Im Wandel der Macht. Eine genderorientierte Figurenanalyse über die veränderte Inszenierung der Frauen in "Star Wars"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
34 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Im Wandel der Macht
a. Doing-Gender und Geschlechterstereotypisierung in den Medien
i. Frauen in Filmen
b. Star Wars, eine Einleitung
c. Empirie: Eine gender- orientierte Figurenanalyse
i. Methodisches Vorgehen
ii. Leia Organa
iii. Padmé Amidala
iv. Rey
d. Geschlechterverhältnis
e. Zwischenfazit: Frauen, Männer, Macht

3. Übertragbarkeit Filmbranche

4. Fazit: Die Macht ins Gleichgewicht bringen

5. Bibliografie

6. Anhang
a. Charakterprofil
b. Abbildungen

Einleitung

Das zentrale Thema der Hausarbeit ist die veränderte Inszenierung von Geschlecht, zentral der Frauen, in den Star Wars Episoden seit den 1977 Jahren.

Audiovisuelle Medien (Filme, Serien, Videospiele, Internet, Videoplattformen) sind identitätsstiftend und stellen Orientierungspunkte für Menschen jeden Alters dar, denn sie sind ein fester Bestandteil des alltäglichen Lebens.

Ein Spielfilm stellt jedoch nicht ein Abbild der Realität dar, sondern erschafft eine inszenierte mediale Wirklichkeit. Frauen und Männer werden demnach nicht nur dargestellt, sondern es werden Vorstellungen darüber produziert, wie Männer und Frauen sind. Die inszenierte Darstellung von Geschlecht reproduziert, verstärkt und trägt dazu bei, dass bestimmte Eigenschaften als besonders männlich oder weiblich angesehen werden. Die inszenierten Figuren vermitteln ganz konkrete Geschlechterbilder unter anderem durch Auftreten, Sprache, Körperformen, Interaktion und Aktion. Somit tragen Filme zur Stabilisierung bestimmter Normen und Rollenklischees bei, beispielsweise wie ehrgeizig Frauen im Berufsleben sind, ob sie ganz selbstverständlich politische Ämter bekleiden oder wie aktiv sie auf ihr Umfeld reagieren. Die Geschlechterrepräsentation prägt aus diesem Grunde sowohl gesellschaftliche als auch persönliche Wertvorstellungen und Identitäten.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Rolle der Frauen innerhalb der westlichen Gesellschaft verändert, beziehungsweise vervielfältigt. Gleichberechtigung auf allen Ebenen: im Eheleben, sozial, gesellschaftlich und politisch, geht einher mit einer Justierung von Männlichkeit ebenso wie Weiblichkeit. Traditionelle Rollen- und Geschlechterbilder verschwimmen und die Menschen, voran Frauen, orientieren sich individueller. Dies eröffnet ein weites Spektrum von Identitäten, Aufgaben und Bildern.

Wenn nun Medien maßgeblich an Wertigkeiten der Gesellschaft beteiligt sind, stellt sich die Frage ob und wie diese weibliche Emanzipation und veränderte Rollenbilder dargestellt werden.

Vor diesem Hintergrund gilt das zentrale Forschungsinteresse dieser Arbeit wie sich die Inszenierung der Frauen in Spielfilmen verändert hat. Anhand der Star Wars Filmreihen soll mittels Figurenanalysen untersucht werden, wie Weiblichkeit in den einzelnen Spielfilmen durch die Figuren dargestellt wird, und welche Rolle im Filmkontext den Frauen zu den jeweiligen Zeiten zugedacht wurde.

Unter der Annahme, dass sich das Frauenbild in einem medialen Wandel befindet und Frauen emanzipierter inszeniert werden, stellt sich die Frage Was sich geändert hat, ist es die rein visuelle Darstellung, betrifft es das Geschlechterverhältnis im Film oder die Interaktions- und Kontextdarstellung?

Im ersten Teil der Arbeit wird demnach erläutert, was die Konstruktion von Geschlecht bedeutet und wie Frauen in Filmen typischer Weise inszeniert werden.

