Michail Gorbatschow und der Zusammenbruch der Sowjetunion


Hausarbeit, 2017
17 Seiten, Note: 2

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Michail Gorbatschow – eine kurze Biografie
2.1. Amtsantritt und Ziele

3. Reformen und Kampagnen
3.1. Anti-Alkoholkampagne
3.2. Glasnost und Perestroika
3.3. Entspannungspolitik

4. Aspekte des Zusammenbruchs
4.1. Nationalitätenfrage
4.1.1. Wiedervereinigung Deutschlands
4.2. Putschversuch und Auflösung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen

1. Einleitung

Die sowjetische Wirtschaft stagnierte bereits seit Ende der 70er Jahre. Der Lebensstandard der sowjetischen Bevölkerung lag unter dem der westlichen Staaten, da das Augenmerk auf dem Wettrüsten mit den USA lag.

Als Michail Gorbatschow 1985 an die Macht kam, bestand die Notwendigkeit einer Umgestaltung der sowjetischen Wirtschaft. Er sah in durchgehenden Reformen und Wandlungen in der Innenund Außenpolitik die einzige Möglichkeit einen Zusammenbruch der UdSSR zu verhindern.

Was genau waren seine Ziele und warum scheiterte er mit seinen Vorstellungen von Reformen, die mit den Begriffen Glasnost und Perestroika in die Geschichte eingingen? Diese Fragen haben mich bei meiner Recherche begleitet und werden im Folgenden näher behandelt.

Zu Beginn möchte ich eine kurze Biografie von Michail Gorbatschow aufzeigen und wie sein Amtsantritt verlaufen ist bzw. welche Ziele er verfolgte.

Im nächsten Kapitel stelle ich Reformen und Kampagnen während seiner Amtszeit vor. Aufgrund dessen, dass dieses Thema sehr umfangreich ist, habe ich mich im Speziellen für die Anti-Alkoholkampagne, Glasnost und Perestroika, sowie für die Entspannungspolitik unter Gorbatschow entschieden. Im Anschluss daran möchte ich gerne einige Aspekte erläutern, die zum Zusammenbruch der Sowjetunion geführt haben, wie die Nationalitätenfrage. Hier mache ich einen kleinen Exkurs zur Wiedervereinigung Deutschlands, dass wie ich denke, ohne Gorbatschows Hilfe nicht friedlich vollzogen werden hätte können und seinen Anteil an den nachfolgenden Ereignissen hatte.

Zum Schluss befasse ich mich mit dem Putschversuch und den daraus resultierenden Konsequenzen, die schließlich zur endgültigen Auflösung der UdSSR geführt haben.

2. Michail Gorbatschow – eine kurze Biografie

Michail Sergejewitsch Gorbatschow wurde am 2. März 1931 in Priwolnoje geboren. Obwohl er Sohn einer Bauernfamilie war, absolvierte er seinen Abschluss des Jurastudiums in Moskau im Jahr 1955. Der Eintritt in die Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) erfolgte 1952. Sein Zweitstudium schloss er 1966 als Agrarbetriebswirt ab. Im Jahr 1970 wurde er Erster Sekretär für Landwirtschaft der KPdSU des Regionalkomitees Stawropol und bereits ein Jahr später Mitglied des Zentralkomitees. Zwischen den Jahren 1978 und 1985 war er im Amt des Sekretärs für Landwirtschaft im Zentralkomitee der KPdSU. Vollmitglied des Politbüros der Partei wurde er 1980. Er erhielt 1984 die Oberaufsicht der Sekretariatsarbeit im Zentralkomitee der KPdSU. Nachdem Generalsekretär Konstantin Tschernenko am 10. März 1955 gestorben war, wählte man Michail Gorbatschow zum neuen Generalsekretär der KPdSU.1

2.1. Amtsantritt und Ziele

Bei seinem Amtsantritt war Michail Gorbatschow 54 Jahre alt, somit jünger als seine Vorgänger und übrigen Mitglieder des Politbüros. Die KPdSU zählte zu diesem Zeitpunkt über 19 Millionen Mitglieder und war nach Artikel 6 der Verfassung „die führende und lenkende Kraft der sowjetischen Gesellschaft, der Kern ihres politischen Systems, der staatlichen und gesellschaftlichen Organisationen“.2

