Der Unterrichtsentwurf für das Fach Englisch in der elften, zwölften oder dreizehnten Klasse behandelt den Roman „The Handmaid’s Tale“ von Margret Atwood. Die Schülerinnen und Schüler erkennen am Beispiel von Offreds divergierenden Darstellungen ihrer emotional aufgeladenen sexuellen Begegnung mit Nick, den Kontrast zwischen real existierender Vergangenheit und intentionaler Erzählung. Die Unterrichtsstunde wurde handlungsorientiert (Methode Standbild) und schülernah konzipiert.
Die Schülerinnen und Schüler schaffen den situativen Kontext der Unterrichtsstunde, indem sie das Einstiegsbild in den Roman einordnen und die vorangegangenen Ereignisse zusammenfassen. Anschließend erstellen sie ein Standbild, indem sie die ihnen zugewiesene Version der Affäre zwischen Offred und Nick in Kleingruppen analysieren und interpretieren. Ihre dialogische Sprechfertigkeit wird geschult, indem sie sich zur Erstellung des Standbildes über die erarbeiteten Inhalte der Textstellen verständigen.
Die Schülerinnen und Schüler erfassen die Divergenz der Erzählung Offreds, indem sie zwei kontrastierende Standbilder basierend auf unterschiedlicher narrativer Darstellung derselben Situation analysieren und miteinander vergleichen. Dies schult darüber hinaus die Schreibfertigkeit, indem die Absicht der Erzähltechnik erörtert wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Lernziele
1.1 Übergeordnetes Lernziel
1.2 Feinlernziele
2. Unterrichtsvoraussetzungen
3. Sachanalyse
4. Didaktische Analyse
5. Methodische Planung
6. Stundenverlauf
7. Antizipierter Tafelanschrieb (aT)
8. Hausaufgabe
8.1 Vorbereitende Hausaufgabe
8.2 Nachbereitende Hausaufgabe
10. Anhang und Materialien
10.1 Zur vorbereitenden Hausaufgabe
10.2 Zum Einstieg
10.3 Zur Erarbeitungsphase
10.4 Zur Vertiefungsphase
11. Unterrichtsreihe
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Unterrichtseinheit ist es, den Schülerinnen und Schülern durch die Analyse der divergierenden Erzählversionen von Offreds sexueller Begegnung mit Nick ein tiefgreifendes Verständnis für die narrative Konstruktion von Vergangenheit und Gefühlen zu vermitteln. Die Lernenden sollen erkennen, wie subjektive Wahrnehmung und der Kontext eines totalitären Systems die Darstellung von Ereignissen beeinflussen.
- Literarische Dystopie und die Analyse von Offred als Erzählerin.
- Die Funktion von Erzähltechniken und die Divergenz narrativer Darstellungen.
- Interaktion zwischen Leser und Text zur Sinnkonstitution (hermeneutischer Verstehensbegriff).
- Entwicklung von Empathiefähigkeit durch den Perspektivwechsel in einer fiktionalen Dystopie.
Auszug aus dem Buch
3 Sachanalyse
Der Roman The Handmaid’s Tale wurde in den 1980er Jahren von der kanadischen Autorin Margret Atwood verfasst und wird als feministische Dystopie bezeichnet, da er die Stellung der Frau in einer zukünftigen fiktionalen Gesellschaft beleuchtet und „der Leser sich mit einer Frau als Protagonistin in einem frauenverachtenden totalitären Staat identifiziert.“4 Atwood verzerrt in ihrem Roman die in seiner Entstehungszeit immer noch vorherrschende Ungleichbehandlung von Frau und Mann weit ins Extrem und erschafft schließlich eine totalitäre Theokratie, in der die Frauen auf Grundlage wortwörtlich genommener Bibelzitate nahezu jeglicher Selbstbestimmung beraubt werden und größtenteils auf ihre Gebärfähigkeit und dienenden Funktionen reduziert werden.
