Die Ideologien der drei monotheistischen Weltreligionen


Seminararbeit, 2005

19 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

1. Fundamente des Glaubens – die heiligen Schriften
1.1. Die Zielsetzung: Welche Fragen sollen beantwortet werden?
1.2. Die Texte – schon die ersten Einschränkungen

2. Es steht geschrieben… Aussagen aus der Thora, dem Neuen Testament und dem Koran
2.1. … in Sachen Wahrheitsanspruch
2.2. … in Sachen Gläubige/Ungläubige
2.3. … Sachen Nachtodvorstellungen
2.4. … in Sachen Gewalt
2.5 … in Sachen Toleranz

3. Fazit
3.1. Ergebnisse
3.2. Kommentar

4. Anhang: Literaturverzeichnis

1. Fundamente des Glaubens – die heiligen Schriften

1.1. Die Zielsetzung: Welche Fragen sollen beantwortet werden?

Fundamentalistische Tendenzen sind keiner Religion völlig fremd. Auf jeden Fall aber gibt es starke Gruppen fundamentalistischer Anhänger in den drei monotheistischen Weltreligionen, dem Judentum, Christentum und dem Islam. Beschäftigt man sich mit dem Fundamentalismus, kommt man nicht umhin, sich die Fundamente, auf die sich die jeweiligen Fundamentalisten berufen, genauer anzusehen – sind es doch Zitate aus der Thora, der Bibel bzw. dem Koran, auf die die standfesten bis starrköpfigen Gläubigen sich berufen. Als Rechtfertigung für gesetzeswidriges Handeln bis hin zu brutalster Gewalt müssen die heiligen Schriften herhalten. Was hat es mit den suspekten Texten wirklich auf sich? Beruhen die großen Weltreligionen tatsächlich auf gewaltbejahenden und intoleranten Grundlagen? Ist der Islam wirklich eine so blutrünstige Religion, das Christentum ein so friedfertiger Glauben? Und sind diese Fragen überhaupt zur allgemeinen Zufriedenheit zu beantworten?

1.2. Die Texte – schon die erste Einschränkung

Judentum, Christentum und Islam basieren als Religionen des Buches auf Thora, Bibel und Koran. Sie sind jedoch sehr viel mehr als ihre jeweilige Schrift; sie sind komplexe Phänomene mit viel eigener Geschichte und dem Wandel der Zeit unterworfen. Im Judentum ist die Thora um den Talmud ergänzt, den ich unberücksichtigt lasse, ebenso gibt es die nicht unwichtigen mystischen Strömungen der Kabbala. Im Islam spielen die Hadithe eine größere Rolle, und im Christentum haben Konzile und Weisungen der Päpste die Auslegung der Bibel beeinflusst. Da dieses Seminar jedoch den Fundamentalismus behandelt und ich – soweit dies je möglich sein kann – Aussagen für die allgemeinen Religionen treffen möchte, ohne die vielen Unterströmungen und Konfessionen berücksichtigen zu müssen, die zumeist ihre eigenen Fundamentalisten hervorgebracht haben, werde ich mich ganz auf die Bücher – eben die Fundamente – beschränken.

Trotzdem bleiben drei dicke Bücher mit viel Inhalt. Es ist nicht ganz leicht, die richtigen Textstellen in ihnen zu finden, um sich den Argumenten der Fundamentalisten zu stellen. Ich habe mich bemüht, nicht nur die schlagwortartigen Verse, auf die sich die Fundamentalisten selbst berufen, sondern auch weniger bekannte Stellen auszuwählen, die ihre Positionen unterstützen oder – oft genug – in Frage stellen. Für Vollständigkeit kann ich keine Garantie übernehmen – es ist sogar wahrscheinlich, dass ich in den mehreren hundert Seiten starken Schriften wichtige, passendere Stellen übersehen habe.

Ein weiteres Problem sind die Übersetzungen der Schriften. Während die Bibel ohne allzu große Skrupel in alle Sprachen übersetzt und in jeder als verbindlich gilt, darf der Islam den Gläubigen zufolge nur in der Originalsprache Arabisch gelesen werden. Ein vergleichender Blick in verschiedene deutsche Ausgaben der Bücher erschließt den Grund dieses Gebots: Die Texte unterscheiden sich zum Teil erheblich.

