Diese Hausarbeit soll einen kleinen Überblick über Alfred Schütz’ Theorie zur Konstitution des subjektiven Sinns und das damit zusammenhängende Problem der Intersubjektivität geben. Dabei beziehe ich mic h primär auf Schütz’ Buch „Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt“. Aufgrund des begrenzten Umfangs der Arbeit werde ich mich dabei auf wesentliche Aspekte beschränken und diese mit Beispielen näher erläutern.
Zunächst beschäftige ich mich mit Schütz’ Vorstellungen über die Konstitution des subjektiven Sinns. Darauf folgend bearbeite ich seine Ausführungen zum Funktionieren von Handlungen und wie ihnen ein Sinn zugeschrieben wird. Anschließend behandele ich das Problem der Intersubjektivität und Schütz’ Versuch dieses Problem zu lösen. Zum Ende meiner Arbeit werde ich kurz meine Meinung über die hier dargelegten Sachverhalte äußern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.2 Konstitution von intentionalen Objekten
2.2 Der Entwurf von Handlung
2.3 Sinngebung als eine reflexive Zuwendung
2.4 Motiv
2.4.1 Um-zu-Motiv
2.4.2 Weil-Motiv
2.5 Das Problem der Intersubjektivität
2.5.1 Die Generalthese reziproker Perspektiven
2.5.2 Typisierung
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über Alfred Schütz’ Theorie zur Konstitution des subjektiven Sinns und untersucht das damit verknüpfte Problem der Intersubjektivität, insbesondere die Frage, wie ein Verständnis fremden Verhaltens im Alltag möglich ist.
- Die Konstitution intentionaler Objekte durch Bewusstsein und Reflexion.
- Die Unterscheidung zwischen Handeln und Verhalten sowie der Entwurf von Handlungen.
- Die Differenzierung von Um-zu-Motiven und Weil-Motiven in der Motivationsanalyse.
- Die Rolle von Idealisierungen und Typisierungen für das soziale Fremdverstehen.
Auszug aus dem Buch
2.4.1. Um-zu-Motiv
Das Um-zu-Motiv ist „integraler Teil des Handelns“. Zur Verdeutlichung des Zusammenhangs ein Beispiel. Wenn A den Entschluss gefasst hat, mit der Straßenbahn in die Universität zu fahren, vollzieht sich dieses Handeln, wie oben beschrieben, nach einem Entwurf. Dieser ist an der modo futuri exacti abgelaufenen phantasierten Handlung orientiert. Das Handeln dient also dem Erreichen der Universität. Das Motiv seines Handelns kann also mit dem zukünftigen Ziel der Handlung angegeben werden.
„Die modo futuri exacti als abgelaufen entworfene Handlung, an welcher das Handeln orientiert ist, [ist] für den Handelnden Motiv.“ Dies ist genau gesagt ein Um-zu-Motiv. A handelt, um das Ziel zu erreichen. Aus welchem Grund er den Entwurf vollzieht sagt dieses Motiv nicht aus, da es nur auf das zu erreichende Ziel ausgerichtet ist und damit den Entwurf leitet. Das Um-zu-Motiv ist also zentraler Bestandteil der Handlung. Es ist nicht die Motivation des Entwurfs selbst, sondern die Motivation einen phantasierten Plan in die Tat umzusetzen.
„Das Um-zu-Motiv motiviert daher das „wollende fiat“ die Entscheidung „Los!“, die das innere, vorstellende Phantasieren in eine Ausführung oder ein in die äußere Welt gerichtetes Handeln umwandelt.“
„Ich werde [...] auf die Frage nach dem Motiv meines Handelns, regelmäßig dann mit ‚um-zu’ antworten, wenn das Handlungsziel noch den Zeitcharakter des zukünftigen trägt, d.h. wenn die Handlung zwar entworfen, aber noch nicht durch ein konkretes Handeln realisiert ist.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert das Vorhaben, Schütz’ Theorie der Konstitution subjektiven Sinns und das Problem der Intersubjektivität auf Basis seines Werkes „Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt“ zu behandeln.
2. Hauptteil: Der Hauptteil erläutert die phänomenologischen Grundlagen der Sinnkonstitution, die Struktur von Handlung und Motiv sowie die Mechanismen der Intersubjektivität.