Nach einer knappen Einleitung über die Star Wars Filmreihen und die Erläuterung der empirischen Methode werden die drei Figurenprofile Leia Organa, Padmé Amidala und Rey dargestellt. Die drei Charaktere nehmen unabhängig voneinander weitestgehend zentrale Rollen in den Star Wars Trilogien ein und stehen stellvertretend für ihr Geschlecht zur jeweiligen Zeit. Der Bekanntheitsgrad und die Produktion mehrerer Episoden in den verschiedenen Dekaden machen die Star Wars Filmreihe dabei besonders attraktiv für die Untersuchung nach veränderten Geschlechterdarstellungen über einen gewissen Zeitraum. Nach den Figurenprofilen folgt die Darstellungen der Geschlechterverhältnisse bezogen auf die Spielfilmlängen sowie ein Eindruck des absoluten Verhältnisses von Männern und Frauen.

In dem folgenden Zwischenfazit wird die veränderte Inszenierung von Weiblichkeit sowie die Rollen im Kontext, durch den Vergleich der Figuren, herausgearbeitet.

Ob eine mediale Veränderung branchenweit erkennbar ist soll mithilfe eines filmgeschichtlichen Überblicks sowie einiger Kennzahlen der Filmbranche dargestellt werden. Das abschließende Resümee fasst die zentrale Fragestellung und These und Aussagen der empirischen Untersuchung zusammen und diskutiert mögliche Hintergründe sowie weitere Auseinandersetzungen mit der Thematik.

Im Wandel der Macht

Doing- Gender und Geschlechterstereotypisierung in den Medien

„Geschlecht ist nicht etwas, das wir haben, schon gar nicht etwas, was wir sind, Geschlecht ist etwas, das wir tun.“ (Mühlen-Achs 1998: S.21)

Doing-Gender ist ein theoretischer Ansatz, der Geschlecht als fortlaufenden sozialen Konstruktionsprozess ansieht. Demnach ist Frau- oder Mann-Sein1 nicht naturgegeben, sondern wird durch interaktives (Alltags-)Handeln kulturell erzeugt, reproduziert und legitimiert. Diese konstruierte Differenz zwischen Weiblichkeit und Männlichkeit erschafft Zugehörigkeitsnormen, die sich äußern in Darstellungsmitteln (äußerliche Merkmale) Geschlechterarrangements (vergeschlechtliche Handlungsweisen) oder auch sexuierten Räumen (Orte, an denen Geschlechter in eine spezifische Beziehung zueinander gesetzt werden).

In den Medien werden nun jene Geschlechterbilder aufgegriffen, idealisiert und/oder stereotypisiert. Stereotypen entstehen wo generelle Annahmen und Vorurteile mit festen Klischees über eine soziale Gruppe getroffen werden (zum Beispiel: Frauen können gut kochen).

Oft ist die Geschlechterrepräsentation in spezifische Machtkontexte eingebunden und bringt soziale Rangordnungen zum Ausdruck. Dem Publikum werden „glückliche Familien“, „richtige Kerle“ und „Karrierefrauen“ präsentiert oder auch traditionelle Sitten, die geschlechtsstereotypisierte Fähigkeiten, Merkmale oder Aspirationen enthalten. Das bedeutet allerdings nicht, dass es nur einen Typ „Mann“ oder „Frau“ gibt oder Geschlechterbilder unveränderbar sind. Stereotype sind durchaus variabel, denn sie spiegeln gesellschaftliche Prozesse wieder (vgl. Hofmann 2008: S. 10-18, S. 46-49 und Sennewald 2007: S. 30-37).

Frauen in Filmen

Frauen sind in Filmen stark unterrepräsentiert; bei einer Studie im Jahr 2015 waren unter den erfolgreichsten 100 Hollywood Filmen gerade einmal 22% weibliche Protagonisten. Zudem besetzen Frauen nur 33% aller Filmrollen mit Textzeilen.

Die sogenannte Screen Time, also Bildschirmzeit, stellt die relative Häufigkeit dar, mit der Frauen und Männer in Filmen gezeigt werden. Männliche Charakteren sind beinahe doppelt so häufig zu sehen wie weibliche Charakteren (60,9% zu 39,1%) und verfügen über mehr Sprechzeiten (63,7% zu 36,3%) (vgl. Lauzen 2016: S. 1 und „See Jane 100“ 2017).

Neben der Häufigkeit, mit der Frauen in Spielfilmen auftauchen, spielt die konkrete Darstellung von Weiblichkeit und die Inszenierung weiblicher Figuren eine große Rolle.

