Der Film „M“ entstand im Jahr 1931 unter der Regie von Fritz Lang und zählt zu den bedeutendsten Werken des deutschen Films. Es ist eine der ersten deutschen Tonfilmproduktionen und nutzt dieses neue Medium besonders gekonnt aus. Es wird den Genres Gerichtsdrama, sozialrealistisches und -kritisches Proletarierdrama und Krimi zugeordnet. Durch eindrucksvolle Licht- und Schattenspiele wirkt der Film düster, mysteriös und gefährlich und wird daher auch dem Film Noir zugeordnet.
Der Film wird häufig zusammen mit dem früheren Arbeitstitel „Mörder unter uns“ oder dem späteren Verleihtitel „Eine Stadt sucht einen Mörder“ genannt. Er ist einer der späteren Filme des Erfolgsregisseurs Lang. Zusammen mit Drehbuchautorin Thea von Harbou und Kameramann Fritz Arno Wagner entstand Anfang der 40er Jahre der in der Originallänge 117-minütige Film. Die überarbeitete Fassung dauert letztlich nur 107 Minuten. Er ist mit einem FSK von 12 Jahren eingeordnet.
Die herausragende filmhistorische Bedeutung, die „M“ genießt, wird zumeist auch anhand der ästhetischen Gestaltung dieses Films begründet. Fritz Lang wagte sich mit dem Medium Tonfilm an etwas für ihn völlig Neues. Die dabei durchgeführten Experimente gelten auch heute noch als „Beispiel für eine vorbildliche Bewältigung des Mediums Ton“ .
Die grundsätzliche Idee des Themas kam Lang durch aktuelle Zeitungsartikel über Serienmörder, wie Peter Kürter, der als „Vampir von Düsseldorf“ bekannt wurde. Als diesem schließlich der Prozess gemacht wurde und er zum Tode verurteilt wurde, waren die Dreharbeiten bereits im Gange. Drei Wochen nach seiner Hinrichtung feierte „M“ seine Premiere. „Der Film wurde zu einer unmittelbaren fassungslosen Reaktion einer Generation auf die Düsseldorfer Mordserie.“ Diese Berichte zu den Mordfällen veranlassten Fritz Lang nach eigenem Bekunden dazu, „der Sachlichkeit der Zeitepoche, durch die wir eben durchgehen, zu entsprechen und einen Film rein auf Tatsachenberichten aufzubauen.“ Er informierte sich umfangreich bei Kriminalpolizisten über Fahndungsmethoden und bei Psychologen sowie Psychiatern über die Geisteshaltung von Triebtätern, um ein möglichst realitätsnahes Werk entstehen zu lassen. Die Aufgabe des Films lag ihm zufolge darin, „an wirklichen Geschehnissen eine Warnung, eine Aufklärung zu gebe, und dadurch schließlich vorbeugend zu wirken.“ Das Ergebnis war ein sensibles Zeitbild, dessen stark realistische Verfahrensweise ein gegensätzliches Bild der damaligen Gesellschaft zeichnet.
Inhaltsverzeichnis
1. Allgemeines
2. Inhalt
3. Charaktere
4. Mise-en-Scéne
5. Narrationsebenen
6. Motive
7. Interpretationsversuch
8. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit widmet sich der wissenschaftlichen Filmanalyse von Fritz Langs Werk „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf der Untersuchung der filmischen Gestaltungsmittel, der Charakterkonstellationen sowie der zentralen Motive, um die gesellschaftskritische Dimension des Films im Kontext von Recht, Unrecht und Selbstjustiz zu ergründen.
- Analyse der ästhetischen Gestaltungsmittel (Licht, Schatten, Ton und Kamera)
- Untersuchung der Figurendynamik zwischen Polizei, Unterwelt und Bürgerschaft
- Deutung zentraler Filmsymbole wie Luftballons, Uhren und Spiegel
- Reflexion über die Darstellung von moralischen Konflikten und Selbstjustiz
- Einordnung des Werks als bedeutender Vorläufer des Film Noir
Auszug aus dem Buch
4. Mise-en-Scéne
Die Geschichte spielt in Berlin zur Zeit der Weimarer Republik. Die Szenen werden dabei eher bühnenartig in Innenraum- oder Straßenkulissen dargestellt. In Innenräumen werden zumeist die Verhandlungen aufgenommen, während die Jagd nach dem Mörder tatsächlich außerhalb stattfindet. Naturaufnahmen oder Himmelabbildungen werden nahezu nie gezeigt. Elsies Tod stellt dabei die einzige Ausnahme dar, denn hier steht der Himmel für das Sterben und ‚Nicht-mehr-Zurückkehren‘ Elsies und stellt damit ein übergeordnetes, symbolisches Mittel dar. Darüber hinaus fällt auf, dass vor allem in fortgeschrittenen Szenen, wenn die ‚Jäger‘ dem Mörder immer näher kommen, zunehmend Nachtszenen eingesetzt werden. Dadurch setzt Lang sehr gekonnte dramatische Licht- und Schattenspiele in die Geschehnisse ein, wodurch die bedrückende und mysteriöse Atmosphäre verstärkt wird. Die Großstadt wirkt als ein Motiv unüberschaubarer Vielfalt, einer ambivalenten Bevölkerung, das durch unübersichtliche Straßenszenen und Menschenmassen eine beinahe wirre und bedrückende Wirkung verströmt.
