Geschichte und Kontext der Neun guten Helden auf Schloss Runkelstein


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017
28 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte
2.1 Die Geschichte des Schlosses Runkelstein und seiner Besitzer
2.2 Die Geschichte der Neun guten Helden
2.2.1 Quelle des Topos der Neun Helden
2.2.2 Zusammenstellung der Neun Helden

3. Die Neun Helden im Kontext derTriaden des Sommerhauses
3.1 Die Darstellung der Triaden im Ganzen
3.2 Die Darstellung der Triaden im Einzelnen

4. Fazit

5. Abbildungen

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

lm Seminar „Heldenbilder", welches im Sommersemester 2016 stattfand, wurde uber die unterschiedlichsten Helden und Heldentypen gesprochen und diskutiert. Die an- schlieRende Literatursuche zum Thema „Heldenbilder" forderte ein Uberblickswerk zu Tage, welches alle Heldentypen von der Antike bis heute behandelt[1]. Im Beitrag Kerstin Wolkis zu den Helden des Mittelalters, stoRt man auf „die neun guten Helden". Neun Manner unterschiedlicher Religion und Herkunft werden auf den Nenner eines einzigen Heldentypus gebracht. Hektor von Troja, Julius Casar, Alexander der GroRe, Judas Mak- kabaus, Josua, David, Konig Artus, Karl der GroRe und Gottfried von Bouillon werden als die drei groRten vorbildlichen Helden der Geschichte dargestellt.

Robert L. Wyss und 14 Jahre spater Horst Schroder, sind diejenigen, die in ihren Texten versuchen samtliche Erscheinungen der Neun guten Helden, sei es in literarischen Wer- ken, welche sich zum groRten Teil auf Frankreich beschranken, wo die Helden auch ih­ren Ursprung haben, oder in Kunstwerken jeglicher Art aufzuspuren und einzuordnen. Wyss tut dies in einem Zeitschriftenartikel[2], Schroder verfasst 1971 seine Dissertation zum Thema[3]. In beiden Werken wird auch auf Erweiterungen des Topos der Neun Hel­den eingegangen beziehungsweise Werke benannt in denen diese im Kontext weiterer Figuren auftauchen. Besonders auffallig sind in diesem Zusammenhang die Darstellun- gen der Helden auf Schloss Runkelstein bei Bozen, da beide Autoren diese als auRer- gewohnlich und herausragend darstellen. Einerseits werden die neun Manner in ihrem ursprunglichen Bedeutungssinne, namlich als ritterliche Tugendhelden gezeigt, was im deutschsprachigen Raum selten anzutreffen ist, andererseits treten die Helden in einer erweiterten Reihe auf, die sich kein zweites Mai finden lasst.[4] Die jeweils drei groRten Heiden, Juden und Christen treffen auf die drei besten Ritter, die drei edelsten Liebes- paare, die drei Helden mit den beruhmtesten Schwertern, die drei starksten Riesen, die drei furchterlichsten Riesinnen und die drei besten Zwerge.

Diese einzigartige Auswahl von Helden aus den unterschiedlichsten Sagenkreisen zu- sammengestellt, lasst eine weitere Untersuchung dieser interessant erscheinen. Wissenschaftliche Literatur, die sich mit den Wandmalereien auf Schloss Runkelstein befasst, insbesondere die Werke, die sich auf die Sommerhausmalereien und die Tria- den im Speziellen beziehen, sind teilweise veraltet. Die neuste Veroffentlichung, die sich jedoch mehr auf die Abbildung der Bilder beschrankt und sich der Geschichte des Schlosses und der Vintler widmet ist von Andre Bechtold aus dem Jahr 2000.[5] Rene Wetzel betrachtet in seiner Habitilation von 1999 die Malereien des Schlosses mit Fo- kus auf die Vintler-Familie.[6] Das erste Werk welches sich ausschlieRlich mit den Runkel- steiner Fresken beschaftigt ist 1857 erschienen und heute ein wahrer Schatz, da der Bozner Kunstler Ignaz Seelos damals die Fresken lithografierte und dadurch Details er- hielt, die heute im Original nicht mehr zu sehen sind.[7] [8] Ich werde mich an diesen Litho- grafien orientieren, da diese die meistens Details zeigen. Die beiden Werke, die sich am ausfuhrlichsten mit den Triaden beschaftigen sind beide uber 35 Jahre alt. Das altere Werk ist eine Betrachtung Viktor Malfers zu den Triaden von 1967s, die jungere Arbeit von Walter Haug zum Bildprogramm des Sommerhauses erschien 1982 erstmals.[9]

