Ziel dieser Arbeit ist es, die von Martin geschaffenen Figuren mit dem gattungstypischen Schema zu vergleichen und Abweichungen aufzuzeigen. Als Primärliteratur wird auf die deutsche Übersetzung von Game of Thrones zurückgegriffen, weil eine semantische Auseinandersetzung auf Wortebene für diesen Zweck nicht erforderlich ist. Außerdem dient das Werk Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien als Vergleichsobjekt, weil es als Grundstein der modernen Fantasyliteratur gilt.
Da in diesem Forschungsgebiet noch kein begrifflicher Konsens herrscht, wird zunächst eine Definition von Fantasyliteratur erarbeitet. Daraufhin erfolgen eine gattungskonforme Darstellung von Helden sowie die binäre Figureneinteilung in Gut und Böse in der High Fantasy. Auf dieser Grundlage werden exemplarisch verschiedene Figuren aus Game of Thrones herangezogen und mit den zugrundeliegenden Kriterien verglichen. Im Fazit werden die zentralen Ergebnisse zusammengefasst und kritisch reflektiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einordnung von Fantasyliteratur
3. Das Schema in der Fantasyliteratur
3.1 Der Held und seine Quest
3.2 Binäre Gut-Böse-Beziehungen
4. Heterogene Helden
4.1 Eddard Stark
4.2 Jon Schnee
4.3 Daenerys Targaryen
4.4 Ergebnis
5. Figuren zwischen Gut und Böse
5.1 Theon Graufreud
5.2 Jaime Lennister
5.3 Ergebnis
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern George R. R. Martins Fantasyreihe Game of Thrones die klassischen Gattungsstrukturen und Erzählschemata der High Fantasy durchbricht und neu interpretiert. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie der Autor mit den traditionellen Erwartungshaltungen an Heldenfiguren sowie die binäre Einteilung in Gut und Böse umgeht.
- Analyse gattungstypischer Schemata in der High Fantasy (Held, Quest, Gut-Böse-Dualismus).
- Untersuchung heterogener Heldenfiguren und deren Abweichungen vom klassischen Bild.
- Diskussion moralischer Ambivalenz bei zentralen Charakteren wie Theon Graufreud und Jaime Lennister.
- Reflexion über die Bedeutung der narrativen Technik und seriellen Figurenentwicklung.
Auszug aus dem Buch
4.1 Eddard Stark
Während der ersten beiden Bände ist Eddard die zentrale Reflektorfigur, durch die der Leser die Geschehnisse wahrnimmt und mit der die meisten Figuren interagieren. Entgegen dem Schema nimmt Eddard keine Außenseiterposition ein, die im Verlauf der Erzählung einen Heldenstatus erlangt. Der Leser trifft stattdessen auf einen gestandenen und anerkannten Helden, der sich in vergangenen Schlachten, wie Roberts Rebellion, bereits bewährt hat. Ebenfalls abweichend ist der Umgang von ritterlichen Tugenden, die durch die Figur Eddard verkörpert werden. Starre Wertvorstellungen wie Ehre und Loyalität führen in Game of Thrones vielmehr zu schmerzlichen Niederlagen anstatt zu Ruhm. Eine solche Darstellung von Eddards Ritterlichkeit ist jedoch nicht als zynisch zu bewerten, sondern repräsentiert vielmehr einen Kampf einer Figur in ihrer korrupten Welt. Da sich Martin wenig um poetische Gerechtigkeit bemüht, werden Strukturen geschaffen, die der realen Welt nahekommen.
„Ihr tragt euer Ehrgefühl wie eine Rüstung, Stark. Ihr glaubt, sie könnte Euch beschützen, aber sie zieht euch nur zu Boden und erschwert eure Bewegungen” – Petyr Baelish
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik ein, das gattungsspezifische Schema der Fantasy zu hinterfragen und stellt die Forschungsfragen bezüglich der Heldenkonzeption sowie der Gut-Böse-Einteilung bei Martin.
2. Einordnung von Fantasyliteratur: Es werden grundlegende Definitionen von Fantasyliteratur erarbeitet, wobei Tolkien als Vergleichsmaßstab dient und die Funktion der Gattung als Unterhaltung durch Erwartung von Grundmustern beleuchtet wird.
3. Das Schema in der Fantasyliteratur: Dieses Kapitel analysiert die klassische Heldenfigur mit ihrer Quest sowie die philosophischen und literarischen Grundlagen der binären Gut-Böse-Beziehungen.
4. Heterogene Helden: Anhand der Figuren Eddard Stark, Jon Schnee und Daenerys Targaryen wird untersucht, wie Martin die Konventionen des Heldentums gezielt variiert oder bricht.
5. Figuren zwischen Gut und Böse: Durch die Analyse von Theon Graufreud und Jaime Lennister wird verdeutlicht, wie moralische Dilemmata eine eindeutige Kategorisierung von Charakteren als gut oder böse verhindern.
6. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass Martin durch eine serielle Figurenentwicklung und die bewusste Unterwanderung von Erwartungshaltungen die Grenzen der traditionellen High Fantasy erfolgreich überschreitet.
Schlüsselwörter
Fantasyliteratur, Game of Thrones, Schemaliteratur, George R. R. Martin, J. R. R. Tolkien, Heldenfigur, Quest, Gut-Böse-Beziehung, High Fantasy, Figurenentwicklung, moralisches Dilemma, Gattungsschema, Literaturwissenschaft, Narrativ, Reflektorfigur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie George R. R. Martin in seiner Reihe Game of Thrones mit klassischen Mustern und Schemata der Fantasyliteratur bricht.
Welche Themenfelder stehen im Fokus?
Die zentralen Themen sind das Heldentum, die Struktur der Quest, die moralische Einteilung von Figuren in Gut und Böse sowie der Vergleich zur traditionellen High Fantasy.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Martin durch Variationen und gezielte Regelbrüche eine komplexere, realitätsnähere Erzählweise innerhalb der Fantasy-Gattung etabliert.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die gattungstheoretische Definitionen auf die Primärliteratur anwendet und diese mit Vergleichsobjekten wie Tolkiens Werk kontrastiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Fantasy-Schemas und eine praktische Analyse ausgewählter Figuren hinsichtlich ihrer Heldenmerkmale und ihrer moralischen Einordnung.
Welche Schlüsselwörter beschreiben die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Schemaliteratur, moralische Ambivalenz, Gattungsbruch, Figurenentwicklung und High Fantasy.
Wie unterscheidet sich Eddard Stark vom klassischen Heldenbild?
Im Gegensatz zum typischen Helden, der erst im Verlauf der Geschichte zu seinem Status gelangt, ist Eddard bereits etabliert. Zudem führen seine ritterlichen Werte wie Ehre in Martins Welt nicht zum Ruhm, sondern zu seinem Untergang.
Warum ist eine Einordnung von Jaime Lennister in Gut oder Böse schwierig?
Die Einordnung ist aufgrund seiner komplexen Entwicklung und der unterschiedlichen Perspektiven, die der Leser auf seine Taten erhält, kaum möglich, da er nicht nur als "Königsmörder" agiert, sondern auch moralische Dilemmata bewältigt.
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- Kevin Lutter (Author), 2017, Game of Thrones als Schemaliteratur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461953