Mit dieser Arbeit stelle ich also entschieden nicht den Anspruch, der Weisheit letzten Schluss gefunden zu haben. Sie soll eher als Diskussionsgrundlage und Denkanstoß dienen.

2. Es steht geschrieben… Aussagen aus der Thora, den Evangelien und dem Koran

Die folgenden Ausführungen vergleichen fünf Kernpunkte der drei Religionen. Zwar handelt es sich – meiner Meinung nach – um zentrale Ideologien innerhalb der Lehren, gerade vor dem Hintergrund der Fragestellung nach dem Fundamentalismus – doch möchte ich klarstellen, dass die komplexen Glaubensrichtungen sich keinesfalls auf diese Punkte beschränken lassen. Auch die Beobachtungen, die ich aus dem Vergleich schließe, wären möglicherweise andere, hätte ich andere Themenbereiche der Religionen untersucht.

2.1. … in Sachen Wahrheitsanspruch

Jede Religion beansprucht für sich, die exklusive Wahrheit zu lehren. Täte sie das nicht, verlöre sie ihre Existenzberechtigung. Der Wahrheitsanspruch ist die Basis des Fundamentalismus. Ihm liegt die Annahme zu Grunde, dass sich im Namen der als solche erachteten Wahrheit auch extreme Handlungen rechtfertigen lassen, wenn sie denn dieser Wahrheit und ihrer Durchsetzung dienen. Nimmt man den Exklusivitätsanspruch der eigenen Religion ernst, erübrigt sich streng genommen jeder Toleranzgedanke.

a) Judentum

Das Judentum stellt in diesem Zusammenhang eine Besonderheit dar, denn bei diesem Glauben handelt es sich um eine alte Stammesreligion, die nur für das Volk Israel konzipiert ist und keine direkte Mission vorsieht.[1] Trotzdem halten die Gläubigen sich für die Auserwählten, denen allein die Wahrheit und die Güte ihres Gottes zuteil wird.[2] Damit geht die Exklusivität dieser Religion sogar noch einen Schritt weiter, denn die Wertigkeit der Ungläubigen wird herabgestuft, da sie kaum ihren Status ändern und zum wahren Glauben kommen können, wenn sie nicht dem Volk Israel angehören.

b) Christentum

Anders liegen die Dinge im Christentum, das den Wahrheitsanspruch der neuen Lehre deutlich herausstellt. Zwar mag Jesus selbst sich nur als Reformer des Judentums und damit nur für Juden zuständig gefühlt haben (beispielsweise weigert er sich anfänglich, die Tochter einer kanaanitischen Frau zu heilen),[3] doch schon aus den Evangelien ist der Missionsanspruch mit dem Pfingstereignis nicht mehr wegzudenken. So richten sich die verschiedenen Aussprüche Jesu und vor allem der Apostel, die nach seinem Tod den Sendeauftrag annahmen, an die Allgemeinheit. Das Evangelium des Johannes legt Jesus die Worte in den Mund: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“[4] Bestätigende Worte finden sich unter anderem in der Apostelgeschichte: „Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.“[5]

c) Islam

Im Islam nimmt nicht Mohamed, sondern das heilige Buch selbst, der Koran, die Stellung der göttlichen Offenbarung ein, die die einzige Wahrheit verkündet: „Dieses Buch – es ist vollkommen, nichts ist zu bezweifeln – ist eine Richtschnur für die Frommen“.[6] Der Prophet ist jedoch von Gott – Allah – damit betraut, diese Wahrheit unter die Menschen zu bringen: „Wir haben nunmehr dir das Buch (den Koran) in Wahrheit offenbart, die früheren Schriften in ihren Händen bestätigend, und dich zum Wächter darüber eingesetzt.“[7] „Die wahre Religion vor Allah ist Islam (die vollkommene Hingabe)“[8] – dieser Ausspruch lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen offen. Der Koran zielt klar auf die Mission aller Menschen ab: „Rufe mit Weisheit und mit milder Ermahnung die Menschen auf den Weg deines Herrn, und wenn du mit ihnen streitest, so tu es auf die sanfteste Weise; denn dein Herr kennt den, welcher von seinem Weg abweicht, ebenso wie er die kennt, welche recht geleitet sind.“[9]

