundheitsstand, Einkommen und Familienstand.1 Bereits im Jahr 1883 wurde die erste gesetzliche Krankenkasse gegründet und damit die Grundlage für das heutige Gesundheitssystem gebildet.2

Wie in Abbildung 1 vereinfacht dargestellt, basiert das Gesundheitssystem auf den durch die Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und die Privaten Krankenkassen (PKV) versicherten Bürgern, die gleichermaßen die Versorgung durch die gleiche Ärzte- und Krankenhausinfrastruktur in Anspruch nehmen können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Gesundheitssystem in Deutschland [Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Busse, R. et al. (2013), S. 40].

Die GKV wird vom Bund beaufsichtigt und steuerlich entlastet. Krankenhäuser werden von den Ländern finanziert. Die Verteilung beziehungsweise Bedarfsplanung von Ärzten wird von dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) vorgenommen. Pflegeversicherungen sowie der öffentliche Gesundheitsdienst werden in dieser Ausarbeitung nicht berücksichtigt. Die wesentlich größere Gruppierung bilden die gesetzlich Versicherten mit einem Anteil von ungefähr 86%.3

Bei der GKV handelt es sich um eine Pflichtversicherung, in der alle Arbeitnehmer unterhalb einer gewissen Einkommensgrenze versichert sind. Hinzu kommen Studenten bzw. Auszubildende, Menschen mit Behinderungen und Arbeitslose. Der Beitrag beträgt aktuell 14,6% des Bruttoeinkommens zuzüglich individueller Zusatzbeitrag. 7,3% werden dabei jeweils vom Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer übernommen. Zur Zeit gibt es in Deutschland 111 verschiedene Krankenkassen, die insgesamt 72,31 Millionen Menschen versichern.4 Alle GKVs haben gemeinsam, dass sie Körperschaften öffentlichen Rechts sind und somit nicht gewinnorientiert handeln dürfen.5 Der Leistungskatalog umfasst die ambulante medizinische Versorgung, stationäre Versorgung, Arzneimittelversorgung sowie die Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln. Die konkreten Leistungserbringungen werden durch Verträge zwischen den Krankenkassen und den jeweiligen regional tätigen Kassenärztlichen Vereinigungen beziehungsweise Kassenzahnärztlichen Vereinigungen festgelegt.6

Die PKV stellt das Gegenstück zur GKV dar. Neben Beamten, die verpflichtend in der PKV versichert sind, sind die meisten privat Versicherten Selbstständige, Freiberufler sowie Angestellte deren Einkommen die Versicherungspflichtgrenze überschreiten, die sich für die PKV entschieden haben. Anders als bei der GKV ist der zu zahlende Beitrag Abhängig von Alter, Geschlecht sowie medizinischer Verfassung.7 Für behandelnde Ärzte sind privat versicherte Patienten wesentlich lukrativer als gesetzlich Versicherte, da bei ersteren ein höherer Verrechnungssatz angesetzt werden kann und ein umfangreicheres Leistungsverzeichnis mit vielfältigeren Behandlungsmöglichkeiten gegeben ist. Dies führt zu einer bevorzugten Behandlung von Privatpatienten, welche sich zum Beispiel durch geringere Wartezeiten auszeichnet.8

2.2 Berufsbild Arzt

In abgewandter Form spielt das Berufsbild des Arztes seit jeher eine große Rolle in der Entwicklung der Menschheit. Auch heute ist der Arzt ein hoch angesehener Beruf mit guten Karrierechancen und vergleichsweise hohen Verdienstmöglichkeiten. Der Arzt an sich ist eine Person, dem die Menschen vertrauen.

Die Ausbildung zum Arzt wird in der Approbationsordnung festgelegt und umfasst grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten, die für eine angemessene medizinische Versorgung von Patienten nötig ist. Die Approbationsordnung wird vom Bundesamt für Gesundheit erlassen und kann wenn nötig, an neue Gegebenheiten angepasst werden. Das Studium der Medizin besitzt einen Umfang von 12 Semestern und wird durch ein Staatsexamen abgeschlossen. Nach anschließend erteilter Approbation beginnt die jeweilige Facharztausbildung wie zum Beispiel zum Allgemeinarzt. Diese ist nötig, um eine Zulassung als Vertragsarzt der GKV zu erhalten.9

Da die Nachfrage nach einem Studienplatz für Medizin sehr hoch ist, wird ein entsprechender Numerus Clausus verlangt. Trotzdem sind die Bewerberzahlen wesentlich höher als die tatsächlich freien Studienplätze, was zu erheblichen Wartesemestern führen kann. Im Aktuellen Wintersemester 2018/2019 betrug die Bewerberzahl 43.631 wohingegen nur 9.232 freie Studienplätze zur Verfügung standen.10

2.3 Bedarfsplanung

Die Bedarfsplanung regelt die räumliche Verteilung von ambulanten Vertragsärzten in Deutschland. Zuständig für die Bedarfsplanung ist der G-BA, das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland.11

Trotz der Bedarfsplanung kommt es aber weiterhin sowohl zu überversorgten als auch unterversorgten Regionen. Diese kennzeichnen sich dadurch, dass sie zum einen städtisch und zum anderen ländlich geprägt sind. Zwar besitzt die Bedarfsplanung die Möglichkeit, die Gründung neuer Arztpraxen in überversorgten Gebieten zu unterbinden, dennoch kann sie Praxisnachbesetzungen und Sonderbedarfszulassungen in diesen Gebieten nicht verhindern. Somit bleiben regionale Unterschiede weiterhin bestehen und der Ärztemangel in unterversorgten Regionen kann nicht behoben werden.12

