Soziale Ungleichheit außerhalb der Schule

Eine Betrachtung des Zuganges zu Angeboten non-formaler Bildung und Teilhabe von Jugendlichen


Hausarbeit, 2017
23 Seiten, Note: 1,70

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Forschungsstand
2.1 Die 16. Shell-Studie
2.2 Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten (AIDA)
2.3 DIW-Wochenberichte zum Freizeitverhalten Jugendlicher bzw. zur Nachhilfe
a) Freizeitverhalten Jugendlicher
b) Nachhilfe
2.4 Außerschulische Nachhilfe - eine Studie des Böckler-Institutes

3 Forschungsdesiderate

4 Forschungsfrage und -skizze
4.1. Fallauswahl
4.2. Datenerhebuna
4.3 Datenauswertung

Literaturverzeichnis

Anlage - Fragebogen

1 Einleitung

Zielsetzung dieses Moduls ist die bildungswissenschaftliche Beschäftigung mit einem selbst zu wählenden Themenfeld der Kindheits-und Jugendforschung. Dies geschieht mit vorlie­gender Hausarbeit, indem die Perspektive von Jugendlichen hinsichtlich ihres Zuganges zu Angeboten des non-formalen Bildungsbereiches außerhalb der Schule und dabei insbeson­dere auch der Zusammenhang zur jeweiligen Einkommenssituation innerhalb der Herkunfts­familie und deren sozialer Positionierung in den Blick genommen wird. Seit der Veröffentli­chung der Ergebnisse der PISA-Studie im Jahr 2001 sind teils heftige Diskurse um den Bil­dungszugang von Kindern und Jugendlichen geführt worden. Gemessen am internationalen Leistungsstandard belegte Deutschland eine eher schlechte Platzierung. Eine Grunder­kenntnis in diesem Zusammenhang lautete, dass die soziale Herkunft der Schüler die Aus­prägung ihrer Kompetenzen beeinflusst (Stanat u.a. 2001, S. 13). Somit wurde für Politik und Öffentlichkeit die im deutschen Bildungssystem vorherrschende Bildungsungerechtigkeit mit erheblichen Nachteilen für Kinder aus einkommensschwachen Familien offengelegt. Seitdem sind seitens der Bundesregierung verschiedene politische Anstrengungen initiiert worden, um dieser festgestellten Bildungsungleichheit entgegenzuwirken und diese zu überwinden. Es wurden auch in den Sozialleistungssystemen Mechanismen zur Vermeidung bzw. Verrin­gerung von Chancenungerechtigkeit, wie etwa 2011 das Bildungs- und Teilhabepaket zur Förderung sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher geschaffen. Mit diesem Vorhaben soll eine Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben für alle Kinder und Jugendlichen mög­lich sein. Insbesondere wurden so erstmals auf Bundesebene finanzielle Unterstützungsleis­tungen für außerschulische Nachhilfe, Vereinsmitgliedschaften, zur Ermöglichung von kos­tenlosem Mittagessen in Kindertagesstätte oder Schule wie auch der Teilnahme an kulturel­len Aktivitäten geschaffen (BMAS, 2014). Dies erscheint vor dem Hintergrund der Erkennt­nis, dass Bildung nicht nur innerhalb der Schule stattfindet und damit eben auch immer mehr als formaler Unterricht ist, auch zielführend. Wie Grunert u.a. bereits ausführen, „verbringen Kinder und Jugendliche heute einen Großteil ihrer Zeit außerhalb der Schule auch innerhalb organisierter Freizeitarrangements.“ (ebd., S. 115). Die Bedeutung dieser Arrangements in Hinblick auf die Lern- und Bildungsprozesse von Kindern und Jugendlichen steigt damit. Denn es werden dort nicht nur aufgrund ihrer Ausrichtung entsprechende Kompetenzen vermittelt, sondern diese auch durch den dort stattfindenden Austausch mit anderen Kindern und Jugendlichen gebildet und gestärkt (vgl. Grunert, 2012, S. 79 ff.). Insofern soll im zwei­ten Kapitel anhand einiger ausgewählter empirischer Studien dargestellt werden, inwieweit außerschulische Angebote gleichermaßen für alle Jugendlichen zur Verfügung stehen und die Anstrengungen der Politik einen Beitrag zur Verbesserung der Chancengerechtigkeit leisten. Denn obwohl Deutschland bei den jüngeren PISA-Ergebnissen seine Ergebnisse verbessert und den Abstand zu den führenden Ländern minimiert hat, spielt noch immer der Indikator der Herkunftsfamilie, deren Kapitalausstattung sowie die daraus resultierende Schichtzugehörigkeit eine große Rolle (vgl. Klieme u.a., 2013, S. 271). Sodann wird in Kapi­tel drei anhand der Vorgefundenen Forschungsdesiderate eine konkrete Forschungsfrage formuliert. Dabei werden festgestellte Forschungslücken mit Aspekten der Fragestellung verknüpft und deren Herleitung dargelegt. Im vierten Kapitel wird die abgeleitete For­schungsfrage und eine mögliche Forschungsskizze selbst vorgestellt. Dabei werden Überle­gungen für ein methodisches Vorgehen und Analyse der geplanten Erhebung beschrieben.

