Die ersten Jahre im Leben eines Kindes sind prägend. Heute ist es zum Großteil Aufgabe der Erzieherinnen und Erzieher in Kindertageseinrichtungen, unsere Kinder in dieser Zeit auf einen positiven Lebensweg vorzubereiten. Doch psychische und physische Erkrankungen der Fachkräfte nehmen zu. ErzieherInnen bringt ihr Beruf oftmals an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.
So sind ErzieherInnen in Kindertageseinrichtungen tagtäglich Lärmbelastungen ausgesetzt, die dem Lärmpegel einer Hauptverkehrsstraße entsprechen. Wie entsteht der Lärm? Wie beeinflusst er die Gesundheit der ErzieherInnen? Und was kann dagegen unternommen werden? Warum ist die Senkung des Betreuungsschlüssels so wichtig? Diesen Fragen geht Silvana Jentzsch auf den Grund. Sie hat dazu über 100 ErzieherInnen befragt und Lärmmessungen in einer Kindertageseinrichtung durchgeführt.
Die Ergebnisse ihrer Forschung verdeutlichen, unter welcher Belastung Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen leiden und was getan werden muss, um sie und die Kinder vor gesundheitlichen Schäden zu schützen. Nicht nur Eltern und ErzieherInnen sollten sich mit diesem Thema beschäftigen, es ist auch bei der Gebäudeplanung und für Spielzeughersteller wichtig.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Theoretische Einführung in die Thematik durch Begriffsklärung Gesundheit, Stress und Lärm
1.1 Die Gesundheit
1.2 Der Stress
1.2.2 Gesunderhaltender Stress und Krankmachender Stress
1.2.3 Die Stressoren im Arbeitskontext
1.3 Der Lärm
1.3.1 Auswirkungen von Lärm in geschlossenen Räumen
1.3.2 Der äquivalente Dauerschallpegel
2. Der Schutz vor Lärm
2.1 Die gesetzliche Verankerung des Schutzes vor Lärm
2.2 Die Möglichkeiten, den Lärm im Raum zu verringern
2.2.1 Die Raumakustik
2.2.2 Der Nachhall in Räumen
2.2.3 Der Lombard- Effekt
2.3 Wie kann die Nachhallzeit im Raum verringert werden?
2.3.1 Die Beachtung von Schallschutz beim Bau von Kindertagesstätten
2.3.2 Die pädagogische Arbeit zur Verringerung von Lärm
3. Die empirischen Untersuchungen und die Methoden
3.1 Die Methode Fragebogen
3.1.1 Die Anzahl Fragebögen
3.1.2 Die befragten Einrichtungen
3.1.3 Die Auswertung der Fragebögen
3.2 Die Lärmmessungen und deren Auswertung
3.2.1 Notwendige Vorbemerkungen zu den Lärmmessungen
3.2.2 Die Messungen
3.2.3 Die Auswertung
4. Fazit und Ausblick
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Hauptziel, den Einfluss von Lärm als Stressfaktor auf die Gesundheit von pädagogischem Fachpersonal in Kindertagesstätten zu untersuchen. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, inwieweit Lärmbelastungen am Arbeitsplatz existieren, die das Wohlbefinden und die Gesundheit der Angestellten negativ beeinflussen, und welche Präventionsmöglichkeiten zur Lärmminderung bestehen.
- Analyse der gesundheitlichen Belastungen von Erziehern durch Lärm im Kita-Alltag
- Empirische Untersuchung mittels Fragebögen zur subjektiven Belastungswahrnehmung
- Objektive Lärmmessungen in ausgewählten Einrichtungen zur Ermittlung des Dauerschallpegels
- Evaluierung raumakustischer Bedingungen und deren Einfluss auf die Sprachverständlichkeit
- Identifikation von pädagogischen und baulichen Maßnahmen zur Lärmreduktion
Auszug aus dem Buch
1.3.1 Auswirkungen von Lärm in geschlossenen Räumen
Innerhalb einer Räumlichkeit treffen verschiedene Geräusche aufeinander und erzeugen so verschiedene Schalldruckpegel, die von jedem differenziert aufgenommen werden. Das können eine laute Unterhaltung, ein Streitgespräch, das Weinen eines oder mehrerer Kinder, das gemeinsame Spiel einer Kindergruppe, das Bauen mit verschiedenen Materialien oder vieles mehr sein. Einzeln oder überlagert erzeugen diese Faktoren Lärm in verschiedenen Lautstärken. Ein lauter Geräuschpegel beeinflusst wesentlich das konzentrierte Arbeiten und aufmerksames Zuhören. Der im Raum entstehende Schall wird von den Wänden und den Fenstern reflektiert und somit in den Raum zurückgeworfen. Persönlichkeitsrelevante Eigenschaften wie Tagesverfassung und Einstellung zu den im Raum wahrgenommenen Geräuschen entscheiden mit darüber, ob er als angenehm oder als störend empfunden wird. Dieser beschriebene rein physikalische Vorgang wirkt jedoch direkt auf die erzieherische und pädagogische Arbeit der Erzieher.
