Peacemaker. Eine wirkungsvolle Präventionsmaßnahme gegen Gewalt an Schulen aus Sicht der betroffenen Schülerinnen und Schüler?


Bachelorarbeit, 2016
58 Seiten, Note: 5.5 (CHE-System)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Thema und Fragestellung
1.2 Aufbau der Arbeit und Vorgehen
1.3 Ziele der Arbeit

2 Theorieteil
2.1 Begrifflichkeit Gewalt
2.2 Abgrenzung von Gewalt und Aggressivität
2.3 Zwischenfazit

3 Mediation
3.1 Definition Mediation
3.2 Zwischenfazit

4 Gewaltprävention
4.1 Definition von Gewaltprävention
4.1.1 primäre Gewaltprävention
4.1.2 sekundäre Gewaltprävention
4.1.3 tertiäre Gewaltprävention
4.2 Definition von Gewaltintervention
4.3 Zwischenfazit

5 Peacemaker
5.1 Konzept und Ziele
5.2 Ablauf
5.3 Peacemaker-Wahl
5.4 Peacemaker-Anforderungen
5.5 Peacemaker-Ausbildung
5.6 Peacemaker- Aufgaben
5.7 Peacemaker-Nachtreffen
5.8 Aktuelle Zahlen

6 Evaluation Peacemakerprojekt
6.1 Methodisches Vorgehen
6.2 Befragte Gruppen
6.3 Fragebogen
6.4 Auswertung Peacemaker
6.4.1 Alter
6.4.2 Klassen
6.4.3 Geschlecht
6.4.4 „Du bist Peacemaker in deinem Schulhaus. Was gefällt dir daran?“
6.4.5 „Wieso hast du dich als Peacemaker beworben?“
6.4.6 „Wo gibt es Schwierigkeiten bei der Arbeit als Peacemaker?“
6.4.7 „Nehmen dich die anderen Kinder als Peacemaker ernst?“
6.4.8 „Was denkst du, wie wichtig sind Peacemaker?“
6.4.9 „Wenn du „sehr wichtig“ oder „wichtig“ angekreuzt hast, weshalb?
6.4.10 „Wenn du „eher weniger wichtig“ oder „gar nicht wichtig“ angekreuzt hast, weshalb?
6.4.11 „Was denkst du, gibt es dank euch Peacemakern weniger, gleich viel oder mehr Streit, Mobbing und körperliche Gewalt?“
6.4.12 „Was hast du in der Peacemaker-Ausbildung gelernt?“
6.4.13 „Möchtest du sonst noch etwas zum Peacemakerprojekt sagen?“
6.5 Auswertung Nicht-Peacemaker ...
6.5.1 Alter
6.5.2 Klassen
6.5.3 Geschlecht
6.5.4 „In deinem Schulhaus gibt es Peacemaker. Was gefällt dir daran?“
6.5.5 „Was gefällt dir an den Peacemakern und ihrer Arbeit nicht?“
6.5.6 „Wärst du gerne ein Peacemaker?“
6.5.7 „Wenn du „Ja“ angekreuzt hast, weshalb?“
6.5.8 „Wenn du „Nein“ angekreuzt hast, weshalb?“
6.5.9 „Nimmst du die Peacemaker und ihre Arbeit ernst?“
6.5.10 „Was denkst du, wie wichtig sind Peacemaker?“
6.5.11 „Wenn du „sehr wichtig“ oder „wichtig“ angekreuzt hast, weshalb?“
6.5.12 „Wenn du „eher weniger wichtig“ oder „gar nicht wichtig“ angekreuzt hast, weshalb?“
6.5.13 „Was denkst du, gibt es dank den Peacemakern weniger, gleich viel oder mehr Streit, Mobbing und körperliche Gewalt?“
6.5.14 „Möchtest du sonst noch etwas zum Peacemakerprojekt sagen?“

7 Beantwortung der Fragestellung
7.1 Einschätzung der Peacemaker zum Projekt
7.2 Einschätzung der Nicht-Peacemaker zum Projekt

8 Fazit
8.1 Fazit zum Peacemakerprojekt
8.2 Reflexion zur gesamten Bachelorarbeit

9 Literaturverzeichnis

10 Abbildungsverzeichnis

Anhang ist nicht Teil dieser Arbeit

1 Einleitung

Liebe Leserinnen und liebe Leser

Diese Arbeit über die Gewaltpräventionsmassnahme Peacemaker habe ich im Rahmen meines Studiums an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz als Bachelorarbeit verfasst.