In dieser Arbeit soil nun aufgedeckt werden welchen Hintergrund und welche Bedeu- tung das Auftauchen der Neun guten Helden in genau diesem erweiterten Kreise an Helden hat. Zunachst wird der Ursprung der Neun Helden, ihre Verbreitung und ihre In­tention, sowie die Geschichte des Schlosses Runkelstein und der Auftraggeber des Fres- kenzyklus aufgegriffen. In einem weiteren Schritt gilt das Augenmerk dann den Fresken im Ganzen. Was sehen wir? Wer sind die anderen abgebildeten Personen? Woran kann ich sie erkennen? Welche Bedeutung hat dieser Freskenzyklus und warum ist er in ge­nau jener Art und Weise dargestellt? Anzumerken gilt an dieser Stelle noch, dass samt- liche Fragen der Geschichte, lediglich in dem Rahmen behandelt werden, die fur die Identifizierung der Figuren in der heutigen Erscheinung bedeutsam sind.

Den Abschluss wird eine Zusammenfassung der Erkenntnisse bilden.

2. Geschichte

Um den Sinnzusammenhang und die Bedeutung der Triaden auf Schloss Runkelstein, mit besonderem Blick auf die Neun guten Helden, zu entschlusseln ist es unerlasslich zunachst die ursprungliche Herkunft und Geschichte des Topos der Neun Helden aufzu- decken. Da die Neun Guten Helden den Kern dieser Arbeit bilden, soil offengelegt wer- den woher der Topos der Neun Helden stammt, was dieser bezweckt beziehungsweise mit welcher Intention er „verwendet" wurde und wie er sich verbreitete bis er schlieR- lich auf dem Schloss Runkelstein landete. Auch die Geschichte des Schlosses und seiner Umgebung sowie die Vita der Besitzer Runkelsteins und der Auftraggeber fur den Fres- kenzyklus spielen eine groRe Rolle um sich das gesamte Bild erschlieRen zu konnen. Auf die ubrigen abgebildeten Figuren der Triaden wird erst im Rahmen des folgenden Hauptkapitels eingegangen werden, da diese nicht der Hauptbetrachtungspunkt dieser Arbeit sein sollen.

2.1 Die Geschichte des Schlosses Runkelstein und seiner Besitzer

Die Geschichte des Schlosses Runkelstein beziehungsweise seines geografischen Umfel- des zu beleuchten ist, um das Freskenprogramm am Sommerhaus korrekt einordnen zu konnen, essentiell. Durch das Verstandnis der geschichtlichen Verflechtungen oder be- stehender Zwistigkeiten im politischen Umfeld erklart sich eventuell die Wahl einzelner Charaktere oder gar des gesamten Zyklus. Auch die Kenntnis der Familienhintergrunde der Vintler lasst ohne Zweifel Ruckschlusse ziehen auf die Wahl der abgebildeten Hel­den.

Als die Bruder Niklaus uns Franz Vintler Runkelstein 1385 von den Tiroler Grafen erwar- ben, bestand die damalige Burg uber 150 Jahre, wurde bereits einmal restauriert und hatte schon mehrere Besitzer erlebt.