2 Forschungsstand

In den nachfolgenden Teilkapiteln werden einige Studien mit Relevanz zum Forschungsthe­ma als beispielhaft herausgegriffen und in Bezug auf dieses analysiert. Dabei wird jeweils überblicksartig die Zielsetzung des jeweiligen Forschungsvorhabens, das speziell ihr zu­grunde liegende methodische Vorgehen mit Bildung der Analyseeinheiten, Durchführung und Zeitraum der Erhebung sowie insbesondere die gewonnenen Daten der Jugendlichen in Hinblick auf deren Zugang zu Angeboten außerschulischer Bildungs- und Teilhabemöglich­keiten untersucht. Die Betrachtung der Forschungsergebnisse wie auch die sich daraus er­gebende Forschungsfrage soll dabei die Zielgruppe der Jugendlichen zwischen 11 und 18 Jahren in den Blick nehmen. Die nachfolgenden Kapitel zeigen jedoch auf, dass dies nicht in absolutem Maße möglich ist. Sondern lediglich die hier angegebene Altersspanne als Refe­renz dient und je nach Forschungszugang verschiedene Jahrgänge bzw. Jahrgangsintervalle einer Betrachtung unterzogen werden können. Die Begründung für die dennoch gewählte Altersspanne der Betrachtung liegt einerseits in der in dieser Altersstruktur vorhandenen und mit zunehmendem Alter stärker werdenden Entscheidungsmöglichkeiten hinsichtlich eigener Freizeitgestaltung. Andererseits in der gesetzlich normierten Zugangsbeschränkung der Teilhabeangebote in den Sparten Sport und Kultur des Bildungspaketes auf die Höchstal­tersgrenze von 18 Jahren.

2.1 Die 16. Shell-Studie 2010

Zunächst wird dafür die Shell-Studie 2010, welche am 14.09.2010 öffentlich vorgestellt wor­den ist, in den Blick genommen und anhand der Veröffentlichung „Jugend 2010“ von Albert, Hurrelmann und Quenzel aus dem Jahr 2011 analysiert. Die Studie steht als 16. Jugendstu­die, dieser seit 1953 durchgeführten Untersuchungsreihe, für eine kontinuierliche Befragung und damit Visualisierung der Sichtweisen von Jugendlichen in Deutschland zu einem be­stimmten Zeitpunkt. Die Zielsetzung bzw. Fragestellungen, welche sich hinter dieser Unter­suchungsreihe verbergen, sind hauptsächlich als die Erforschung des Sozialverhaltens von

