"Arm im Leben, arm im Tod"? Sozialbestattung in Deutschland


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung
2.1. Was ist eine Sozialbestattung?
2.2 Was bedeutet der Begriff Armut?
2.3. Was bedeutet der Begriff Lebenslage?
2.4. Pietät und Totenwürde

3. Bestattungskultur in Deutschland
3.1. Entwicklung der Sozialbestattung in Deutschland
3.2. Anonyme Bestattung
3.3 Sozial- und Zwangsbestattungen

4. Bestattungskosten
4.1. Gesetzliche Grundlage

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit dem Thema Sozialbestattungen.

Was ist eine Sozialbestattung?

Wer hat Anspruch auf diese Art von Sozialleistung?

Ist eine Sozialbestattung noch eine würdevolle Beisetzung?

Aufgrund von zahlreichen Erfahrungsberichten, welche auf Beobachtungen des Fachpersonals in den Bereichen der Bestattung, der Berufsbetreuung sowie der Betreuungen in Behindertenwohnheimen beruhen, wurde ich auf das Thema aufmerksam.

Weiter motivierten mich meine persönlichen Erfahrungen als Berufsbetreuer, die ich als Trauergast bei meinen verstorbenen Klienten sammeln durfte. „Geiz ist geil“ – bis ins Grab: das lukrative Geschäft mit dem Tod.

Alle 35 Sekunden stirbt ein Mensch. Das Geschäft mit dem Tod ist ein Milliardenmarkt. Billigbestatter buhlen mit Tiefpreisgarantie, für Särge gibt es Discounter-Angebote zum Kampfpreis.“1

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Sie ist zu achten und zu schützen über den Tod hinaus. So besagt es das Grundgesetz Artikel 1 der Bundesrepublik Deutschland.

Ein jeder Mensch hat somit das Grundrecht in Würde und Anstand seine letzte Ruhestätte zu finden.

Dies ist leider nicht immer der Fall. Der oben genannte Rechtsanspruch generiert sich in der Realität nicht immer automatisch.

Eine würdevolle, zeitnahe Beisetzung ist häufig im Alltag aufgrund der ungeklärten Kostenübernahme, der aufwendigen Nachlasssorge und der langatmigen Bürokratie nicht immer möglich.

Durch die Probleme, welche der demographische Wandel unserer Gesellschaft mit sich bringt, werden die Menschen älter und einsamer.

Es gibt keine trauernden Angehörigen, keine Freunde, keinen Grabschmuck sondern nur die Bestattung in einem Sarg der Billigvariante „Sozialamt“.

Ohne ein Nachwort aus dieser Welt zu scheiden, entspricht nicht der Vorstellung von einer würdevollen Beerdigung bzw. unserer Bestattungskultur.

Es gibt wenig konkrete Studien über die Anzahl und die Art und Weise der Sozialbestattungen in Deutschland, lediglich der Kostenfaktor für die Bestattung wird über die Haushaltsplanung der Sozialämter erfasst.

Die Zahl der Anträge auf Übernahme der Bestattungskosten durch die Sozialämter nahm in den letzten Jahren stetig zu.

Es gibt bundesweit keine einheitlichen Richtlinien und Handlungsanweisungen zur Durchführung einer Sozialbestattung. Es entsteht der Eindruck, wer arm im Leben ist, ist dies auch im Tod!

2. Begriffsbestimmung

2.1. Was ist eine Sozialbestattung?

„Von einer Sozialbestattung spricht man, wenn die Kosten einer einfachen Erd- oder Feuerbestattung durch das zuständige Sozialamt übernommen werden.

Die Übernahme der Bestattungskosten durch die Sozialämter ist eine Hilfe in einer besonderen Lebenslage. Sie ist bundeseinheitlich in § 74 SGB XII geregelt.

Hiernach werden die erforderlichen Kosten einer Bestattung übernommen, soweit den hierzu Verpflichteten nicht zugemutet werden kann, die Kosten zu tragen. Wenngleich die gesetzliche Grundlage für Soziabestattungen bundesweit einheitlich ist, setzen die Ämter in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Maßstäbe bei der Beurteilung der Erforderlichkeit von Leistungen an.“2

2.2 Was bedeutet der Begriff Armut?

Die wissenschaftliche Definition von Armut beschreibt die illegitime Form sozialer Ungleichheit und fordert die Sozialpolitik zum Handeln auf. Die Erforschung des Begriffs Armut ist daher immer praxisbezogen.

Die Werteentscheidungen bestimmen die Grenze, ab wann jemand als arm zu bezeichnen ist. Dies lässt sich nur normativ bestimmen.3

2.3. Was bedeutet der Begriff Lebenslage?

Im Jahr 1931 schrieb der Soziologe Otto Neurath: “Die Lebenslage ist der Inbegriff aller Umstände, die verhältnismäßig unmittelbar die Verhaltensweisen eines Menschen, seinen Schmerz, seine Freude bedingen. Wohnung, Nahrung, Kleidung, Bücher, Theater, freundliche, menschliche Umgebung, all das gehört zur Lebenslage.“4

2.4. Pietät und Totenwürde

Im geschichtlichen Ursprung leitet man das Wort Pietät aus dem lateinischen pietas ab.

Der Begriff übernahm Bedeutungsinhalte geschichtlich von den lateinischen Vorläufern, dem Mittelalter und der römischen Antike.

