Erste Gedanken zum Text lassen eine Verbindung der Problematik im Bibeltext und der heutigen Zeit zu. So gibt es doch viele Menschen, die glauben, alles für ein besseres Leben oder gar eine bessere Welt zu machen, jedoch vergessen viele von ihnen, dass es oftmals die einfachen Dinge sind, die nicht auf den ersten Blick Sichtbaren, die den wahren Reichtum bewirken können. Ebenso verhält es sich mit der gewählten Bibelstelle. Es geht nicht nicht nur darum sich offensichtlich an die Vorgaben der Tora, die zehn Gebote zu halten, sondern allein darum, sich materiell zu trennen. An dieser signifikanten Stelle des Textes wurde mir klar, wie
aktuell dieser Denkanstoß Jesus doch ist. So ist es auffällig, wie viele Menschen heutzutage nicht mehr an ein minimalistisches Leben denken, ein Leben in Verschwendung führen und trotzdem davon überzeugt sind, sie verhalten sich rechtens, und dass es schwer möglich ist, sich besser zu verhalten, als sie es tun. Der Hauptaspekt liegt für mich dabei in einem Versuch seinen Reichtum ein Stück weit zu verlassen, um das eigene Leben schätzen, den Armen helfen und somit ein Stück die Welt verändern zu können. So verstanden doch unsere Großeltern diese Problematik um einiges besser da sie sich in Nachkriegszeiten auf das Glück zu leben besinnten, die wenigen Habseligkeiten mit Schicksalsgenossen teilten und nicht in einem Moment an Reichtum und Verschwendung dachten.
Allein das zeigt, inwiefern ein reiches Leben nichts mit wirklichem Reichtum zu tun hat und welche Wirkung Jesus Worte noch heute haben.
In dieser exegetischen Betrachtung von Markus 10,17-31 soll neben den methodischen Schritten der Exegese, welche in diesem Fall auf dem neutestamentlichen Arbeitsbuch für Religionspädagogen basieren, ein synoptischer Vergleich und ein Blick auf den heutigen Lebenszusammenhang der Bibelstelle erfolgen. Als Grundlage dieser Arbeit dient, neben dem Seminar „Das Markusevangelium“, jenes wurde von Friedrich Johannsen im Sommersemester 2017 an der Leibniz Universität durchgeführt, die Bibelübersetzung von Martin Luther.
Inhaltsverzeichnis
1. Assoziative Annäherung
2. Wissenschaftliche Annäherung
2.1 Beseitigung der Stolpersteine
2.2 Textkritik
2.3 Literarkritik
2.4 Synoptischer Vergleich
2.5 Traditionskritik
2.6 Gattungskritik
2.7 Religionsgeschichtliche Fragestellung
2.8 Redaktionskritik
2.9 Überlieferungskritik
2.10 Die Theologie des Markus: Verfasser, Entstehungszeit und Ort
3. Hermeneutisches Verstehen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, den biblischen Abschnitt Markus 10,17-31 einer fundierten exegetischen Untersuchung zu unterziehen, um die darin thematisierte Problematik von Reichtum, Besitz und Jesusnachfolge im Kontext der damaligen Zeit sowie in ihrer heutigen Relevanz zu analysieren.
- Methodische Exegese des Abschnitts Markus 10,17-31
- Synoptischer Vergleich mit den Parallelstellen bei Matthäus und Lukas
- Traditions- und gattungskritische Analyse der Lehrszene
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen materiellem Besitz und Nachfolge
- Reflexion der Bedeutung für die heutige, konsumorientierte Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
2.4 Synoptischer Vergleich
Im synoptischen Vergleich zwischen Markus 10,17-31, Matthäus 19,16-30 und Lukas 18,18-30 fallen sowohl Gemeinsamkeiten, als auch gewisse Unterschiede auf.