In den folgenden Kapitel 1.1., 1.2. und 1.3. möchte ich Sie als Einstieg über die gewählte Thematik und Fragestellung, sowie über den Aufbau und die Ziele meiner Bachelorarbeit informieren.

1.1 Thema und Fragestellung

Seit einiger Zeit beschäftigt das Thema Gewalt an Schulen nicht nur die pädagogische, sondern auch die öffentliche Diskussion. Vorfälle haben, meiner Empfindung nach, eine enorme Resonanz in den Medien. Beinahe täglich liest oder hört man von Gewalt an Schulen, sei dies zwischen Kindern und Jugendlichen, oder zwischen Lehrpersonen und Schülerinnen oder Schülern. Mir stellt sich nun die Frage, wie es dazu kommt. Und noch viel spannender scheint mir, was dagegen unternommen werden kann. Denn die Gewalt an Schulen sehe ich als Problem, welchem sich Schule und Lehrpersonen stellen müssen.

Aufgrund der drastischen Zunahme der Gewaltbereitschaft von Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren ist es mir ein Anliegen mehr über diese Problematik zu erfahren und mir über die Gewaltpräventionen, aber auch Gewaltinterventionen, Gedanken zu machen.

Ich kam zur Entscheidung die Bachelorarbeit als Gelegenheit zu nutzen, um mein Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Der Gewaltbegriff beinhaltet verschiedene Opfer und Täter, sowie auch unterschiedliche Gewaltformen. In dieser Bachelorarbeit möchte ich mich auf die Gewalt zwischen Kindern, sprich zwischen Schülerinnen und Schülern im schulischen Umfeld fokussieren.

Während ersten Recherchen bin ich auf das vom National Coaliation Building Institute, kurz NCBI, lancierte Peacemakerprojekt gestossen, welches als Gewaltprävention in Schulen fungiert. Besonders interessant empfinde ich, dass dieses Projekt auf der Ebene der Schülerinnen und Schüler durchgeführt wird und die Kinder stark miteinbezogen werden. Mich interessiert, wie dieses Projekt funktioniert und welche Wirkung es zeigt. Aufgrund dessen entschied ich mich dazu, eine Evaluation dieses Projektes durchzuführen.

Schlussendlich entschied ich mich für die folgende Fragestellung meiner Bachelorarbeit: Peacemaker- Eine wirkungsvolle Präventionsmassnahme gegen Gewalt an Schulen aus Sicht der betroffenen Schülerinnen und Schülern?

1.2 Aufbau der Arbeit und Vorgehen

Diese Bachelorarbeit ist in zwei Teile gegliedert. In einem ersten theoretischen Teil geht es darum, die Begrifflichkeiten der Gewalt, Gewaltprävention und Gewaltintervention zu definieren, einen Einblick in die verschiedenen Formen der Gewalt zu erhalten und das Prinzip der Mediation als Gewaltprävention kennen zu lernen.

Dieser theoretische Überblick dient als Grundlage für das Verständnis des zweiten, praxisorientierten Teil der Arbeit. Auch dieser wird durch die Erläuterung des Peacemakerprojektes, dessen Konzept und Ziele, eingeläutet.

Im Anschluss wird die von mir durchgeführte Evaluation des Peacemakerprojektes im Schulhaus Lange Heid in der Gemeinde Münchenstein präsentiert. Ich habe mich dabei auf die Sicht der betroffenen Schülerinnen und Schüler fokussiert.

Genaueres zur methodischen Vorgehensweise lassen sich im Kapitel 6.1. nachlesen.

Als Abrundung meiner Bachelorarbeit möchte ich ein Fazit ziehen, und meine Fragestellung, wie wirksam das Peacemakerprojekt in den Augen der befragten Primarschüler und Primarschülerinnen denn ist, zu beantworten.

