Die Vermittlung von Medienkompetenz in der Sekundarstufe I

Über Smartphones im Unterricht


Bachelorarbeit, 2016
48 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen
2.1 MedienS
2.2 Smartphone

3. Notwendigkeit von Mediensozialisation und Medienkompetenz
3.1 Notwendigkeit von Mediensozialisation
3.2 Notwendigkeit von Medienkompetenz
3.3 Medienkompetenz im Kernlehrplan

4. Anderes Lernen durch neue Medien

5. Medien im Unterricht- historische Entwicklung und aktueller Trend der Smartphonenutzung
5.1 Historische Entwicklung
5.2 Aktueller Stand der Smartphonenutzung von Jugendlichen
5.3 Bedeutung des Smartphones für die Schüler im AlltagS

6. Gefahren für Jugendliche durch das Smartphone

7. Das Smartphone als Potenzial für die Bildung

8.Unterrichtseinheiten mit dem Smartphone
8.1 Rahmenbedingungen
8.2 Sinnvolle Funktionen des Smartphones für den Unterricht

9. Ein Beispiel für eine Unterrichtseinheit

10. Smartphoneeinsatz im Unterricht durch „Bring Your Own Device“
10.1 Das Konzept
10.2 Herausforderungen
10.3 Vorteile von BYOD

11. Schlussbemerkung

12. Quellen- und Literaturverzeichnis

13. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

In der heutigen Zeit sind Medien aller Art allgegenwärtig und in unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Insbesondere die neuen technischen Medien, wie das Smartphone, stehen im Interesse der Öffentlichkeit. Besonders Kinder und Jugendliche sind von neuen Medien fasziniert und besitzen viele technische Geräte. Durch diese Medien wird ein Ausmaß von bisher nie da gewesenen Möglichkeiten geschaffen. So eine tiefgreifende Veränderung und Weiterentwicklung in der Medientechnologie hat es in dieser Geschwindigkeit und in einer solchen globalen Gleichzeitigkeit noch nie gegeben.1 Von Informationsbeschaffung, Unterhaltung, Kommunikation, Spiel bis zur globalen Vernetzung schaffen neue Medien ein breites Spektrum an Funktionen. Für die Freizeit oder den Beruf, für das Lernen und die Bildung und für die Wirtschaft und die Politik gewinnen neue Medien eine zunehmende Bedeutung.2 Zugleich entwickeln sich allerdings durch die leichte Zugangsweise und der Zugriff auf das weltweite Internetnetzwerk der neuen Medien Probleme, Ablenkungen und Manipulationen. Hinzu kommen Gefahren wie die Verletzung von Urheber- und Persönlichkeitsrechten und Missbrauch von Daten, um dessen Strafbarkeit sich vor einigen Jahren noch niemand Gedanken machen musste. Die Bedeutung von Smartphones und anderen neuen technischen Medien haben im gesellschaftlichen Kontext mit ihren Chancen und Risiken zu neuen Kompetenzanforderungen für Kinder und Jugendliche geführt.3 Die wichtigste Kompetenz stellt bei diesem Hintergrund die Medienkompetenz dar. Sie ist zu einer wichtigen Voraussetzung für die Teilhabe am beruflichen und gesellschaftlichen Leben geworden. Die Förderung von Medienkompetenz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufabe, die bei der Familie anfangen und später von der Schule oder anderen Einrichtungen systematisch weitergeführt werden sollte. Demnach kommen auf die Schule wichtige medienbezogene Aufgaben zu, bei denen es um eine sinnvolle Nutzung der Medien geht. Außerdem stellen die medialen Möglichkeiten Anforderungen an Erziehung und Bildung, die es insbesondere bei Schülern im Entwicklungsalter der Sekundarstufe I umzusetzen gilt.