Zu Beginn seiner Amtszeit war sich Gorbatschow darüber im Klaren, dass eine Umstrukturierungsarbeit vor ihm lag, allerdings waren ihm die faktischen Ausmaße der Probleme nicht bewusst. Er hatte es mit einem aufreibenden Wettrüsten, einer schlechten wirtschaftlichen Lage, fallender Produktionseffektivität und blockiertem wissenschaftlich-technischen Fortschritt zu tun. Die Arbeit musste auf allen Ebenen verbessert und effektiver gestaltet werden, ohne grundsätzliche Veränderungen vorzunehmen. An der Spitze der Partei bildete sich zwar eine Gruppe von Reformbefürwortern, aber man brauchte generell „eine Revolution in den Köpfen, eine tiefgreifende Veränderung im Denken“ der Gesellschaft und Menschen.3 Er hatte viele Ziele, wie eine Beschleunigung der sozial-ökonomischen Entwicklung, was bedeutete die Wirtschaft und deren Entwicklung voranzubringen, das sozialistische Eigentum zu stärken und die Rechte und Selbständigkeit der Betriebe zu erhöhen. Innenpolitisch wollte er durch sozialistische Selbstverwaltung des Volkes eine Vervollständigung und Entwicklung der Demokratie schaffen. Sein Ziel in der Außenpolitik lag in einer friedlichen Koexistenz miteinander und daher setzte er sich für das Beenden des Wettrüstens mit den USA ein.4

3. Reformen und Kampagnen

Gorbatschow war sich der Probleme der sowjetischen Gesellschaft bewusst und war davon überzeugt, dass das politische System des Sozialismus durch antiautoritäre Elemente und das ökonomische durch Marktregeln umgebaut werden müsste. Zum einen plante er die Wirtschaftlichkeit der Betriebe zu erhöhen, indem er den technischen Fortschritt förderte, die Korruption bekämpfte und verlustreiche Unternehmen schließen ließ. Zum anderen beabsichtigte er die Bürokratie abzubauen und den Menschen mehr Eigenständigkeit zu gewähren, um ihre Verantwortungsbereitschaft zu fördern.

3.1. Anti-Alkoholkampagne

Neben anderen Missständen, wie dem Fernbleiben oder Zuspätkommen vom Arbeitsplatz, gab man auch dem weit verbreiteten Alkoholismus die Schuld an der Wirtschaftslage. Das Zentralkomitee beschloss daher am 16. Mai 1985 eine Kampagne einzuleiten, die das Ziel hatte den Alkoholmissbrauch zu bekämpfen. Die sowjetischen Zeitungen machten den Alkoholismus dafür verantwortlich, dass die Sowjetunion im Vergleich mit den USA, gleichviele Verkehrstote aufweise, obwohl das Verhältnis zu den Fahrzeugen geringer ausfiele, dass Nutzfahrzeuge unbrauchbar gemacht wurden und der Volkswirtschaft ein enormer Schaden zugefügt wurde. Zu den Maßnahmen, die das Zentralkomitee beschloss, gehörten, dass die Produktion von starken alkoholischen Getränken ab 1986 zu reduzieren und von alkoholfreien Getränken zu erhöhen sei. Das Herstellen von Alkoholika aus Kernund Beerenobst sei 1988 einzustellen, stattdessen sollten Marmeladen und Säfte produziert werden. Die Verkaufszeiten für alkoholische Getränke müsse man einschränken und Geldstrafen verhängen, sollte in der Öffentlichkeit Alkohol konsumiert werden. Durch Werbung sollte man die Abstinenz der Gesellschaft fördern und eine Verbesserung der ärztlichen Hilfe für gefährdete und abhängige Menschen in Auftrag geben.