Jugendlichen, der Einschätzung ihrer Lebenssituation und ihrer Einstellung zu Bildung, Poli­tik, Partnerschaft und anderen Themen anzusehen. Angelegt ist diese Studie im Kern als quantitative Querschnittsuntersuchung, welche Aussagen sowohl zum angefertigten Zeit­punkt wie auch im Zeitvergleich zu anderen Querschnittsstudien erlaubt. Dabei stützt sich die 16. Shell Jugendstudie auf eine repräsentativ zusammengesetzte Stichprobe von 2.604 Ju­gendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren aus den alten und neuen Bundesländern (Albert, Hurrelmann und Quenzel, 2010, S. 361), die von geschulten Infratest-Interviewern zu ihrer Lebenssituation sowie ihren Einstellungen und Orientierungen persönlich befragt wurden. In Anlehnung an das Design der vorherigen Shell-Jugendstudien wurde bei der Herstellung der Stichprobe wiederum „auf das bewährte zweistufige Verfahren zurückgegriffen“(ebd., S. 362). So wurden den Interviewern der Rahmen der zu befragenden Personen anhand von Quotierungsmerkmalen vorgegeben, wobei eine Unterteilung nach Alters- und Statusgrup­pen, nach Bundesländern und regionalen Siedlungstypen sowie nach deren Staatsbürger­schaft erfolgte. Sodann wurden die entsprechenden Zielpersonen von den Interviewern in den Quotenzellen identifiziert. Zur Gewährleistung der Repräsentativität der Jugend in Deutschland wurde die Stichprobe später als sog. zweite Phase durch Hochrechnungen in Kausalität zur dementsprechenden Gesamtbevölkerung mit Daten aus dem Mikrozensus 2008 proportionalisiert (ebd., S. 362 ff.). Bereits seit der Shell-Studie 2002 werden die Daten dann in fünf Schichten eingeteilt, welche die verschiedenen sozialen Milieus widerspiegeln sollen. Diese Schichten werden bezogen auf die Herkunft der Jugendlichen „mit Hilfe eines Index gebildet.“ (ebd., S. 400), wobei dieser anhand einer Erhebung und Wichtung der Vari­ablen des höchsten Schulabschlusses des Vaters, der Zufriedenheit mit der finanziellen Si­tuation, der Wohnsituation der Eltern und der Anzahl der Bücher im Elternhaus ermittelt wor­den sind. Da vorliegend der Frage des Zuganges von Jugendlichen aus einkommensschwa­chen Familien bzw. Empfängern von Transferleistungen zu Angeboten des außerschulischen Bildungsbereiches nachgegangen werden soll, können hier die sog. Unterschicht und die untere Mittelschicht als vergleichbar gelten. Bezogen auf die Grundgesamtheit sind dies also anteilige 34 % der befragten Personen (vgl. ebd., S. 56), die diesen beiden Schichten ange­hören. Die Erhebung selbst fand auf Grundlage eines standardisierten Fragebogens „im Zeitraum von Mitte Januar bis Ende Februar 2010"(ebd., S. 366) statt, wurde im Rahmen einer stichprobenartigen Qualitätskontrolle gegengeprüft und anschließend mit der Statis­tiksoftware SPSS ausgewertet. Zusätzlich wurden im Rahmen einer qualitativen Vertie­fungsstudie mit dem Titel „Jugend unter Druck?“ (ebd., S. 243 ff.) 20 Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren anhand eines Leitfadens explorativ interviewt. Dabei wurden unter­schiedliche Jugendliche anhand der Merkmale Bildungsstatus und Geschlechtszugehörigkeit aus verschiedenen Regionen ausgewählt. So sollte der Frage nachgegangen werden, wie Jugendliche verschiedener Schichten Druck wahrnehmen, wie sie darauf reagieren und wel­che Handlungsoptionen ihnen dabei zur Verfügung stehen. Auch kam dabei ein bereits bei der Befragung 2006 eingesetztes „Erhebungsinstrument zur Erfassung des sozialen Netz­werks, das Soziale Kontaktschema.“ (ebd., S. 246) verwendet. Dies dient bei vorliegender Studie insbesondere dazu zu verstehen, wie soziale Netzwerke den Jugendlichen dabei un­terstützen können mit empfundenen Drucksituationen umzugehen (vgl. ebd., S. 247). Im Nachgang wurden die Interviews mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring transkri­biert und analysiert. Da die qualitativen Ergebnisse vorliegend keinen Einfluss auf die Haus­arbeit haben, wird auf weiterführende Ausführungen an dieser Stelle verzichtet und nunmehr die arbeitsrelevanten Ergebnisse in den Blick genommen. Es ist geeignet ebenfalls die bei­den vorangegangen Studien aus den Jahren 2002 und 2006 an dieser Stelle mit zu betrach­ten. So wird u.a. eine im Zeitreihenvergleich erkennbare deutlich optimistischere Grundstim­mung für die eigene Zukunft, der Gesellschaft und Politik gesamt sowie eine weiterhin ge­stiegene Familienorientierung der Jugendlichen als Gesamtheit festgestellt (ebd., S. 16 ff.) und somit vermehrt positive Signale bei den Jugendlichen zu konstatieren. Bemerkenswert ist dennoch dass, die sozial schwächste Schicht sich entgegen der vorgenannten Trends rückläufig in ihrem Optimismus verhält und die eigene schichtspezifische Lage durchaus negativ beurteilt. Während die zweitschwächste Schicht nahezu die gleichen prozentualen Erwartungshaltungen wie vormals aufweist. Wenn jedoch insgesamt bei Betrachtung aller Schichten ein positives Fazit im Zeitvergleich der Studien gezogen werden kann und die bei­den sozial schwächsten Schichten verharren bzw. sich eher negativ äußern, kann man attes­tieren, dass die Kluft zwischen den sozialen Schichten auf ihren Optimismus bezogen größer wird. Konkret auf die Fragestellung dieser Arbeit können insbesondere die Aussagen über das Freizeitverhalten Jugendlicher sowie des Nachhilfeverhaltens herangezogen wer­den. So wies die Shell-Studie 2010 nach, dass 24% der Jugendlichen (vgl. ebd., S. 81) im Alter von 12-21 Jahren, welche eine Schule besuchen, auch Nachhilfe in Anspruch nehmen. Wobei 40% dieser Personen als der Unterschicht bzw. der unteren Mittelschicht zugehörig klassifiziert worden sind. Gesamt wurden mit der Einschränkung auf 12-21 jährige, die eine Schule besuchen, in der Studie reell 1.910 Personen befragt. Davon besuchten 20% die Hauptschule, 24% die Realschule und 44 % das Gymnasium. Erkennbar ist auch (vgl. ebd., S. 77), dass Schüler der Hauptschule eine 39%ige Versetzungsgefahr aufweisen, während dies nur bei 22% der Schüler des Gymnasiums ebenso der Fall ist. Die beiden unteren Schichten stellen jedoch gesamt einen Anteil von 79% der versetzungsgefährdeten Schüler in ihrer Gesamtheit dar, hier kann jedoch kein Rückschluss auf die besuchte Schulform oder das Geschlecht des versetzungsgefährdeten Schülers gezogen werden. Bezogen auf das Freizeitverhalten, welches in vorliegender Studienbetrachtung mit Aussagen zur Teilnahme am Sportvereinsleben in Frage 10 des Fragebogens operationalisiert ist, sind im Kapitel 2.3.2 (ebd., S. 96 ff.) der betrachteten