Von der Schule wird gefordert, ihre Schüler medienkompetent auszubilden, damit die Heranwachsenden in ihrem gegenwärtigen und zukünftigen Handeln im Sinne der Gemeinschaft agieren. Dafür muss die Schule ein geeignetes didaktisches Mittel finden, um Medienkompetenz zu vermitteln. In dieser Arbeit wird die Möglichkeit untersucht, den Schülern mit Hilfe des Smartphones medienkompetentes Handeln beizubringen. Dabei soll erschlossen werden, ob das Smartphone ein geeignetes Gerät für den Unterricht darstellt. Doch zunächst werden die Begriffe Medien und Smartphone definiert. Anschließend wird geklärt, wie notwendig Mediensozialisation und Medienkompetenz für Kinder und Jugendliche sind und in wie fern die Begriffe im gesetzlichen schulischen Lehrplan verankert sind. Im vierten Kapitel wird der Diskurs fokussiert, der besagt, dass Schüler durch den Einsatz von neuen Medien besser und erfolgreicher lernen können. Im fünften Kapitel wird kurz der historische Werdegang von Medien im Unterricht beschrieben. Anschließend wird geklärt, wie viele Jugendliche überhaupt ein Smartphone nutzen und welche Bedeutung das technische Gerät für sie im Alltag darstellt. Auf Probleme und Gefahren, die das Smartphone für Heranwachsende darstellen könnte, wird im darauffolgenden Kapitel eingegangen. Die Kapitel sieben bis zehn bilden den Hauptteil dieser Arbeit. Dort geht es näher um das Potenzial des Smartphones für die Bildung. Außerdem werden unterschiedliche Funktionen des Smartphones genannt, die für den Unterricht relevant sein könnten und mit denen die Medienkompetenz vermittelt werden kann. Dann ist es auch wichtig ein Beispiel für eine Unterrichtsreihe für den Einsatz von Smartphones im Unterricht aufzuzeigen. So ergibt sich ein Überblick über die praktischen Möglichkeiten das Smartphone einzusetzen und Medienkompetenz zu fördern. Zum Schluss wird noch ein Beispiel genannt, wie die Schule es schaffen kann, dass jeder Schüler mit einem Smartphone im Unterricht arbeiten kann.

Da Smartphones erst seit einigen Jahren auf dem Markt sind, ist die Forschung in Bezug auf den Unterrichtseinsatz im deutschen Sprachraum gering. Die prägnantesten Autoren, die über den pädagogischen Einsatz von Smartphones Werke veröffentlicht haben, sind Ben Bachmair und Katja Friedrich. Über Medienbildung und Mediensozialisation allgemein sind die Autoren Bardo Herzig und Diter Baake erwähnenswert.

Zur einfacheren Lesbarkeit dieser Bachelorarbeit wurde auf gendergerechte Formulierungen verzichtet. In jedem Fall sind Frauen, Männer, Mädchen und Jungen gleichermaßen gemeint.

2. Begriffsbestimmungen

2.1. Medien

Der Einsatz von digitalen Medien im Unterricht ist Gegenstand dieser Arbeit. Da sich auf das Medium Smartphone fokussiert wird, ist es zunächst notwendig die Begriffe „Medium“ und „Smartphone“ zu definieren. Im Allgemeinen wird das lateinische Wort Medium als „Mittelglied“, „Mittler“, oder „Mitte“ übersetzt.4 In der heutigen Zeit sind damit vor allem technische Geräte und Programme gemeint, die dazu genutzt werden können Informationen zu erfassen, zu übermitteln und zu verarbeiten. Aufgrund zunehmender Überschneidungen ist es immer schwieriger bestimmte Medien voneinander abzugrenzen und zu definieren. Die Hauptgruppen von Medien können sich aber in den Arten Bücher, Presse, Rundfunk, Film, Tonträger, Telekommunikation und Computersoftware einteilen lassen.5

Die Medien, die im Unterricht verwendet werden, liegen im Bereich der Pädagogik. In der Disziplin der Medienpädagogik wird sich praktisch und theoretisch mit den Fragen und Problemen von Medien beschäftigt. Zu der eigenen Fachrichtung der Medienpädagogik, gehören die Mediendidaktik, die Medienerziehung und die informationstechnische Bildung.6 Aufgrund der verschiedenen Medienbegriffe und die unterschiedlichen Bedeutungsvarianten, ist es wichtig, den Medienbegriff in den pädagogischen Kontext einzuordnen. In der Medienpädagogik erhält der Begriff Medium nicht nur eine informatorische Funktion, sondern weitet sich auf methodologische und handlungsleitende Funktionen aus.7 Im Unterricht können Medien als Kommunikationsmittel dienen und den Lernprozess von Schülern unterstützen.