Diese Reform der „Mobilisierung des Faktors Mensch“ ging aber noch weiter, denn Gorbatschow wollte, dass sich die Leistung eines jeden wieder lohnen sollte. Er war der Ansicht, dass wenn jeder Arbeiter das Einkommen erhielte, welches direkt von dem Arbeitsergebnis abhängig wäre, würde das die Produktivität steigern. Dasselbe Ziel hatte er auch für die Betriebe und Unternehmen im Sinn. Die Geschäftsführungen sollten ihre Grundsätze der Rentabilität neu ausrichten, in dem die zentral festgelegten Planvorgaben reduziert wurden. Qualität und Effektivität sollten vor Quantität stehen. Obwohl man durch Preiserhöhungen eine Verringerung des Verkaufs von alkoholischen Getränken erzielte, senkte sich der Konsum nicht wesentlich. Die Bevölkerung begann den Alkohol wieder selbst zu produzieren. Im Grunde bewirkte die Kampagne keinen Aufschwung in der Produktivität, sondern verursachte durch verminderte Steuereinnahmen einen Verlust in Milliardenhöhe.5 Gemäß Statistiken der Weltgesundheitsorganisation lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Alkohol in der Sowjetunion bei ungefähr 15 Litern und 84 Prozent der Menschen über 15 Jahren der russischen Sowjetrepublik konsumierten fast ausschließlich Wodka. Daraus wird ersichtlich, wieviel Steuereinnahmen dem sowjetischen Budget verloren gingen.6

3.2. Glasnost und Perestroika

Die zentralen Begriffe im Reformprozess von Gorbatschow waren Glasnost, das für eine gesellschaftliche Offenheit stand und Perestroika, was den Umbau oder Umstrukturierung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens vorsah. Das sowjetische System sollte durch marktwirtschaftliche und demokratische Elemente ergänzt werden, damit sich der Sozialismus entfalten konnte. Das staatliche Handeln sollte für die Bevölkerung nachvollziehbarer und transparenter gestaltet werden.

„Ein unveräußerlicher Bestandteil der sozialistischen Demokratie ist die Glasnost. Umfassende, rechtzeitige und offene Information zeugt von Vertrauen in die Bevölkerung, von Respekt ihrem Verstand und ihren Gefühlen gegenüber und für ihre Fähigkeit, in der einen oder anderen Situation selbst zu Lösungen zu kommen.“7 Die Stärken des gesamten Verwaltungswesens und der totalitären Struktur lagen in ihren Geheimnissen und in ihrer Undurchschaubarkeit. Für Gorbatschow war Glasnost notwendig, denn um diese Macht der Bürokratie zu zerstören, mussten die Menschen die Wahrheit erfahren und zum Nachdenken angeregt werden.8 Es war ein selbst tragendes Konzept, das durch die Öffentlichkeit einen Strukturwandel mit sich brachte. Die Medien wurden in diesem Prozess als Vermittler wichtiger und gewannen an Eigenständigkeit. Auflagenzahlen von Zeitungen und Illustrierten stieg stetig an und durch Funk und Fernsehen wurden politische Ereignisse zu „Medienereignissen“, die von der Bevölkerung an den Bildschirmen verfolgt wurden. Man berichtete über kritische Geschehnisse, politische Entwicklungen, „Demonstrationen, Streiks, Kriminalität, die Auseinandersetzungen zwischen den Volksgruppen und andere Desaster“.9

Zu den angestrebten Zielen, gehörten auch Wirtschaftsreformen und daher traten am 1. Januar 1987 Maßnahmen in Kraft, die Außenwirtschaftstätigkeiten erleichtern sollten.

Man erlaubte trotz der sowjetischen Staatsmonopolstellung, Ministerien und Unternehmen selbstständig Exportund Importgeschäfte auf den Märkten vorzunehmen. Um die Wirtschaft anzutreiben und ausländisches Geld und Know-How ins Land zu bringen, wurde für sogenannte „joint ventures“ geworben. Partner für diese gemeinsamen Unternehmungsgründungen sollten sowohl aus dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW), als auch aus den westlichen Ländern kommen. Boris Gostew, der sowjetische Finanzminister, wies Ende Oktober 1988 auf ein Defizit für das kommende Jahr hin. Die Ausgaben übertrafen die Einnahmen um 36 Milliarden Rubel und seien die Folge „einer Politik der überhöhten Subvention und riesiger Verluste“. Seit 1985 sei auch der Ölpreis gefallen, was dem Land 40 Milliarden Rubel gekostet hatte und die Steuereinbußen der Antialkoholkampagne waren nahezu um den gleichen Betrag ausgefallen. Die Wirtschaft befand sich auf einem Abwärtstrend und auch die Handelsbilanz mit den OECD-Ländern war seit 1985 negativ.10 Zwischen den Jahren 1985 und 1991 fiel der Import um bis zu 45 Prozent, der Export um mehr als 25 Prozent und das Bruttosozialprodukt um zehn Prozent. Gorbatschow versuchte den Absturz noch zu bremsen, indem er den Staatsschatz verkaufte. 1985 verfügte Moskau noch über 2500 Tonnen Gold, von denen 1991 nur noch 240 Tonnen übrig waren.11