Veröffentlichung Aussagen getroffen wurden. So kön­nen die Jugendlichen aus einem Katalog mit Aktivitäten fünf Lieblings-bzw. Hauptaktivitäten benennen, wobei hier 29% der Jugendlichen angaben sich im Vereinssport zu betätigen. Mittels einer „Hauptkomponenten-Faktorenanalyse“ (ebd., S. 98) wurden die genannten Freizeitaktivitäten der Jugendlichen zu vier Obergruppen zusammengefasst und dann einer Zusammenhangsanalyse unterzogen. In dieser wiederum weisen die beiden niedrig einge­stuften sozialen Schichten lediglich bei der Obergruppe der Medienfreaks mit Aktivitäten der Internetnutzung u.ä. einen höheren prozentualen Anteil als die anderen Schichten auf (ebd., S. 100). Eine Zusammenhangsanalyse ist anhand der vorliegenden Tabellen leider nicht in Bezug auf die Altersgruppenintervalle und Schichtzugehörigkeit zum Vereinssport möglich.

2.2 Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten (AIDA) 2009

Als zweites soll die Studie „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten (AID:A) aus dem Jahr 2009 hinsichtlich der Forschungsthematik näher betrachtet werden. Hinter dieser Studie des Deutschen Jugendinstitutes, welche im Auftrag des Bundesfamilienministeriums durchge­führt worden ist, verbirgt sich die Zielsetzung „für alle Bewohner in Privathaushalten unter 55 Jahren Aussagen über ihre Lebensverhältnisse, Einstellungen und andere Merkmale ma­chen zu können“ (Rauschenbach & Bien, 2012, S. 235). Auch sollten die bisher durchgeführ­ten Surveys des DJI der Sparten Kinder, Jugend sowie Familie in ein gemeinsames, so bis­her noch nicht dagewesenes, Erhebungs-und Auswertungsdesign überführt werden (Aust u.a., 2010, S. 3). Anders als in der im vorigen Kapitel betrachteten 16. Shell-Jugendstudie werden in diese Erhebung Personen aus fünf Lebensjahrzehnten einbezogen, es handelt sich also nicht um eine reine Jugendbetrachtung. Es sollen so „mittelfristig Erkenntnisse über die Zusammenhänge sozialer Differenzierungsprozesse mit Blick auf die Entwicklung von Kindern, Jugendlichen und Familien“ (Rauschenbach & Bien, 2012, S. 22) generiert werden. Es handelt sich hierbei um eine quantitative Längsschnitterhebung, welche in einem mehr­stufigen Auswahlverfahren den Anspruch verfolgt eine Gesamtheit von „25000 Einheiten“ (ebd., S. 236) ihrer Untersuchung zugrunde zu legen. Dabei sollten die bis 18-Jährigen einen Anteil von 48% erhalten. So wurden in einer ersten Auswahlstufe eine Stichprobe von 295 Gemeinden ermittelt, wobei hier größere Gemeinden mehrfach berücksichtigt sind um eine Validität der getroffenen Gemeindeauswahl gewährleisten zu können. Sodann wurden aus den Einwohnermelderegistern mittels einer Personenstichprobe fünf Alterskohorten gebildet, aus denen „die Ziehung der Einsatzstichprobe“ (Aust u.a., 2010, S. 26) erfolgte. Im Erhe­bungszeitraum vom 04.06.2009 bis zum 30.11.2009 wurden standardisierte Fragebögen in Telefoninterviews sowie ergänzende Online-Fragebögen für Partner verwendet, wobei es zur Verwendung dreier verschiedener Fragebögen und daraus resultierender Interviewkonstella­tionen kam. So wurden um altersgerechte Unterschiede zu erfassen bzw. auszugleichen zur Erhebung bei den bis 8-Jährigen die Eltern befragt, während bei den 9-17 jährigen zusätzlich bereits eine Selbstauskunft ermöglich wurde und dies das einzige Interviewdesign bei den Jugendlichen und Erwachsenen ab dem 18. Lebensjahr darstellte. Dabei ist das „sogenannte CATI-Interview[11] (ebd., S. 17) zur Anwendung gekommen, wobei die Fragen des Interviewers aus dem Computer vorgelesen und auch sofort die Antworten dort eingegeben werden. Dies bietet aufgrund der ohne Zeitverlust erfolgten Übertragung den Vorteil einer unverfälschten Übernahme der Antworten der Befragten. Aufgrund der breit angelegten Erhebung und der daraus gewonnenen Datenvielfalt sind vielfältige Auswertungen und so auch verschiedenste Aussagen über festgestellte Zusammenhänge möglich. So stellen u.a. Gille und Hoffmann- Lange (201 3, S. 9) fest, dass „Die heutige junge Generation ist politisch eher aktiver als frühere Generationen.