Obwohl in den letzten Jahren zunehmend „Girl-Power“-Ikonen auf der Kinoleinwand Einzug fanden, wie beispielsweise Katness Everdeen („Die Tribute von Panem“), sind traditionelle weibliche Stereotypen immer noch die Norm.

Frauen spielen zwei Mal öfter lebensbezogene- als arbeitsbezogene Rollen (geben sich gerne mit einem niedrigeren Job-Status zufrieden), sind selten formelle Anführer und werden häufig selbstaufopfernd für Kinder und Mann dargestellt. Sie werden, basierend auf ihren hingebungsvollen Eigenschaften als Mutter, Ehefrau oder Geliebte, geschätzt. Häufig werden Frauen dabei überemotional inszeniert obwohl ihre persönlichen Ziele seltener identifizierbar sind. Damit agieren Frauen hauptsächlich in Abhängigkeit anderer und verhalten sich im Handlungsstrang eher passiv und abwartend, teilweise passiv, bis hin zur Opferrolle (vgl. Murphy 2015: S. 8 ff.).

Praktische und sachliche Merkmale, wie Logik, Selbständigkeit und Unabhängigkeit, Ehrgeiz, Kompetenz, Aggressivität, Risikofreude oder ein technisch-/naturwissenschaftliches Verständnis stehen signifikant für Männlichkeit.

Zudem sind die hauptsächlich gezeigten Altersstufen beider Geschlechter different. Weibliche Figuren sind durchweg jünger als männliche. So sind 52% aller Frauen in ihren 20ern oder 30ern, wogegen Männer sich zu 57% in ihren 30ern oder 40ern befinden. Begründen lässt sich dies einerseits damit, dass Frauen in Filmen häufiger für ihre Schönheit und Jugendlichkeit geschätzt werden, sowie implizit mit der Darstellung höherer Kompetenz und Reife (durch Erfahrungen des Alters) des männlichen Geschlechts im direkten Vergleich.

Körperliche Attribute von Frauen sind vorrangig, sie werden in Filmen bedeutend öfter sexuell objektiviert als Männer, vor allem durch knappe oder enge Kleidung. Die Objektivierung geht einher mit dem Persönlichkeitsverlust weiblicher Figuren und unterstützt die männliche Leinwandüberlegenheit indem es Machtpositionen der männlichen Figuren stärkt (vgl. Smith 2008: S 12-17 und Lauzen 2016: S. 2,3). Auch Mädchen und sehr junge Frauen sind von diesem Phänomen nicht ausgeschlossen, so werden 13 bis 20-Jährige in Spielfilmen genauso häufig in sexy Kleidung oder teilweiser Nacktheit gezeigt wie 21- 39 Jahre alte Frauen (vgl. WMC 2017: S. 97).

Star Wars, eine Einleitung

Die „Star Wars“ Filmreihen zählen zu den erfolgreichsten Werken der Filmgeschichte (gemessen an Einspielergebnissen und Bekanntheitsgrad).

Im Wesentlichen spielen alle Filme in einem fiktiven Universum und handeln von einem andauernden Kampf zwischen Gut und Böse. Ein wichtiges und wiederkehrendes Element stellt dabei „die Macht“ dar, welche eine metaphysische allgegenwärtige Kraft ist und Stärke verleiht.„Die Macht“ hält das Gleichgewicht zwischen Leben und Tod, Schöpfung und Zerstörung in der Galaxis aufrecht. Demnach gibt es eine Seite dieses Gleichgewichts, die die Prinzipien von Frieden, Wissen und Hoffnung in sich trägt, welche als die „helle Seite der Macht“ bezeichnet und von den Jedi-Rittern angewendet wird. Auf der anderen Seite steht dagegen der Hass, die Verdorbenheit und die Angst - die „dunkle Seite der Macht“, welche von den Sith angewendet wird. Diese beiden Kräfte stehen in andauerndem Konflikt miteinander und häufig herrscht lange Zeit ein Ungleichgewicht.

Die bisher erschienenen Spielfilme bestehen im Grunde aus drei Filmtrilogien, wovon die jüngste Trilogie, mit erst zwei Filmen, noch nicht abgeschlossen ist (voraussichtliches Erscheinungsdatum 2019). Darüber hinaus gibt es mittlerweile zwei Filme, die unabhängig von der Hauptreihe spielen. Diese „Spin-offs“ (Rogue One und Solo: A Star Wars Story) sind kein zentraler Gegenstand der empirischen Untersuchung und werden entsprechend nicht weiter erklärt und behandelt.