Glasnost und Perestroika zeigten die Probleme und Mängel durch die neue Transparenz zwar auf, brachten aber keine Lösungen. Obwohl Gorbatschow mit seinen Reformen Hoffnungen weckte, nahm der Lebensstandard der Bevölkerung immer weiter ab. Versorgungsprobleme, steigende Priese und eine wachsende Inflation waren der Alltag. Die Folgen dieser Probleme waren Armutskriminalität und Arbeiterstreiks. Mit über 100 verschiedenen Volkszugehörigkeiten war die Sowjetunion seit je her ein Vielvölkerstaat mit einer Verfassung, die den Nationalitäten weitgehende Selbstbestimmung erlaubte. Durch den Führungsanspruch von Russland und den Zentralismus gab es für diese Nationalitäten keine Eigenständigkeit, sondern nur unterdrückte Emotionen, die durch Glasnost wieder aufbrachen und zur Bestrebung nach Autonomie und Souveränität führten.12

Glasnost und Perestroika ebneten den Weg für die Demokratisierung des Landes, die aber vermutlich vom Politbüro nicht in diesem Ausmaß angestrebt war. Man wollte die festgefahrenen stalinistischen Strukturen lösen und die instabile Wirtschaftslage verbessern. Das Ergebnis der veröffentlichten Wahrheit über die Situation des Landes war eine Politisierung der Gesellschaft.

3.3. Entspannungspolitik

Im Gegensatz zu seinen Kollegen verfügte Gorbatschow über mehr Auslandserfahrung, da er bereits in den 1970er Jahren die Niederlande, Belgien, Westdeutschland, Frankreich und Italien bereiste. Diplomatische Reisen unternahm er zwischen 1983 und 1984 nach Kanada, Italien und Großbritannien.13 Als Gorbatschow 1985 das Amt des Generalsekretärs der KPdSU übernahm, waren seine Ziele nicht nur der Umbau des sowjetischen politischen Systems, sondern er stand auch für eine Intensivierung der internationalen Beziehungen. In mehreren Gipfeltreffen wurde über die Abrüstungsverhandlungen gesprochen und Gorbatschow präsentierte den Westmächten diverse Vorschläge für den Rüstungsabbau.14

[...]


1 https://www.hdg.de/lemo/biografie/michail-gorbatschow.html (zuletzt aufgesucht am 14.02.2017).

2 Altrichter, Russland 1989, S. 16-17.

3 Gorbatschow, Gipfelgespräche, S. 9-10.

4 Altrichter, Russland 1989, S. 18.

5 Altrichter, Russland 1989, S. 20-23.

6 Lauterbach, Das lange Sterben der Sowjetunion, S. 75-78.

7 Gorbachev, Zhivoe tvorchestvo naroda, S. 30. Z. n.: Brown, Der Gorbatschow-Faktor, S. 213.

8 Gorbatschow, Gipfelgespräche, S. 17.

9 Altrichter, Russland 1989, S. 25-27.

10 Altrichter, Russland 1989, S. 103-112.

11 https://www.welt.de/geschichte/article155333355/Die-wahren-Ursachen-fuer-den-Untergang-der-Sowjetunion.html (zuletzt aufgesucht am 17.02.2017).

12 http://www.oliver-bieri.ch/kalter-krieg/ende/gorbatschow.htm (zuletzt aufgesucht am 17.02.2017).

13 Loth, Die Rettung der Welt, S. 248.

14 http://www.bpb.de/izpb/10352/krise-und-neubeginn-der-ost-west-kooperation?p=3 (zuletzt aufgesucht am 18.02.2017).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Michail Gorbatschow und der Zusammenbruch der Sowjetunion
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt  (Zeitgeschichte)
Veranstaltung
Proseminar
Note
2
Autor
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V461819
ISBN (eBook)
9783668915404
ISBN (Buch)
9783668915411
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ostblock, Jugoslawien, Gorbatschow, Sowjetunion
Arbeit zitieren
Katja Knauder (Autor), 2017, Michail Gorbatschow und der Zusammenbruch der Sowjetunion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461819

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