Die Erzählerin des Romans ist die Handmaid Offred, deren Aufgabe es ist, einer kinderlosen Familie der Oberschicht ein Kind zu gebären und die dafür regelmäßig zum Geschlechtsverkehr mit dem Commander Fred in Anwesenheit seiner Frau Serena Joy gezwungen wird. Gelingt Offred dies nicht, droht ihr die Abschiebung in eine Strafkolonie, in der Nuklearabfälle beseitigt werden. Nach einiger Zeit zieht Serena Joy die Möglichkeit der Unfruchtbarkeit ihres Mannes in Betracht und arrangiert heimlich ein Treffen zwischen der Handmaid und dem Guardian Nick, um sie von diesem schwängern zu lassen.5 Offred vermittelt dem Erzähler schon vor diesem Arrangement mit Serena Joy ihr Interesse an Nick, obgleich sie im Rahmen der Entstehung Gileads gewaltsam von ihrem Ehemann getrennt wurde, über dessen Schicksal sie nicht aufgeklärt wird.6 In der für den Unterrichtsbesuch auserwählten Textstelle schildert Offred nun zwei divergierende Versionen ihrer ersten Verabredung zum Geschlechtsverkehr mit Nick und erklärt im Anschluss an jede der beiden Erzählungen „It didn’t happen that way“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Lernziele: Definition der übergeordneten und spezifischen Kompetenzen für die Unterrichtsstunde, fokussiert auf die Analyse der narrativen Divergenz.
2. Unterrichtsvoraussetzungen: Einordnung der Unterrichtsreihe in den Kontext der Oberstufe und die thematische Vorbereitung der Lerngruppe.
3. Sachanalyse: Zusammenfassung des Romanhintergrunds und Analyse der narrativen Struktur von Offreds Erlebnissen im Kontext des dystopischen Staates.
4. Didaktische Analyse: Begründung der Themenwahl basierend auf Lehrplänen und fachdidaktischen Konzepten wie dem hermeneutischen Verstehen.
5. Methodische Planung: Detaillierte Darstellung des geplanten Unterrichtsverlaufs inklusive Sozialformen und Binnendifferenzierung.
6. Stundenverlauf: Übersichtliche tabellarische Darstellung der Unterrichtsphasen und Zeitplanung.
7. Antizipierter Tafelanschrieb (aT): Skizze der geplanten Ergebnisse zur Stimmung und zur Funktion der Erzähltechnik an der Tafel.
8. Hausaufgabe: Konkrete Arbeitsaufträge für die Vor- und Nachbereitung der Lernenden.
10. Anhang und Materialien: Sammlung der Arbeitsblätter und Textauszüge für den Unterricht.
11. Unterrichtsreihe: Auflistung der chronologischen Struktur der 25-stündigen Unterrichtsreihe.
Schlüsselwörter
Literary Dystopia, The Handmaid’s Tale, Offred, Narrative Technik, Gilead, Subjektive Wahrnehmung, Hermeneutik, Geschlechterrollen, Feministische Dystopie, Erzählweise, Identität, Unterrichtsplanung, Totalitäres System, Textinterpretation, Empathie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit stellt einen Entwurf für einen Unterrichtsbesuch im Fach Englisch dar, der sich mit Margret Atwoods Roman "The Handmaid's Tale" befasst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Unterrichtsstunde?
Im Zentrum steht die Erzählweise von Offred, insbesondere die divergierende Darstellung ihrer sexuellen Begegnung mit Nick und die Frage, warum sie zwei unterschiedliche Versionen desselben Ereignisses erzählt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Stunde?
Die Schülerinnen und Schüler sollen den Kontrast zwischen real existierender Vergangenheit und intentionaler Erzählung erkennen und die Funktion dieser narrativen Technik analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erarbeitung verwendet?
Es kommen handlungsorientierte Methoden zum Einsatz, wie etwa die Erstellung eines Standbildes zur Visualisierung und Interpretation der Textstellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Sachanalyse zur Figur Offreds sowie eine didaktische Analyse, die den Einsatz des Romans im Unterricht begründet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören "Literary Dystopia", "Narrative Technik", "Gilead", "Subjektive Wahrnehmung" und "Textinterpretation".
Warum verwendet Offred im Roman zwei verschiedene Versionen desselben Ereignisses?
Laut der Analyse deutet dies darauf hin, dass Offred Schwierigkeiten hat, ihr Selbst zu rekonstruieren, und dass die Darstellung von Gefühlen, insbesondere Liebe, durch subjektive Wahrnehmung stets verzerrt und eine "Konstruktion" bleibt.
Welche Rolle spielt der "hermeneutische Verstehensbegriff" in der Planung?
Er dient als theoretische Grundlage, da er nahelegt, dass Verstehen auf einer aktiven Interaktion zwischen Leser und Text beruht, was die Schüler dazu auffordert, sich in die Protagonistin hineinzuversetzen.
- Citar trabajo
- Lena Groß (Autor), 2018, Literarische Dystopie und die narrative Funktion von Offred in "The Handmaid's Tale" von Margret Atwood. Ein handlungsorientierter Unterrichtsentwurf im Fach Englisch, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461777