Die Trilogien werden in drei Epochen untergliedert:

Die Original-Trilogie (Episoden IV-VI) startete im Jahr 1977 mit „Eine neue Hoffnung“2, „Das Imperium schlägt zurück“ (1980) und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983). Nach großem Erfolg wurde die Geschichte um das Star Wars Universum erweitert und es entstand die Prequel- Trilogie (Episoden I-III) welche thematisch noch vor der Zeit der Original-Trilogie spielt. Sie umfasst die Filme „Die dunkle Bedrohung“ (1999), „Angriff der Klonkrieger“ (2002) und „Die Rache der Sith“ (2005). Jüngst startete die Sequel-Trilogie (Episoden VII-IX) mit den Filmen „Das Erwachen der Macht“ (2015) und „Die letzten Jedi“ (2017), welche thematisch wiederrum hinter der Original-Trilogie einzuordnen sind (vgl. Wikipedia).

Der Schöpfer des Star Wars Universums ist der Drehbuchautor, Produzent und Regisseur George Lucas. Im Jahr 2012 verkaufte er alle Filmrechte an die Walt Disney Company, die seitdem ganzheitlich die Star Wars Saga weiterführt. Das bedeutet, das die Sequel-Trilogie unter neuem Einfluss geschrieben und produziert wurde.

Das Filmgenre wird als Science-Fiction oder Space Opera bezeichnet. Der Fakt, dass die Geschichten in einem fiktiven Universum und einer fiktiven Gesellschaft spielen, machen die Spielfilme zu einem spannenden Untersuchungsgegenstand im Bereich Gender.

Dramen, Thriller oder Komödien die zu irgendeiner realen Zeit in der menschlichen Gesellschaft auf der Erde spielen sind an gewisse Spielregeln der Zweigeschlechtlichkeit gebunden um die Glaubwürdigkeit nicht in Frage zu stellen. In Science-Fiction müssten diese zweigeschlechtlichen Spielregeln aber nicht unbedingt gelten bleiben. Tatsachlich könnten die (Drehbuch-)Autoren und Regisseure sich Welten schaffen außerhalb gesellschaftlicher Gender Normen.

Empirie: Eine gender-orientierte Figurenanalyse

Methodisches Vorgehen

Im Zentrum jeder fiktiven Geschichte stehen Figuren unterschiedlicher Art. Besonders Film- und Fernsehfiguren besitzen einen hohen Identifikationsgrad. Durch die konkrete Vermittlung bestimmter Menschen- oder Rollenbilder haben sie Einfluss auf Denken, Fühlen und Verhalten der Zuschauer. Dabei können sie alternative Daseinsweisen und neue Perspektiven vermitteln oder auch alte Vorurteile bestätigen.

Besonders wenn es um die Darstellung bestimmter sozialer Gruppen geht, wie beispielsweise Geschlecht oder sexuelle Orientierung, stellen Figuren in der Filmkritik wichtige Bezugspunkte dar. Ob bestimmte Figuren verzerrte Menschenbilder vermitteln, oder soziale Gruppen herabsetzten (mittels Stereotypisierung oder Diskriminierung), kann mithilfe soziokultureller Analysen untersucht werden.

Bei der Figurenanalyse konzentriert man sich demnach auf den einzelnen Charakter und ergänzt diesen mit verbundenen Aspekten des Gesamtkontextes. Figuren in Spielfilmen oder Fernsehserien besitzen zusätzlich Eigenschaften die nicht sprachlich sind, sondern visuell oder implizit vermittelt werden. Um analytische Aussagen treffen zu können müssen deshalb Text, das fiktive Wesen und die Rezeption ganzheitlich beachtet werden (vgl. hierzu im Anhang: „Charakterprofil“). Die relevanten Figureneigenschaften (Komplexitätsreduktion) richten sich bei der Erstellung eine Figurenbeschreibung nach dem Untersuchungszweck (Eder 2008: S. 12-27).

Gegenstand dieser Analyse ist die Inszenierung der Frau; es handelt sich demnach um eine gender-orientierte Figurenanalyse. Untersucht werden die Figuren Leia Organa, Padmé Amidala und Rey der Star Wars Episoden I – VIII (1977 bis 2017). Jede Einzelne dieser Charaktere agiert in den Spielfilmen relativ unabhängig von den anderen beiden, da jeweils nur Eine eine zentrale Rolle in den verschiedenen Trilogien spielt. Da die Trilogien in unterschiedlichen zeitlichen Epochen produziert wurden und erschienen, wird versucht durch den direkten Vergleich der Figuren die veränderte Darstellung des weiblichen Geschlechts herauszuarbeiten. Einerseits soll die Analyse darüber Aufschluss geben, wie das weibliche Geschlecht inszeniert wird, also welcher Weiblichkeitsattribute sich bedient wird, und weitergehend, ob diese Inszenierung von Geschlecht, im Vergleich der Figuren, einer Wandlung unterliegt.

Leia Organa, Episode IV - VI

Leia Organa ist eine mutige, schlagfertige, selbstsichere und intelligente Frau. Sie steht für ihre Überzeugungen, die Freiheit und das Gute ein.

Häufig wird sie mit „Prinzessin Leia“ / „Prinzessin“ oder „Hoheit“ angesprochen, sich selbst aber nennt sie niemals so, sondern identifiziert sich als Diplomatin und Mitglied des imperialen Senats. Sie unterstützt die Rebellen im Kampf gegen das Böse.

Leias äußeres Erscheinungsbild ist attraktiv und feminin. Sie ist jung, Anfang 20, eher klein (circa 1,60 m) und zierlich gebaut. Sie hat helle Haut und braunes, langes Haar.

Leia trägt in den ersten beiden Episoden der Trilogie fast ausschließlich weiße Kleidung. Bei ihrem ersten Auftritt wird sie dem Publikum in einem langen, hochgeschlossenen Kleid präsentiert. Dieses ist schlicht weiß, fällt fließend, zeigt weder Arme noch Beine und wird nur durch einen Gürtel in der Körpermitte betont. Das Outfit steht im krassen Gegensatz zu dem des bösen Darth Vaders, der vollständig in schwarz gekleidet und maskiert ist. Leia erscheint somit als Personifikation des Guten oder der „Hellen Seite der Macht“. In den beiden nachfolgenden Filmen hat sie das Kleid abgelegt und trägt praktische Gewänder und Hosen.

Leia trägt ihr langes Haar normalerweise hochgesteckt. Markenzeichen sind ihre zu zwei seitlichen Dutts aufgedrehten Haare, oft trägt sie aber auch andere aufwendige Flechtfrisuren. Das Make-up ist dezent und betont ihre braunen Augen, seltener auch den Mund.

Die Stimme ist angenehm, erscheint nicht zu hoch oder übertrieben. Abhängig vom Kontext betont Leia für sie wichtige Sachverhalte nachdrücklich. Wenn sie um Hilfe bittet oder ein persönliches Gespräch führt, kann sie aber auch sanft klingen. Wenn schnelles Handeln gefragt ist, passt sie ihr Sprechtempo an, macht kürzere Sätze und wird lauter.

Leias Körperhaltung ist gerade und ihr Kinn stehts etwas angehoben, was auch mit ihrer geringen Körpergröße in Zusammenhang stehen könnte. Sie setzt ihre Gestik beim Sprechen oder wenn sie etwas anordnet sehr kontrolliert ein und untermauert mit Hilfe ihrer Hände das Gesagte. In Verhandlungen und Entscheidungssituationen schaut sie ihr Gegenüber direkt an und blinzelt kaum, was ihrer Mimik etwas sehr Entschlossenes, beinahe konfrontatives verleiht. Situationsabhängig zeigt sie kurzzeitig Angst oder Schrecken indem sie aufschreit, zurückzuckt, sich die Hände vor die Brust schlägt, die Augen und den Mund aufreißt oder sich hinter Luke oder Han Solo versteckt.

Besonders in der ersten Episode der Trilogie ist Leias Auftreten mutig, intelligent, ausdrucksstark und führend. Sie scheut sich nicht vor einem Kampf, obwohl sie die Waffen ausschließlich verteidigend führt. An einem direkten Angriff beteiligt sie sich nicht.

