Es ist erschreckend, wie verbreitet die Zwangsehe selbst in Deutschland ist. Das Bundesfamilienministerium schätzt, dass jährlich 3000 Mädchen in Deutschland davon betroffen sind, wobei die Dunkelziffer weitaus höher ist, da diese Zahl nur die Mädchen abdeckt, die den Weg zu einer Beratungsstelle gefunden haben. Im Rahmen dieser Arbeit sollen Zwangsehen eingehend thematisiert werden. Anhand eines Fallbeispiels werden die rechtlichen, medizinischen und ethischen Aspekte aufgezeigt, die mit einer Zwangsehe einhergehen.
Die Zwangsehe ist eine Form der Gewalt, die in den verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen vorkommt und nicht pauschal einer bestimmten Kultur oder Religion zugeordnet werden kann. Unter der Berufung auf Tradition werden dabei massive Menschenrechtsverletzungen begangen. Die Bundesregierung hat 2011 ein Gesetz gegen Zwangsverheiratung verabschiedet, welches jedoch nur standesamtlich geschlossene Ehen betrifft. Die meisten Zwangsehen werden jedoch durch religiöse Zeremonien geschlossen und fallen damit nicht als gesetzeswidrig auf.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zwangsheirat und arrangierte Ehe– eine schwierige Abgrenzung
2.1. Unterschied Zwangsheirat und arrangierte Ehe ist marginal
3. Fallbeispiel 15 jährige Yosma
3.1. Rechtliche Aspekte der Zwangsehe
3.2. Medizinische Folgen der Zwangsehe
3.3. Ethische Grundprinzipien anhand der Zwangsehe
3.3.1. Die Würde des Menschen
3.3.2.Verantwortung gegenüber Menschen
3.3.3.Toleranz, Akzeptanz und Anerkennung gegenüber Menschen und Kultur
3.3.4.Ethisches handeln im Sinne von Gerechtigkeit
3.3.5.Solidarität zu den Hilfe suchenden
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das gesellschaftliche Problem der Zwangsheirat aus ethischer und rechtlicher Perspektive. Dabei wird anhand eines Fallbeispiels aufgezeigt, wie betroffene Mädchen und junge Frauen in ihrer Persönlichkeitsentfaltung eingeschränkt werden und welche Rolle die Soziale Arbeit bei der Unterstützung und Hilfe zur Selbsthilfe spielt.
- Abgrenzung zwischen arrangierter Ehe und Zwangsheirat
- Rechtliche Grundlagen und strafrechtliche Einordnung der Zwangsehe in Deutschland
- Medizinische und psychologische Folgen für betroffene Frauen
- Ethische Prinzipien der Sozialen Arbeit im Umgang mit Zwangsehe-Betroffenen
Auszug aus dem Buch
3. Fallbeispiel von der Beratungsstelle „Orient Express“ vom März 2014
„Yosma war 15 Jahre alt, die älteste von drei Schwestern, sie besuchte die Handelsschule. Seit einem Jahr merkte sie, dass zu Hause irgendwas für sie geplant wurde. Sie hatte keine Ahnung, was. Yosma konnte sich auch nicht vorstellen, wie schlimm es für sie letztlich sein würde. Sehr oft hörte sie zu Hause den Namen ihres Cousins Ahmet, und, dass er in den Sommerferien nach Deutschland kommt und irgendeine Hochzeit stattfinden würde. Wer sollte heiraten? Vielleicht Ahmet? Aber er war doch noch sehr jung, nicht wahr? Nein, ganz sicher nicht er, er war erst 16. Im Juni vor dem Besuch aus der Türkei wurde für Yosma viel eingekauft. Sie war begeistert, aber auch irgendwie verwirrt und irritiert. Einen Tag bevor der Besuch aus der Türkei kam, kam die jüngste Schwester zu ihr. Sie war sehr traurig und sie fragte Yosma, warum sie nach dem Sommer nicht mehr in dieser Wohnung bleiben dürfe. Die fünfjährige Schwester begann zu weinen. Yosma lachte und sagte natürlich würde sie weiter hier wohnen. Wo denn sonst? Und was sollten diese komischen Fragen?
Bald kamen viele Verwandte aus der Türkei, die Yosma noch nie im Leben gesehen hatte. Alle waren da. Alle sagten, dass Yosma noch schöner und reifer geworden sei. Reif wofür?“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Zwangsheirat in Deutschland ein, thematisiert Motive der Familien und grenzt diese von arrangierten Ehen ab.
2. Zwangsheirat und arrangierte Ehe– eine schwierige Abgrenzung: Hier werden die Definitionsunterschiede zwischen freiwilligen arrangierten Ehen und erzwungenen Eheschließungen erörtert, wobei der freie Wille als zentrales Element identifiziert wird.
2.1. Unterschied Zwangsheirat und arrangierte Ehe ist marginal: Dieses Kapitel vertieft die Auffassung, dass die Grenze zwischen arrangierten und Zwangsehen fließend bzw. kaum vorhanden ist, da bei beiden oft die freie Entfaltung der Frau behindert wird.
