Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Romanbericht 'Homo faber' aus dem Jahre 1957 von Max Frisch. Dabei wird im Besonderen auf die technische Weltsicht des Protagonisten Walter Faber und seinen Umgang mit der Natur eingegangen, mit der er im Laufe des Romans immer wieder konfrontiert wird.
Zunächst wird die Bedeutung des Titels geklärt, um einen ersten Überblick über die grundsätzliche Thematik des Berichtes und den Anlass dieser Hausarbeit zu erhalten. Im Anschluss daran wird die zentrale Rolle der Technik im Leben Walter Fabers analysiert und anhand verschiedener Beispiele belegt. Weiter wird in exemplarischen Begegnungen mit der Natur auf Fabers Verständnis von der Natur eingegangen und damit die bestehende Differenz zwischen den beiden, für Faber konträren, Elementen Natur und Technik veranschaulicht. Das vierte Kapitel widmet sich abschließend der Zusammenführung beider Elemente, in dem Versuch einer Annäherung des 'Homo faber' an die Natur.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Hauptteil
1. Die Bedeutung des Titels Homo faber
2. Die technische Weltsicht Walter Fabers
2.1 Der Technikbegriff
2.2 Technik als Lebensinhalt
2.3 Technik als Erklärungsmuster
2.3.1 Zufall statt Schicksal
2.3.2 Wahrscheinlichkeit und Statistik
2.4 Zahlen und Daten
2.5 Bedingungsloser Fortschritt
3. Walter Fabers Bild der Natur
3.1 Der Naturbegriff bei Frisch
3.2 Fabers Begegnung mit der Natur
3.2.1 Die Wüste
3.2.2 Der Dschungel
3.3 Abwehrmechanismen
3.3.1 Kamera und Rasierapparat
3.3.2 Sonstige Mechanismen
4. Begegnung der Natur im Erlebnis
III Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Roman "Homo faber" von Max Frisch, wobei der Fokus insbesondere auf der technisierten Weltsicht des Protagonisten Walter Faber und seiner stetigen Konfrontation mit der Natur liegt. Ziel ist es, die tiefe Differenz zwischen dem technokratischen Weltbild Fabers und der unberechenbaren Natur aufzuzeigen sowie die Versuche des Protagonisten zu analysieren, sich durch technische Hilfsmittel von dieser Natur zu distanzieren.
- Analyse der technischen Weltsicht von Walter Faber
- Untersuchung von Fabers Umgang mit der Natur und dessen Abwehrmechanismen
- Die Bedeutung von Zufall, Statistik und Technik in Fabers Denken
- Darstellung der gegensätzlichen Elemente Natur und Technik
- Die Annäherung des Protagonisten an die Natur durch das Erlebnis
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Der Dschungel
„Schon in Campeche empfing uns die Hitze mit schleimiger Sonne und klebriger Luft, Gestank von Schlamm. Der an der Sonne verwest, und wenn man sich den Schweiß aus dem Gesicht wischt, so ist es, als stinke man selbst nach Fisch.“
„Walter Faber hat eine ausgesprochene Abneigung gegen die Willkür der sich selbst überlassenen Natur, die in ewigem bewusstlosem Kreislauf gebiert und verwest.“
Der Höhepunkt der Abscheu gegen den tropischen Dschungel und damit die natürliche Erde gipfelt im Ausspruch „Tu sais que la mort est femme! [...] [E]t que la terre est femme!“ Tod und Weiblichkeit vereinigen sich im Bild der Natur. So verbindet Faber seinen Ekel gegenüber der Natur mit für ihn ebenso unerträglichen weiblichen Attributen „Tümpel im Morgenrot wie Tümpel von schmutzigem Blut, Monatsblut“ wie auch Geburt „wir waren naß von Öl [...], schmierig wie Neugeborene“, Sexualität „Molche, nichts als schwarze Köpfe mit zuckenden Schwänzchen wie ein Gewimmel von Spermatozoen“ und Tod „Verwesung voller Keime“, „Gewächs reglos, Geschlinge [...] glänzten wie Eingeweide.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Bedeutung des Titels Homo faber: Untersucht wird die Herkunft und Symbolik des Titels als Charakterisierung des Protagonisten als technisch orientierten Menschen.
2. Die technische Weltsicht Walter Fabers: Analysiert wird Fabers Definition von Technik als Mittel zur Naturbeherrschung und seine daraus resultierende, vollständig technikgeprägte Lebenshaltung.
3. Walter Fabers Bild der Natur: Behandelt wird der Kontrast zwischen Frischs Naturbegriff und Fabers wiederholten, durch Abwehrmechanismen geprägten Begegnungen mit der Natur in Wüste und Dschungel.
4. Begegnung der Natur im Erlebnis: Untersucht wird ein seltener Augenblick im Roman, in dem Faber durch die Liebe zu Sabeth einen Zugang zur Natur findet, ohne sie rein technisch zu bewerten.
Schlüsselwörter
Homo faber, Max Frisch, Walter Faber, Technik, Natur, technische Weltsicht, Zufall, Wahrscheinlichkeit, Abwehrmechanismen, Entfremdung, Fortschritt, Naturbegriff, Erlebnis, Romananalyse, Technokratie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Romanbericht "Homo faber" von Max Frisch mit einem besonderen Fokus auf das Spannungsfeld zwischen der technischen Weltsicht des Protagonisten und seinem Umgang mit der Natur.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Rolle der Technik als Lebensinhalt und Erklärungsmuster, die Rolle des Zufalls versus Schicksal sowie die Abwehrreaktionen des Protagonisten gegenüber unkontrollierbaren, natürlichen Elementen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Differenz zwischen dem technisierten Weltbild Fabers und der Natur sowie dessen langsame Annäherung an die Natur im Laufe des Romans aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur, um die Charakterisierung und Entwicklung des Protagonisten Walter Faber zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bedeutung des Titels, die Analyse der technischen Weltsicht (Technik, Statistik, Fortschritt), das Bild der Natur (Wüste, Dschungel) und die Abwehrmechanismen des Protagonisten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Homo faber, technische Weltsicht, Naturbegriff, Abwehrmechanismen, Zufall, Statistik und Entfremdung charakterisiert.
Warum spielt die Kamera für Walter Faber eine so zentrale Rolle?
Die Kamera dient Faber als technisches Hilfsmittel, um die Welt und die Natur "photomechanisch" festzuhalten, anstatt sie unmittelbar zu erleben, was ihm Distanz zum Unberechenbaren schafft.
Wie verändert sich Fabers Verhältnis zur Natur gegen Ende des Romans?
Faber erlebt durch seine Liebe zu Sabeth einen Moment, in dem er Natur nicht mehr ausschließlich durch technische und mathematische Begriffe filtert, was eine Annäherung an das menschliche Erleben ermöglicht.
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- Annette Ernst (Author), 2004, Zu Max Frisch: "Homo Faber" Walter. Die Konfrontation eines technisierten Menschen mit der Natur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46240