Im Rahmen dieser wissenschaftlichen Hausarbeit wird der Frage nachgegangen, welches Menschenbild die Qualitätssicherungsbemühungen in der heilpädagogischen Arbeit innerhalb der Behindertenhilfe aktuell leitet. Worin sich das Menschenbild von Qualitätssicherungssystemen und das Menschenbild der Heilpädagogik unterscheiden, wird aufgrund einer ethischen Reflexion genauer fokussiert. Vor diesem Hintergrund frage ich weiter nach notwendigen, hilfreichen und gültigen Folgerungen für die heilpädagogische und qualitätssichernde Arbeit.
Zunächst wird dargestellt, wie die Qualitätssicherung innerhalb eines allgemeinen Qualitätsmanagementsystems verortet ist: es wird beleuchtet, welche Herkunft und welches Ziel, welcher Qualitätsbegriff und welches Menschenbild hinter einem allgemeinen Qualitätsmanagementsystem stehen und dieses bestimmt. Schließlich wird aufgeführt, welche Instrumente der Qualitätssicherung aktuell in der Behindertenhilfe zum Einsatz kommen und welchen Einfluss sie in der heilpädagogischen Arbeit ausüben.
Demgegenüber wird die Herkunft und das Ziel der Heilpädagogik, sowie der Qualitätsbegriff und das Menschenbild der Heilpädagogik beleuchtet.
Erste daraus zu folgernde Kriterien zur Sicherung heilpädagogischer Qualität werden kurz skizziert.
Anschließend sollen zwei mögliche ethische Reflexionsebenen vorgestellt werden, aufgrund derer die Gegenüberstellung der Hintergründe des Menschenbilds von Qualitätssicherungssystemen und der Heilpädagogik verdichtet reflektiert werden soll : die utilitaristische, nach dem Nutzen fragende Ethik und die deontologische, nach den Werten innerhalb und außerhalb unseres Menschseins fragende Ethik. Diese zweite Ebene möchte ich, in der einer Hausarbeit gebotenen Kürze, mit einem kleinen Exkurs über die christozentrische Ethik Diedrich Bonhoeffers vertiefen.
Vor diesem Verständnis ethischer Reflexion soll quasi die Quintessenz des Unterschieds der gegenübergestellten Menschenbilder herausgearbeitet werden.
Abschließend möchte ich versuchen aufzuzeigen, welche Formen von Qualitätssicherung in der heilpädagogischen Arbeit der Behindertenhilfe notwendig und hilfreich sein können und der Gefahr des "Qualitätszirkus" (SPECK) entgegenwirken. Welche Qualitäts- bzw. Wertemaßstäbe für die Sicherung der Qualität heilpädagogischer Arbeit Gültigkeit haben und diese leiten sollten, möchte ich in Bezug zu den möglichen Formen und Kriterien hilfreicher heilpädagogischer Qualitätssicherung herausstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Qualitätssicherung - ein Instrument innerhalb eines Qualitätsmanagementsystems
2.1 Definition und Herkunft von Qualitätsmanagement
2.2 Zielstellung von Qualitätsmanagement (QM)
2.3 Der „Qualitätsbegriff“ von QM
2.4 Das Menschenbild von QM
2.5 Qualitätssicherungsinstrumente in der Behindertenhilfe und deren Einfluss auf die praktische Arbeit
3. Heilpädagogik und „Qualität“
3.1 Definition und Herkunft der Heilpädagogik
3.2 Ziel der Heilpädagogik
3.3 Der Qualitätsbegriff in der Heilpädagogik
3.4 Das Menschenbild in der Heilpädagogik
3.5 Erste Kriterien zur Sicherung heilpädagogischer Qualität
4. Ethische Reflexion zur Qualitätssicherung heilpädagogischer Arbeit
4.1 Begriffsklärung und zwei mögliche ethische Reflexionsebenen
4.1.1 Utilitaristische Ethik
4.1.2 Deontologische Ethik
4.1.2.1 Exkurs: christozentrische Ethik Bonhoeffers
4.2 Eine Gegenüberstellung der Menschenbilder von QM und Heilpädagogik
4.3 Welche Ansätze und Formen von Qualitätssicherung sind notwendig in der heilpädagogischen Arbeit und dabei hilfreich ?
4.4 Welche ethischen Qualitäts-und Wertemaßstäbe sind für die Sicherung der Qualität heilpädagogischer Arbeit gültig und sollte diese dabei leiten ?
5. Abschließende Reflexion und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch das Menschenbild, das den aktuellen Qualitätssicherungsbemühungen in der heilpädagogischen Behindertenhilfe zugrunde liegt. Ziel ist es, den potenziellen Widerspruch zwischen ökonomisch orientierten Qualitätsmanagementsystemen und dem ethischen Fundament heilpädagogischer Arbeit durch eine ethische Reflexion aufzuzeigen und daraus sinnstiftende Perspektiven für die Praxis abzuleiten.
- Analyse und Vergleich der Menschenbilder von QM-Systemen und Heilpädagogik.
- Untersuchung der Ökonomisierungsbestrebungen in sozialen Dienstleistungsbereichen.
- Ethische Reflexion mittels utilitaristischer und deontologischer Ansätze (inkl. Bonhoeffer).
- Entwicklung von Kriterien für eine ethisch fundierte heilpädagogische Qualitätssicherung.