Im Februar des Jahres 1237 bekamen die Bruder Friedrich und Beral von Wangen die Erlaubnis auf dem „runchenstayn" eine Burg zu erbauen. Der Bischof Alderich von Tri- ent, dessen treue Diener die beiden Bruder waren, erhoffte sich durch Burgenbauten seine Macht gegenuber dem staufischen Kaiser zu sichern. Dieser hatte nur kurz zuvor dem Bischof samtliche weltliche Befugnisse entzogen und eine eigene Verwaltung ein- gesetzt um den Alpenubergang zu sichern. 1277 brachte Meinhard II von Tirol, der Be- grunder Tirols als eigenstandigem Land, das bischofliche Bozen wieder unter seine Gewalt und zerschlug samtliche Burgen. Runkelstein wurde dabei stark beschadigt und verfiel. Die Herren von Wangen bekamen ihren Besitz nie zuruck. 1385 schlieRlich kauf- ten die Bruder Niklaus und Franz Vintler die immer noch restaurierungsbedurftige Burg, die mittlerweile durch etliche Renovierungen zu einem Schloss geworden war. Vermutet wird, dass „der runchenstayn" ein Weinberg war, der zunachst gerodet wer- den musste um dann schlieRlich die Burg auf diesem Grund zu errichten. Einen Zu- sammenhang erkennt diesbezuglich Andre Bechtold 2000[10], der darauf hinweist, dass der Westpalast des Schlosses Runkelstein einen Weinkeller besaR. Zudem verweist er auf die Wahrscheinlichkeit, dass die Vintler-Bruder Weinhandel betrieben haben.

Die Bruder Niklaus und Franz Vintler entstammen einem alten und wohlhabenden Burgergeschlechts. Niklaus Vintler war zu einem bedeutenden Vertrauensmann, Fi- nanzier und Ratgeberdes Tiroler Landesfursten Herzog Leopold III aufgestiegen. Die Ur- sprunge des Reichtums der Vintler lagen jedoch im Weinhandel, ferner in der Fi- nanzierung von Handels- und Immobiliengeschaften. Zudem erzielten sie erhebliche Einnahmen aus Zollen und der Bozner Fronwaage. Das Interesse am Schloss Runkel­stein als Sommerwohnsitz steht in Beziehung mit dem dort ehemals befindlichen Wein- gut sowie einer genealogischen Verbindung zu den Erbauern der Burg Runkelstein, den Herren von Wangen. Durch den Kauf und Ausbau des Schlosses erhofften sich die Vint- lerbruder eine Annaherung an die adelige Welt, die sich zu jener Zeit bereits im Nieder- gang befand. Durch die Fresken, die thematisch Geschichten abbildeten, die auch vor 200 Jahren schon bekannt waren (bis auf die Neun Helden in dieser Kombination), schafften sich die Vintler eine adelige Scheinidentitat und gaukelten eine alte Familien- geschichte auf dem Schloss vor. Andererseits konnte man die Ausstattung Runkelsteins auch in Verbindung bringen mit Hans Vintler, einem Neffen Niklaus Vintlers, der selbst Schriftsteller beziehungsweise Ubersetzer war. Auch ist es von Bedeutung, dass die

Vintler den Munchener Schreiber Heinz Sentlinger auf Runkelstein beherbergten, der dort eine Weltchronik verfasste[11]. Das Sommerhaus des Schlosses lieRen die Vintlerbru- der neu errichten und die Fresken entstehen im Zenit des Erfolgs der Vintler etwa 1390 und mussen auch vor diesem Hintergrund gedeutet werden. Ab 1407 kam es zu Strei- tigkeiten zwischen dem neuen Herrscher von Tirol Herzog Friedrich mit der leeren Ta- sche und dem Tiroler Adel worin die Vintler verwickelt wurden. Niklaus Vintler stirbt schlieRlich 1413 verarmt und das Schloss verfallt zunachst bis es im spateren 15. Jahr- hundert von Kaiser Maximilian I erstmals restauriert wird.

