Als Christoph Kolumbus im Jahr 1492 zum ersten Mal den Fuß auf ein Stück Land der ,,Neuen Welt" setzte, konnte vermutlich niemand erahnen, welche Folgen diese Tatsache mit sich bringen würde. Nach und nach drangen immer mehr spanische Konquistadoren in die „Neue Welt“ ein. Es begann mit der hoffnungsvollen Entdeckung und Erkundung der amerikanischen Gebiete und führte recht schnell zu einer Eroberung von noch nie da gewesenem Ausmaß. Zu der geographischen Entdeckung Amerikas kam die nicht weniger bedeutsame Entdeckung „der Anderen“ hinzu.
Schlussendlich war das Resultat der wohl größte Völkermord in der Geschichte der Menschheit, Anfang des 16. Jahrhunderts. Viele Indios wurden versklavt und ermordet, während sie selbst zunächst kaum verstanden, was nach einem jahrhundertelangen Leben ohne zu erwähnende Störung von außen mit ihnen geschah.
Einen hohen Stellenwert dieser Arbeit nimmt die kritische Betrachtung der viel zitierten eroberten ,,Neuen Welt" ein. Bei diesem Begriff geht man fast stillschweigend davon aus, dass die amerikanische Welt vor Kolumbus zwar existierte, aber auf keinen Fall mit der geistigen und kulturellen Wertigkeit des ,,alten" Abendlandes konkurrieren konnte. Dies lässt sich auch daraus schließen, dass die Ureinwohner als unterwürdig und barbarisch angesehen wurden. So ist Kolumbus 1492 auf einem Kontinent gelandet, der schon eine reiche Kulturgeschichte vorzuweisen hatte. Zu Beginn ist zu erwähnen, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema Mission einige Schwierigkeiten mit sich bringt, da es hierbei schnell zu Bewertungen und Vorurteilen kommen kann. Aus diesem Grund ist die Thematik generell mit Vorsicht zu genießen, da es sich bei der Auseinandersetzung um eine Kommunikation auf moralischer Ebene handelt.
In dieser Arbeit erschien es nach anfänglichen Überlegungen als durchaus interessant, die Missionierung der frühen Neuzeit, aus der Sicht der indigenen Bevölkerung darzustellen und das schreckliche Vorhaben aus den Augen der Betroffenen darzulegen. Die aktuelle Quellenlage lässt dies jedoch nicht zu. Bezüglich der Thematik der Missionierung können nicht nur die Meinungen auseinander gehen und verschiedene Sicht- und Denkweisen entstehen, sondern auch in der Quellenlage lässt sich eine Unregelmäßigkeit erkennen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Mission in der frühen Neuzeit der Versuch einer Beschreibung
2.1. Der Begriff Mission und sein Verständnis
2.2. Der Versuch einer Beschreibung
2.3 Die berühmte Adventspredigt des Antón Montesino 1511
3. Bartolomé de Las Casas und seine Ziele
4. Die Person und das Denken des Juan Ginés de Sepúlveda
5. Der Disput von Valladolid
6. Die Rolle und das Verhalten der Krone
7. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit der europäischen Missionierung in Lateinamerika während der frühen Neuzeit auseinander. Ziel ist es, die Rechtfertigung der kolonialen Eroberung und des Umgangs mit der indigenen Bevölkerung zu hinterfragen, wobei insbesondere die gegensätzlichen Positionen von Bartolomé de Las Casas und Juan Ginés de Sepúlveda sowie die Rolle der spanischen Krone analysiert werden.
- Kritische Analyse des traditionellen Missionsverständnisses im 16. Jahrhundert.
- Gegenüberstellung der ethischen Standpunkte von Las Casas und Sepúlveda.
- Untersuchung der Hintergründe und Folgen des Disputs von Valladolid.
- Analyse der machtpolitischen Interessen und gesetzlichen Rahmenbedingungen der spanischen Krone.
Auszug aus dem Buch
2.3 Die berühmte Adventspredigt des Antón Montesino 1511
Angesichts der Tatsache der schreiend ungerechten und schlechten Behandlung der indigenen Bevölkerung und der Verletzung ihrer Grundrechte, sahen es die Dominikaner als ihre Pflicht an in Predigten öffentlich zu protestieren. So hielt Antón Montesino am Adventssonntag 1511 jene energische Predigt, in welcher er die Misshandlungen der Indios anklagte und verpönte. Montesino gab somit den ersten Anstoß einer neuen Denkweise, woraus einige Zeit später die ersten Indianerschutzbestimmungen resultierten.