Pietät beschreibt den Umgang mit dem Leichnam, die Art und Weise der Bestattung, der Beisetzung und das Verhalten der Bestatter, einschließlich der Begegnung und den Umgang mit den Hinterbliebenen.

Der Schutz der Totenwürde wird in den verschiedenen Bestattungsgesetzten unterschiedlich formuliert. Die Bestattungsgesetzte formulieren den Schutz der Würde des Verstorbenen, teils als Rechtspflicht oder Verbot. In dem Bestattungsgesetz von Nordrhein-Westfalen soll jeder Mensch vor der verstorbenen Person und dessen Totenwürde Achtung haben. Das sächsiche Bestattungsgesetz formuliert den Gesetzestext detailierter. Es soll bei der Durchführung einer Bestattung auf Würde und die Religionszugehörigkeit geachtet werden.

Die Würde des Verstorben und der genaue Umgang mit dem Leichnam werden im Gesetzestext nicht näher definiert. Man geht davon aus, in den Bestattungsgesetzen handelt es sich um eine einfache gesetzliche Verankerung von Normen, ein postmortaler Würdeschutz gemäß Artikel 1 Abs.1 Grundgesetz.

Häufig wird die postmortale oder nachwirkende Menschenwürde mit der Würde des Verstorbenen oder der Totenwürde gleichgesetzt. Die Totenwürde hat sich im Laufe des 21. Jahrhundert durch ihre Verwendung in den Bestattungs-gesetzen bekannt gemacht.

Die unterschiedlichen Begrifflichkeiten ergeben sich aufgrund der Annahme, dass der Begriff postmortal und der Begriff der Menschwürde unpassend seien, da die Würde nach dem Tod nicht mehr existiert. Es könnte nach dem Tod nur der Schutz des Leichnams als Objekt oder der Schutz des Verstorbenen als Person bedacht werden.

Eine bessere Beschreibung für die Totenwürde wäre somit die Schutzwürdigkeit des Leichnams.5

3. Bestattungskultur in Deutschland

Zum Thema Bestattung wurde 2012 eine Studie durchgeführt, welche darstellt, dass die Bestattungskultur in die gesellschaftliche Gesamtkultur eingebettet ist. Sie umfasst alle traditionellen und aktuellen Merkmale dieser Gesellschaft. Die Bestattungskultur spiegelt die unterschiedlichen Epochen wieder.

In Teilen spiegelt sie Prozesse, wie demografischer Wandel, Ökonomisierung und Globalisierung wieder.6

„Ein Gang zu den letzten Ruhestätten der Menschen aus verschiedenen Epochen, Räumen und Kulturen repräsentiert diese Einbettung, in Gestalt, ihrer Form, Symbolik und ihrer Materialität.

Trotz gewisser kultureller Vereinheitlichungen in einer „weltoffenen“ Gesellschaft sind es die Besonderheiten der jeweiligen Bestattungskulturen, an denen sich kollektive und individuelle Identitäten fest machen lassen. Wie die Menschen bestattet werden, hat etwas mit ihrem Leben und ihren gesellschaftlichen Verhältnissen zu tun.“7

3.1. Entwicklung der Sozialbestattung in Deutschland

Die Antragstellung auf Kostenübernahme von Bestattungskosten ist in den letzten Jahren permanent gestiegen.

Dies ergibt sich aufgrund der Altersarmut, denn immer mehr Menschen sind abhängig von staatlichen Leistungen und können die Kosten nicht selbst tragen. In den verschiedenen Regionen ist die unterschiedliche Handhabung von Sozialbestattungen der Grund für die Vielzahl der Probleme.

Vielerorts tragen die Bestatter ein großes Risiko, die Kosten für die Sozialbestattung nur teilweise oder gar nicht erstattet zu bekommen.8

[...]


1 N.N.: Sarg vom Sozialamt, das passiert wenn man in Deutschland einsam stirbt, in: stern-online vom 22.Januar 2016. URL: http://www.stern.de/wirtschaft/news/sozialbestattungen/das-passiert-wenn.man-in-Deutschland-einsam-stirbt-71247122.html, (abgerufen am 08.11.2018).

2 Berg, Otto: Was bedeutet Sozialbestattung, Bestattungen Berlin, URL: http://www.ottoberg.de/ratgeber/haeufige fragen/sozialbestattung.html (abgerufen am 10.05.2018).

3 vgl. Kriele, Almut: Armut und Ausgrenzung in Deutschland- ein Überblick, KFH NW, Aachen/ Vaals, 15.08.2005, URL: http://www.katho-nrm.de/migrate/contint uploads/ 3.4. armut-und-Ausgrenzung-in-deutschland-:pdf.html ( abgerufen am 15.10.2018 ).

4 Kriele, 2005.

5 vgl. Preuß, Dirk et al.: Facetten der Pietät, München, 2015, Herbert Utz Verlag, S. 345 ff.

6 vgl. Thieme, Frank: Bestattung zwischen Wunsch und Wirklichkeit- soziologische Studie, Fachverlag des deutschen Bestattungsgewerbes, Düsseldorf, 1. Auflage 2016, Seite.37.

7 Thieme, 2016, S. 37

8 vgl. Berg, 2018.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
"Arm im Leben, arm im Tod"? Sozialbestattung in Deutschland
Hochschule
DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen; Zentrale
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V461905
ISBN (eBook)
9783668905771
ISBN (Buch)
9783668905788
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialbestattung
Arbeit zitieren
Judith Schnabel (Autor), 2018, "Arm im Leben, arm im Tod"? Sozialbestattung in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461905

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