Die Arbeit hat zum Ziel, das Gedicht "Am Turme" im Hinblick auf die Darstellung des biedermeierlichen
Frauenbildes zu untersuchen. Hierfür wird zunächst das Rollenverständnis der adeligen Frau im Biedermeier thematisiert. Im Anschluss wird das Gedicht in Hinblick auf eben dieses analysiert. Abschließend wird ein kurzes Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rollenverständnis der adeligen Frau im Biedermeier
3. Analyse des Gedichts Am Turme
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Gedicht Am Turme von Annette von Droste-Hülshoff unter dem speziellen Fokus auf der Darstellung des biedermeierlichen Frauenbildes und analysiert, wie die gesellschaftlichen Restriktionen der Epoche das lyrische Ich in seinem Wunsch nach Unabhängigkeit beeinflussen.
- Gesellschaftliche Rahmenbedingungen der Frau im Biedermeier
- Analyse des Spannungsfeldes zwischen individueller Freiheit und patriarchalen Zwängen
- Interpretation der symbolischen Ebene (Natur, Raum, Geschlechterrollen)
- Untersuchung der formalen Gestaltung des Gedichts und deren Wirkung
- Thematisierung der fiktiven Natur von Befreiungsprozessen
Auszug aus dem Buch
3. Analyse des Gedichts Am Turme
In der ersten Strophe steht das lyrische ich „auf hohem Balkon“12. Es kann seine gesamte Umgebung beobachten, jedoch nicht aktiv an eben dieser teilnehmen. Während das lyrische Ich auf dem Balkon steht, wird es von einem schreiender Star umstrichen.13 Der Star ist ein Zugvogel und symbolisiert zum Einen die Freiheit, zum Anderen betonen das Schreien des Stares sowie das Umstreichen eine gewisse Unruhe. In Vers drei ist von einer „Mänade“ (v. 3) die Rede. Diese symbolisiert ein wildes, ungezähmtes Enthemmungspotential des lyrischen Ichs. Dieses Enthemmungspotential kann nur partiell ausgelebt werden. Ein Zeichen dafür sind die offenen Haare, die im vierten Vers erwähnt werden. Die Passivkonstruktion „Mir wühlen im flatternden Haare“ (v. 4) betont außerdem, dass das lyrische Ich nicht selbstbestimmt ist, sondern dass es unter Einfluss steht. Frauen des Biedermeier trugen aufwändige Frisuren und ordneten sich so den gesellschaftlichen Strukturen unter.14 Die offenen Haare, die vom Wind aufgewühlt werden, symbolisieren demnach einen gewissen Widerstand. Das lyrische Ich versucht sich durch das Öffnen der Haare, diesem Zwang zu entziehen. Schon in der ersten Strophe wird die Sehnsucht nach Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung deutlich. Auffällig ist, dass das lyrische Ich lediglich steht.15 Alles um es herum ist jedoch aktiv.16 Während in den ersten vier Versen der Indikativ Präsens verwendet und somit der Fokus auf der aktuelle Situation liegt, findet in den darauf folgenden Versen ein Wechseln in den Konjunktiv statt. Das lyrische Ich verspürt den Wunsch, aus seinem jetzigen Leben auszubrechen und seinem Verlangen beziehungsweiseseiner Begierde nachzugeben. Anstatt die Situation passiv über sich ergehen zu lassen, möchte es selbst aktiv werden, was in Vers sechs mit „Ich möchte dich kräftig umschlingen“ deutlich wird. Es möchte unabhängig sein, auch wenn es um Leben und Tod geht. Das lyrische Ich scheint bereit, für die Selbstbestimmtheit und Unabhängigkeit dieses Risiko eingehen zu wollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt Annette von Droste-Hülshoff als bedeutende Autorin des Biedermeier vor und führt in die Fragestellung ein, wie das Gedicht Am Turme das Frauenbild dieser Epoche widerspiegelt.
2. Rollenverständnis der adeligen Frau im Biedermeier: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen, gesellschaftlichen und erzieherischen Rahmenbedingungen, die Frauen im 19. Jahrhundert in eine passive und abhängige Rolle drängten.
3. Analyse des Gedichts Am Turme: Hier erfolgt eine detaillierte Untersuchung des Gedichts unter Berücksichtigung von Metrum, Reimschema, Metaphorik und der Entwicklung des lyrischen Ichs vom Freiheitswillen zur Resignation.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Gedicht den Wunsch nach Selbstbestimmung als fiktiven, durch gesellschaftliche Konventionen begrenzten Prozess darstellt.
Schlüsselwörter
Annette von Droste-Hülshoff, Am Turme, Biedermeier, Frauenbild, Emanzipation, Rollenverständnis, Patriarchat, Lyrik, Freiheit, Unabhängigkeit, Selbstbestimmung, Geschlechterrolle, Konventionen, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Gedicht Am Turme von Annette von Droste-Hülshoff im Kontext der gesellschaftlichen Rollenerwartungen an die Frau in der Biedermeierzeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind das gesellschaftliche Frauenbild des 19. Jahrhunderts, der Wunsch nach weiblicher Unabhängigkeit und die Darstellung von Freiheit und Grenze in der Lyrik.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem individuellen Freiheitswunsch des lyrischen Ichs und den realen gesellschaftlichen Fesseln im Biedermeier anhand des Gedichts aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es handelt sich um eine textimmanente Gedichtanalyse, die durch historische Kontextualisierung der Epoche und literaturwissenschaftliche Sekundärliteratur gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einbettung des Frauenrollenverständnisses und eine systematische Strophenanalyse des Gedichts unter Berücksichtigung formaler und inhaltlicher Aspekte.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Biedermeier, patriarchale Strukturen, lyrisches Ich, Grenzüberschreitung und fiktive Erlösung.
Warum spielt die Metaphorik im Gedicht eine so große Rolle für die Argumentation?
Die Metaphorik (wie etwa Jagd, Seefahrt oder Soldatenleben) dient als Sprachrohr für den unterdrückten Wunsch des lyrischen Ichs nach aktivem Handeln, der der Frau im Biedermeier gesellschaftlich verwehrt war.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des lyrischen Ichs am Ende?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Befreiung des lyrischen Ichs nur in einer Vision stattfindet; real ordnet es sich am Ende den gesellschaftlichen Konventionen wieder unter.
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- Anonym (Author), 2019, Das Frauenbild in Annette von Droste-Hülshoffs Gedicht "Am Turme", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461639