1.3 Ziele der Arbeit

Mittels Verfassen dieser Bachelorarbeit möchte ich mein Können, eine von mir gewählte Thematik wissenschaftlich zu bearbeiten, unter Beweis stellen.

Mir ist es ein Anliegen, das Peacemakerprojekt für alle Leser und Leserinnen verständlich zu machen. Und heraus zu finden, wie das Projekt bei den betroffenen Primarschulkindern im Lange Heid Schulhaus in Münchenstein (BL) ankommt.

Die Ergebnisse meiner Arbeit werde ich dem NCBI (National Coaliation Building Institute) zukommen lassen, so dass sie meine Schlussfolgerungen bei der Weiterentwicklung dieses Projektes berücksichtigen können.

Zudem soll diese Arbeit auch anderen Lehrpersonen dienen, sich über die Gewaltprävention im Allgemeinen, und besonders über das Peacemakerprojekt zu informieren.

Mir, als angehende Primarlehrerin, ist es ein grosses Anliegen über Gewalt an Schulen, und insbesondere was dagegen unternommen werden kann, Bescheid zu wissen. Von grosser Bedeutung scheint mir, die bestehende Gewalt an Schulen nicht blind zu akzeptieren, sondern dagegen anzukämpfen, beziehungsweise idealerweise frühzeitig Gewaltpräventionsmassnahmen durchzuführen.

Zu guter Letzt hoffe ich mit meiner Bachelorarbeit einigen Lehrpersonen Mut zu machen, die Gewaltproblematik im Kollegium oder im Unterricht zu thematisieren.

2 Theorieteil

Um zu verstehen, was Gewaltprävention ist, muss zuerst geklärt werden, was hinter dem Begriff der Gewalt steckt. Dies wird im Kapitel 2.1. aufgezeigt.

Ausserdem wird im Kapitel 2.2. der Begriff der Gewalt vom Begriff der Aggressivität abgegrenzt.

2.1 Begrifflichkeit Gewalt

Gewalt ist laut Gugel(2014)1 ein Phänomen, welches weder klar definiert, noch abgegrenzt werden kann. Andere Autoren hingegen, können den Begriff der Gewalt definieren.

Hurrelmann(1996)2 versteht unter Gewalt die absichtsvolle Schädigung von Menschen, oder Gegenständen, durch Menschen. Auch Voss(2008)3 sieht Gewalt als zielgerichtete Schädigung von Menschen und Sachen, mittels physischen oder psychischen Mitteln.

Zudem leiden laut Hurrelmann(1996)4 10% bis 12% der Schülerinnen und Schülern an psychischen Störungen in den Bereichen Emotion, Leistung und in den sozialen Kompetenzen. Auch aggressives und gewalthaltiges Verhalten gehören dazu, so Hurrelmann(1996)5 weiter.

Wenn ein Kind oder eine Erwachsener über einen längeren Zeitraum negativen Handlungen anderer Menschen ausgesetzt ist, ist dies gemäss Olweus(1999)6 Gewalt. Dabei besteht ein ungleiches Kräfteverhältnis zwischen dem Opfer und dem Täter, behauptet Olweus(1999)7 weiter.

Preuschoff und Preuschoff(1992)8 verstehen unter Gewalt, eine erweiterte Form der Aggressivität, welche Menschen zielgerichtet physisch und psychisch schädigt. Zudem betonen Preuschoff und Preuschoff(1992)9, dass Gewalt immer an Macht geknüpft sei.

Es gibt laut Hurrelmann(1996)10 immer mehr physische und psychische Übergriffe in der Schule.

Gemäss Schubarth(2000)11 können Gewaltphänomene auf verschiedene Art und Weise erklärt werden. Diese Aussage deckt sich wiederum mit den unterschiedlichen Erklärungsmodellen von Schirp(1996)12, welche die Ursachen von Gewalt zu erklären versuchen. Zudem finden sich in der Literatur verschiedene Ursachen und Gründe für aggressives und gewalthaltiges Verhalten von Kindern und Jugendlichen. Auf diese kann in dieser Bachelorarbeit jedoch nicht näher eingegangen werden.

2.2 Abgrenzung von Gewalt und Aggressivität

Aggression und Gewalt liegen nahe beieinander und werden im alltäglichen Sprachgebrauch oft synonym gebraucht. Doch wo liegt der Unterschied?

Laut Schmidt-Denter(1994)13 wird Aggression überwiegend als Verhaltensdisposition begriffen. Von Gewalt spricht man, wenn die angestaute Aggression ungehemmt gegen Menschen gerichtet wird, um demjenigen bewusst physische oder psychische Schmerzen zuzufügen.

Breakwell(1998)14 beschreibt Gewalt als gesteigerte und extremste Form der Aggression. Gewalttätige Handlungen entstehen aus vorausgegangener Aggression, so Breakwell(1998)15, und werden vorsätzlich ausgeführt, um einer anderen Person Schaden zuzufügen. Des Weiteren ist Breakwell(1998)16 der Meinung, eine Gewalthandlung wird oft berechnend ausgeübt, während Aggression die Folge emotionaler Erregung ist.

Aggression wird von Soeffner(2004)17 als Eigenschaft und Verhaltensweise eines Menschen beschrieben. Auch Preuschoff und Preuschoff(1992)18 verstehen Aggression als Verhaltensweisen. Unter anderem Wutausbrüche, Willensäusserungen und der Ausdruck von Ärger und Ablehnung gehören für sie zu diesen Verhaltensweisen.

Zudem teilt Soeffner(2004)19 Aggression als psychische, Gewalt als eine soziale Kategorie ein. Gewalt ist somit eine soziale Konstruktion, welche mindestens zwei Beteiligte involviert, so Soeffner(2004)20 weiter.

2.3 Zwischenfazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Begriff der Gewalt breitgefächert und nicht eindeutig fassbar ist. Gewalt kann sowohl gegen Kinder gerichtet sein, oder von Kindern selbst auskommen. Ausserdem gibt es unterschiedliche Formen der Gewalt, welche differenziert werden müssen, da sie sich in den Ursachen, der Intention und den Folgen unterscheiden.

Des Weiteren scheint mir wichtig, aggressives von gewalttätigem Verhalten zu unterscheiden. Jedoch ist dies, vor allem auf dem Pausenplatz und im Klassenzimmer, nicht immer einfach.

Nachdem nun geklärt ist, was unter Gewalt verstanden wird möchte ich im nächsten Kapitel auf das Prinzip der Mediation eingehen.

3 Mediation

Das Peacemakerprojekt, welches im Kapitel 5 vorgestellt und im Kapitel 6 evaluiert wird, beruht auf dem Prinzip der Mediation. Aus diesem Grund möchte ich im folgenden Kapitel 3.1. erläutern, was damit gemeint ist.

3.1 Definition Mediation

Mediation ist gemäss Waack(2010)21 eine mögliche Form der Konfliktbearbeitung durch das Einschalten eines neutralen Vermittlers. Die am Konflikt Beteiligten äussern ihre Meinung und lernen die Meinung des Gegners kennen. Der Vermittler, welcher gemäss Waack(2010)22,auch Mediator genannt werden kann, hilft bei diesem Prozess.

Laut Rixius(1996)23 ist Mediation eine pädagogische Präventions- und Interventionsmassnahme gegen Gewalt, welche einen neutralen Dritten als Vermittler bei Konflikten einsetzt. Auch Gasteiger-Klicpera und Klein(2006)24 setzen Mediation in Verbindung mit Schule und sind der Meinung, die Peer Mediation, also das Einsetzten von gleichaltrigen Mediatoren, beruhe auf einem sinnvollen Konzept. Die Schülerinnen und Schüler erweitern gemäss Gasteiger- Klicpera und Klein(2006)25 ihre Sozialkompetenzen und erlernen einen konstruktiven Umgang mit Streitereien und Emotionen.

Gemäss Detjen(2012)26 versteht man unter Mediation das Vermitteln durch eine nicht in den Konflikt verwickelte Person. Diese hilft den Betroffenen den bestehenden Konflikt zu lösen und hindert sie an einer gewaltsamen Austragung des Konfliktes. Mediation ist jedoch laut Detjen(2012)27 nur dann sinnvoll, wenn beide Konfliktparteien zur Kooperation mit dem Mediator bereit sind. Ist dies der Fall, so Detjen(2012)28, kann bereits die alleinige Anwesenheit des unabhängigen Vermittlers helfen.