“. Jedoch auch, dass dabei die Bildung des Jugendlichen einen wichti­gen Indikator dafür darstellt. Hinsichtlich von Benachteiligungen beim Aufwachsen von Kin­dern und Jugendlichen werden Häufigkeiten der Teilnahme mit der Höhe des verfügbaren Familieneinkommens in Verhältnis gesetzt. Auch wird deutlich „dass der soziale Status der Eltern eher ein Risiko für mögliche Benachteiligungen birgt als deren ethnische Herkunft.“ (BMFSFJ, 2010). In diesem Zusammenhang muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass diese Studie auch die methodische Unschärfe der überrepräsentierten bildungshöheren Fa­milien in sich trägt. Daher „sollten bildungssensitive Analysen zurückhaltend interpretiert werden“(Aust u.a., 2010, S. 239). Aufgrund der eingangs geschilderten Altersgruppenbe­schränkung kommen für die Analysen die Jugendlichen unter 18 Jährigen in Betracht, deren Nettofallzahl beträgt ungewichtet 12.426 (vgl. ebd., 2010, S. 85). Es wird auf die sich in der Forschungsdatenbank des Deutschen Jugendinstitutes (Forschungsdatenbank Beta, 2012) befindlichen Datensätze zurückgegriffen, die eine nochmalige Unterteilung in drei Alters­gruppenklassen vornehmen. Die zweitjüngste Kohorte umfasst die 9-12 jährigen, die Le­bensaltersspanne, in welcher der Übergang von Kindheitsphase zur Jugend erfolgt, und wird aus fehlenden Differenzierungsmöglichkeiten der zu betrachtenden 11 und 12 jährigen außer Acht gelassen. Es wird also die Altersklassengruppe der 13-17 jährigen Zielkinder betrachtet. Hinsichtlich des Untersuchungsgegenstandes sind die Datensätze zur Mitgliedschaft im Sportverein bzw. in Musikschule oder Tanzverein sowie der Teilnahme an Nachhilfe außer­halb der Schule von Interesse. Dazu können zu Beginn, die sich in der Forschungsdaten­bank des Deutschen Jugendinstitutes befindlichen Datensätze analysiert werden, deren Grundgesamtheit 2.595 gültige Personen umfasst. So liefert der Datensatz 1770 die Antwort, dass 21,54 % der 13-17 jährigen Zielkinder außerhalb der Schule Nachhilfe erhalten. Davon gaben im Datensatz 1771 etwa 90% an, dass dies ein kostenpflichtiges Angebot ist, welches privat bezahlt wird. Auch kann für die Korrelationsauswertungen aus der AID:A Erhebung auf die Bildungsberichterstattung 2012 (Bildungsbericht 2012, S. 86-87) in Textform und in tabel­larischer Form des Anhanges (vgl. ebd., S. 267) zurückgegriffen werden. Dort ist ersichtlich, dass Schüler, deren Eltern einen niedrigen Schulabschluss besitzen, durchschnittlich um 5 Prozentpunkte weniger Nachhilfeangebote in Anspruch nehmen. Auch der Besuch der Hauptschule, wenn auch aufgrund geringer Fallzahlen statistisch nicht belastbar, scheint ein weiteres Indiz für eine geringe Inanspruchnahme zu sein. Die geschlechtsspezifischen Un­terschiede wie auch die Erwerbstätigkeit der Eltern scheinen diesen Auswertungen folgend bei einer Inanspruchnahme dagegen keine große Rolle zu spielen. Bezogen auf die Teilhabe im Sportverein sind die Datensätze 1934 und 1938 (Forschungsdatenbank Beta, 2012) von Interesse, welche die Häufigkeit von kultureller oder sportlicher Vereinsmitgliedschaft für diese Altersklasse darstellen. Die Grundgesamtheit beträgt hier 2.829 Fälle mit gültigen Ant­wortsätzen, wobei 63,31 % der Jugendlichen angeben in einem Sportverein und immerhin derer noch 26,33 % in einem Gesangs- oder Musikverein, einer Theatergruppe oder ähnli­chem Mitglied zu sein. An dieser Stelle sind Überschneidungen möglich, da es für engagierte Jugendliche sowie Jugendliche mit einkommensstarken Haushalten möglich erscheint beide Aktivitäten zu betreiben.

2.3 DIW-Wochenberichte zum Freizeitverhalten Jugendlicher bzw. zur Nachhilfe

Als nächstes sollen zwei Studien des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung e.V. Ber­lin (DIW Berlin), einmal zum Freizeitverhalten Jugendlicher aus dem Jahr 2013 und zum zweiten zur Nachhilfesituation Jugendlicher von 2016, kurz dargestellt und analysiert wer­den. Der Grund für die gemeinsam in einem Kapitel erfolgende Darstellung liegt, trotz der verschiedenen Durchführungs-und Erscheinungsdaten, im gleichermaßen erfolgten Rückgriff auf Erhebungen der Wiederholungsbefragung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) und damit in derselben Systematik einer quantitativen Längsschnittbefragung. Das SOEP setzt Daten und Angaben der Eltern, wie z.B. Bildung, Einkommen und Migrationshinter­grund mit den Daten der Jugendlichen in einen Zusammenhang (vgl. Hille, Arnold & Schupp, 2013, S. 16). Im Rahmen dieser Befragung werden „derzeit jedes Jahr etwa 30000 Personen in rund 15000 Privathaushalten.“ (“(Hille, Spieß & Staneva, 2016, S. 112-113) befragt. Für die Erstellung der Nachhilfe-Studie ist noch ergänzend auf Daten der Studie „Familien in Deutschland“ (FiD) zurückgegriffen worden. Auch wenn für beide Studien die Daten der be­fragten Jugendlichen in Kohorten von Geburtsjahrgängen zusammengefasst wurden, soll vorwiegend die Erhebung bei der jeweilig jüngsten Kohorte betrachtet werden.

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Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Soziale Ungleichheit außerhalb der Schule
Untertitel
Eine Betrachtung des Zuganges zu Angeboten non-formaler Bildung und Teilhabe von Jugendlichen
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften)
Note
1,70
Autor
Jahr
2017
Seiten
23
Katalognummer
V461494
ISBN (eBook)
9783668890503
ISBN (Buch)
9783668890510
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildung und Teilhabe, Nachilfe, AiD:A, Jugendphase, Lernprozesse
Arbeit zitieren
Christian Kaupke (Autor), 2017, Soziale Ungleichheit außerhalb der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461494

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