Die Medien im Unterricht können in unterschiedliche Kategorien eingeteilt werden. Zur ersten Kategorie gehören die Primärmedien, die keine Technik einsetzen. Darunter fallen zum Beispiel auch Gestiken und Mimiken. Die Sekundärmedien benötigen einen Technikeinsatz, um produziert zu werden. Sekundäre Medien sind beispielsweise Bücher oder Zeitungen. Bei der dritten Kategorie wird Technik bei der Produktion sowie bei der Rezeption verwendet. Ein Beispiel für ein tertiäres Medium ist das Fernsehen. Der vierte Bereich bildet die quartären Medien. Medien, die speziell im Unterricht und in der Schule vorkommen, werden auch didaktische Medien genannt. Das sind alle Objekte die dem Schüler im Unterricht begegnen. Zunächst sind das die Lehrperson und die Mitschüler, aber auch alle Objekte, die für didaktische Zwecke hergestellt wurden.8

Diese Arbeit beschäftigt sich aber besonders mit den sogenannten neuen Medien und fokussiert sich dabei auf das Medium Smartphone. Mit neuen Medien sind die Geräte gemeint, die mit der Entwicklung der ersten Heimcomputer auf den Markt gekommen sind. Da aber immer wieder neue Anwendungsmöglichkeiten erfunden werden, bekommt der Begriff „neues Medium“ stetig neue Charakteristika.9 Die Potenziale gegenüber traditionellen Medien, wie zum Beispiel Schulbücher und Tafel, sind die erleichterten Speichermöglichkeiten, das Verarbeiten und Verbreiten und das Ordnen der Informationen.

2.2. Smartphone

Ein Smartphone ist ein kleiner Computer mit Telefonfunktion. In dem Gerät sind umfangreichere Computerfunkionen verbaut als bei herkömmlichen Mobiltelefonen. Ein Hauptmerkmal des Smartphones ist der berührungsempfindliche Bildschirm, auch Touchscreen genannt. Das Display hat keine Tasten mehr, wie es bei älteren Mobiltelefonen der Fall ist, sondern das Gerät wird direkt mit dem Finger auf dem Bildschirm bedient. Weitere wichtige Eigenschaften des Smartphones sind ein direkter Internetzugang und die Möglichkeit Apps zu downloaden und zu verwenden.10 Die Verbindung mit dem Internet erfolgt über die mobile Internetanbindung des Mobilfunkanbieters oder über das drahtlose lokale Netzwerk, dem WLAN (Wireless Local Area Network). Mit dem WLAN ist ein kabelloser Internetzugriff möglich. Die Abkürzung App steht für Application und bedeutet auf Deutsch „Anwendung“. Diese Apps können mit Hilfe eines Downloadportals auf das Gerät geladen werden. Mit diesen Zusatzprogrammen kann der Nutzer sein Smartphone besser an die eigenen Bedürfnisse anpassen, da die Apps vielfältige Zwecke bedienen.11

Die Betriebssysteme können wie beim Computer aktualisiert werden und so den technischen Fortschritt folgen. Das am meisten verbreitete Betriebssystem ist Android, was von den meisten Smartphone-Herstellern verwendet wird. Die Medienkonvergenz ist ein weiteres Merkmal für ein Smartphone. Moderne Smartphones sind nicht nur zum Telefonieren gemacht, sondern bieten als mobile Kleincomputer verschiedene Funktionen. Ein Smartphone kann als Fotoapparat, Videokamera, Audio- und Videoplayer, Fernsehgerät und als elektronisches Buch genutzt werden. Bisher getrennte Medien werden konvergiert und vermischt. So bieten beispielsweise Online-Zeitungen, die mit dem Smartphone abgerufen werden können, auch Videobeiträge an.12

3. Notwendigkeit von Mediensozialisation und Medienkompetenz

Die Medienerziehung ist ein Teilgebiet der Medienpädagogik. Sie soll Heranwachsenden eine Hilfestellung geben, um einen selbstständigen und reflektierenden Umgang mit Medien zu erlernen. Eine Medienerziehung seitens der Schule ist notwendig, um eine Mediensozialisation mit pädagogischen Zielen bei Heranwachsenden ermöglichen zu können.13