2.2 Konstitution von intentionalen Objekten: In diesem Abschnitt wird erklärt, wie das Bewusstsein durch Reflexion und den Zeitfluss der „Dauer“ (durée) intentionale Objekte aus dem Erleben heraushebt.
2.2 Der Entwurf von Handlung: Hier wird analysiert, dass Handeln auf einem „modo futuri exacti“-Entwurf basiert, bei dem die Handlung in der Vorstellung bereits als abgeschlossen betrachtet wird.
2.3 Sinngebung als eine reflexive Zuwendung: Dieses Kapitel verdeutlicht, dass Sinn durch die reflexive Zuwendung zu abgeschlossenen oder als abgeschlossen gedachten Handlungen entsteht und Sinnzusammenhänge bildet.
2.4 Motiv: Dieser Teil führt in die Motivationsanalyse ein, wobei das Motiv als sinnhafter Grund für ein Handeln definiert wird.
2.4.1 Um-zu-Motiv: Dieses Kapitel erläutert das Um-zu-Motiv als zukunftsorientiertes Handlungsziel, das den Entwurf in die Tat umsetzt.
2.4.2 Weil-Motiv: Hier wird das Weil-Motiv als Rückbezug auf vergangene Erlebnisse beschrieben, das für den Handelnden oft erst in der rückschauenden Betrachtung erkennbar wird.
2.5 Das Problem der Intersubjektivität: Dieser Abschnitt thematisiert die Schwierigkeit, als „einsames Ich“ den subjektiven Sinn eines Anderen zu erfassen.
2.5.1 Die Generalthese reziproker Perspektiven: Hier werden die Idealisierungen der „Vertauschbarkeit der Standpunkte“ und der „Kongruenz der Relevanzsysteme“ als Brücken zum Fremdverstehen vorgestellt.
2.5.2 Typisierung: Dieses Kapitel erklärt, wie durch die Konstruktion von „Typen“ von Personen und Handlungen die Komplexität des sozialen Verstehens für praktische Zwecke reduziert wird.
3. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung bewertet Schütz’ Beitrag zur soziologischen Theorie und unterstreicht die Aktualität seiner Ansätze für die heutige Sozialwissenschaft.
Schlüsselwörter
Alfred Schütz, subjektiver Sinn, Intersubjektivität, Phänomenologie, intentionales Objekt, Handlungsentwurf, Um-zu-Motiv, Weil-Motiv, reziproke Perspektiven, Typisierung, face-to-face relation, Mitmenschen, interpretative Soziologie, Lebenswelt, Sinnkonstitution.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Theorie von Alfred Schütz, insbesondere mit seiner Analyse zur Konstitution des subjektiven Sinns und den Möglichkeiten des Fremdverstehens im Alltag.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die phänomenologische Fundierung von Handlungen, die Unterscheidung verschiedener Motivtypen und die Mechanismen, durch die Individuen den Sinn des Handelns anderer erfassen können.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen Überblick über Schütz’ Denken zu geben, um zu erklären, wie Sinn entsteht und wie soziale Interaktion trotz der subjektiven Verschiedenheit von Individuen möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung und Interpretation der phänomenologischen Soziologie von Alfred Schütz, insbesondere seines Hauptwerks „Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt“.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Konstitution intentionaler Objekte, den Entwurf von Handlungen, die Unterscheidung zwischen Um-zu- und Weil-Motiven sowie die Rolle von Typisierungen und Idealisierungen für das soziale Verstehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind subjektiver Sinn, Motivationsanalyse, Intersubjektivität, Reziprozität der Perspektiven und Typisierung.
Wie unterscheidet Schütz zwischen Um-zu- und Weil-Motiven?
Das Um-zu-Motiv ist ein zukunftsorientiertes Ziel des Handelns, während das Weil-Motiv einen Rückbezug auf vergangene, motivierende Erlebnisse darstellt, die das Handeln beeinflussen.
Warum ist das Fremdverstehen laut Schütz eine Reduktion von Informationen?
Da der volle subjektive Sinn eines Anderen unzugänglich ist, greifen Akteure auf Typisierungen zurück, die eine Vereinfachung darstellen und nur für praktische Zwecke im Alltag hinreichend sind.
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- Andreas Daniel (Author), 2005, Alfred Schütz: Zu der Konstitution des subjektiven Sinns und der Frage, wie Fremdverstehen möglich ist, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46153