John Gossage ist ein amerikanischer Fotograf, der 1946 in New York City geboren wurde und bereits in jungen Jahren großes Interesse für die Fotografie entwickelte. Schon 1963 konnte er sich mit mehreren Einzel- und Gruppenausstellungen einen Namen machen. Heute lebt und arbeitet er größtenteils in Washington D.C.. Er unterrichtet an der University of Maryland und kuratierte nebenher mehrere Fotoausstellungen. Darüber hinaus veröffentlichte Gossage eine Vielzahl von Künstler-Büchern und Fotografie-Publikationen. Er publizierte unter anderem 17 Bücher, mit denen er weltweiten Ruhm in der Kunstszene erringen konnte.
Thematisch sind seine Arbeiten besonders auf die städtische Umwelt fokussiert, Graffiti- und Architektur-Themen nimmt er immer wieder auf. Bisher veröffentlichte er drei Bücher, die sich um die deutsche Hauptstadt Berlin drehen: LAMF: Three Days in Berlin 1987 (1987), Stadt des Schwarz (1987), Berlin in the Time of the Wall (2004). Diese Ausarbeitung nimmt die Arbeit BERLIN IN THE TIME OF THE WALL in den Fokus. Der Bildband wurde 2004 veröffentlicht und umfasst 464 Seiten. Gossage zeigt Fotografien, die er zwischen 1982 und 1993 im Raum Berlin aufgenommen hat. Produziert wurden 2000 Exemplare, eine Ausgabe kostet auf dem derzeitigen Markt rund 140€.
Es handelt sich dabei um Gossages bekanntestes und wichtigstes Fotobuch, das sich thematisch um die Berliner Mauer dreht. Der Titel mit den großgeschriebenen Lettern auf dem Einband gibt zusammen mit dem Untertitel "history book" eine erste Orientierungshilfe und deutet die Intention Gossages von einer zeitraffenden Dokumentation der Mauer an.
Inhaltsverzeichnis
1. John Gossage und der „fremde“ Blick
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die fotografische Dokumentation des geteilten Berlins durch den amerikanischen Fotografen John Gossage und analysiert, inwieweit ein objektiver oder "fremder" Blick in der künstlerischen Dokumentarfotografie überhaupt möglich ist.
- Analyse des Bildbandes "BERLIN IN THE TIME OF THE WALL"
- Definition und theoretische Einordnung des "Fremden Blicks"
- Einfluss von Globalisierung, Klischees und Vorurteilen auf die Wahrnehmung
- Die Rolle des Fotografen als außenstehende Person in einer anderen Kultur
- Reflexion über die Subjektivität fotografischer Dokumentationen
Auszug aus dem Buch
John Gossage und der „fremde“ Blick
Nun entsteht die Frage, auf welche Art und Weise es Gossage gelingt, das damalige Berlin einzufangen. Vor dem Hintergrund, dass der Fotograf in den USA aufgewachsen ist und auch heute noch dort lebt und arbeitet, ist zu berücksichtigen, dass er die Berliner Umgebung mit einem „fremden Blick“ betrachtet oder doch nicht? Entscheidend für diese Überlegung ist natürlich auch, dass er bereits 1987 zwei Berlin-Aufenthalte unternommen hat, um die Stadt als Fotograf zu betrachten. Durch die mehrfachen Deutschlandbesuche kennt er das Land und vor allem auch die Stadt immer besser, lernt die Menschen dort kennen und macht sich mit Kulturunterschieden oder Lebensweisen bekannt.
Um diese Frage adäquat beantworten zu können, ist zunächst eine Definition des Fremden Blicks von Nöten. Fremd „ist eine Ableitung von dem im Niederhochdeutsch untergegangenen gemein-germanischen Adverb fram »Vorwärts, weiter; von – weg und bedeutet ursprünglich ‚entfernt‘, dann ‚unbekannt, unvertraut«.“ Heute wird mehr auf topografisch Entferntes verwiesen. In erster Linie wird der Ort als ein Aspekt der Begegnung mit Fremdem: Der Beobachter einer anderen Kultur verlässt seinen eigenen angestammten Platz und tauscht ihn mit der Fremde. „Nur dort lässt sich die fremde Kultur in ihren zahlreichen Facetten beobachten, lassen sich Zusammenhänge beispielsweise zwischen lokaler Geografie, Kommunikationsweise, Sitten und Gebräuchen herstellen.“ Das Fremde lässt sich nicht in die Ordnung des Eigenen integrieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. John Gossage und der „fremde“ Blick: Das Kapitel bietet eine Einführung in das Werk des Fotografen John Gossage, analysiert seinen Bildband über das geteilte Berlin und erörtert kritisch die theoretische Möglichkeit eines objektiv "fremden" Blicks auf eine fremde Kultur.
Schlüsselwörter
John Gossage, BERLIN IN THE TIME OF THE WALL, Berliner Mauer, Fremder Blick, Dokumentarfotografie, Globalisierung, Wahrnehmung, Fotografie, Deutschland, Kultur, Bildband, Identität, Klischees, Stereotypen, Subjektivität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie der US-Fotograf John Gossage das geteilte Berlin in seinem Werk "BERLIN IN THE TIME OF THE WALL" dokumentiert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Konzept des "fremden Blicks", die Möglichkeiten und Grenzen dokumentarischer Fotografie sowie die kulturelle Wahrnehmung durch außenstehende Beobachter.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob es Gossage gelingt, die Stadt Berlin als Amerikaner mit einem objektiv "fremden Blick" einzufangen, oder ob Vorurteile und Medienbilder diesen Blick unweigerlich beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kunsthistorische und medientheoretische Analyse angewandt, die auf Fachliteratur zum "fremden Blick" basiert und diese auf die konkrete fotografische Praxis Gossages bezieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil setzt sich mit der Biografie Gossages, der stilistischen Analyse des Bildbandes und der theoretischen Definition des Fremdseins auseinander.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Dokumentarfotografie, Fremder Blick, Berliner Mauer, John Gossage und kulturelle Wahrnehmung.
Warum wird Gossages Blick auf Berlin als "fremd" hinterfragt?
Weil der Fotograf in den USA sozialisiert wurde, aber durch mehrmalige Besuche und die Ähnlichkeit moderner Industriestaaten eine zunehmende Vertrautheit mit Deutschland entwickelte.
Welches Fazit zieht die Arbeit zur objektiven Dokumentation?
Die Arbeit resümiert, dass eine völlig objektive Dokumentation unmöglich ist, da jeder Fotograf durch sein Umfeld, seine Erwartungen und existierende Klischees geprägt ist.
Welchen Eindruck vermitteln die Fotografien im Bildband?
Die Fotografien erzeugen eine Atmosphäre von Ausweglosigkeit, Düsterkeit und Einsamkeit, wobei der Fokus auf verlassenen Orten und der Architektur liegt.
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- Sophie Hohmann (Author), 2015, John Gossage und der fremde Blick, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462213