Grüner(2015)29 verwendet den Begriff der Schulmediation. Unter diesem Begriff versteht er die Methode, bei welcher Schülerinnen und Schüler als Mediatoren zum Streit schlichten in der Schule eingesetzt werden. Die Mediatoren haben die Aufgabe den Streitenden bei ihrer Konfliktlösung unterstützend zur Seite zu stehen und gemeinsam mit allen Beteiligten eine Lösung zu finden, meint Grüner(2015)30.

3.2 Zwischenfazit

Mediation meint das Vermitteln in Konfliktsituationen durch eine neutrale Person, welche Mediator genannt wird und somit eine Form der Gewaltprävention darstellt. In der Schule wird die Mediation häufig durch Schülerinnen und Schüler durchgeführt. Das Projekt Peacemaker, welches im Kapitel 5 näher beschrieben wird, ist ein solches Programm. Die Peacemaker, auch Friedensstifter genannt, fungieren als Mediatoren.

Im folgenden Kapitel 4 werden die Begrifflichkeiten Gewaltprävention und Gewaltintervention von einander unterschieden und definiert.

4 Gewaltprävention

Laut Jannan(2012)31 wird oftmals Gewaltprävention und Gewaltintervention fälschlicherweise als Synonym verwendet. Dem ist jedoch nicht so. Um die beiden Begriffe zu unterscheiden, werde ich diese in den folgenden Kapiteln 4.1. und 4.2. definieren.

4.1 Definition von Gewaltprävention

Der Begriff Prävention stammt laut Duden32 vom lateinischen Wort praeventio ab, welches als das Zuvorkommen übersetzt wird. Weitere Bedeutungen des Begriffes Prävention sind Vorbeugung und Verhütung.

Laut Werner(2014)33 werden Massnahmen des Vorbeugens, Verhütens, Begrenzens oder des Hinauszögerns eines nicht gewünschten Zustandes als Prävention verstanden. Der Präventionsgedanke dahinter, sieht aktives Handeln vor, so Werner(2014) 34 weiter.

Auch Schubarth(2010)35 sieht Gewaltprävention als „Fördersystem“, welches notwendige Hilfen und Unterstützungen im Kontext von Schule und Familie umfasst. Mit dem Ziel aggressives und gewalttätiges Verhalten, siehe Kapitel 2.2, zu verhindern, oder zu mindern.

Jannan(2012) 36 versteht unter Gewaltprävention Handlungskonzepte, welche vorbeugend eingesetzt werden, um Gewalt längerfristig zu minimieren. Gewaltpräventionsmassnahme und Gewaltpräventionsprojekte zielen gemäss Werner(2014)37 auf unterschiedliche Adressaten ab. Es gibt Projekte, welche nur an die Opfer oder nur an die Täter gerichtet sind. Des Weiteren gibt es Projekte, welche die Allgemeinheit, sprich ein ganzes Schulhaus, ansprechen sollen.

Schubarth(2010)38 bestätigt dies. Gewaltpräventionsprogramme können sowohl opferzentriert, täterorientiert, als auch gruppenorientiert durchgeführt werden.

Ziel ist es in jedem Fall einen Veränderungsprozess, sei dies bei den einzelnen Betroffenen, oder bei Gruppen, auszulösen.

Olweus(1999)39 sieht die Gewaltprävention ebenfalls auf verschiedenen Ebenen. Prävention kann sowohl auf der persönlichen Ebene, als auch auf der Klassen- und Schulebene wirken.

Die Gewaltprävention wird in der Literatur oftmals in drei Kategorien unterteilt. Die primäre, sekundäre und tertiäre Gewaltprävention. Diese möchte ich in den folgenden Kapiteln 4.1.1., 4.1.2. und 4.1.3. erläutern.

4.1.1 primäre Gewaltprävention

Die primäre Gewaltprävention umfasst laut Werner(2014)40 Massnahmen, welche gewalttätige Verhaltensweisen bereits im Voraus verhindern.

Dabei werden zum einen Risikofaktoren und Bedingungen für Gewalt zwischen Kindern und Jugendlichen an Schulen abgeklärt und verändert, zum anderen wird den Schülerinnen und Schülern ein kompetenter Umgang in Gewaltsituationen vermittelt.

Ebenfalls, so Hurrelmann(1996)41, werden soziale Kompetenzen und Fähigkeiten in der Kommunikation und Konfliktbewältigung gefördert.

Auch Jannan(2012)42 betont,dass die primäre Gewaltprävention die sozialen und kommunikativen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schülern stärkt.

Zudem erwähnt Gugel(2014)43 primäre Prävention richte sich unspezifisch an alle Kinder und Jugendlichen, mit dem Ziel eine Gefährdung zu verhindern.

4.1.2 sekundäre Gewaltprävention

Die sekundäre Gewaltprävention wird gemäss Jannan(2012) 44 aufgrund bereits bestehender Auffälligkeiten angewendet.

Die bestehenden Schwierigkeiten, gewalthaltigen Einstellungen der Schülerinnen und Schüler, sowie die aggressiven und gewalttätigen Verhaltensweisen sollen rückgängig gemacht werden. Laut Gugel(2014)45 richtet sich die sekundäre Gewaltprävention an konkrete Personen oder Gruppen.

Werner(2014)46 sieht die sekundäre Gewaltprävention ebenfalls als vorbeugende Massnahme bei bereits auffälligen, oder gefährdeten, Schülerinnen und Schülern. Werner(2014)47 unterscheidet zwischen Gewaltpräventionsmassnahmen, welche die Kompetenzförderung zum Ziel haben, und jene, welche der Rückfallvermeidung dienen.

4.1.3 tertiäre Gewaltprävention

Die tertiäre Gewaltprävention wird laut Jannan(2012)48 gezielt bei gewalttätigen Vorfällen angewandt, um einer Eskalation der prekären Situation vorzubeugen. Werner(2014)49 beschreibt die tertiäre Gewaltprävention als Massnahme zur Reduzierung und gegebenenfalls Beseitigung von bestehendem Gewaltverhalten. Die tertiäre Ebene der Gewaltprävention richtet sich laut Werner(2014)50 somit an auffällige und gewalttätige Schülerinnen und Schüler.

Dies bestätigt Gugel(2014)51, da sich seiner Meinung nach, die tertiäre Gewaltprävention an bereits auffällige und gewalttätige Kinder und Jugendliche richtet.

4.2 Definition von Gewaltintervention

Der Begriff Intervention stammt laut Duden52 vom lateinischen Wort interventio ab, welches als eingreifen übersetzt wird. Weitere Bedeutungen des Begriffes Intervention sind Einflussnahme, Einmischung, Klärung, Schlichtung, Unterbrechung und Vermittlung.

Intervention meint laut Werner(2014)53 gezieltes und direktes Eingreifen zur Beseitigung unerwünschter Verhaltensweisen.

Gemäss Schubarth(2000)54 ist eine Intervention eine eingreifende Handlung, welche unterstützend, helfend und vorbeugend wirken soll. Ziel ist es, so Schubarth(2000)55 weiter, Gewalt nicht zur vollen Entfaltung kommen zu lassen, sowie bereits bestehende gewalthaltige Vorfälle in ihrer Entwicklung und in ihrem Ausmass weit möglichst zu mindern, oder sogar zu beseitigen.

Auch Jannan(2012)56 versteht unter Gewaltintervention, eine personenbezogene Reaktion auf einen Gewaltvorfall, mit dem Ziel einer zeitnahen Lösung dieser Problematik. Weiter betont Jannan(2012)57, dass die einzusetzenden Reaktionen und Handlungen stets auf die vorliegende Gewaltform ausgerichtet sein müssen.

Ziegler’s (1994)58 Definition nach ist Intervention eine Anzahl von eingreifenden Massnahmen, welche dann durchgeführt werden, wenn bereits Gewalthandlungen begangen worden sind.

4.3 Zwischenfazit

Aufgrund der Zunahme von Gewalt an Schulen ist laut Hopf(2002)59 die Anzahl und das Angebot der Gewaltpräventionsmassnahmen, ebenso die der Gewaltinterventionsmassnahmen, gestiegen. Jedoch sind nur wenige davon, so Hopf(2002)60 weiter, empirisch evaluiert worden.

Meiner Meinung nach wurde die Problematik der Gewalt an Schulen erkannt und man versucht mittels Prävention und Intervention dagegen anzukämpfen. In der Literatur, aber auch im Internet, finden sich unzählige Gewaltpräventionsmassnahmen, sowie Gewaltinterventionsmassnahmen. Wichtig für die Schulen ist, laut Jannan(2012)61, das Auswählen und Durchführen der am besten passendsten Massnahme.

Durch die Recherche und das Verfassen dieses Kapitels, wurde mir bewusst, dass einige Projekte und Massnahmen, sowohl als Prävention, als auch als Intervention, verstanden werden können. Dies ist auch bei dem vom National Coaliation Building Institute NCBI entwickeltem Peacemakerprojekt der Fall. Gedacht ist dies als Gewaltprävention, jedoch wird einem bei genauer Betrachtung der Ziele (siehe Kapitel 5.1.) bewusst, dass es gleichzeitig auch als Intervention dienen kann.

[...]


1 (Gugel, 2014)

2 (Hurrelmann, 1996)

3 (Voss, 2008)

4 (Hurrelmann, 1996)

5 (Hurrelmann, 1996)

6 (Olweus, 1999)

7 (Olweus, 1999)

8 (Preuschoff, 1992)

9 (Preuschoff, 1992)

10 (Hurrelmann, 1996)

11 (Schubarth, 2000)

12 (Schirp, 1996)

13 (Schmidt-Denter, 1994)

14 (Breakwell, 1998)

15 (Breakwell, 1998)

16 (Breakwell, 1998)

17 (Soeffner, 2004)

18 (Preuschoff, 1992)

19 (Soeffner, 2004)

20 (Soeffner, 2004)

21 (Waack, 2010)

22 (Waack, 2010)

23 (Rixius, 1996)

24 (Gasteiger-Klicpera und Klein, 2006)

25 (Gasteiger-Klicpera und Klein, 2006)

26 (Detjen, 2012)

27 (Detjen, 2012)

28 (Detjen, 2012)

29 (Grüner, 2015)

30 (Grüner, 2015)

31 (Jannan, 2012)

32 http://www.duden.de/rechtschreibung/Praevention

33 (Werner, 2014)

34 (Werner, 2014)

35 (Schubarth, 2000)

36 (Jannan, 2012)

37 (Werner, 2014)

38 (Schubarth, 2000)

39 (Olweus, 1999)

40 (Werner, 2014)

41 (Hurrelmann, 1996)

42 (Jannan, 2012)

43 (Gugel, 2014)

44 (Jannan, 2012)

45 (Gugel, 2014)

46 (Werner, 2014)

47 (Werner, 2014)

48 (Jannan, 2012)

49 (Werner, 2014)

50 (Werner, 2014)

51 (Gugel, 2014)

52 (http://www.duden.de/rechtschreibung/Intervention)

53 (Werner, 2014)

54 (Schubarth, 2000)

55 (Schubarth, 2000)

56 (Jannan, 2012)

57 (Jannan, 2012)

58 (Ziegler, 1994)

59 (Hopf, 2002)

60 (Hopf, 2002)

61 (Jannan, 2012)

Ende der Leseprobe aus 58 Seiten

Details

Titel
Peacemaker. Eine wirkungsvolle Präventionsmaßnahme gegen Gewalt an Schulen aus Sicht der betroffenen Schülerinnen und Schüler?
Hochschule
Fachhochschule Nordwestschweiz  (Institut für Primarstufe)
Note
5.5 (CHE-System)
Autor
Jahr
2016
Seiten
58
Katalognummer
V462314
ISBN (eBook)
9783668917651
ISBN (Buch)
9783668917668
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Anhang ist nicht Teil dieser Arbeit.
Schlagworte
Peacemaker, Gewaltprävention, Gewalt, Intervention, Evaluation, Mediation, NCBI, Peermediation
Arbeit zitieren
Larissa Reber (Autor), 2016, Peacemaker. Eine wirkungsvolle Präventionsmaßnahme gegen Gewalt an Schulen aus Sicht der betroffenen Schülerinnen und Schüler?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462314

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