2.2. … in Sachen Gläubige/Ungläubige

Die dualistische Teilung von gerechten, guten, gesegneten Gläubigen und verachtenswerten, schlechten, dem Untergang geweihten Ungläubigen vereint die drei Religionen, wenn sie natürlich auch die Grenzen dieser Gruppen unterschiedlich definieren.

a) Judentum

In diesem Zusammenhang tritt im Judentum eine ähnliche Problematik auf, wie beim vorherigen Punkt: Die Thora ist, mehr noch als Bibel und Koran, ein Werk, dass über eine Jahrhunderte dauernde Zeitspanne geschrieben wurde und den Weg des Volkes Israel über diese Zeit hinweg beschreibt. Es ist mehr ein Geschichtsbuch und eine Sammlung von Gesetzen; die Verkündigung des wahren Glaubens spielt eine eher untergeordnete Rolle im Nebeneffekt. Wie oben erwähnt, sehen die Juden sich als auserwähltes Volk Gottes. Die Teilung in Gläubige und Ungläubige ist daher recht einfach. Jedoch gibt es mehrere Erzählungen über Personen und Stämme, die vom monotheistischen Glauben abfallen und daraufhin von Gott bestraft werden.[10] „Wenn du aber nicht gehorchen wirst der Stimme des HERRN, deines Gottes, und wirst nicht halten und tun alle seine Gebote und Rechte, die ich dir heute gebiete, so werden alle diese Flüche über dich kommen und dich treffen“, lautet beispielsweise die Einleitung zu einer mit besonders drastischen Bildern ausgeschmückten Strafandrohung im 28. Kapitel des 5. Buch Mose.[11] „Zum höchsten über alle Völker auf Erden“[12] zu machen und mit einem angenehmen Leben zu segnen, verspricht Gott dagegen denen, die an ihn glauben.[13] „Wirst du aber den HERRN, deinen Gott, vergessen und andern Göttern nachfolgen und ihnen dienen und sie anbeten, so bezeuge ich euch heute, daß ihr umkommen werdet; eben wie die Heiden, die der HERR umbringt vor eurem Angesicht, so werdet ihr auch umkommen, weil ihr nicht gehorsam seid der Stimme des HERRN, eures Gottes.“[14]

[...]


[1] Vgl. z.B. 1.Mose 15,18, 5.Mose 26,18

[2] Jer. 12, 14-17: „So spricht der HERR: Wieder alle meine bösen Nachbarn, die das Erbteil antasten, das ich meinem Volk Israel ausgeteilt habe: Siehe, ich will sie aus ihrem Lande ausreißen (…). Aber wenn ich sie ausgerissen habe, will ich mich wieder über sie erbarmen (…). Und es soll geschehen, wenn sie von meinem Volk lernen werden, bei meinem Namen zu schwören (…). Wenn sie aber nicht hören wollen, so will ich solch ein Volk ausreißen und vernichten, spricht der HERR."

[3] Mt. 15, 24-26: „Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr hilf mir. Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht daß man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.“ (Allerdings gibt Jesus der Bitte der Frau schließlich nach und lobt ihren festen Glauben.)

[4] Joh. 14, 6

[5] Apg. 4, 12; siehe auch z.B. Hebr. 10, 20; 1. Joh. 5, 12

[6] 2. Sure, 3

[7] 5. Sure 49

[8] 3. Sure 20; siehe auch 5. Sure 4

[9] 16. Sure 126. Siehe auch 34. Sure 29: „Wir haben dich zu der Gesamtmenschheit nur deshalb geschickt, um Gutes zu verkünden und Böses anzudrohen.“

[10] vgl. 2. Kön. 17, 7-23; Jes. 59, 12-21

[11] 5. Mose 28, 15-68

[12] 5. Mose 28, 1

[13] vgl. 3. Mose 25, 21; 2. Mose 19, 5-6

[14] 5. Mose 8, 19-20

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Ideologien der drei monotheistischen Weltreligionen
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Seminar für Religionswissenschaft)
Veranstaltung
Fundamentalismus in den drei großen monotheistischen Weltreligionen
Note
1
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V46213
ISBN (eBook)
9783638434492
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ideologien, Weltreligionen, Fundamentalismus
Arbeit zitieren
Lena Marie Hahn (Autor), 2005, Die Ideologien der drei monotheistischen Weltreligionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46213

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