Hardcore. Eine Betrachtung


Hausarbeit, 2014

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Definition und Entstehung

Straight Edge

Musik und Szene

Ästhetik

Fazit

Literaturverzeichnis

Anlagen

Einleitung

„This hardcore thing that we all do, it teaches us something about passion that half this world doesnt know anything about“

Diese Worte sagte Jim Hasketh, von der Band Champion, bei ihrem letzten Konzert. Der Satz war Teil eines Gesprächs, welches er mit seinen Eltern fühtr und in welchem er erklären wollte, was Hardcore für ihn, seine Band, aber auch den Großteil der Rezipienten bedeutet. Ich kann mich diesem Satz nur anschließen, denn er drückt das aus, was Hardcore für mich bedeutet. Es ist schwer jemandem, der nichts mit der Musik, der Lebenseinstellung und allem, was zum Hardcore gehört, diese Leidenschaft zu erklären oder zu vermitteln. Gerade, wenn ein Außenstehender ein Video einer Show sieht und wohl oft eher an Kampfszenen, denn an ein Konzert erinnert wird.

In meiner Hausarbeit möchte ich versuchen, aus meiner Sicht diese Passion und was dahinter steht zu erläutern und verständlicher zu machen. Natürlich werde ich auch eine geschichtliche Übersicht über Hardcore und verschiedene Entwicklungsstadien geben. Weiter werde ich auf wichtige Bereiche im Hardcore, wie z.B. Straight Edge eingehen. Ich werde mich, gerade was die Entwicklung und die verschiedenen Stile angeht, hauptsächlich auf den American Hardcore konzentrieren, denn dieser ist der ursprüngliche und in seiner Entwicklung prägende. Natürlich werde ich versuchen einen möglichst umfassenden Überblick über Hardcore, seine Entstehung und Bedeutung zu geben.

Definition und Entstehung

Über die Herkunft des Begriffs Hardcore als Bezeichnung für eine Musikrichtung und den dazugehörigen Lebensstil gibt es verschiedene Ansichten. Eine der weit verbreiteten Ansichten geht auf die kanadische Band D.O.A. zurück. Diese soll mit ihrem zweiten Album Hardcore ´81 den Begriff erfunden oder zumindest verbreitet haben Eine andere Ansicht wird von Charlie Harper, dem Sänger der UK Subs vertreten. Laut ihm soll der Begriff „Hardcore“ aufgekommen sein, nachdem die Managerin nach einer gemeinsamen Tour mit der Band Anti-Nowhere-League den Begriff zur Beschreibung der Musikstile der Bands benutzt habe.1

Die Wurzeln des „Hardcore“ liegen an der Westküste der USA, Ender der 70er bzw. Anfang der 80er Jahre. Primär in Los Angeles. Jedoch war der Hardcore hier eher vom kalifornischen Lebensgefühl der dortigen Jugendszene geprägt. In den Texten ging es eher um Spaß, Skaten und Surfen.2 Hier können zum Beispiel Bands wie die Vandals oder Agent Orange genannt werden. Diese Art des Hardcore war allerdings wenig prägend. Aus dem südlichen Kalifornien ist die Band Black Flag zu nennen, die als prägend für den Hardcore und seine weiter Entwicklung zu bezeichnen ist. Weiter wird dann eher die amerikanische Ostküste relevant. Besonders die Städte Washington D.C. und später dann auch Boston. In diesen Städten bilden sich die Bands wie z.B. Minor Threat, Bad Brains, SS Decontrol, 7 Seconds, welche man als Pioniere dieser Musik bezeichnen kann. Gerade Minor Threat spielen aufgrund ihrer Songs „Out of Step“ und „Straight Edge” eine entscheide Rolle. Auf diese werde ich später noch näher eingehen.

