Die Bedeutung der internationalen Wirtschaftstätigkeit und der Globalisierung ist für Unternehmen, Branchen und ganze Volkswirtschaften im Zeitverlauf gestiegen (vgl. Perlitz 1994, S. 9). Unternehmen, die heute und in Zukunft ihre Marktchancen sichern oder erweitern wollen, müssen im internationalen Geschäft agieren. Wie aktuelle Beispiele zeigen, kann das Wohl ganzer Volkswirtschaften durch das internationale Umfeld bestimmt werden. Immer mehr ehemalige Entwicklungsländer und Schwellenländer treten in den Markt und verdrängen etablierte Industrieländer (vgl. Perlitz 2004, S. 2-3). Auch innerhalb der Europäischen Union kommt es zu Veränderungen zwischen den Ländern. Das globale Wettbewerbsgefüge ist im Umbruch und stellt sich neu auf.
Ziel dieser Arbeit ist, vor diesem Hintergrund aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen ein Land als wettbewerbsfähig gilt und wie sich die Wettbewerbsfähigkeit von Nationen systematisieren und theoretisch fundieren lässt. Des Weiteren soll erarbeitet werden, wie sie sich nachhaltig von Institutionen wie dem Staat, den Unternehmen oder den Mitarbeitern der Unternehmen verbessern und stärken lässt.
Dafür werden im Anschluss an diese Einleitung zunächst definitorische Grundlagen gelegt, was einen Standort allgemein kennzeichnet und was bei der Wahl eines solchen Standortes aus betriebswirtschaftlicher Sicht – besonders im internationalen Kontext – zu beachten ist (vgl. Kap. 2). Darauf aufbauend soll gezeigt werden, wie sich systematisch die Qualität eines Standortes bestimmen lässt und wo Deutschland unter Beachtung dieser Bestimmung steht (vgl. Kap. 3). Dies geschieht zunächst auf der Grundlage der empirischen Studie „Perspektive Deutschland“, dann mit wettbewerbstheoretischen Modellen wie dem nach Porter. Abschließend sollen Maßnahmen abgeleitet werden, wie der Standort Deutschland nachhaltig gestärkt werden kann und welche Aufgaben welche Institutionen konkret übernehmen sollten (vgl. Kap. 4). Dort ist auch der Versuch einer eigenen empirischen Studie unter den zehn umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands und den bedeutendsten politischen Institutionen angesiedelt. Im Schlusskapitel werden die zentralen Ergebnisse der Arbeit zusammengestellt und ein Ausblick auf die Herausforderungen der Zukunft gewagt (vgl. Kap. 5).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Einführung in die Standorttheorie
2.1 Definition des Standortes
2.2 Betriebliche Standortwahl
3 Deutschland als Bestandteil des internationalen Wettbewerbsgefüges
3.1 Empirische Untersuchung im Rahmen der Studie „Perspektive Deutschland“
3.1.1 Allgemeine Arbeitsweise der Studie
3.1.2 Die Situation Deutschlands aus Sicht der Studie
3.1.3 Lösungsansätze
3.1.4 Kritische Würdigung
3.2 Theoretische Modelle
3.2.1 Grundlegende Modelle und klassische Standortfaktoren
3.2.2 Modell nach Porter
3.2.3 Modell nach Reich
4 Maßnahmen für bessere Wettbewerbschancen der BRD durch Sozio-Marketing
4.1 Definition des Sozio-Marketings und Einordnung in das GOM-Konzept
4.2 Maßnahmenableitung für alternative Institutionen
4.2.1 Der Staat
4.2.2 Die Unternehmen
4.2.3 Das Humankapital
4.2.4 Zusammenwirken der Maßnahmen im Sozio-Marketing
4.3 Ergebnisse einer eigenen empirischen Studie
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland vor dem Hintergrund zunehmender Globalisierung. Das primäre Ziel ist es, unter Einbeziehung theoretischer Modelle sowie empirischer Daten konkrete Maßnahmen aufzuzeigen, wie Institutionen wie der Staat, Unternehmen und das Humankapital die Standortqualität nachhaltig stärken können.
- Grundlagen der Standorttheorie und betriebliche Standortwahl.
- Analyse der wirtschaftlichen Situation Deutschlands mittels empirischer Studien und theoretischer Modelle (Porter, Reich).
- Konzeptionelle Einordnung und Anwendung des Sozio-Marketings zur Standortoptimierung.
- Empirische Untersuchung der Aktivitäten ausgewählter Großunternehmen und politischer Instanzen.
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für eine wettbewerbsfähige Zukunft.
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Modell nach Porter
Das Modell Porters ist im strengen Sinne empirisch, denn es stützt sich auf eine Untersuchung von zehn Ländern, um die Ursachen ihrer volkswirtschaftlichen Erfolge zu ermitteln. Daraus wurde das Modell, der ‚Porter’sche Diamant’, abgeleitet. Der Hauptgrund für nationale Wettbewerbsfähigkeit liegt in vier Eigenschaften und dem Umfeld: Faktorbedingungen, Nachfragebedingungen, Unternehmensstrategie und verwandte Branchen. Im Umfeld ist der Staat angesiedelt. Allgemein betont Porter, dass Verbesserungen der nationalen Wettbewerbsfähigkeit im Wesentlichen durch Innovation erbracht werden und dass dafür die Unternehmen verantwortlich sind. Er sieht die Unternehmen als zentralen Ansatzpunkt seiner Theorie.
