Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Thema Sozialbestattungen. Was ist eine Sozialbestattung? Wer hat Anspruch auf diese Art von Sozialleistung? Ist eine Sozialbestattung noch eine würdevolle Beisetzung? Auch im Tod hat jeder Mensch noch das Grundrecht, in Würde und Anstand seine letzte Ruhestätte zu finden. Doch dies ist leider nicht immer der Fall. Der oben genannte Rechtsanspruch generiert sich in der Realität nicht immer automatisch.
Die Ausgangsthese lautet: “Sozialbestattung - arm in Leben, arm im Tod“. Gibt es Unterschiede in der Durchführung der Bestattungszeremonien, wenn man vermögend ist oder nicht über genügend finanzielle Mittel verfügt? Damit diese Frage begründet beantwortet werden kann, werden Publikationen von Mitgliedern der Profession von Bestattern, Artikel aus Fachliteratur, Fachbücher und eine soziologische Studie zum Wandel des Bestattungsverhaltens in Deutschland von Frank Thieme recherchiert und analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung
2.1. Was ist eine Sozialbestattung?
2.2 Was bedeutet der Begriff Armut?
2.3. Was bedeutet der Begriff Lebenslage?
2.4. Pietät und Totenwürde
3. Bestattungskultur in Deutschland
3.1. Entwicklung der Sozialbestattung in Deutschland
3.2. Anonyme Bestattung
3.3 Sozial- und Zwangsbestattungen
4. Bestattungskosten
4.1. Gesetzliche Grundlage
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik von Sozialbestattungen in Deutschland unter ethischen Gesichtspunkten. Ziel ist es, zu analysieren, inwieweit soziale Ungleichheit im Leben auch die Würde im Tod beeinflusst und ob die gegenwärtige Praxis der Kostenübernahme durch Sozialämter mit dem Grundgesetz vereinbar ist.
- Soziale Ungerechtigkeit bei der Bestattung
- Ethische Dimensionen von Pietät und Totenwürde
- Strukturelle Probleme bei Sozial- und Zwangsbestattungen
- Analyse der Kostenübernahme nach SGB XII
- Vorschläge für eine staatliche Bestattungsvorsorge
Auszug aus dem Buch
3.2. Anonyme Bestattung
„Anonyme Grabarten machen fast 10,3% aus. Präferiert werden sie am häufigsten von den niedrigen Einkommensklassen.“ .9
Diese Zahlen und deren Entwicklung wird durch eine Bestattungsstudie aus dem Jahr 2012 belegt.
Bestatter sagen, dass der Wegfall des Sterbegeldes den Verfall der Sterbekultur bedingt. Selbst Millionäre sind sparsamer geworden und geben das Geld für andere Güter aus. Die Angehörigen geben heute weniger Geld aus, weil Familien über weniger Geld verfügen. Es drängt sich der Gedanke auf, die Menschen wollen nur noch sparen.10
„Hintergrund der skizzierten Entwicklung sind die Zunahme von Sozial- und Ordnungsamtbestattungen und das Entstehen eines „Billigsegments“ im Bestattungsmarkt, die Discount- oder Billigbestatter. Diese bieten auf der Basis der anonymen Bestattung minimalistische, auf technischen Vorgänge reduzierte Formen an.“11
Es gibt für diese Art von Bestattung eine Vielzahl von Ursachen. Begründen lässt sich die anonyme Bestattung auch mit dem wachsenden Säkularismus, die Gesellschaft wird immer weltlicher.
Aber ein gewichtiger Grund ist und bleibt der soziale Zwang. Es fehlt den armen Menschen an finanziellen Mitteln. Weiter begründen sich anonyme Bestattungen auch damit, dass die Verantwortlichen einer Sozial- oder Zwangsbestattung vom Ordnungsamt von Amts wegen zu äußerster Sparsamkeit verpflichtet sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Motivation der Autorin und führt in die ethische Problemstellung ein, ob Sozialbestattungen eine würdevolle Beisetzung ermöglichen.
2. Begriffsbestimmung: Hier werden zentrale Begriffe wie Sozialbestattung, Armut, Lebenslage sowie die ethischen Konzepte von Pietät und Totenwürde wissenschaftlich definiert.
3. Bestattungskultur in Deutschland: Dieses Kapitel beschreibt den Wandel der Bestattungskultur, die Zunahme anonymer Bestattungen und die Unterschiede zwischen Sozial- und Zwangsbestattungen.
4. Bestattungskosten: Der Abschnitt erläutert die staatliche Regelung zur Kostenübernahme gemäß § 74 SGB XII als soziale Sicherungsleistung.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und schlägt eine staatliche Pflichtversicherung als Lösung für eine würdevolle Bestattung unabhängig vom sozialen Status vor.
Schlüsselwörter
Sozialbestattung, Armut, Totenwürde, Pietät, Bestattungskultur, SGB XII, soziale Ungerechtigkeit, Zwangsbestattung, Bestattungskosten, Altersarmut, Demografischer Wandel, Sozialhilfe, Würde, Ethik, Bestattungsvorsorge.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die ethischen und sozialen Aspekte von Sozialbestattungen in Deutschland und die damit verbundene Frage nach der Würde des Menschen im Tod.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die soziale Ungleichheit, die Entwicklung der Bestattungskultur, rechtliche Rahmenbedingungen für Kostenübernahmen sowie der Einfluss von Armut auf die Gestaltung der Abschiednahme.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob eine Sozialbestattung noch als würdevolle Beisetzung gelten kann und warum soziale Ungleichheit im Leben auch die Würde im Tod beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche, der Auswertung soziologischer Studien zum Bestattungsverhalten sowie der Analyse von Fachliteratur und Gesetzestexten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition relevanter Begriffe, der Darstellung der Bestattungskultur in Deutschland, den Unterschieden zwischen Sozial- und Zwangsbestattungen sowie den gesetzlichen Grundlagen der Kostenübernahme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Sozialbestattung, Armut, Totenwürde, soziale Ungerechtigkeit und Bestattungskultur einordnen.
Was unterscheidet eine Sozialbestattung von einer Zwangsbestattung laut der Autorin?
Bei der Sozialbestattung haben Hinterbliebene noch Einflussmöglichkeiten auf die Zeremonie, während Zwangsbestattungen durch das Ordnungsamt meist als anonyme Urnenbeisetzungen ohne jegliche Abschiednahme durchgeführt werden.
Welchen Lösungsvorschlag unterbreitet die Autorin im Fazit?
Die Autorin schlägt die Einführung einer staatlichen Pflichtversicherung für Bestattungen vor, in die alle Bürger einzahlen, um einen einheitlichen Rechtsanspruch auf eine würdevolle Beisetzung zu gewährleisten.
Warum wird die aktuelle Praxis der Sozialbestattung kritisiert?
Die Kritik richtet sich gegen die fehlende bundeseinheitliche Regelung, die bürokratischen Verzögerungen und die Tatsache, dass Kostenübernahmen oft schmucklose, anonyme Bestattungen erzwingen, die als nicht würdevoll empfunden werden.
- Arbeit zitieren
- Judith Schnabel (Autor:in), 2018, "Arm im Leben, arm im Tod"? Sozialbestattung in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461905