Dieser gerade angeführte Aspekt führt bereits zu dem nächsten Punkt der Mise-en-Széne: dem Licht. Wie zuvor erwähnt, zählt der Film „M“ zu dem Genre Film Noir. Hierfür typisch sind starke Licht-Schatten-Effekte und Schwarz-Weiß-Kontraste, Gegenlicht und Silhouette, die Fritz Lang häufig zum Einsatz bringt. Bereits zu Anfang setzt der Regisseur auf dieses Mittel: Auf der einen Seite stellt ein Menschenschatten, der zu Beginn des Films an der Litfaßsäule zu sehen ist, die Ankündigung des drohenden Mordes an Elsie dar. Andererseits deutet der Schatten die versteckte und geheime Ermittlungsarbeit der Verbrecher an. Insgesamt dominieren den Film die Dunkelheit und die Nachtszenen. Die Innenräume sind zumeist in einem verrauchten Zustand mit viel Zigarettenqualm, was die Umgebung verschwommen und nicht eindeutig wirken lässt. Dies unterstreicht den undurchsichtigen Eindruck, den die Ermittler in Bezug auf die Mordfälle haben, auf bildhafte Weise. Keiner der Handelnden kennt den Mörder und somit tappen alle im Ungewissen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Allgemeines: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über Entstehungsgeschichte, Genre-Einordnung und die filmhistorische Bedeutung des Werks als Tonfilm-Pionierleistung.
2. Inhalt: Hier wird der Handlungsverlauf skizziert, der das soziale Gefüge Berlins während einer Mordserie und die konvergierenden Jagdmethoden von Polizei und Kriminellen beschreibt.
3. Charaktere: Dieses Kapitel analysiert die fünf zentralen Figuren bzw. Figurengruppen und ihre komplexen wechselseitigen Abhängigkeiten und Rollen in der Erzählung.
4. Mise-en-Scéne: Es wird untersucht, wie durch den Einsatz von Setting, Licht, Ton, Musik und Kamera eine bedrückende und mysteriöse Atmosphäre erzeugt wird.
5. Narrationsebenen: Die lineare Erzählstruktur und das Pluralitätsmuster der drei Handlungsstränge werden erläutert, die durch Parallelmontage zusammengeführt werden.
6. Motive: Dieses Kapitel widmet sich der symbolischen Bedeutung von wiederkehrenden Elementen wie Luftballons, Uhren, Spiegeln, Rauch und Händen.
7. Interpretationsversuch: Hier findet eine kritische Auseinandersetzung mit den Themen Recht, Unrecht und Selbstjustiz sowie der Darstellung des Mörders als Täter-Opfer-Figur statt.
8. Fazit: Das Fazit resümiert die Bedeutung von „M“ als innovativen Klassiker, der die moralische Ambiguität einer Gesellschaft eindrucksvoll spiegelt.
Schlüsselwörter
Fritz Lang, M, Filmanalyse, Film Noir, Tonfilm, Kindermörder, Hans Beckert, Schizophrenie, Selbstjustiz, Mise-en-Scéne, Parallelmontage, Weimarer Republik, Kriminalfilm, Symbolik, Gesellschaftsbild
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine umfassende Analyse des Fritz-Lang-Klassikers „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ unter Berücksichtigung filmästhetischer und inhaltlicher Aspekte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten zählen die filmische Gestaltung (Mise-en-Scéne), die Figurenanalyse, der Einsatz von Symbolen sowie die kritische Reflexion gesellschaftlicher Moralvorstellungen im Kontext von Kriminalität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Fritz Lang durch filmische Mittel ein komplexes Gesellschaftsbild entwirft, das den Betrachter zur kritischen Auseinandersetzung mit Recht und Selbstjustiz anregt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit nutzt die klassische Filmanalyse, wobei Schwerpunkte auf der Narrationsstruktur, der Bildsprache (Kamera, Licht) und der Interpretation symbolischer Motive liegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu Charakteren, der Mise-en-Scéne, den Narrationsebenen, zentralen Motiven und einem tiefergehenden Interpretationsansatz zum Rechtssystem.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Film Noir, Kindermörder, Parallelmontage, Schizophrenie, Selbstjustiz und die Weimarer Republik.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Mörders Hans Beckert?
Beckert wird nicht nur als Täter, sondern als „krankes Resultat einer kranken Gesellschaft“ inszeniert, wobei Lang ihn gleichzeitig als Opfer einer entfesselten Bevölkerungsmenge darstellt.
Warum spielt die Parallelmontage eine so wichtige Rolle für das Verständnis des Films?
Sie verknüpft die Handlungsstränge von Polizei und Unterwelt so eng miteinander, dass die Grenzen zwischen Gesetzeshütern und Verbrechern verschwimmen, was die Undurchsichtigkeit und moralische Ambiguität unterstreicht.
Welche Bedeutung haben die Symbole wie der Luftballon?
Der Luftballon dient als handlungsumschließender Rahmen; er steht einerseits für das Anlocken der Opfer, symbolisiert aber auch das Schicksal und die kindliche Unschuld, die dem Täter zum Verhängnis wird.
- Arbeit zitieren
- Sophie Hohmann (Autor:in), 2014, Eine Filmanalyse von Fritz Langs "M – Eine Stadt sucht einen Mörder", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461940