Leia ist unerschrocken und aufopfernd, so verrät sie den Rebellenstützpunkt selbst unter Folter und Todesurteil nicht. Andere zu opfern fällt ihr hingegen schwer, sie möchte niemanden zurücklassen und zeigt großes Verständnis und Mitgefühl als Luke um seinen Freund Kenobi trauert (sie tröstet aktiv). Sie verachtet Menschen die keine echten Werte besitzen, so ist ihr Han Solo anfangs zuwider.

Vermutlich begründet sich die Selbstsicherheit mit der Leia Befehle erteilt, in ihrer Herkunft als Prinzessin. Dies tut sie gewöhnlich ungefragt, zielgerichtet und sehr direkt.

„Hören Sie, ich weiß nicht, wer Sie sind, und auch nicht, woher Sie kommen, aber von jetzt an tun Sie, was ich Ihnen sage, ok?“ (Episode IV)

Dass sie schnell die Führung übernimmt, zeigt sich in einer Szene (erster Teil), in der sie eigentlich von Luke und Han Solo gerettet wird und so ihrem Todesurteil entkommt. Anstatt ihren Rettern blind zu folgen übernimmt sie direkt die Führung als sie merkt, dass es keinen konkreten Fluchtplan gibt. Gleichzeitig macht sie sich über die Planlosigkeit ihrer Retter lustig "Eine fabelhafte Rettung! Haben Sie sich nicht vorher überlegt, wie wir hier wieder rauskommen?" (Episode IV)

Diesen trockenen Humor setzt sie immer wieder geschickt ein

„Los, in den Müllschacht, Flieger-Ass“ (Episode IV)

"Sie fliegen mit dem Ding? Sie sind mutiger, als ich dachte." (Episode IV)

und schafft es schnell ein gleichrangiges Mitglied im Team mit Han Solo und Luke Skywalker zu werden.

Ihre Führungsqualitäten werden gestützt von einer schnellen Auffassungsgabe, Intelligenz und Ungeduld. Dies lässt sie in Situationen, die schnelles Handeln bedürfen überlegen erscheinen. Ihre Neigung immer das letzte Wort haben zu müssen, kombiniert mit ihrem Sarkasmus, lässt sie in wenigen Momenten arrogant und Neunmalklug erscheinen.

Leias Intelligenz und Analysefähigkeit wird auf höchster Stufe anerkannt, sie ist es, die den Architekturplan des Todessterns analysiert und auswertet. Obwohl sie, wie eingangs erwähnt, durchaus kämpft um sich zu verteidigen, fliegt sie den folgenden und entscheidenden militärischen Einsatz nicht mit und leitet ihn auch nicht. Sie verbleibt in der Kommandozentrale und nimmt eine beobachtende Rolle ein, wirkt angespannt und überlässt den Kommandern die Führung.

Auf Erfolge und Siege reagiert sie mit Umarmen und befreitem Lachen.

In der zweiten Episode der Trilogie, „Das Imperium schlägt zurück“, geraten Leias eindrucksvolle Qualitäten in den Hintergrund. Sie fungiert hauptsächlich als Protagonistin der Liebesgeschichte die sich parallel zum Kampf gegen das Böse entwickelt. Leitet sie eingangs noch den militärischen Einsatz aus der Zentrale der Rebellen, überlässt sie im weiteren Verlaufe des Filmes Stück für Stück Han Solo die Führung. Obwohl Solo erst all das verkörpert, was Leia zuwider ist (keine Werte, lockere Sprüche) und sie seinen Annäherungsversuchen abwehrend, bissig und sarkastisch begegnet,

„Ich weiß nicht, wo Sie Ihre Illusionen hernehmen, Laserhirn“ (Episode V)

verfällt sie ihm schließlich doch.

Der stetige Verlust ihrer Autonomie zeigt sich vor allem in brenzligen Situationen, die ein schnelles Handeln bedürfen. Als sie mit Han Solo im „Rasenden Falken“ (Raumschiff) in der Falle sitzt, übernimmt Leia nicht wie erwartet die Leitung oder hat kluge Ideen, sondern wird zum zu rettenden Objekt, indem sie sich hinter Solo versteckt und ihm alles überlässt. Plötzlich scheint sie körperlich labiler, es mehren sich Situationen, in denen sie strauchelt oder sie gerettet und verteidigt werden muss. Gleichzeitig verwandelt sich Abneigung in Anerkennung