„Lärmstörungen sind Belästigungen, die vegetative Veränderungen hervorrufen und die vorzugsweise in Form von Schlafstörungen, von beeinträchtigter Konzentration und dadurch verminderter Leistungsfähigkeit sowie von verschlechterten Kommunikationsbedingungen und Hörverhältnissen auftreten“ (Fasold, Veres 1998, S. 56). Dieses Zitat ist für die Erforschung der Stressoren relevant und aussagekräftig. Die kommunikative Kompetenz ist eine notwendige Voraussetzung im Umgang mit dem vom pädagogischen Fachpersonal zu betreuenden Kindern. Ist diese stark eingeschränkt oder nicht ohne Störungen möglich, dann können sie ihrem Bildungsauftrag nicht wie vorgegeben nachkommen. „Soziales Miteinander ist wesentlich an Kommunikation gebunden. Sich ausdrücken und mitteilen, anderen zuhören und sie verstehen, Botschaften senden und Symbole entschlüsseln sind unauflöslicher Bestandteil des sozialen Zusammenlebens und des sozialen Handelns. Das gemeinsame Leben ist wie die Bildung des einzelnen Kindes ohne Sprache und Kommunikation nicht denkbar“ (Sächsisches Staatsministerium für Soziales 2006, 2.3. S. 1). Das ist ein entscheidender Grund den Hauptfocus auf den Lärm zu legen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die oft übersehene Belastungssituation von Erziehern in Kindertagesstätten und definiert Lärm als zentralen Stressfaktor, der im Fokus der nachfolgenden Untersuchung steht.
1. Theoretische Einführung in die Thematik durch Begriffsklärung Gesundheit, Stress und Lärm: Dieses Kapitel liefert die wissenschaftliche Basis, indem es die Begriffe Gesundheit, Stress und Lärm definiert und deren Zusammenhang sowie die spezifischen Auswirkungen auf den menschlichen Organismus darlegt.
2. Der Schutz vor Lärm: Das Kapitel behandelt die rechtlichen Rahmenbedingungen des Lärmschutzes und erläutert sowohl technische raumakustische Aspekte als auch pädagogische Handlungsstrategien zur Lärmverringerung.
3. Die empirischen Untersuchungen und die Methoden: Hier wird das methodische Vorgehen der Arbeit beschrieben, welches die Auswertung selbst entwickelter Fragebögen zur subjektiven Belastung sowie durchgeführte Lärmmessungen in Kindertagesstätten umfasst.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die erhebliche Belastung durch Lärm und gibt Empfehlungen für notwendige bauliche und organisatorische Verbesserungen in den Einrichtungen.
Schlüsselwörter
Lärm, Kindertagesstätte, Erzieher, Gesundheit, Stressor, Raumakustik, Nachhallzeit, Schallschutz, Arbeitsbelastung, Lärmmessung, Schalldruckpegel, Gesundheitsförderung, Kommunikation, pädagogisches Fachpersonal, Prävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die gesundheitlichen Auswirkungen von Lärm als Stressfaktor auf das pädagogische Fachpersonal in Kindertagesstätten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit verbindet theoretische Grundlagen zu Gesundheit und Stress mit spezifischen akustischen Fachbegriffen wie Nachhallzeit und Schalldruckpegel sowie organisatorischen Aspekten des Arbeitsschutzes in Kitas.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu ergründen, ob Lärm am Arbeitsplatz zu gesundheitlichen Belastungen führt und wie durch bauliche oder pädagogische Maßnahmen die Lärmbelastung für Erzieher reduziert werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus einer schriftlichen Befragung mittels Fragebögen bei Erziehern, objektiven Lärmmessungen vor Ort sowie einem leitfadengestützten Experteninterview mit einer HNO-Ärztin.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, die rechtliche Verankerung des Lärmschutzes, die Darstellung der Raumakustik und die detaillierte Auswertung der empirischen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Lärm, Kindertagesstätte, Gesundheit, Arbeitsbelastung, Raumakustik, Schallschutz und Stressprävention.
Warum spielt der „Lombard-Effekt“ bei der Lärmbelastung in Kitas eine so große Rolle?
Der Lombard-Effekt beschreibt das Phänomen, dass Personen in einem lauten Umfeld automatisch lauter sprechen, um sich verständlich zu machen, was zu einer spiralförmigen Zunahme des allgemeinen Lärmpegels führt.
Welchen Einfluss haben die räumlichen Gegebenheiten laut der Lärmmessungen?
Die Untersuchung zeigt, dass harte Oberflächen wie geflieste Wände oder Linoleumböden den Schall reflektieren und somit die Nachhallzeit und den Schalldruckpegel massiv erhöhen, was die Sprachverständlichkeit verschlechtert.
Wie bewertet die befragte HNO-Ärztin das Risiko für Hörschäden bei Erziehern?
Die Medizinerin sieht bei den vorliegenden Lärmpegeln in Kitas kein akutes Risiko für bleibende Hörschäden, warnt jedoch vor psychischen Belastungen und anderen stressbedingten Symptomen durch den permanenten Lärm.
- Arbeit zitieren
- Silvana Jentzsch (Autor:in), 2013, Welche Auswirkungen hat Lärm auf die Gesundheit von Erzieherinnen und Erziehern? Eine Befragung und Lärmmessung an deutschen Kindertagesstätten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462461