Mit einem Mann, der zu Jesus und den Jüngern stößt und nach ewigen Leben fragt, ist für jeden der Synoptiker die gleiche Ausgangssituation geschildert. Hinzu kommt bei Markus die ehrenvolle Geste des Kniefalls. Bei Matthäus ergibt sich die Abweichung, dass nicht Jesus als „gut“ angesprochen wird, sondern der Mann sich nach guten Taten erkundigt. Weiterhin stimmen Markus und Lukas im Wortlaut überein, während bei Matthäus der Mann bereits in Vers 17 darauf hingewiesen wird die Gebote zu halten. Als die Gebote zur Sprache kommen, schildert Jesus bei Markus und Lukas von sich aus drei Gebote, welche bei den Synoptikern übereinstimmen. Bei Matthäus fügt Jesus das Gebot „Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst“ (Mt 19,18) hinzu, nach dem der Mann explizit nach den einzuhaltenen Geboten gefragt hat. Der Mann beteuert bei allen Synoptikern diese Gebote eingehalten zu haben. Jesus wendet sich folgend an den Mann und antwortet bei Lukas und Markus im Wortlaut gleich, sodass in beiden Passagen der Schatz im Himmel und die Nachfolge zur Sprache kommen. Dies geschieht auch bei Matthäus, der allerdings noch den Aspekt der Vollkommenheit zufügt. Im Folgenden verlässt der Mann den Ort des Geschehens. Diese Stelle ist bei allen Synoptikern gleich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Assoziative Annäherung: Der Autor stellt erste persönliche Überlegungen zum Text an und verknüpft die biblische Problematik des Reichtums mit heutigen Lebensumständen und dem Wert des Minimalismus.
2. Wissenschaftliche Annäherung: In diesem umfangreichen Hauptteil wird die Perikope methodisch fundiert exegetisch bearbeitet, beginnend bei begrifflichen Klärungen bis hin zu kritischen Analysen der Überlieferungsgeschichte.
3. Hermeneutisches Verstehen: Das Kapitel überträgt die exegetischen Erkenntnisse auf die heutige Gesellschaft und diskutiert die Bedeutung von Nachfolge und zwischenmenschlichen Werten in einer konsumgeprägten Welt.
Schlüsselwörter
Markusevangelium, Exegese, Markus 10,17-31, Reichtum, Nachfolge, ewiges Leben, Synoptischer Vergleich, Lehrszene, Besitzlosigkeit, Gottesherrschaft, Religionsgeschichte, Redaktionskritik, Bibel, Minimalismus, Nachfolge Jesu.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt eine exegetische Analyse der biblischen Textstelle Markus 10,17-31, in der ein reicher Mann Jesus nach dem ewigen Leben fragt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Reichtum zu geistlichem Leben, die Bedeutung der Nachfolge Jesu, die Abkehr von materiellem Besitz und die Gottesherrschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den biblischen Text unter Anwendung wissenschaftlicher Methoden der Exegese zu erschließen und seine ethische sowie theologische Relevanz sowohl für die antike Zeit als auch für die Gegenwart aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die klassische historisch-kritische Methode, inklusive Textkritik, Literarkritik, synoptischem Vergleich, Traditionskritik, Gattungskritik und Redaktionskritik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische wissenschaftliche Annäherung, die verschiedene kritische Analyseverfahren auf den Text anwendet, um Struktur, Quellen und theologische Schwerpunkte zu identifizieren.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Markus 10,17-31, Exegese, Nachfolge, Reichtum, Besitzlosigkeit und Hermeneutik charakterisieren.
Welche Rolle spielt der Vergleich mit den anderen Evangelien?
Der synoptische Vergleich mit Matthäus und Lukas zeigt Gemeinsamkeiten in der Erzählstruktur auf, verdeutlicht aber auch spezifische theologische Akzente, die die einzelnen Evangelisten durch Wortwahl und Kontextualisierung setzen.
Wie bewertet der Autor die Bedeutung für die heutige Gesellschaft?
Der Autor sieht in der Perikope eine wichtige Mahnung gegen einen rein materiellen Konsumlebensstil und plädiert für ein Leben, das sich wieder mehr auf zwischenmenschliche Werte, Familie und den Glauben konzentriert.
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- Julia Guenter (Author), 2017, Exegese Markus 10, 17-31. Die Frage eines Reichen nach dem ewigen Leben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462411