3.1 Notwendigkeit von Mediensozialisation

Die Mediensozialisation beschäftigt sich damit, wie sich Medien auf das Denken, Fühlen, Verhalten, Selbst- Weltbild und die Entwicklung der Identität von Jugendlichen auswirken.14 Kinder- und Jugendliche sind das ganze Leben beeinflussbar. Sie lassen sich von bestimmten Bezugspersonen lenken, aber auch von Medien und deren Inhalten, die eine prägende Wirkung für Heranwachsende ausstrahlen. Diese prägenden Effekte können negativ oder positiv ausfallen. Ob die Auswirkungen positiv oder schlecht ausfallen, hängt aber auch mit den jeweiligen Normen und Wertevorstellungen der Eltern oder der Lehrer zusammen. Den Mediensozialisierungsprozess bei Jugendlichen zu bewerten ist schwierig, da sie andere Verarbeitungsmöglichkeiten besitzen als Erwachsene. Die Effekte der Medien werden von Jugendlichen also anders wahrgenommen, als von deren Eltern oder Lehrern.15 Aufgrund des hohen Stellenwerts von Medien bei Jugendlichen, werden die Medien als wichtige Sozialisationsinstanz neben Eltern, Schule und Peer-Groups anerkannt.16 Diese Instanzen haben die Aufgabe, heranwachsenden Personen mit Normen, Werten, Rollen und Erwartungen in der Gesellschaft vertraut zu machen.17 Ziel der Sozialisation ist es, die Jugendlichen als vollwertige Personen in die Gemeinschaft aufzunehmen, in dem sie durch Sozialisationsprozesse zu selbstbestimmenden und reflektierenden Individuen werden. Da Medien als Sozialinstanz immer wichtiger werden, gelten diese als

Mittler und Instrument im Prozess der Sozialisation. Durch die Mediennutzung erhalten die aktiv handelnden Individuen die Möglichkeit sich zu sozialisieren.18 Das Verhalten der Jugendlichen wird durch die Mediennutzung geprägt und zu einem ständigen Begleiter. Das Aufwachsen in einer Medienwelt und deren Anwendung im Alltag von Schülern hat Folgen für den schulischen Kontext.19 Jugendliche gehen meist unkritisch mit Medien um und hinterfragen diese nicht. Den richtigen Umgang mit Medien sollen Schüler anhand von Medienkompetenzen in der Schule lernen.

3.2 Notwendigkeit von Medienkompetenz

Wer medienkompetent handelt, besitzt die Fähigkeiten und Fertigkeiten, Medien und deren Inhalte sachkundig zu nutzen.20 Das Schlagwort Medienkompetenz ist nicht mehr aus der öffentlichen Debatte wegzudenken und ist Bestandteil von Diskursen aus unterschiedlichen Bereichen.21

Der Erziehungswissenschaftler Dieter Baacke stellt die Medienkompetenz in vier Dimensionen dar. Bei den ersten zwei Dimensionen, die Mediennutzung und Mediengestaltung, wird sich auf das Handeln der Menschen mit den Medien fokussiert. Denn durch die Verwendung von Medien und deren effektiven Einsatz kann ein Lösungsansatz von schulischen Problemen gefunden werden. Aber auch in der Freizeitgestaltung können Medien verwendet und benutzt werden. Bei der Mediengestaltung geht es darum etwas mit Medien neu zu erschaffen oder kreativ mit ihnen umzugehen. Die dritte Dimension nach Baacke ist die Medienkunde. Hier wird sich auf das Verständnis medialer Angebote bezogen, sowie auf die Bedienung von Mediengeräten. Die Medienkritik ist die vierte Dimension der Medienkompetenz. Ein medienkritischer Umgang ist die Fähigkeit, gesellschaftliche Verhältnisse erfassen zu können und das eigene Handeln ethisch und reflektierend bewerten zu können.22 Die Medienkunde und die Medienkritik beziehen sich auf das Vermitteln von Medienkompetenz.

