Diese Arbeit untersucht verschiedene Sterbe- und Todesrituale im früh- und hochmittelalterlichen Westeuropa. Da das Sterben einen "Übergang" zum "nächsten, jenseitigen Leben" darstellte, gab es viele unterschiedliche Sterberiten. Ein Mensch starb im Beisein von Menschen, die ihm besonders nahestanden. Jedoch gab es auch schon vor dem unmittelbaren Sterben eine Sorge über sein eigenes Seelenheil, denn letztendlich wollte man "gut und gerecht", also ohne Sünden sterben. Dafür musste man rechtzeitig Maßnahmen ergreifen. Wie genau sahen diese Maßnahmen aus? Wie stark wurden diese Maßnahmen, der Tod und das Begräbnis sowohl vom Christentum als auch von vorchristlichen und abergläubischen Kulten geprägt? Die folgende Hausarbeit versucht diese Fragen zu beantworten, indem sie zuerst eine geeignete Quelle für die Fragestellungen vorstellt, die Biografie des Autors skizziert und die Quelle interpretiert, und sich dann mit den Themen Sterbe- und Todesrituale, christliche, vorchristliche und abergläubische Merkmale bei der Vorstellung über das Sterben und den Tod und Erinnerung an Verstorbene im früh- und hochmittelalterlichen Westeuropa auseinandersetzt. Ein abschließendes Fazit soll kurz die wichtigsten Ergebnisse festhalten.
Die Menschen im Früh- und Hochmittelalter mussten mit vielen Schwierigkeiten leben. Häufige Kriege, Naturkatastrophen und Hungersnöte machten das Leben schwer. Vor allem aber waren Epidemien und Seuchen, zum Beispiel Lepra oder die Pest, die größten Gefahren für die mittelalterlichen Gesellschaften. Der Tod war damit jederzeit allgegenwärtig. Jedoch war das Sterben nicht nur wegen Epidemien und Seuchen omnipräsent, sondern auch zum Beispiel wegen den Massakern während der Kreuzzüge oder dem geringeren Wert des menschlichen Lebens (schnellere und einfachere Hinrichtungen). Der Tod betraf nicht nur die Älteren, sondern Menschen aller Altersstufen. Er gehörte zu dem normalen Alltag eines mittelalterlichen, gläubigen Christen. Das Sterben war jedoch nicht das Ende, sondern der Beginn des "nächsten, ewigen Lebens" im Jenseits. Wie aber sah die Erinnerung an Verstorbene im Detail aus?
Die aktuelle Forschung hat viele Quellen zum Sterben und zum Tod großer Herrscher, wie Könige und Kaiser, vorliegen. Des Weiteren gibt es viele Quellen aus Klöstern, die den Tod der Kleriker beschreiben. Es gibt sehr wenige Quellen zu den Sterbeprozessen einfacher Menschen.
Inhaltsverzeichnis
- I. Einleitung
- II. Thietmars Bericht über das Sterben Liudgards
- 1. Biografie Thietmars von Merseburg
- 2. Inhalt der Quelle und Thietmars Vorstellungen zum Tod
- III. Das Sterben
- 1. Beichte
- 2. Krankensalbung
- 3. Sterbekommunion
- IV. Das Begräbnis
- 1. Furcht vor dem Leichnam
- 2. Vorbereitungen zur Bestattung des Leichnams
- 3. Mittelalterlicher Friedhof
- V. Memoria
- VI. Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit untersucht die Sterberituale im Früh- und Hochmittelalter, indem sie zunächst Thietmars Bericht über das Sterben Liudgards als Quelle präsentiert. Anschließend werden die Themen Sterbe- und Todesrituale, christliche, vorchristliche und abergläubische Vorstellungen zum Sterben und Tod sowie die Erinnerung an Verstorbene im früh- und hochmittelalterlichen Westeuropa behandelt.
- Die Rolle der Quelle im Kontext der Fragestellungen
- Die Biografie des Autors Thietmar von Merseburg
- Sterbe- und Todesrituale im Früh- und Hochmittelalter
- Christliche, vorchristliche und abergläubische Einflüsse auf die Todesvorstellungen
- Die Erinnerung an Verstorbene im Früh- und Hochmittelalter
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die allgemeine Situation des Sterbens im Früh- und Hochmittelalter dar und führt die Fragestellungen der Hausarbeit ein. Kapitel II behandelt die Biografie Thietmars von Merseburg, der Autor der Quelle, und analysiert den Bericht über das Sterben Liudgards.
Schlüsselwörter
Sterben, Tod, Frühmittelalter, Hochmittelalter, Sterberituale, Todesrituale, Thietmar von Merseburg, Liudgard, christliche Vorstellungen, vorchristliche Vorstellungen, abergläubische Vorstellungen, Memoria, Erinnerung an Verstorbene
Häufig gestellte Fragen
Wie wurde das Sterben im Mittelalter wahrgenommen?
Sterben galt als Übergang zum ewigen Leben. Der Tod war durch Kriege, Hunger und Epidemien (wie die Pest) allgegenwärtig und Teil des normalen Alltags.
Was sind die wichtigsten christlichen Sterberituale?
Dazu gehören die Beichte, die Krankensalbung (Letzte Ölung) und die Sterbekommunion, um die Seele von Sünden zu reinigen.
Was bedeutet der Begriff "Memoria"?
Memoria bezeichnet das organisierte Gedenken an die Verstorbenen, oft durch Gebete, Stiftungen oder Jahrzeitbücher, um deren Seelenheil zu unterstützen.
Gab es im Mittelalter auch abergläubische Todesvorstellungen?
Ja, neben christlichen Riten gab es eine starke Furcht vor dem Leichnam und vorchristliche Bräuche, die den Toten am "Wiederkehren" hindern sollten.
Welche Quellen berichten über das Sterben einfacher Menschen?
Es gibt nur sehr wenige Quellen zu einfachen Menschen; die meisten Berichte stammen aus Klöstern oder beschreiben den Tod großer Herrscher wie Könige und Kaiser.
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- Ilja Wulf (Author), 2018, Sterben und Begräbnis im Früh- und Hochmittelalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461778