2.2 Die Geschichte der Neun guten Helden

Der Topos der Neun guten Helden setzt sich zusammen aus drei Gruppen von jeweils drei Helden aus drei verschiedenen Zeitaltern beziehungsweise anderer Glaubensrich- tungen. Die erste Triade, die Triade der heidnischen Helden besteht aus dem Troer Hek- tor, dem Romer Julius Casar und Alexander dem GroRen, die judische Triade setzt sich zusammen aus Judas Makkabaus, Josua und Konig David, die christliche Triade schlieR- lich bilden Konig Artus, Karl der GroRe und Gottfried von Bouillon. Uber 500 Jahre wirk- te dieser Topos in Literatur und vor allem Kunst, doch woher stammt diese Heldenreihe und was war ihre Intention? Welche Darstellungen der Neun Helden, auch Nine Wor­thies genannt, gab es bevor Runkelstein mit ihnen geschmuckt wurde? Welche Darstel- lung kann hier das Vorbild gewesen sein? Die gewonnenen Erkenntnis konnen helfen die anderen Triaden auf Runkelstein im Zusammenblick zu verstehen und das Gesamt- konzept dieser zu verstehen.

2.2.1 Quelle des Topos derNeun Helden

Die neun guten Helden tauchen zuerst in einem Roman des lothringischen Autors Jac­ques de Longuyon auf. 1312/1313 erscheint seine Versromanze Les Voeux du Paon, welche er fur Thiebaut de Bar, den Bischof von Luttich verfasst. Im Mittelpunkt der Ro­ manze steht Alexander der GroRe und der Kampf um die Stadt Ephesos, die vom Inder- konig Clarus belagert wird, weil die Burgherrin Fesonas ihm die Hand verweigert. Um diese Handlung herum spinnen sich etliche Liebesgeschichten und wahrend einer Schlachtenszene werden die „Neun besten Helden", zu denen auch Alexander gehort, eingefuhrt. Dieser Alexanderroman ist vollstandig im hofisch-ritterlichen Milieu an- gelegt und so ist es nicht verwunderlich, dass Clarus, der entgegen der ritterlichen Tu- genden handelt, sterben muss. Ausgehend von diesem Roman verbreitet sich das Mo- tiv der Neun Helden schlagartig zunachst in Frankreichs Literatur, aber schon rasch auch daruber hinaus in etlichen europaischen Landern und der Roman wird sogar in La- tein ubersetzt. Doch fast noch mehr als in den Literaturen Europas findet die Verbrei- tung auf den kunstlerischen Gebieten wie der Plastik oder der Freskenmalerei statt.

Das die Helden eine Schopfung von Jacques de Longuyon sind, zweifelt heute niemand mehr an. Was dafur spricht, ist das Thema des „Romans", welches auch den Titel der Romanze gibt; „Les Voeux du Paon", also den Schwur auf einen Vogel, in diesem Falle einem Pfau, was am lothringischem Hof wohl Mode zum Beginn des 14 Jahrhunderts war. Zudem spricht die Figur des neunten Helden Gottfried von Bouillon, fur einen Be- zug zu Lothringen, da dieser nach den Kreuzzugen und der Eroberung der Heiligen Stadt Jerusalem zum groRten Helden Lothringens avancierte. Ein dritter Punkt, der fur die Entstehung des Topos im Umkreis Lothringens spricht ist, dass in diesem Umfeld die ersten Darstellungen der Helden auRerhalb des Romans auftauchen. In unterschied- lichsten franzosischen Romanen, Versen, aber auch auf zum Beispiel Wandteppichen und in Fresken findet man die Helden wieder. Im Kolner Rathaus findet sich die alteste Darstellung der Helden im deutschsprachigen Raum und eine der altesten auRerhalb Frankreichs. Hier jedoch erscheinen die Helden in einem anderen, namlichen einem burgerlichen Kontext. Die Darstellung der Helden auf Schloss Runkelstein stammt je­doch aus dem ritterlichen Kontext, welcher ublicherweise in Frankreich verbreitet war und auch blieb, obschon sich im deutschsprachigen Raum der „burgerliche Kontext" durchsetzte.

Die Neun Helden sind zur Zeit der Entstehung der Malereien am Sommerhaus des Schlosses Runkelstein in erster Linie ein franzosisch-literarisch-ritterliches Motiv.

2.2.2 Zusammenstellung derNeun Helden

Die Frage ist, warum die Neun Helden auf genau diese Weise zusammengestellt wur- den und woher die Idee fur diese Zusammenstellung stammt. Bis heute wurde keine al- tere Darstellung der Neun Helden in der gleichen oder ahnlichen Aufstellung entdeckt, von daher muss Longuyon sie erfunden haben. Eine Idee zum Grundgedanken stellt Horst Schroder auf, der zwar einen christlichen Hintergrund trotz einer augenscheinli- chen Zusammensetzung der Helden gemaR der Heilsgeschichte (von den Heiden, uber die Juden bis hin zu den Christen) ausschlieRt[12], obwohl teilweise in einigen Darstellun- gen der Helden auch die Lebensdaten derart „manipuliert" wurden, dass ein linearer Ablauf der Geschichte simuliert wird. Als Grund dafur nennt er die Tatsache, dass die Helden nie in einem kirchlichen Umfeld erscheinen, mit Ausnahme einer Kirche in Da- nemark. Vielmehr nimmt er an, dass sich die Heldenreihe auf eine glaubensgeschichtli- che dreistufige Einteilung bezieht, die beispielsweise auch Augustinus in ahnlicher Form schon recht fruh machte[13], diejenige von ante legem, sub lege und sub gratia. Da das Mittelalter sehr christlich gepragt war, ist diese Deutung gut denkbar und lauft kei- nesfalls kontrar dazu, dass die Heldenreihe nicht in religiosem Kontext benutzt wurde. Die Zeitrechnung ist zwar an den christlichen Glauben geknupft, aber das Christentum ist lediglich der Rahmen der Geschichte.

Bedenken mussen wir auch die im Mittelalter sehr beliebte Zahlensymbolik. Die Zahl 3 gait durch die Trinitat als die vollkommene Zahl. Die Zahl 9 ist die Steigerung dieser Zahl (3x3) und somit die absolute Vollkommenheit. Somit sind drei besten Helden aus den jeweils drei bedeutenden Weltzeitaltern ebenso ein Kennzeichen fur ihre absolute Voll­kommenheit, die gezeigt wird durch ihr vorbildlich ritterliches Verhalten.

Auf Schloss Runkelstein vervielfacht sich die vollkommene Zahl 3 nochmals. Neun Tria- den (9x3), Walter Haug spricht von drei Neunerreihen[14], also von drei Reihen, die sich zusammensetzen aus jeweils drei Gruppierungen von drei unterschiedlichen Figuren (3x3x3) prasentieren sich an der Wand des Sollers des Sommerhauses.

Die Frage nach der Anzahl der Helden scheint nun zumindest „angeleuchtet", aber warum es nun genau jene Helden sind ist noch offen.

Zusammenstellungen von unterschiedlichen Personen oder gar Helden hat es auch vor Les Voeux de Paon gegeben nur nicht in eben jener Form. Gottfried von Bouillons Rechtfertigung in der Reihe der Neun besten Helden, haben wir allein durch seine loth - ringische Herkunft. Alexander und auch Julius Casar waren beliebte Akteure in den Hel- denepen der Zeit, auch Hektor, der heute eigentlich erst an zweiter Stelle hinter Achill genannt wird, war zur damaligen Zeit der beliebtere der beiden antiken Heroen. Die biblischen Helden mussen schlieRlich zumindest theoretisch in den zeitlichen dreiglied- rigen Ablauf passen (wenn wir der Theorie Schroders folgen) und zudem ritterlich hel- denhaft gehandelt haben, sodass beispielsweise ein biblischer Charakter wie Noah nicht als Held in diesen Topos passt. Stattdessen fallt die Wahl auf Josua, David und Ju­das Makkabaus, eine Entscheidung, die man aufgrund der vorgegebenen Parameter vermutlich ahnlich getroffen hatte. Artus und Karl der GroRe sind einerseits ebenso be­liebte Figuren der Literatur (Gralsepen) sowie auch schlichtweg „historische" Personen des erweiterten WirkungsumfeldesJacques de Longuyons.