3. Fallbeispiel 15 jährige Yosma: Ein Fallbeispiel aus der Praxis der Beratungsstelle „Orient Express“ veranschaulicht das Schicksal eines 15-jährigen Mädchens, das gegen ihren Willen verheiratet wurde.
3.1. Rechtliche Aspekte der Zwangsehe: Dieser Abschnitt analysiert die rechtliche Situation unter Einbezug von Völkerrecht, Verfassungsrecht, BGB, StGB sowie Kinder- und Jugendhilferecht.
3.2. Medizinische Folgen der Zwangsehe: Hier werden die gesundheitlichen Auswirkungen wie Depressionen, Ängste und Traumata beleuchtet, die durch die Zwangsheirat verursacht werden.
3.3. Ethische Grundprinzipien anhand der Zwangsehe: Dieser Teil ordnet die Soziale Arbeit ethisch ein, unter anderem basierend auf der Menschenwürde und professionellem Handeln.
3.3.1. Die Würde des Menschen: Es wird betont, dass die Menschenwürde ein unantastbares Grundrecht ist, dessen Schutz durch Sozialarbeiter zwingend erforderlich ist.
3.3.2.Verantwortung gegenüber Menschen: Dieses Unterkapitel beschreibt die Bedeutung der individuellen Freiheit und Verantwortung, die ein zentrales ethisches Prinzip der Sozialen Arbeit darstellt.
3.3.3.Toleranz, Akzeptanz und Anerkennung gegenüber Menschen und Kultur: Es wird diskutiert, wie Sozialarbeiter professionell zwischen Toleranz, Akzeptanz und Anerkennung gegenüber den Klienten abwägen.
3.3.4.Ethisches handeln im Sinne von Gerechtigkeit: Dieses Kapitel beschreibt die Aufgaben von Sozialarbeitern beim Aufbau gerechter Strukturen und der Bekämpfung von Chancenungleichheit.
3.3.5.Solidarität zu den Hilfe suchenden: Hier wird die solidarische Grundhaltung als Konsequenz aus dem Anspruch auf Gerechtigkeit für Betroffene von Menschenrechtsverletzungen definiert.
4. Schlussbetrachtung: Die Autorin fasst zusammen, dass Zwangsheirat kein Einzelfall, sondern ein massives gesellschaftliches Problem ist, das konsequente Ächtung erfordert.
Schlüsselwörter
Zwangsheirat, arrangierte Ehe, Menschenrechte, Soziale Arbeit, Fallbeispiel, Menschenwürde, Jugendamt, psychische Gewalt, Integration, Migration, Ethik, Selbsthilfe, Kindeswohl, Familiennachzug, Gewaltprävention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit dem Thema Zwangsheirat und deren ethischer sowie rechtlicher Bewertung aus der Sicht der Sozialen Arbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Abgrenzung zur arrangierten Ehe, rechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland, gesundheitliche Folgen für Betroffene sowie ethische Grundprinzipien für die professionelle Soziale Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Problematik der Zwangsheirat aufzuzeigen und zu verdeutlichen, wie die Soziale Arbeit betroffenen Personen bei der Durchbrechung dieser Tradition unterstützen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung der rechtlichen und ethischen Grundlagen, kombiniert mit einer Fallanalyse eines konkreten Beratungsfalls einer Beratungsstelle.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Differenzierung von Eheformen, eine detaillierte Fallstudie zu einem 15-jährigen Mädchen und eine ethische Reflexion des professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Zwangsheirat, Menschenrechte, ethische Grundprinzipien, Soziale Arbeit, Kindeswohl und Hilfe zur Selbsthilfe.
Welche rechtlichen Konsequenzen können sich bei Zwangsheiraten ergeben?
Zwangsheirat stellt in Deutschland eine Straftat dar. Betroffene können zudem die Ehe unter bestimmten Voraussetzungen annullieren lassen oder bei Gefahr für das Kindeswohl Unterstützung durch das Jugendamt und Schutz nach dem Gewaltschutzgesetz erhalten.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Sozialarbeiterin im Fall Yosma?
Die Sozialarbeiterin handelt nach ethischen Grundsätzen: Sie unterstützt Yosma bei der Lösung ihres Problems (Hilfe zur Selbsthilfe), ohne ihr die Entscheidung abzunehmen, und wahrt dabei ihre Würde.
Warum wird die Grenze zwischen arrangierter Ehe und Zwangsehe in der Arbeit als schwierig bezeichnet?
Die Autorin argumentiert, dass der Übergang fließend ist und bei arrangierten Ehen häufig ein indirekter psychischer Druck ausgeübt wird, der die freie Entscheidung der Betroffenen faktisch unmöglich macht.
- Arbeit zitieren
- Heidi Graf (Autor:in), 2018, Hintergründe und Auswirkungen von Zwangsheirat in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462546