Um unterversorgte Regionen für Ärzte attraktiver zu machen werden Zuschüsse gewährt, Mindestumsatzgewährleistungen zugesprochen und eigene Einrichtungen mit angestellten Ärzten durch die Kassenärztlichen Vereinigung (KV) betrieben.13 Für überversorgte Gebiete besitzt die Bedarfsplanung und das Zulassungsrecht allerdings keine passenden Instrumente, um die jeweilige Überversorgung anzupassen. Dementsprechend ist die Anzahl an Vertragsärzten in überversorgten Gebieten mindestens konstant geblieben.14

3 Das Problem der Ärzteverteilung in Deutschland

3.1 Ärzteversorgung in ländlichen und städtischen Gebieten

Die Bundesrepublik Deutschland erstreckt sich über eine Gesamtfläche von 357.000 und hat aktuell ungefähr 82 Millionen Einwohner. Die Bevölkerungsdichte ist sehr unterschiedlich in den einzelnen Regionen. Vor allem der westliche Teil Deutschlands wie zum Beispiel die Rhein-Ruhr-Region oder das Rhein-Main-Gebiet sind sehr dicht besiedelt, wohingegen die östlichen Teile Deutschlands, mit Ausnahme von Berlin, eher schwach besiedelt sind. Bedingt durch den demografischen Wandel wird prognostiziert, dass sich die Bevölkerungsanzahl Deutschlands in den kommenden Jahrzehnten weiter verringern wird, das Durchschnittsalter wesentlich steigen wird und zudem das Stadt-Land-Gefälle weiter zunehmen wird.15

3.1.1 Statistik und Daten

Im Jahr 2017 waren in Deutschland 385.149 behandelnde Ärztinnen und Ärzte beschäftigt beziehungsweise niedergelassen. Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Zahl der zugelassenen Ärzte erneut angestiegen. Demnach ist auch die Ärztedichte in den letzten Jahren ebenfalls kongruent angestiegen. Aktuell kommen in Deutschland 3,5 Ärzte auf 1000 Menschen, was nach OECD-Vergleich einen überdurchschnittlich guten Wert darstellt. Gleichzeitig steigt allerdings auch der benötigte Behandlungsbedarf, da durch den demografischen Wandel der Anteil der über 67-jährigen um 42 Prozent steigen soll.16 Neben dem demografischen Wandel spielt allerdings auch die Abwanderung vor allem jüngerer Menschen in Richtung von Ballungszentren und größeren Städten eine große Rolle. Abbildung 2 veranschaulicht diese Urbanisierung beziehungsweise Landflucht. Am stärksten betroffen werden davon vor allem die neuen Bundesländer im Osten Deutschlands sein, da diese nur wenige große Städte vorweisen können. Die großen Städte und Metropolen wie zum Beispiel Berlin, Frankfurt und München werden ihre Einflussbereiche weiter vergrößern und stark wachsen.

Die Abwanderung vom Land in die Städte werden zudem vor allem junge Menschen und junge Familien vornehmen. Dadurch verändert sich die Altersstruktur in ländlichen Regionen zusätzlich zum ohnehin voranschreitenden demografischen Wandel und wird den Altersdurchschnitt erheblich erhöhen.17 Diese Entwicklung einer allgemein älteren Gesamtbevölkerung führt gleichzeitig aber auch zu einer Erhöhung der notwendigen Behandlungsstunden und Dienstleistungen im Gesundheitssektor. Zusätzliche Belastung und ein Anstieg der Wochenarbeitsstunden für Ärzte sind die Folge.18

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Bevölkerungsentwicklung 2012-2030 [Quelle: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/pid/demographischer-wandel-verstaerkt-unterschiede-zwischen-stadt-und-land/ (Stand: 14.12.2018)].

[...]


1 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2013).

2 Vgl. Busse, R. et al. (2013), S. 17.

3 Vgl. Busse, R. et al. (2013), S. 8.

4 Vgl. Krankenkassen Zentrale (2018).

5 Vgl. Busse, R. et al. (2013), S. 45.

6 Vgl. Schliwen, A. (2015), S. 75-77.

7 Vgl. Busse, R. et al. (2013), S. 130-133.

8 Vgl. Arnade, J. (2010), S. 222.

9 Vgl. Thieme (2011).

10 Vgl. hochschulstart.de.

11 Vgl. Gemeinsamer Bundesausschuss.

12 Vgl. Schliwen, A. (2015), S. 77-84.

13 Vgl. Schliwen, A. (2015), S. 87-88.

14 Vgl. Uhlemann, T. und Lehmann, K. (2011), S. 12-13.

15 Vgl. Busse, R. et al. (2013), S. 1-2.

16 Vgl. Bundesärztekammer (2017a).

17 Vgl. Schliwen, A. (2015), S. 86.

18 Vgl. Knieps, F. (2015), S.8-9.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Lösungsansätze des ländlichen Allgemeinarztmangels
Hochschule
Brandenburgische Technische Universität Cottbus
Autor
Jahr
2018
Seiten
25
Katalognummer
V461485
ISBN (eBook)
9783668895898
ISBN (Buch)
9783668895904
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lösungsansätze, allgemeinarztmangels
Arbeit zitieren
Martin Storm (Autor), 2018, Lösungsansätze des ländlichen Allgemeinarztmangels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461485

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