- Bedeutung von Organisationskultur und Mitarbeiterbildung als Qualitätsfaktoren.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Qualitätssicherung wird in der konkreten Praxis immer mehr um ein „sich-im-Kreis drehen“, oder gar als „Qualitätszirkus“ (SPECK 1999: 34) erlebt, einerseits wegen der dem Qualitätsmanagement immanenten Paradoxie der nie enden wollenden Flut von ständigen Überarbeitungen von Dokumentationsformen, bei gleichzeitig angestrebter Kostenreduzierung. Andererseits scheint dem Prinzip der Qualitätssicherung eine nie enden wollende Spirale der Perfektionierung und Optimierung, sowohl der Dokumentationsformen, als auch der Arbeit, um die es gehen soll, zu charakterisieren. Und drittens scheint mir dem System Qualitätsmanagement ein gerüttelt Maß von Selbstdarstellungstendenzen innezuwohnen, die vor allem dem Bedürfnis des, von den Leitungen für die Qualitätssicherung beauftragten und dafür spezialisierten Personals, sich nicht unübersehbar theatralisch darstellen zu können (vgl. GOFFMAN 1969), Rechnung trägt. Diese drei Aspekte tragen zu dem sich mir immer mehr verdichtendem Bild von einem Zirkus bei, im Sinne von Speck, nicht ohne einer Zirkusstimmung mit obligatorischer leistungsorientierter Artistik in der Manege. Die Personen bleiben in diesem Bild abstrakt, eine Leitfigur ist nicht erkennbar, die das Publikum durch das Programm führt. Kurz gesagt: in diesem „Zirkusbild“ von Qualitätsmanagement ist das Bild vom Menschen nicht deutlich sichtbar.
Im Rahmen dieser Hausarbeit wird der Frage nachgegangen, welches Menschenbild die Qualitätssicherungsbemühungen in der heilpädagogischen Arbeit innerhalb der Behindertenhilfe aktuell leitet. Worin sich das Menschenbild von Qualitätssicherungssystemen und das Menschenbild der Heilpädagogik unterscheiden, wird aufgrund einer ethischen Reflexion genauer fokussiert. Vor diesem Hintergrund frage ich weiter nach notwendigen, hilfreichen und gültigen Folgerungen für die heilpädagogische und qualitätssichernde Arbeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung problematisiert die zunehmende Ökonomisierung und den „Qualitätszirkus“ in der sozialen Arbeit, der das Menschenbild hinter den Qualitätsmanagementsystemen in den Hintergrund drängt.
2. Qualitätssicherung - ein Instrument innerhalb eines Qualitätsmanagementsystems: Dieses Kapitel erläutert die geschichtliche Genese und die theoretischen Grundlagen des Qualitätsmanagements sowie dessen Übertragung auf die Behindertenhilfe.
3. Heilpädagogik und „Qualität“: Hier werden Herkunft und Ziele der Heilpädagogik beleuchtet und dem industriellen Qualitätsverständnis gegenübergestellt, um erste heilpädagogische Qualitätskriterien zu formulieren.
4. Ethische Reflexion zur Qualitätssicherung heilpädagogischer Arbeit: In diesem zentralen Teil werden utilitaristische und deontologische Ethikansätze diskutiert, um die Verbindung von QM und Heilpädagogik ethisch zu bewerten.
5. Abschließende Reflexion und Ausblick: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und plädiert für eine inklusive Qualitätskultur, die den Menschen wieder in den Mittelpunkt stellt.
Schlüsselwörter
Qualitätssicherung, Qualitätsmanagement, Heilpädagogik, Behindertenhilfe, Menschenbild, Ethische Reflexion, Ökonomisierung, Deontologische Ethik, Utilitarismus, Lebensqualität, Organisationskultur, Bonhoeffer, Inklusion, Wertorientierung, Sozialethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen ökonomisch geprägten Qualitätsmanagementsystemen und den ethisch fundierten Werten der heilpädagogischen Arbeit in der Behindertenhilfe.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Kernbereichen gehören das Qualitätsmanagement, das Menschenbild in der Heilpädagogik, ethische Theorien (Utilitarismus und Deontologie) sowie die Auswirkungen von Sparmaßnahmen auf die pädagogische Qualität.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach dem Menschenbild, das die aktuellen Qualitätssicherungsbemühungen in der Behindertenhilfe leitet, und inwieweit dieses mit einem genuin heilpädagogischen Menschenbild vereinbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine Literaturanalyse in Verbindung mit einer ethischen Reflexion, ergänzt durch die Verknüpfung der theoretischen Modelle mit praktischen Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme von QM-Instrumenten, eine Analyse des heilpädagogischen Qualitätsverständnisses sowie eine tiefgehende ethische Auseinandersetzung mit verschiedenen Moralphilosophien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe wie Qualitätssicherung, Behindertenhilfe, Menschenbild, Ethische Reflexion und Ökonomisierung spiegeln den Fokus der Arbeit wider.
Warum spielt das Bild des „Zirkus“ in der Einleitung eine Rolle?
Der Autor nutzt das „Zirkusbild“, um die seiner Ansicht nach theatralischen, ineffizienten und auf Selbstdarstellung ausgerichteten Aspekte mancher QM-Systeme zu kritisieren.
Welche Bedeutung kommt der christozentrischen Ethik von Bonhoeffer zu?
Sie dient als spezifischer ethischer Gegenentwurf zum rein ökonomischen Denken, um das absolute Lebensrecht und die Würde des behinderten Menschen unabhängig von dessen Nutzen oder Leistungsfähigkeit zu begründen.
- Quote paper
- Johannes Keller (Author), 2004, Menschenbild und Qualität: Welches Menschenbild leitet die Qualitätssicherung heilpädagogischer Arbeit der Behindertenhilfe? - Eine ethische Reflexion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46176