„Manchmal sind Sie unglaublich, zwar nicht oft, aber ab und zu“ (Episode V)

und sie lässt körperlichen Kontakt zu. Als Han Solo sie kurz darauf seinem Freund Lando vorstellt und dieser ebenfalls von ihr angetan scheint, lässt sie sich von Solo an die Hand nehmen und akzeptiert seine offensichtlichen Besitzansprüche an ihr. In den weiteren Verhandlungen mit Lando verhält sie sich passiv, harrt aus, oder läuft hinter den beiden diskutierenden Männern. Die Gleichrangigkeit zwischen Leia und der Männerwelt, die in der ersten Episode der Trilogie herrschte, scheint damit gestört. Zwar äußert sie ihr Misstrauen gegenüber Lando, aber Solo beruhigt sie und so laufen beide in Darth Vaders Falle.

In Gefangenschaft umsorgt sie Solo, streichelt und küsst ihn auf die Stirn und als dieser einem Kopfgeldjäger übergeben wird kommt es zu einem langen Abschiedskuss. Im Anschluss daran ruft Leia Han Solo ein „Ich liebe dich“ nach, welches er mit „Ich weiß“ (Episode V) beantwortet. Sobald Solo weg ist wird Leia aktiver. Sie nimmt wieder eine Waffe in die Hand und ihr gelingt die Flucht. Da Han Solo jetzt nicht mehr am Steuer des „Rasenden Falken“ sitzt, fliegt sie das Raumschiff. Kurzerhand rettet sie dann auch noch Luke, der sich in einem gefährlichen Zweikampf befindet.

Im letzten Teil der Trilogie wirkt Leia älter und ist stärker geschminkt. Sie tritt verkleidet als Kopfgeldjäger auf um Solo aus den Fängen von Jabba zu retten. Die Rettungsaktion geht schief und Leia muss nun einen sehr knappen Bikini tragen und wird von Jabba an einer Halskette gehalten. Aus dessen Gefangenschaft befreit sie sich selbstständig indem sie ihn mit der Kette erwürgt. Im weiteren Verlaufe des Films verfolgt sie Sturmtruppler (Stormtrooper) und nimmt am Kampfgeschehen teil, jedoch positioniert hinter Solo. So macht es den Eindruck, als hätte sie etwas von ihrer alten Stärke wiedergewonnen. Auch ihre Schlagfertigkeit und ihren Witz scheint sie in Teilen wiedergewonnen zu haben. So entgegnet sie Solo, als er ihr diesmal seine Liebe offenbart, mit „Ich weiß“ (Episode VI).

Ihre eigentliche Stärke ist nun aber die der Schwester und Beraterin. Sie wird weicher und besorgter skizziert, auch ihr Haar trägt sie häufiger offen. Sie sucht die persönlichen Gespräche. So versucht sie ihren Zwillingsbruder Luke, als sie die Wahrheit über sie beide erfährt, aus Angst um ihn davon abzuhalten gegen ihren Vater Darth Vader zu kämpfen. Kurz steht im Raum ob nicht vielleicht sogar sie die Auserwählte ist, die die Macht wieder ins Gleichgewicht bringen soll. Doch sie hält nur als Druckmittel und Schwachpunkt von Luke her, der seinem Vater durch seine Gefühle verrät, dass sie existiert. Letztendlich ist es wie erwartet, Luke, der der Auserwählte ist und seinen Vater Darth Vader besiegt.

[...]


1 Gemeint ist hier nicht das biologische („Sex“), sondern das soziale Geschlecht („Gender“).

2 Ursprünglich „Krieg der Sterne“.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Im Wandel der Macht. Eine genderorientierte Figurenanalyse über die veränderte Inszenierung der Frauen in "Star Wars"
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,5
Autor
Jahr
2018
Seiten
34
Katalognummer
V461972
ISBN (eBook)
9783668915626
ISBN (Buch)
9783668915633
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gender, Diversität, Diversity, Geschlecht, Diskriminierung, Star Wars, Inszenierung, Frau, Filme, Stereotypisierung, Medien, Filmbranche, Macht, Figurenanalyse, Gleichberechtigung, Darstellung, Doing-Gender, Frauenbild, Geschlechterbilder, Geschlechterverhältnis, Machtverhältnisse, Repräsentation von Frauen
Arbeit zitieren
Isabel Win (Autor), 2018, Im Wandel der Macht. Eine genderorientierte Figurenanalyse über die veränderte Inszenierung der Frauen in "Star Wars", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461972

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