Dieses Essay befasst sich mit folgender Fragestellung: Die Arbeit entfremdet den Menschen; den Waren haftet ein Fetisch an. Wie kann Kunst unter diesen Vorzeichen der kapitalistischen Gesellschaft überhaupt noch bestehen oder gar entstehen?
Die Grundbedeutung des Entfremdungsbegriffes nach Karl Marx impliziert die Entäußerung oder den Verlust des Wesens, bzw. mehrerer wesentlicher Eigenschaften des Wesens. Es handelt sich dabei um eine Entfremdung, die dazu führt, dass sich das menschliche Wesen "nicht adäquat entfalten kann" . Der Arbeiter produziert in der Konsumgesellschaft zunehmend einen immer größeren, ihm fremden Reichtum, in Form von Privateigentum.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Grundbedeutung des Entfremdungsbegriffes nach Karl Marx
2. Entfremdung von sich selbst
3. Entfremdung des Menschen vom anderen Menschen
4. Entfremdung der Arbeit und ihre Bedeutung für die Kunst
5. Zusammenfassung zur Überwindung der Entfremdung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz des marxistischen Entfremdungsbegriffs für das Verständnis von Kunst in einer kapitalistisch geprägten Konsumgesellschaft und hinterfragt, ob künstlerisches Schaffen einen Ausweg aus der entfremdeten Lebenswelt bieten kann.
- Analyse der vier Formen der Entfremdung nach Marx
- Die Rolle der Arbeitsteilung und der Warenproduktion
- Der Warenfetischismus und seine Auswirkungen auf das Kunstwerk
- Das Verhältnis von Kunst, Schönheit und dem menschlichen Gattungswesen
- Der Ansatz der "Spieltrieb"-Theorie von Schiller als Korrektiv
Auszug aus dem Buch
Die Entfremdung des Arbeiters von seiner Arbeit
Die zweite Form besteht darin, dass eine Entfremdung des Arbeiters von seiner Arbeit stattfindet. Das Produkt ist das Resümee der Tätigkeit, das heißt, sobald das Produkt die Entäußerung ist, so ist die Produktion die aktive Entäußerung. Diese Entfremdung der Tätigkeit verhindert, dass die Arbeit eine Wesensäußerung des Menschen werden kann. Dadurch fühlt sich der Arbeiter in seiner Tätigkeit nicht bejaht, sondern verneint und durch seine Arbeit unzufrieden. Marx zufolge müsste Arbeit allerdings die Befriedigung eines Bedürfnisses sein. In der Konsumgesellschaft ist sie allerdings nur ein Mittel, um Grundbedürfnisse zu befriedigen. Dies führt bereits zu der nächsten Form, Entäußerung. Dadurch, dass die Arbeit nur „ein Mittel zur Befriedigung eines Bedürfnisses, des Bedürfnisses der Erhaltung der physischen Existenz“ darstellt, findet eine Entfremdung von sich selbst statt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Grundbedeutung des Entfremdungsbegriffes nach Karl Marx: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des marxistischen Entfremdungsbegriffs, der den Verlust wesentlicher menschlicher Eigenschaften in der kapitalistischen Konsumgesellschaft beschreibt.
2. Entfremdung von sich selbst: Hier wird dargelegt, wie die berufliche Tätigkeit unter kapitalistischen Bedingungen dazu führt, dass der Arbeiter sein wahres Selbst verliert und Arbeit nur noch als reines Lebensmittel betrachtet.
3. Entfremdung des Menschen vom anderen Menschen: Das Kapitel thematisiert, wie die Entfremdung des Einzelnen zwangsläufig zur Entfremdung vom Gattungswesen und damit von allen Mitmenschen führt.
4. Entfremdung der Arbeit und ihre Bedeutung für die Kunst: Diese Sektion analysiert, wie die Warenproduktion und der Warenfetischismus das Kunstwerk als reines Konsumgut gefährden und ob Kunst als freie Tätigkeit bestehen kann.
5. Zusammenfassung zur Überwindung der Entfremdung: Das abschließende Kapitel diskutiert anhand der Triebtheorie von Schiller die Möglichkeit, durch Schönheit und freies Spiel der Entfremdung entgegenzuwirken.
Schlüsselwörter
Karl Marx, Entfremdung, Kapitalismus, Entäußerung, Arbeitsteilung, Warenfetisch, Konsumgesellschaft, Gattungswesen, Kunstsoziologie, Privateigentum, Spieltrieb, Friedrich Schiller, Selbstverwirklichung, Produktionsgesellschaft, Warencharakter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophischen und soziologischen Auswirkungen des marxistischen Entfremdungsbegriffs auf die moderne Arbeitswelt und die Stellung der Kunst innerhalb dieser Strukturen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Arbeitsteilung, die Entfremdung des Arbeiters vom Produkt, der Warenfetischismus und die Frage, inwieweit Kunst ein Mittel zur Rückkehr zum menschlichen Wesen sein kann.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob Kunst als Ausdruck freier menschlicher Tätigkeit in einer kapitalistischen Gesellschaft bestehen kann oder ob sie ebenfalls den Prozessen der Entfremdung unterworfen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textbasierte, theoretische Analyse klassischer ökonomisch-philosophischer Schriften von Karl Marx, ergänzt durch kunsttheoretische Überlegungen von Friedrich Schiller.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die vier Formen der Entfremdung nach Marx detailliert dargelegt und auf die spezifische Problematik der künstlerischen Produktion und Konsumtion angewandt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Entfremdung, Warenfetisch, Konsumgesellschaft, Gattungswesen und die Dialektik von Arbeit und Spiel bestimmt.
Was genau ist der „Warenfetisch“ im Kontext dieser Arbeit?
Der Warenfetisch bezeichnet den Prozess, bei dem Waren als eigenständige, geheimnisvolle Objekte wahrgenommen werden, wodurch die zugrundeliegenden gesellschaftlichen Arbeitsbeziehungen und die Entfremdung des Produzenten verschleiert werden.
Wie spielt Friedrich Schillers Theorie in die Marx-Analyse hinein?
Schiller dient als Ergänzung zu Marx, indem seine Theorie des „Spieltriebs“ als eine Möglichkeit vorgestellt wird, die einseitige Rationalität der kapitalistischen Welt durch eine harmonische Verbindung von Stoff- und Formtrieb zu überwinden.
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- Sophie Hohmann (Author), 2016, Die Kunst als Ausweg aus der Entfremdung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462139