Die Schule als pädagogische Institution wird zunehmend gefordert, die Herausforderung anzunehmen, die Medienerziehung als methodisch geplante Mediensozialisation durchzuführen. Bei der Planung des Unterrichts werden verschiedene Lernziele angestrebt. Die übergreifenden pädagogischen Ziele der Medienerziehung sind von Autonomie und Mündigkeit geprägt, die im Zusammenhang mit einer verantwortlichen, sachgerechten, selbstbestimmten und reflektierten Mediennutzung stehen.23 Für die Lehrperson bedeutet dies in erster Linie auch, dass sie selbst medienkompetent handelt und medienerzieherische Lernziele verfolgt. Die Kompetenzen, die sich die Lehrperson zunächst aneignet, vermittelt sie didaktisch an ihre Schüler. Diese Ziele sind beispielsweise, dass die Lehrperson das Zusammenwirken von medialen Gestaltungsmitteln erkennt und die Medienangebote und deren Wirkung reflektiert. Außerdem können die Medienangebote in die problemlösende Aufgabenstellung sinnvoll integriert werden, wodurch die Schüler in ihrem selbstständigen Lernen unterstützt werden. Die Anschaulichkeit von Medien, die in der Schule eingesetzt werden, fördert die Motivation der Schüler, da so ein lebensnaher Unterricht gestaltet werden kann. Vor der Präsentation von Medien im Unterricht, ist eine Medienrecherche nötig, in der sich die Lehrkraft über das bestimmte Medium informiert. Mediengestaltungen und Produktionen werden selbstständig geplant, realisiert und präsentiert, wobei eine individuelle Ausdrucksmöglichkeit wünschenswert ist. In der Schule gilt es auch zu vermitteln, dass die Medien in ihrer Rolle in der Wirtschaft erkannt und beurteilt werden. Das Medium wird als unverzichtbares Element in der modernen Gesellschaft begriffen, dessen Funktion und Bedeutung jeweils kritisch reflektiert wird.24

3.3 Medienkompetenz im Kernlehrplan

Im Kernlehrplan vom 01.08.2012 für die Gesellschaftslehre in der Sekundarstufe I wird betont, dass es sich um einen kompetenzorientierten Lehrplan handelt. Er bildet ein zentrales Element für die Entwicklung der Qualität schulischer Arbeit.25 Die Forderung nach kompetenzorientierten Unterricht ist gesetzlich verankert und Bestandteil in den Curricula. In dem Lehrplan wird sich inhaltlich und methodisch mit dem Themenfeld Medien auseinandergesetzt. In der Gesellschaftslehre werden Medien in dem Inhaltsfeld zur Innovationen, neue Technologien und Medien durchgenommen. Hier wird inhaltlich geklärt, welche Bedeutungen und Nutzen Menschen zu verschiedenen Zeiten mit Medien hatten:

„Die Betrachtung der Entwicklung der Medien sowie ihrer jeweiligen Funktion und Bedeutung für die politische Willensbildung, die Arbeitswelt und die private Freizeitgestaltung eröffnet vertiefte Einsichten in die Lebenswirklichkeiten und Beteiligungsmöglichkeiten der Menschen in unterschiedlichen Zeiten und unterstützt die Auseinandersetzung mit dem Grundrecht der informationellen Selbstbestimmung.“26

Laut dem Lehrplan soll faktisches Wissen über Medien vermittelt werden, sowie die historische Entwicklung der Mediennutzung. Außerdem sollen die Funktionen der Medien aus verschiedenen Bereichen der Lebenswelt dargestellt werden.

Methodisch gesehen gibt der Lehrplan Anweisungen über die Medienarbeit im Unterricht. Die Medienkompetenz wird nicht eigenständig genannt. Die Arbeit mit Medien wird bei der Methodenkompetenz aufgezählt. Hier wird vor allem das Darstellen der Sachverhalte mit technologischen Mitteln betont.27 Es wird außerdem betont, dass die Schüler es lernen, selbstständig mit Medien zu arbeiten. Auch Recherchearbeiten mit schulischen und außerschulischen Medien wie in Bibliotheken und im Internet sind im Lehrplan vermerkt. Der Einsatz neuer Medien in Schulen wird auch deutlich in den Lehrplänen formuliert. So wird beispielsweise bei den Handlungskompetenzen der Umgang mit computergestützten Medien vorgeschlagen.28 Durch diese Verankerung in den Curricula soll ein qualitativ besserer Unterricht gestaltet werden können, bei dem die Medienkompetenzen fundiert sind. Ziel wird es sein, dass die neuen Medien noch weitgehender im Unterricht eingesetzt werden und beim methodischen und organisatorischen Ablauf in der Schule mit einfließen. Da neue Medien längst zu einem festen Bestandteil in der alltäglichen Welt geworden sind, werden sie immer stärker in den Unterricht integriert. Der Kernlehrplan der Gesellschaftslehre gibt Auskunft darüber, dass die Arbeiten mit neuen Medien deutlicher gefordert werden und zu einem kompetenzorientierten Unterricht gehören.

4. Anderes Lernen durch neue Medien

Der Diskurs über den Einsatz von neuen Medien im Unterricht ist groß. Dabei stellt sich die Frage, ob die Schüler durch den Einsatz von Smartphones oder Tablets anders und besser lernen.

Wenn Smartphones im Unterricht benutzt werden dürfen, kann sich dies auf die Motivation und die Aufmerksamkeit der Lernenden auswirken. Die Lernmotivation, die beim Schüler von sich aus eigenständig entsteht, ist erstrebenswert.29 Wenn die Motivation und der Anstoß der Handlung von der Person aus selbst erfolgt, ist die Motivation intrinsisch. Diese intrinsische Motivation ist die Voraussetzung von (Selbst-) Lernprozessen.30 Durch ein motivierendes Lernen entsteht auch nachhaltiges Lernen. Die Schüler müssten allerdings auch bereit sein zu lernen. Also muss eine Möglichkeit gefunden werden, dass sie von sich aus die Motivation verspüren zu lernen.

Das Kompetenzerleben, bei dem die Schüler Aufgaben und Probleme aus eigener Kraft bewältigen, ist ebenfalls wichtig für nachhaltige Lernprozesse.31 Erfolgreiches Lernen wird ebenfalls unterstützt, wenn der Lerngegenstand an die Schüler angepasst ist und das Wissen anschlussfähig ist. Der Einsatz neuer Medien ist als Lerngegenstand für die momentane Lebenssituation der Schüler geeignet, da sie bei den Schülern auch in der Freizeit beliebt sind. Das Smartphone als multimediales Gerät kann bei gezielter Einsetzung den Lerneffekt von Schülern begünstigen.32 Das Lernen wird durch die unterschiedlichen Präsentationsmodalitäten angeregt. Das individuell nutzbare Lernwerkzeug regt zusätzlich die Motivation an, eigenständig problemlösend zu denken. Doch auch bei dem Einsatz von Smartphones hängt der Lernerfolg der Schüler mit ihrem individuellen Wissenstand, der allgemeinen Vorbildung und dem kulturellen- und sozialen Hintergrund zusammen.33 Die Möglichkeiten, die Smartphones für den Unterricht bieten, sind beachtlich. Leider werden die Potenziale für die Lern- und Lehrkontexte noch nicht ausreichend ausgeschöpft. Deswegen sollen die methodischen und didaktischen Konzeptionen des Unterrichts, auch bei einem Einsatz von mobilen Medien, nicht vernachlässigt werden. Die reine Lernmotivation, die die Schüler aufgrund des Smartphoneeinsatzes besitzen, genügt nicht für einen Lernerfolg.34

Wenn Smartphones im Unterricht eingesetzt werden, geschieht dies meistens nicht in Form des Frontalunterrichts. Vielmehr werden andere Sozialformen, wie die Gruppenarbeit, eingesetzt. Dafür sind allerdings auch rein pragmatische Gründe verantwortlich, wenn es beispielsweise nicht genügend technische Geräte gibt, mit denen gearbeitet werden kann. Dennoch bieten die mobilen, digitalen Medien mit der dauerhaften technischen Vernetzung die Möglichkeit, mehr sozial eingebunden zu sein. Diese soziale Eingebundenheit, mit anderen Mitschülern vernetzt zu sein, fördert die Kommunikation in der Klasse und das kollaborative Lernen.35 Beim kollaborativen Lernen, arbeiten die Schüler permanent in einer Gruppe zusammen und erarbeiten durch problemlösendes Denken gemeinsam einen Arbeitsauftrag.36 Beim kollaborativen Lernen gibt es einen eigenständigen Begriff, der das computergestützte kollaborative Lernen umfasst. Beim computer- supported collaborative learning (CSCL) wird das Lernen in der Gruppe beschrieben, das durch den Einsatz von digitalen Medien unterstützt wird.37

