Häusliche Arbeitsteilung von erwerbstätigen Paaren


Essay, 2016
3 Seiten, Note: 1.0
Varthini Sivapatham (Autor)

Gratis online lesen

Arbeitsteilung von erwerbstätigen Paaren

Erst seit 1977 dürfen Frauen ohne das Einverständnis des Mannes arbeiten. Heute leben wir in einer Gesellschaft, in der viele Frauen erwerbstätig oder sogar Familienernährerinnen sind. Die soziale Rolle der Frau hat sich über die letzten zwei Generationen enorm gewandelt. Die moderne Vorstellung einer Frau, in der sie unabhängig, selbstbewusst, ökonomisch selbstständig ist, prägt die heutige Zeit. Doch während Frauen vor paar Jahrzehnten um bestimmte Rechte kämpften, geht es den Frauen heute vor allem um die allgemeine Gleichbehandlung, beziehungsweise um die Schaffung von Rahmenbedingungen zur Gleichstellung beider Geschlechter. Für die Gleichberechtigung waren vor allem in der Vergangenheit politische Reformen und Maßnahmen notwendig. Jedoch ist die Gleichberechtigung nicht allein, eine von der Politik voranzubringende Maßnahme. In vielen Bereichen geht es vielmehr um die Einstellung einzelner Menschen. Ein Beispiel hierfür ist die häusliche Arbeitsteilung in Paarbeziehungen.

Bisherige Befunde zeigen, dass erwerbstätige Frauen im Vergleich zu ihren Männern immer noch viel mehr Zeit für den Haushalt aufbringen. Dies lässt sich auch bei Frauen beobachten, die Familienernährerinnen sind und somit den Hauptteil des Einkommens verdienen. Diese sind stärker von der beruflichen Arbeit belastet und machen zwar weniger Hausarbeit als andere Frauen, jedoch nicht weniger als der Partner. Im Durchschnitt arbeitet eine vollerwerbstätige Frau täglich eine Stunde länger im Haushalt, als ihr Mann (Vgl. Klenner et al. 2012: 96 zit. n. Anger & Kottwitz 2009). Zudem lassen sich geschlechtsspezifische Aufgabenverteilungen beobachten. Meist übernehmen Frauen die täglich anfallenden Aufgaben, während die Männer sich mit gelegentlich anfallenden Tätigkeiten befassen (Vgl. Klenner et al. 2012: 96). Kochen und Waschen wird vermehrt von Frauen übernommen, Reparaturen und Einkauf eher von Männern (Vgl. Klenner et al. 2012: 96). Abgesehen von der Erwerbstätigkeit der Frauen, scheinen die Aufteilungen doch eher den traditionellen Mustern zu entsprechen. Im schlimmsten Fall wäre die Erwerbstätigkeit für die Frau etwas Hinzukommendes. Hierbei bekommt die Frau zwar gewisse Rechte und erlangt auch eine gewisse ökonomische Unabhängigkeit, jedoch scheint sie von der „Gleichberechtigung“ entfernt zu sein. Ein Erklärungsansatz für die ungleiche Ausgabenteilung im Haushalt könnte die gesellschaftlich geprägte geschlechtsspezifische Rollenerwartung sein. Rollenerwartungen richten sich an gesellschaftliche Werte und Normen. Die älteren Generationen wuchsen noch mit gesellschaftlichen Wertevorstellungen auf, die mit der heutigen Zeit nicht mehr konform sind. Diese Wertevorstellungen lebten die Eltern den Kindern vor. Die heute arbeitende Generation ist zum Teil mit solchen Werten aufgewachsen. Die Gesellschaft befindet sich jedoch im Wandel und die geschlechtsspezifischen Rollenerwartungen werden mehr und mehr aufgehoben. Beispielweise wachsen die heutigen Kinder überwiegend mit berufstätigen Müttern, als Vorbilder auf. Die Veränderung der Rollenerwartungen wird wahrscheinlich noch seine Zeit beanspruchen. Nichtsdestotrotz, eine Gesellschaft die Gleichberechtigung anstrebt, sollte sich von solchen geschlechtsspezifischen Rollenerwartungen trennen.