Anfang der 80er Jahre hatte Amerika wirtschaftliche Probleme, es herrschte Inflation und ein Regierungswechsel fand statt. Ronald Reagan wurde neuer amerikanischer Präsident. Durch diesen sollte die alte Ordnung, die vor allem von weißen bestimmt werden sollte, wieder hergestellt werden. Dies machte sich auch im amerikanischen Lebensstil bemerkbar, der eher wieder auf die 50er Jahre zurückging. Musikalisch hatte die Disco-Ära ihren Höhepunkt. Und selbst die Rockbands zu dieser Zeit, wie z.B. Journey und Die Eagles, wirkten stereotyp und langweilig. In der Gesellschaft ging es vor allem darum etwas herzumachen, schick zu sein, ein schönes Auto zu fahren und solche Dinge. Keith Morris, der in den Bands Circle Jerks und Black Flag gespielt hat, bringt es im Film „American Hardcore“ auf den Punkt: „Alle standen auf: „Ach, wir haben ein nagelneues Auto.“ Und: „Ich bin frisch frisiert.“ Und: „Seht euch meine Klamotten an.“ Und: „Ach, willst du was koksen?“ Und: „Wir trinken Weinmixgetränke“. Einfach dieser ganze Müll“.3 Als Gegenreaktion, gegen die Gesellschaft, das Establishment und die Konformität des Ganzen, bildete sich die Hardcore-Szene. Politisch ist die Szene zu dieser Zeit im linken Milieu anzusiedeln und kommt aus dem Grundgedanken des Punk heraus. Jedoch wollten sich die Hadrcore-Kids von den Punks abgrenzen und etwas Eigenes schaffen. Hierzu der Sänger von Minor Therat, Ian Mackaye: „Für mich war Punk der Zugang zur Gegenkultur. Dort gehörte ich hin. Dort lebte ich. So kam ich dorthin. Aber mit Punkrock assoziierte man damals nur die Sex Pistols und Sid Vicious. Also, Sid Vicious, der war ein nihilistischer Junkie und das waren wir nicht. Wir wollten uns unbedingt unsere eigene Nische schaffen. Und wir sagten: „Nein, wir sind Hardcore Punk“ Hardcore. Hardcore Punk.“4 Hier sieht man, dass es sowohl Gemeinsamkeiten zwischen Punk und Hardcore gibt, aber auch eine klare Trennung stattfindet. Musikalisch und inhaltlich war der Hardcore, gerade in seiner Anfangsphase, sehr ähnlich. Es war eine einfache, schnelle und aggressive Musik und die Texte drehten sich auch um politische und gesellschaftliche Themen (siehe Anlage 1). Jedoch kam aus der Hardcore-Szene eine deutliche Kritik am Lebensstil der Punks. Diese waren in vielen Fällen Alkohol- und/oder Drogenabhängig und versanken in ihrer eigenen Lethargie. Davon wollten sich die Akteure der Hardcore-Szene klar abgrenzen. Sie fanden, dass man in diesem Zustand nicht aufbegehren oder revolutionieren könne. Dieser Gedanke fand seinen Ausdruck dann nochmal speziell in Straight Edge. Für den ursprünglichen Hardcore-Gedanken war auch das DIY-Prinzip wichtig und prägend. DIY bedeutet Do it yourself. Dies war auf alle Bereiche im Hardcore bezogen. Sei es eine Band zu gründen, ein Fanzine herauszugeben, ein Konzert zu veranstalten etc. Zum einen ergab sich diese Einstellung ganz praktische Gründe. Hardcore war keine Mainstream-Musik. Es kamen keine großen Labels an, die die Bands sponserten und viel Geld in sie steckten. Zum anderen standen aber auch idealistische Gründe dahinter. Es sollte eine Selbstaufklärung stattfinden und die Leute sollten animiert werden Dinge selber in die Hand zu nehmen und nicht auf andere zu vertrauen. Außerdem sollte es die Leute dazu bewegen nicht mehr blind alles zu konsumieren, sondern zu hinterfragen und auch zu reflektieren.

Der Straight Edge Gedanke, auf den ich nachher noch näher eingehen werde, wurde durch 2 Songs von Minor Threat ins Leben gerufen, Out of Step und Straight Edge. In diesen werden die Ideale der Straight Edge Bewegung aufgezeigt: Kein Alkohol, keine Drogen, keinen Geschlechtsverkehr mit ständig wechselnden Partnern. Dieser war vor wurde in der Anfangszeit vor allem von Bands aus Boston repräsentiert, wie z.B. SS Decontrol. Auch war Straight Edge entscheidend für einen weiteren wichtigen Punkt in der Geschichte des Hardcore, für den Youth Crew Hardcore.

Youth Crew Hardcore entstand Mitte der 80er Jahre in und um New York. Der Begriff Youth Crew ergibt sich aus dem gleichnamigen Lied der Gruppe Youth of Today (siehe Anlage 2). Wichtige Vertreter des Youth Crew Hardcore sind vor allem Bands aus New York, wie Youth of Today, Gorilla Biscuits, The First Step, Chain of Strength, Judge, Bold, aber auch Bands aus Boston wie Ten Yard Fight oder Floorpunch. Für die Youth Crew Bands war Straight Edge der Hauptgedanke, den sie in ihren Texten und in ihrem Auftreten repräsentieren wollten. Der Großteil der Texte drehte sich um Straight Edge (siehe Anlage 3). Bands wie Youth of Today erweiterten den Straight Edge Gedanken noch um die Themen Tierschutz und Veganismus, welches sich auch in ihren Texten widerspiegelt. Die Hochphase des Youth Crew Hardcore ging ungefähr von Mitte der 80er Jahre bis Anfang der 90er Jahre.

Ungefähr zeitgleich, ca. Anfang der 80er Jahre, gründete sich der New York Hardcore. Hier sind prägende Bands z.B. Agnostic Front, Madball oder Sick of it all. Musikalisch ist der New York Hardcore eher durch Metal-Einflüsse. Die Szene stand schnell im Ruf gewalttätig, sexistisch, homophob und rassistisch zu sein. Vornehmlich resultierten die Vorwürfe aus Texten des Albums Cause for alarm der Band Agnostic Front (siehe Anlage 4).5 Ein weiterer Grund war, dass sich viele Skinheads in und um die Szene bewegten. Ähnlich wie die Hochphase der Youth-Crew Bewegung, endete die Hochphase des New York Hardcore ebenfalls circa Ende der 80er Jahre. Obwohl Bands wie Agnostic Front oder Madball heute noch aktiv und in der Szene durchaus populär sind.

Die Youth Crew Bewegung erlebte Anfang der 2000er Jahre ein kleines Revival. Es gründeten sich wieder Bands für deren Texte und Auftreten der Straight Edge Gedanke eine entscheidende Bedeutung hatte. Hier sind Bands zu nennen wie Champion oder Have Heart (siehe Anlage 5).

Zur weiteren Entwicklung ist zu sagen, dass Hardcore einige Musikstile beeinflusst hat, die aus dem Hardcore entstanden sind. Dies sind zum Beispiel der Melodic Hardcore, mit Bands wie Descendents oder Dag Nasty. Der Post-Hardcore, aus dem weitere Abspaltungen entstanden sind, mit Bands wie Of Mice & Men oder Memphis May Fire. Am häufigsten als direkte Nachfolgerichtung ist heute der Metalcore oder Hardcore mit starken Metal-Einflüssen. Hier kann z.B. die Band Terror genannt werden ( siehe Anlage 6). Nah verwandt mit dem Metalcore ist noch der Beatdown-Hardcore zu nennen. Als bekannte Vertreter kann hier die Band Nasty aufgeführt werden ( siehe Anlage 7).

Straight Edge

Wie zuvor schon angeführt, ist es wichtig sich dem Straight Edge Gedanken noch einmal näher zu widmen.

„Don’t drink / Don’t smoke / Don’t fuck / At least I can fucking think”, sang Ian MacKay, Frontmann der Washingtoner Band Minor Threat, 1981 in seinem Song “Out of Step (with the World)” und sprach damit nicht nur vielen Jugendlichen aus der Seele, sondern formulierte auch die Grundgedanken eines Phänomens, das sich mehr als 25 Jahre später auf inzwischen allen Kontinenten der Welt wiederfinden lässt: Straight Edge.“6 So beschreibt Merle Mulder in ihrem Buch, „Straight Edge: Subkultur, Ideologie, Lebensstil?“, die Entstehung des Straight Edge-Gedanken. Allerdings muss noch ein weiterer Song der Gruppe Minor Threat gennant werden, welcher der Bewegung dann seinen Namen verlieh, der Song „Straight Edge“:

„I'm a person just like you

But I've got better things to do

Than sit around and fuck my head

Hang out with the living dead

Snort white shit up my nose

Pass out at the shows

I don't even think about speed

That's something I just don't need

I've got the straight edge:”7

In diesen beiden Songs wurden also die Grundprinzipien der Bewegung dargelegt und der Name entstand. Hierdurch ist auch zu erkennen, dass Hardcore und Straight Edge miteinander verbunden sind und, dass Straight Edge Hardcore und seine Entwicklung in großen Teilen mitgeprägt hat. Die Zurückweisung von Alkohol, Tabak, Drogen in jeglicher Form, ob weich oder hart, von Promiskuität, eine positive Grundeinstellung und die Liebe zur Musik, speziell zu Hardcore, zeichnen Straight Edge aus. Entstanden ist diese Einstellung als Gegenreaktion zur nihilistischen und selbstzerstörerischen Lebensweise der Punks und als Protest gegen die „normalen“ Jugendlichen und ihr herumexperimentieren mit Drogen, Alkohol und Sex. Als Erkennungszeichen der Szene setzte sich schnell das schwarze X auf dem Handrücken durch. So wie hier zu sehen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten8

Dieses X wurde in den 80er Jahren minderjährigen Jugendlichen, in den USA, bei Shows oder in Clubs, auf den Handrücken gemalt um sicherzustellen, dass an diese kein Alkohol ausgeschenkt wird. Dieses Zeichen wurde von der Straight Edge-Bewegung übernommen um den freiwilligen Verzicht auf Drogen und Alkohol auszudrücken und offen zu zeigen.

In der Anfangsphase von Straight Edge ging es hauptsächlich, wie eben bereits beschrieben, um den Verzicht von Drogen, Tabak und Alkohol und die Ablehnung der Promiskuität, jedoch entwickelte die Szene sich schnell weiter und es kam zu verschiedenen Auslegungen und Abspaltungen. Die Youth Crew-Bewegung prägte besonders den Posi-Hardcore. Das heißt, dass man eine positive Grundeinstellung haben soll und durch seinen Lebensstil mit gutem Beispiel voran gehen und anderen ein Vorbild sein soll, aber niemandem etwas aufzwingen und auch akzeptieren soll, wenn sich jemand dafür entscheidet Drogen zu nehmen oder Alkohol zu trinken. Viele der Anhänger bezogen, die auch auf weitere Lebensbereiche und brachten als Erweiterung Vegetarismus und Veganismus in die Szene mit ein. Gerade Bands wie Youth of Today waren in diesem Bereich Vorreiter und brachten Tierrechte und Veganismus mit in ihre Texte ein (siehe Anlage 8). Neben der positiven Auslegung von Straight Edge entwickelte sich auch eine extreme, teilweise militante Auslegung, die Hardliner. Prägend für diese Bewegung waren Bands wie Vegan Reich, One Life Crew oder Earth Crisis, welche in ihren Texten teilweise offen zu Gewalt aufriefen (siehe Anlage 9). Die militanten Straight Edger fügten zu ihrem Bild von Straight Edge noch Dinge wie die Ablehnung von Schwangerschaftsabbruch und Homosexualität hinzu. Auch schreckten sie nicht davor zurück Gewalt anzuwenden um ihre Ziele zu erreichen. So wurden Drogendealer auf offener Straße angegriffen oder es wurde betrunkenen Jugendlichen vor Clubs aufgelauert, um diese dann anzugreifen. Es bildete sich sogar eine Gang aus militanten Straight Edgern, die FSU-Gang. FSU steht hier für Friends Stand United. Diese Gang zeichnete sich besonders durch ihr militantes und gewalttätiges Verhalten gegenüber Nicht-Edgern aus, so dass sich sogar das FBI mit dieser Gang beschäftigte.

[...]


1 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Hardcore_Punk#Herkunft_des_Begriffs_Hardcore, Aufruf: 20.08.2014

2 Vgl. http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/93608.html, Aufruf: 20.08.14

3 Lehrer L. (2006): American Hardcore – Die Geschichte des American Punk Rock 1980-1986

4 Lehrer L. (2006).: American Hardcore – Die Geschichte des American Punk Rock 1980-1986

5 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/New_York_Hardcore, Aufruf 21.08.2014

6 Mulder N. (2009): Straight Edge: Subkultur, Ideologie, Lebensstil?, Münster, Telos Verlag, S. 1

7 http://www.magistrix.de/lyrics/Minor%20Threat/Straight-Edge-140396.html, Aufruf 28.08.2014

8 http://assets.noisey.com/content-images/contentimage/23665/straight-edge.jpg, Aufruf 28.08.2014

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Hardcore. Eine Betrachtung
Hochschule
Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V461974
ISBN (eBook)
9783668900363
ISBN (Buch)
9783668900370
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hardcore, Straight Edge, Beatdown, Jugendkultur
Arbeit zitieren
Marius Vieten (Autor), 2014, Hardcore. Eine Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461974

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