Zu den Einzelfaktoren: Bei den Faktorbedingungen differenziert Porter in allgemeine und spezielle Faktoren. Weiterhin teilt er Basisfaktoren und fortgeschrittene Faktoren ein. Wichtig sind die speziellen und fortgeschrittenen Faktoren, weil die daraus erwachsenen Vorteile von anderen Ländern nur schwer aufgeholt werden können. Allerdings erzeugen Nachteile bei Basisfaktoren den Druck, durch Innovationen Faktoreinsparungen zu erzielen.
Durch die Nachfragebedingungen werden die Unternehmen zu Innovationen gedrängt, da anspruchsvolle Kunden hohe Qualität erwarten. Durch Innovationen entstehen Wettbewerbsvorteile. Außerdem kann die Binnennachfrage als Testmarkt für die internationalen Märkte gesehen werden.
Verwandte Branchen stellen das Zuliefererumfeld der Unternehmen dar. Diese können sich gegenseitig zu Innovation und besseren Wettbewerbspositionen antreiben. Ziele sind besserer Informationsfluss, ständige Koordination und technischer Austausch, um die Effizienz der Zusammenarbeit und den Druck zur Schaffung neuer Wettbewerbsvorteile durch Innovation zu erhöhen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die zunehmende Bedeutung der Globalisierung ein und stellt das Ziel der Arbeit vor, die Bedingungen für nationale Wettbewerbsfähigkeit theoretisch und praktisch zu fundieren.
2 Einführung in die Standorttheorie: Hier werden definitorische Grundlagen des Standortes sowie die betriebswirtschaftlichen Aspekte der Standortwahl und relevante theoretische Ansätze dargelegt.
3 Deutschland als Bestandteil des internationalen Wettbewerbsgefüges: Dieses Kapitel analysiert die Situation des Standortes Deutschland auf Basis der Studie „Perspektive Deutschland“ sowie unter Anwendung theoretischer Modelle wie dem Porter’schen Diamant und dem Modell nach Reich.
4 Maßnahmen für bessere Wettbewerbschancen der BRD durch Sozio-Marketing: Das Kapitel definiert Sozio-Marketing als Instrument der Standortverbesserung und leitet konkrete Maßnahmen für Staat, Unternehmen und das Humankapital ab, ergänzt durch eine eigene empirische Studie.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont die Bedeutung von Innovation und Netzwerken für die Zukunftsfähigkeit des Standortes und gibt einen Ausblick.
Schlüsselwörter
Standort Deutschland, internationaler Wettbewerb, Sozio-Marketing, Wettbewerbsfähigkeit, Standortfaktoren, Innovation, Humankapital, Porter’scher Diamant, Agenda 2010, Unternehmensstrategie, Globalisierung, Netzwerkbildung, Wirtschaftsförderung, Forschung und Entwicklung, Arbeitsmarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland unter den Bedingungen einer globalisierten Wirtschaft und erarbeitet Lösungsstrategien für dessen Stärkung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die Standorttheorie, die Analyse der wirtschaftlichen Lage Deutschlands durch Umfragen und ökonomische Modelle sowie der Einsatz von Sozio-Marketing zur strategischen Verbesserung des Standortes.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, theoretisch zu untermauern, unter welchen Bedingungen ein Land wettbewerbsfähig ist, und konkrete Handlungsempfehlungen für den Staat und die Unternehmen abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Standorttheorien sowie auf eine eigene empirische Untersuchung, für die er umsatzstarke Unternehmen und politische Instanzen befragte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der deutschen Wirtschaftslage (u.a. via „Perspektive Deutschland“), die theoretische Einordnung durch Modelle wie den „Porter-Diamanten“ und die Ableitung von Maßnahmen durch das Sozio-Marketing.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Standortwettbewerb, Sozio-Marketing, Innovationsfähigkeit, Humankapital und Netzwerkbildung zwischen Politik und Wirtschaft.
Wie bewerten die Deutschen in der Studie „Perspektive Deutschland“ ihre Lage?
Die Studie zeigt ein ambivalentes Bild: Einerseits herrscht Zufriedenheit mit der persönlichen Lebenssituation, andererseits besteht ein ausgeprägtes Misstrauen gegenüber politischen Institutionen und eine kritische Sicht auf die wirtschaftliche Zukunft.
Welche Rolle spielt das Sozio-Marketing für den Standort?
Sozio-Marketing wird als ein ganzheitlicher Ansatz verstanden, der über rein ökonomische Interessen hinausgeht und durch die Zusammenarbeit verschiedener gesellschaftlicher Akteure (Staat, Wirtschaft) nachhaltige Wettbewerbsvorteile schaffen soll.
- Quote paper
- Tobias Heinen (Author), 2005, Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46252