Das vorliegende Thesenpapier gibt einen Überblick über wichtige Forschungsansätze im Bereich der Genderlinguistik, wie dem doing und undoing gender, als auch dem indexing gender. Es umreißt den Vortrag zur Sprachlichen Geschlechtskonstruktion im Fachseminar Gesprächsanalyse und fasst diesen kurz zusammen. Außerdem nimmt er Bezug zum Austausch mit den Studierenden während der Präsentation.
Inhaltsverzeichnis
Die Stimme als wesentlicher Faktor in Gesprächen
Konzepte des Gender
Gesprächsstile von Männern und Frauen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Zusammenspiel von Stimme, geschlechtsspezifischen Sprachmustern und soziologischen Konzepten der Geschlechterkonstruktion in institutionellen Kontexten. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, inwieweit anatomische Gegebenheiten, kulturelle Erlernung und soziale Identitätskonstruktionen das sprachliche Verhalten beeinflussen und wie sich traditionelle Rollenbilder in modernen Interaktionen wandeln.
- Anatomische und physiologische Grundlagen der Stimme
- Theoretische Konzepte: Doing Gender, Undoing Gender und Indexing Gender
- Empirische Betrachtung von Gesprächsstilen bei Männern und Frauen
- Die Rolle der Stimme bei der Konstruktion von Männlichkeit und Weiblichkeit
- Wandel von Geschlechterrollen im institutionellen Sprachgebrauch
Auszug aus dem Buch
Konzepte des Gender
In ihrem Ansatz des doing gender schlagen West und Zimmerman allem voran eine genaue Ausdifferenzierung von sex, sex category und gender vor. Sex beschreibt das biologische Geschlecht, während die sex category eine Bezeichnung für die Zuschreibung von Geschlecht ist. Hierbei wird einer Person das entsprechende körperliche Geschlecht unterstellt, obwohl die soziale Zuordnung von Geschlecht vom sex stets unabhängig ist (vgl. Frank 1995:165). Aufgrund von Regeln und Traditionen, die durch das binäre Geschlechtersystem heteronormativ ausgestaltet sind, ist es in unserer heutigen Gesellschaft erforderlich, sich zum einen oder zum anderen Geschlecht zu bekennen (z.B. bei der Namenswahl).
Gender - als dritte Kategorie - ist als das sogenannte soziale Geschlecht zu bezeichnen, das sich aus der sozialen Zugehörigkeit einer Person zu einem Geschlecht ergibt. Es ist "keine Rolle, (...) sondern das Produkt sozialen Handelns in Interaktionen" (West/Zimmerman 1991:16,27).
Zusammenfassend beschreibt doing gender ein Konzept, in dem das Geschlecht als ein Merkmal sozialer Situationen erfasst wird, das sich durch Routine und immer gleiche Methoden stetig neu in Interaktionen hervorhebt (vgl. Geimer 2013). West/Zimmerman kritisieren auch, dass die eigene Selbstzuschreibung zu einem Geschlecht und das doing gender - also das stete typisch-weiblich/männliche Verhalten - keineswegs aus dem binären Geschlechtersystem ausbrechen, sondern sich nur ausdifferenzierter darin einfügen (vgl. Frank 1993:169).
Zusammenfassung der Kapitel
Die Stimme als wesentlicher Faktor in Gesprächen: Dieses Kapitel erläutert die anatomischen Grundlagen der Stimmbildung und diskutiert, wie biologische Faktoren sowie kulturelle Zuschreibungen von Männlichkeit und Weiblichkeit die Wahrnehmung von Stimmen beeinflussen.
Konzepte des Gender: Hier werden zentrale theoretische Modelle wie "Doing Gender", "Undoing Gender" und "Indexing Gender" vorgestellt, um zu verdeutlichen, wie Geschlecht als dynamisches soziales Konstrukt in Interaktionen hervorgebracht wird.
Gesprächsstile von Männern und Frauen: Der Abschnitt reflektiert den aktuellen Forschungsstand zu geschlechtsspezifischen Gesprächsstilen und stellt diesen neuen, aus der seminaristischen Praxis gewonnenen Beobachtungen gegenüber, die auf einen Wandel traditioneller Rollenbilder hindeuten.
Schlüsselwörter
Genderlinguistik, Doing Gender, Undoing Gender, Indexing Gender, Gesprächsanalyse, Sprachverhalten, Stimmbildung, Identitätskonstruktion, Geschlechterrolle, Kommunikation, Interaktion, Soziales Geschlecht, Gemeinschaft, Sprachliche Konstruktion, Sozialisation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Schnittstelle zwischen Linguistik und Soziologie, um zu untersuchen, wie Gender durch Sprache und stimmliche Merkmale konstruiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die anatomischen Grundlagen der Stimme, soziologische Konzepte der Geschlechterkonstruktion und die empirische Analyse von Gesprächsstilen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Wandel von Geschlechterrollen in der Kommunikation zu analysieren und zu hinterfragen, wie stark sich das reale Sprachverhalten von den oft zitierten wissenschaftlichen Klischees der 90er Jahre unterscheidet.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit der Fachliteratur und verknüpft diese mit qualitativen Beobachtungen aus einem universitären Seminar-Kontext.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von stimmlichen Faktoren, die theoretische Herleitung der Geschlechterkategorien nach West/Zimmerman und Hirschauer sowie eine Reflexion über moderne Gesprächsstile.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Doing Gender, Indexing Gender, Geschlechterrolle, Gesprächsstil, Identitätskonstruktion und Kommunikation.
Inwiefern beeinflussen biologische Faktoren die Wahrnehmung von Geschlecht?
Die Autorin argumentiert, dass anatomische Unterschiede (z.B. Kehlkopfgröße) die Klangfarbe beeinflussen, welche wiederum kulturell mit Maskulinität oder Femininität verknüpft wird.
Warum ist der Forschungsstand zur Gesprächsforschung laut der Autorin schwierig?
Sie merkt an, dass quantitative Analysen oft unzureichend sind und viele vorliegende Ergebnisse veraltet sind, da sich das reale Kommunikationsverhalten im Zuge der Gleichberechtigung gewandelt hat.
Was bedeutet der Begriff "Indexing Gender" nach Helga Kotthoff?
Er beschreibt, wie Sprecher in einer "community of practice" durch bestimmte sprachliche Merkmale oder Verhaltensweisen Hinweise auf ihr Geschlecht geben, die historisch und gesellschaftlich kontextualisiert sind.
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- Jana Wischmann (Author), 2016, Genderlinguistik. Zur Konstruktion von Gender, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461902