5. Medien im Unterricht- historische Entwicklung und aktueller Trend der Smartphonenutzung

5.1 Historische Entwicklung

Durch die Reformpädagogik am Ende des 19. Jahrhunderts veränderte sich das pädagogische Denken in Deutschland. In der Gesellschaft wurden andere Erziehungsmodelle erstellt, die auf Institutionen verlagert wurden und sich mehr mit der Unterstützung von Kindern und Jugendlichen beschäftigten.38 In der Schule wurden ebenfalls pädagogische Veränderungen sichtbar. Die reformpädagogischen Schulen setzten auf andere didaktisch-methodische und organisatorische Ansätze, als es bisher der Normalfall war. Es wurde ein Unterricht gefordert, der kindgemäß ist und bei dem nicht Drill und Autorität im Vordergrund steht.39 Die reformpädagogische Arbeit zielte auf die Selbstständigkeit und Mündigkeit der Schüler ab. In dieser Zeit gab es auch erste Beispiele des „offenen Unterrichts“. Mit dem Konzept des offenen Unterrichts werden Einflüsse aus dem Alltäglichen und der Lebenswelt der Schüler mit in den Unterricht eingebunden. Dadurch erhalten die Schüler einen besseren Bezug zu den Unterrichtsinhalten und sind motivierter. Durch die Verringerung der Kluft zwischen Schule und Leben sollte außerdem die Selbstständigkeit der Schüler gefördert werden.40 Zentrale Begriffe wie Anschauung, Selbstständigkeit, Lebensnähe und Kindgemäßheit charakterisierten den reformpädagogischen Unterricht.41 Aufgrund des Zieles des lebensnahen Unterrichts wurden in dieser Zeit auch zunehmend Medien im Unterricht eingesetzt. Es sollte nicht nur aus Büchern gelernt werden, sondern auch anhand von Praxis gelehrt werden. In der Medienwelt war die Entwicklung des Films in einem gesellschaftlichen Umbruch und wurde auch für unterrichtliche Zwecke genutzt. In der Schulfilmbewegung waren es zunächst vor allem astronomische Aufnahmen und Filme aus dem biologischen Bereich, die in der Schule thematisiert wurden.42 Der Medieneinsatz in der Schule wurde beliebter und ist heutzutage nicht mehr wegzudenken.

[...]


1 Vgl. Friedrich K./ Siller, F./ Treber, A.: Smart und mobil. Bewegung im digitalen Paradies. In: Treber, A. (Hrsg.): Smart und mobil. Digitale Kummunikation als Herausforderung für Bildung, Pädagogik und Politik. Koepad, München 2015, S. 9-16, S. 9.

2 Vgl. Grafe, S./ Herzig, B./ Tulodziecki, G.: Medienbildung in Schule und Unterricht. Julius Klinkhardt Verlag, Bad Heilbrunn 2010, S. 9.

3 Vgl. Ebd. S. 9.

4 Vgl. Toman, H.: Historische Belange und Funktionen von Medien im Unterricht. Grundlagen und Erfahrungen. Schneider Verlag, Baltmannsweiler 2006, S. 11.

5 Vgl. Ebd. S. 11.

6 Vgl. Grafe, S.: Medienbildung. 2010, S. 39.

7 Vgl. Toman, H.: Historische Belange. 2006, S. 12.

8 Vgl. Grafe, S.: Medienbildung. 2010, S. 38.

9 Vgl. Petko, D.: Einführung in die Mediendidaktik. Lehren und Lernen mit digitalen Medien. Beltz Verlag, Weinheim/Basel 2014, S. 18.

10 Vgl. Mombert, G.: What is a Smartphone? http://www.digitaltrends.com/mobile/what-is-a- smartphone/ [Zugriff am 03.9.2016].

11 Vgl. Döbler, T.: Handys, Smartphones, Apps. Infoset Medienkompetenz. 10 Fragen, 10 Antworten. Mpfs, Stuttgart 2015, S. 1.

