Das Ziel dieser unterrichtspraktischen Prüfung im Fach Latein ist die Erschließung des Ausgangs der Phaedrusfabel "vulpes et hircus" ("Phaed." IV, 9; 10-12) und die Bewertung des Verhaltens der Fabeltiere im Spannungsverhältnis von Klugheit und Rücksichtslosigkeit sowie Hilfsbereitschaft und Naivität zur Steigerung der Text- und Kulturkompetenz. Dabei geht es um moralisches Lernen anhand ausgewählter "fabulae" des Phaedrus als Spiegel menschlicher und unmenschlicher Verhaltensweisen und eine Einführung in die Originallektüre.
Dabei gibt es mehrere Ziele: Die SuS können das Verhalten der Fabeltiere unter Berücksichtigung des Spannungsverhältnisses ihrer Charaktereigenschaften bewerten, indem sie den Ausgang der Fabel übersetzen und die Fabeltiere charakterisieren. Die SuS können anhand eines Bildimpulses sowie ihres Gattungswissens eine begründete Erwartungshaltung an den Ausgang der Fabel formulieren, indem sie anhand eines Bildimpulses den bereits erschlossenen Text rekapitulieren.
Die SuS können den Text textlinguistisch mithilfe des Lehrervortrags vorerschließen, indem sie Verben der Bewegung und die zugehörigen Handlungsträger markieren und so ihre Vorerwartungen mit ihrem ersten Textverständnis abgleichen. Die SuS können den Ausgang der Fabel erläutern, indem sie den Ausgang der Fabel rekodieren und ihre Übersetzung vergleichen. Die SuS können das Verhalten der Fabeltiere reflektieren, indem sie die Fabeltiere anhand ihrer Handlungen charakterisieren und auf der Grundlage dieser Charakterisierung beurteilen. Die SuS können die Fabel textimmanent interpretieren, indem sie das Zusammenwirken von inhaltlicher Aussage und sprachlicher Gestaltung in dem Textabschnitt untersuchen. Die SuS können die Fabel anhand eines existentiellen Transfers textübergreifend interpretieren, indem sie die beispielhafte Darstellung menschlichen Verhaltens reflektieren und so Parallelen in der Gegenwart finden.
Inhaltsverzeichnis
1. Thema der Unterrichtsreihe
2. Thema der Unterrichtsstunde
3. Stundenziel
4. Teilziele
5. Verlaufsplan
6. Tabellarische Darstellung der geplanten Unterrichtsreihe
7. Begründung zentraler Aspekte der Unterrichtskonzeption
8. Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die schriftliche Arbeit zielt darauf ab, den Lernenden die Erschließung und Interpretation der Phaedrusfabel „vulpes et hircus“ zu ermöglichen, um dabei moralische Verhaltensweisen im Spannungsfeld von Klugheit, Naivität und Rücksichtslosigkeit kritisch zu bewerten.
- Methodische Erschließung antiker Fabeltexte (Textkompetenz)
- Reflexion menschlicher Verhaltensweisen durch Fabeltiere (Kulturkompetenz)
- Binnendifferenzierung zur Förderung individueller Lernwege
- Historische Kommunikation und existentieller Transfer
Auszug aus dem Buch
Begründung zentraler Aspekte der Unterrichtskonzeption
Die Erschließung des Ausgangs der Phaedrusfabel IV,9 vulpes et hircus sowie eine erste, textimmanente Interpretation bildet im Sinne der historischen Kommunikation als Leitziel des Lateinunterrichts den Schwerpunkt dieser Lektürestunde. Mithilfe einer textlinguistischen Vorerschließung soll es im Hinblick auf die Förderung der Textkompetenz allen Lernenden ermöglicht werden, einen Zugang zum lateinischen Text zu erlangen, sodass sie diesen anschließend übersetzen und textimmanent interpretieren können. Im Zuge dessen wird eine Grundlage für eine vertiefende Interpretation geschaffen, welche den Schwerpunkt der folgenden Unterrichtsstunde bildet. Damit tangiert die vorliegende Stunde alle drei Kompetenzbereiche und folgt einer deutlichen Progression.