Letztlich ist die Wahl dieser spezifischen Mannerfiguren in ihren jeweiligen Gruppen wahrscheinlich dem Triadengedanken geschuldet, die Wahl jedes einzelnen mutmaR- lich bestimmt durch beruhmte Sagen und Epen der Zeit sowie dem lokalen Heldenver- standnis.

3. Die Neun Helden im Kontext der Triaden des Sommerhauses

Nachdem nun die wichtigsten Fragen zu den Neun guten Helden und dem Hintergrund der Triadendarstellungen geklart wurden, kann nun in die Analyse der Figuren einge- stiegen werden. Die dargestellten Personen in den Triaden 1-6 unterliegen keinem Zweifel, die Zuordnung der Riesen, Riesinnen und Zwerge der Triaden 7-9 hingegen er- weist sich als schwierig und wird kontrovers behandelt.

Die Benennungen der abgebildeten Figuren beziehen sich in den meisten Fallen auf die Angaben Zingerles[15], die rein literarisch begrundeten Annahmen Malfers[16] aus den 1960er Jahren oder die neuen Erkenntnisse von Joachim Heinzle[17] aus den 1980er Jah- ren. Bedauerlicherweise kann ich nicht auf den Text Zingerles zugreifen, beziehungs- weise ihn nicht vollstandig lesen und entziffern, sodass ich nicht beurteilen kann inwie- fern er angegeben hat, welche Inschriften er bei seiner Untersuchung erkennen konnte und was diese im einzelnen genau zeigten. Belegt ist jedoch, dass es Inschriften gab und teilweise auch noch gibt, die die dargestellten Figuren identifizieren. Ein Problem, und dieses Problem zeigt sich vor allem bei den fraglichen Identifizierungen ab Triade 7, ist dabei, dass teilweise zwei Inschriften ubereinander sichtbar sind und von daher nicht klar ist, inwieweit die heute noch sichtbaren Inschriften identisch mit den ersten Inschriften aus der Zeit der Vintler sind oder ob sich durch Restaurationen Fehler einge- schlichen haben oder absichtlich „gemacht wurden", da die vorherigen Inschriften falsch gelesen, falsch interpretiert oder schlicht „falsch ubersetzt" wurden. Die Identifi- zierung der Neun Helden im Verbund der am Soller des Sommerhauses zu sehenden 27 Personen (beziehungsweise 30, da die Paare ja aus jeweils zwei Personen bestehen) gilt als sicher. Betrachten wir nun Triadenreihe als Ganzes und versuchen uns den Kontext aus der Betrachtung zu erschlieRen. Ob die genaue Identifizierung der Riesen und Zwerge letztlich fur die Behandlung des Themas relevant ist, wird sich zeigen.

[...]


[1] Osses2010

[2] Wyss 1957

[3] Schroder 1971

[4] vgl. Wyss 1957, S.85

[5] Bechtold, Andre 2000

[6] Wetzel, Renel999

[7] Zingerle,Ignazl857

[8] Malfer, Viktor 1976

[9] Haug, Walter 1982(darin: Heinzle)

[10] Komplettes Kapitel vgl. Bechtold 2000, S. 3-18

[11] Anmerkung: Bezuglich der Malereien kommt auch die Frage auf, ob Sentlinger an der Auswahl der Malereien mit- gewirkt hat, was in sofem interessant ware, da er kein Schreiber war, der die Chroniken nur kopierte, sondem er vari - ierte sie auch und legte groBen Wert auf Faktizitat und Historizitat.

[12] Vgl Schroder 1971, S. 50

[13] EbdS. 53f

[14] Vgl Haug 1982,S.31f

[15] Zingerle 1857

[16] Malfer 1972

[17] Heinzle 1982

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Geschichte und Kontext der Neun guten Helden auf Schloss Runkelstein
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Heldenbilder
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
28
Katalognummer
V461841
ISBN (eBook)
9783668923522
ISBN (Buch)
9783668923539
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte / Kunstgeschichte / Germanistik
Arbeit zitieren
Rebecca Myga (Autor), 2017, Geschichte und Kontext der Neun guten Helden auf Schloss Runkelstein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461841

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