12 Vgl. Petko, D.: Einführung in die Mediendidaktik. 2014, S. 19f.

13 Vgl. Spanhel, D.: Mediensozialisation in der Schule. In: Vollbrecht, R./ Wegener, C. (Hrsg.): Handbuch Mediensozialisation. VS Verlag, Wiesbaden 2010, S. 208-218, S. 208.

14 Vgl. Süss, D.: Mediensozialisation von Heranwachsenden. Dimensionen, Konstanten, Wandel. VS Verlag, Wiesbaden 2004, S. 25.

15 Vgl. Ebd. S. 25.

16 Vgl. Spanhel, D.: Mediensozialisation. 2010, S. 9.

17 Vgl. Süss, D.: Mediensozialisation. 2004, S. 25.

18 Vgl. Ebd. S. 32.

19 Vgl. Spanhel, D.: Mediensozialisation. 2010, S. 9.

20 Vgl. Charlton, M./ Sutter, T.: Medienkompetenz. Einige Anmerkungen zum Kompetenzbegriff. In: Groeben, N./ Hurrelmann, B. (Hrsg.): Medienkompetenz. Voraussetzungen, Dimensionen, Funktionen. Juventa Verlag, Weinheim/München 2002, S. 129-147, S. 129.

21 Vgl. Ebd. S. 129.

22 Vgl. Ebd. S. 129.

23 Vgl. Grafe, S.: Medienbildung. 2010, S. 39.

24 Vgl. Bartsch, P.D.: Aufgaben der Lehrerfortbildung bei der Vermittlung von Medienkompetenz. In: Schell, F. (Hrsg.): Medienkompetenz. Grundlage und pädagogisches Handeln. KoPäd Verlag, München 1999, S. 313-316, S. 313.

25 Vgl. Kernlehrplan für die Gesamtschule. Sekundarstufe I in Nordrhein-Westfalen. Gesellschaftslehre. Erdkunde, Geschichte, Politik. Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg). Schulministerium, Düsseldorf, 2012, S. 7.

26 Kernlehrplan Gesellschaftslehre. 2012, S. 18.

27 Vgl. Kernlehrplan Gesellschaftlehre. 2012, S. 15.

28 Vgl. Ebd. S. 35.

29 Vgl. Knaus, T.: Me, my tablet and us. Vom Mythos eines Motivationsgenerators zum vernetzten Lernwerkzeug für autonomopoietisches Lernen. In: Treber, A. (Hrsg.): Smart und mobil. Digitale Kummunikation als Herausforderung für Bildung, Pädagogik und Politik. Koepad, München 2015, S. 17-42, S. 19.

30 Vgl. Ebd. S. 19.

31 Vgl. Ebd. S. 23.

32 Vgl. Ebd. S. 25.

33 Vgl. Ebd. S. 25.

34 Vgl. Ebd. S. 29f.

35 Vgl. Ebd. S. 26.

36 Vgl. Konrad, K.: Lernen lernen – allein und mit anderen. Konzepte, Lösungen, Beispiele. Springer VS, Wiesbaden 2014, S. 80.

37 Vgl. Haake, J./ Schwabe, G./ Wessner, M.: Grundlagen. Einleitung und Begriffe. In: Ders. (Hrgs.): CSCL-Kompendium 2.0. Lehr- und Handbuch zum computergestützten, kooperativen Lernen. Oldenbourg Verlag, München 2012, S. 1-5, S. 1f.

38 Vgl. Toman, H.: Historische Belange. 2006, S. 31.

39 Vgl. Ebd. S. 32.

40 Vgl. Ebd. S. 33.

41 Vgl. Ebd. S. 33.

42 Vgl. Ebd. S. 34.

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Die Vermittlung von Medienkompetenz in der Sekundarstufe I
Untertitel
Über Smartphones im Unterricht
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
48
Katalognummer
V462528
ISBN (eBook)
9783668919587
ISBN (Buch)
9783668919594
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vermittlung, medienkompetenz, sekundarstufe, über, smartphones, unterricht
Arbeit zitieren
Frida Daniels (Autor), 2016, Die Vermittlung von Medienkompetenz in der Sekundarstufe I, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462528

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