Diese Unterrichtsstunde entspricht den Vorgaben des Kernlehrplans sowie des schulinternen Curriculums, welche im Rahmen der Textkompetenz erwarten, dass die SuS leichtere und mittelschwere Originaltexte dekodieren, rekodieren und interpretieren können. Dazu sollen sie „textsemantische Merkmale und textsyntaktische Merkmale weitgehend selbständig aus den Texten herausarbeiten und darstellen“. Zudem erweitern sie ihre Textkompetenz dadurch, dass sie diese Texte durch die Darstellung des Textinhaltes und seiner Intention sowie durch den Nachweis sprachlich-stilistischer Mittel interpretieren. Außerdem reflektieren und bewerten sie die Textaussage, um diese „nach kritischer Prüfung für ihr eigenes Urteilen und Handeln nutzen“ zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Thema der Unterrichtsreihe: Beschreibung des moralischen Lernens anhand der Fabeln des Phaedrus als Spiegel menschlichen Verhaltens.
2. Thema der Unterrichtsstunde: Spezifizierung des Stundenthemas zur Erschließung und Bewertung des Ausgangs der Fabel „vulpes et hircus“.
3. Stundenziel: Formulierung der Zielsetzung, das Verhalten der Fabeltiere durch Übersetzung und Charakterisierung zu bewerten.
4. Teilziele: Auflistung der prozessorientierten Teilziele von der Vorerschließung bis zur abschließenden Reflexion.
5. Verlaufsplan: Detaillierte Darstellung der Unterrichtsphasen mit Sozialformen, Medien und methodischem Kommentar.
6. Tabellarische Darstellung der geplanten Unterrichtsreihe: Übersicht über die geplante Abfolge der Unterrichtsstunden und Schwerpunkte.
7. Begründung zentraler Aspekte der Unterrichtskonzeption: Theoretische Herleitung der methodischen Entscheidungen und Analyse der Lerngruppe.
8. Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge: Einordnung der Reihe in den Kernlehrplan und Legitimation der Übergangslektüre.
Schlüsselwörter
Lateinunterricht, Phaedrus, Fabeln, Textkompetenz, Kulturkompetenz, Interpretation, Binnendifferenzierung, Moral, Sprachsensibler Unterricht, historische Kommunikation, existentieller Transfer, vulpes et hircus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert die Planung einer unterrichtspraktischen Prüfung im Fach Latein, die sich mit der Interpretation einer Fabel des Phaedrus beschäftigt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum steht das moralische Lernen, die Textanalyse, die Charakterisierung literarischer Figuren und der Transfer auf die Lebenswelt der Schüler.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Steigerung der Text- und Kulturkompetenz durch die Erschließung und Bewertung des Verhaltens der Fabeltiere im Spannungsfeld von Klugheit und Rücksichtslosigkeit.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es kommen unter anderem textlinguistische Vorerschließungsmethoden, handlungs- und produktionsorientierte Verfahren sowie differenzierende Lernarrangements zum Einsatz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst den Verlaufsplan der Stunde, die tabellarische Übersicht der Reihe sowie die didaktisch-methodische Begründung der Unterrichtskonzeption.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Textkompetenz, Fabellektüre, Differenzierung und historische Kommunikation definiert.
Warum wurde Phaedrus als Übergangslektüre gewählt?
Phaedrus eignet sich aufgrund seiner sprachlichen Schlichtheit, der formalen Schematisierung und des hohen didaktischen Potentials zur Reflexion von Verhaltensweisen ideal für den Übergang.
Wie wird mit der Heterogenität der Lerngruppe umgegangen?
Die Lehrperson setzt auf Binnendifferenzierung nach Leistung und Tempo durch den Einsatz von Hilfskarten (Auxilia) und Zusatzaufgaben (Additum) sowie leistungsheterogene Partnerarbeit.
Welchen Stellenwert hat die "historische Kommunikation"?
Sie bildet das Leitziel des Lateinunterrichts und ermöglicht es den Schülern, sich in antike Sichtweisen hineinzuversetzen und diese kritisch mit der eigenen Lebenswelt zu verknüpfen.
Was bedeutet der "existentialle Transfer" in diesem Kontext?
Es geht darum, den Schritt vom besonderen Fall der Fabel zum Allgemeinen zu machen, um die Schüler für anthropologische Grundfragen und eigenes Handeln zu sensibilisieren.
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- Anonym (Autor), 2019, Unterrichtspraktische Prüfung für die 9. Klasse im Fach Latein zu den "fabulae IV,4" von Phaedrus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461668