Die ganze Stadt Santo Domingo, die Hauptstadt der heutigen Dominikanischen Republik, wurde zu der äußerst wichtigen Predigt eingeladen. Da niemand fehlen durfte, wurden Juristen und königliche Beamte persönlich eingeladen unter der Aussage, dass es etwas äußerst wichtiges zu verkünden gäbe. Die Tatsache, dass tatsächlich alle zur genannten Predigt erschienen, wäre nicht eingetreten, wenn die Menschen vorher gewusst hätten, um was es sich bei der Verkündung inhaltlich handeln würde. Sie hätten schlicht und einfach nicht zugelassen, dass solche Botschaften gepredigt werden würden. Den Spaniern wurde sehr deutlich nahe gebracht, in welcher Sünde sie sich aufgrund ihres unmenschlichen und grausamen Verhaltens befänden, ohne dies überhaupt zu merken.
Die Reaktion der kraftvollen Predigt war, dass einige anfingen am ganzen Körper zu zittern und von dieser ausnahmslosen und gewaltigen Stimme ehrfürchtig berührt wurden. Andere wiederum waren sprachlos. Bekehrt war jedoch niemand durch die Predigt, die so viel bewirken sollte. Nach diesen mächtigen Worten versammelte sich an diesem Abend die ganze Stadt. Vor allem die königlichen Beamten beschlossen sich gegen die Auffassung des Predigers zu stellen und stimmten überein Druck gegen ihn ausüben zu wollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die koloniale Eroberung Lateinamerikas, die Problematik des Missionsbegriffs und die Zielsetzung der Arbeit.
2. Die Mission in der frühen Neuzeit der Versuch einer Beschreibung: Untersuchung des Missionsverständnisses und der historischen Ereignisse wie der Predigt von Antón Montesino.
3. Bartolomé de Las Casas und seine Ziele: Biographische Darstellung und Analyse des Wirkens von Las Casas als Verteidiger der indigenen Bevölkerung.
4. Die Person und das Denken des Juan Ginés de Sepúlveda: Vorstellung der gegensätzlichen Position von Sepúlveda, der die Eroberung philosophisch zu rechtfertigen suchte.
5. Der Disput von Valladolid: Analyse der berühmten Debatte zwischen Las Casas und Sepúlveda über die Legitimität der Eroberung und Missionierung.
6. Die Rolle und das Verhalten der Krone: Untersuchung des staatlichen Einflusses der spanischen Krone und der gesetzlichen Bestimmungen zur Behandlung der Indios.
7. Fazit: Kritische Zusammenfassung der Missionierungsgeschichte und Reflexion über die Rolle von Bartolomé de Las Casas in der historischen Forschung.
Schlüsselwörter
Mission, Lateinamerika, Kolonialisierung, Bartolomé de Las Casas, Juan Ginés de Sepúlveda, Disput von Valladolid, Indios, Konquistadoren, Menschenrechte, Spanische Krone, Evangelisierung, Frühe Neuzeit, Encomienda, Christentum, Eroberung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die ethische und historische Problematik der europäischen Missionierung und Eroberung Lateinamerikas im 16. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Missionsverständnis der Zeit, die Rolle der Kirche und der Krone bei der Expansion sowie der menschliche und rechtliche Umgang mit der indigenen Bevölkerung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit hinterfragt die Rechtfertigung des barbarischen Verhaltens der Konquistadoren und analysiert die gegensätzlichen Denkweisen von Las Casas und Sepúlveda.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturgestützte Analyse historischer Quellen und Sekundärliteratur durchgeführt, um die Positionen der Protagonisten und die Rolle der Krone kritisch zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Mission, das Wirken von Las Casas, die Gegenposition von Sepúlveda, den Disput von Valladolid sowie die rechtlichen und machtpolitischen Maßnahmen der Krone.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern gehören Mission, Kolonialisierung, Bartolomé de Las Casas, Sepúlveda, Disput von Valladolid und Menschenrechte.
Warum war die Adventspredigt von Antón Montesino 1511 so bedeutend?
Sie gilt als der erste öffentliche Protest gegen die Misshandlungen der Indios und löste eine neue Denkweise aus, die letztlich zur Entwicklung erster Indianerschutzbestimmungen führte.
Wie bewertet die Autorin die Rolle von Las Casas abschließend?
Las Casas wird als ambivalente historische Figur dargestellt, die einerseits als unermüdlicher Menschenrechtskämpfer gewürdigt, andererseits jedoch auch für seine folgenschwere Fehleinschätzung bezüglich der Sklaverei von Afrikanern kritisiert wird.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2014, Die Frage nach der Rechtfertigung der konträren Vorgehensweise der Konquistadoren bei der Missionierung der indigenen Bevölkerung am Beispiel von Bartolomé de Las Casas und Juan Ginés de Sepúlveda, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462384