Die veränderte Wertvorstellung zeigt sich jedoch auch in der häuslichen Arbeitsteilung von Paaren. Zwar arbeiten erwerbstätige Frauen im Durchschnitt mehr im Haushalt als die Männer, jedoch ist zunehmend zu beobachten, dass der zeitliche Unterschied sich mehr und mehr aufhebt. Eine Analyse des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) zeigt, dass Partner von Familienernährerinnen mehr Zeit für den Haushalt und für die Kinderbetreuung aufwenden, als Partner die selbst Familienernährer sind und das höhere Haushaltseinkommen aufweisen (Vgl. Klenner et al. 2012: 104). Zugegeben, die Arbeitsbeteiligung im Haushalt seitens der Männer steigt an, aber dennoch verrichten Familienernährerinnen den größeren Anteil. Neben der egalitären Geschlechterrollenorientierung nennen die Autoren zusätzlich noch die Bildung der Frau und die zeitliche Verfügbarkeit des Mannes, als Faktoren die die häusliche Arbeitsteilung beeinflussen (Vgl. Klenner et al. 2012: 119). Desweiterem streben nicht alle Familienernährerinnen im Haushalt große strukturelle Veränderungen an. Ein möglicher Grund hierfür könnte die eigene Auffassung von der Rolle der Frau sein. Viele Familienernährerinnen identifizieren sich durch den Haushalt und durch die Kindererziehung als Frau und Mutter (Vgl. Klenner et al. 2012: 119).

Generell lässt sich sagen, dass Frauen die Hauptverantwortung für den Haushalt tragen. Die Männer übernehmen meistens nur unterstützende Tätigkeit. Oftmals werden die Tätigkeiten von den Frauen übertragen. Diese ungleiche Verteilung stellt für viele Frauen im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie, Haushalt und Beruf eine große Herausforderung dar. Trotz der Verbesserung der Hausarbeitsbeteiligung seitens der Männer ist noch ein hoher entwicklungsbedarf notwendig. Gesundheitliche Folgen, ist das Resultat einer solchen Doppelbelastung. Nicht zu vergessen ist, die Tatsache, dass es nicht annährend Gleichberechtigung ist, wenn erwerbstätige Paare unterschiedlich viel im Haushalt übernehmen. Aber letztendlich kann Gleichberechtigung nur erzielt werden, wenn die Frauen diese auch einfordern. Hier ergibt sich die Frage, ob Frauen tatsächlich die völlige Gleichberechtigung anstreben oder lediglich nur eine neue gesellschaftliche Rollenerwartung erfüllen. Eine moderne Rollenerwartung der Gesellschaft, in der Frauen, sowohl erwerbstätig sind als auch auf einer gewissen Weise „Hausfrauen“ bleiben oder auch anders gesagt die, „flexible“ Familienernährerin sind.

Quelle:

Klenner; Menke; Pfahl (2012): Flexible Familienernährerinnen. Opladen: Budrich.

3 von 3 Seiten

Details

Titel
Häusliche Arbeitsteilung von erwerbstätigen Paaren
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Note
1.0
Autor
Jahr
2016
Seiten
3
Katalognummer
V462320
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Gleichberechtigung oder soziale, durch die Gesellschaft vorgegebene Rollenerwartungen - welche Strukturen dominieren in der häuslichen Arbeitsteilung von erwerbstätigen Paaren? Eine kostenlose Veröffentlichung zum Weltfrauentag.
Schlagworte
Gleichberechtigung, Gender, Geschlechterrollen, Geschlechterrollenerwartung, Frauen, Weltfrauentag, Rollenerwartung, Genderpaygab, geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, Vereinbarkeit von Familien und Beruf, Häusliche Arbeitsteilung, erwerbstätige Paar, Familienernährerin
Arbeit zitieren
Varthini Sivapatham (Autor), 2016, Häusliche Arbeitsteilung von erwerbstätigen Paaren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462320

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Häusliche Arbeitsteilung von erwerbstätigen Paaren


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden