Friedrich Hölderlins "An die Parzen". Einordnung und Interpretation


Essay, 2018
12 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Gedicht

2. Einleitung

3. Inhaltsangabe

4. Formale Aspekte
4.1 Makrostruktur
4.2 Mikrostruktur
4.3 Epochenmerkmale und Einordnung in den Entstehungskontext

5. Verhältnis Dichter und lyrisches Ich

6. Bezugnahme auf „Mein Eigentum“

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Gedicht

Nur Einen Sommer gönnt, ihr Gewaltigen!

Und einen Herbst zu reifem Gesange mir,

Daß williger mein Herz, vom süßen

Spiele gesättiget, dann mir sterbe.

Die Seele, der im Leben ihr göttlich Recht

Nicht ward, sie ruht auch drunten im Orkus nicht;

Doch ist mir einst das Heil’ge, das am

Herzen mir liegt, das Gedicht, gelungen,

Willkommen dann, o Stille der Schattenwelt!

Zufrieden bin ich, wenn auch mein Saitenspiel

Mich nicht hinab geleitet; Einmal

Lebt ich, wie Götter, und mehr bedarfs nicht.1

2. Einleitung

Johann Christian Friedrich Hölderlin wurde am 20. März im Jahre 1770 in Laufen am Neckar geboren und zählt zu den bedeutendsten Lyrikern Deutschlands. Hölderlins Werk „An die Parzen“ entstand 1798 in Frankfurt am Main und wurde ein Jahr nach der Entstehung von einem Freund aus Zeiten des Studiums veröffentlicht. Das Gedicht erschien erstmalig im „Taschenbuch für Frauenzimmer von Bildung“.2 Hölderlins Leben war nicht immer leicht. Er litt unter Depressionen sowie unter der ebenfalls psychisch bedingten Krankheit Hypochondrie, welche ihm sein Dasein stets erschwerten. Die Dichtkunst allein brachte Licht in die Dunkelheit, konnte ihn aus dem Loch der Ängste befreien und gab Hölderlins Leben Inhalt und vor allem einen Sinn. Sie war seine Berufung; sein Leben.

Hölderlin befasste sich bezüglich einiger seiner Werke mit einer antiken Strophenform; der Ode. Auch sein Werk „An die Parzen“ ist eine Ode. Die sogenannte Ode ist eine Gedichtform, welche eine strophische Gliederung aufweist, jedoch weder über eine Reimbindung noch über ein beständiges Reimschema verfügt. Dieser Aspekt aber wird hinsichtlich der Makrostruktur dieses Gedichtes noch näher erläutert.

Schon der Titel des Werkes lässt den Leser eine Hypothese bezüglich des Inhaltes aufstellen. „An die Parzen“ bildet sichtlich eine Anrede; die Anrede an die Schicksalsgöttinnen der antiken Mythologie. Warum mit diesem Werk die Götterwelt angesprochen wird, klärt sich in der folgenden Inhaltsangabe sowie der Analyse der einzelnen Verse des Gedichtes. Um den Lesefluss meiner Gedichtinterpretation nicht zu stören, verwende ich für das lyrische Ich gezielt das männliche Possessivpronomen „sein(e)“, ohne gleich ausschließen zu wollen, dass es auch von weiblicher Bestimmung sein könnte.

3. Inhaltsangabe

Der Titel des Gedichtes „An die Parzen“ von Johann Christian Friedrich Hölderlin erinnert an eine Form der Anrede, wie sie in Briefen verwendet wird. Die sogenannten Parzen bilden somit den Adressaten des Gedichtes. Das lyrische Ich wendet sich hier an die Schicksalsgöttinnen der antiken Mythologie. Bei diesen genannten Göttinnen, den Parzen, handelt es sich meist um die drei Göttinnen Nona, Decima und Parca. Diese sollen über das Schicksal und somit über die Dauer des Lebens eines jeden Menschen richten. Es heißt, Nona verfügt über einen wertvollen Faden, den Lebensfaden, welcher die jeweilige Bestimmung der Menschen darstellt. Sie spinnt also unseren Schicksalsfaden. Decima entscheidet über unser Lebensgeschick und Morta durchtrennt den Lebensfaden, sobald unsere Zeit gekommen ist. Somit hat sie die Macht unserem Leben ein Ende zu bereiten. Unser aller Schicksal liege demnach in den Händen dieser Göttinnen.

Das lyrische Ich bittet diese drei Göttinnen in der ersten der drei Strophen (Vgl. V.1-4) seines Gedichtes „An die Parzen“ um verbleibende Lebenszeit, welche er für das Verfassen und Optimieren seiner Lyrik brauche. Es bittet um einen weiteren Sommer sowie um einen weiteren Herbst, ein verbleibendes halbes Jahr Lebenszeit, damit sein „Gesange“ (V.2) reifen kann. Das lyrische Ich beschäftigt somit wohl die Angst sterben zu müssen, bevor die völlige Zufriedenheit bezüglich seiner eigenen Werke erreicht ist. Nur wenn er diese als gelungen empfindet, kann es sich mit dem Gedanken an den unausweichlichen Tod abfinden und in Zufriedenheit sterben (Vgl. V.3f.). Denn erst dann ist es im Einklang mit sich selbst.

Die zweite und dritte Strophe des Gedichtes dienen der näheren Erklärung seiner Worte der ersten Strophe, welche die Grundaussage des Gedichtes im Prinzip bereits enthält. Das lyrische Ich konkretisiert das Leben nach seinem Tod. Obwohl seine Lyrik es nicht bis in den Orkus hinab geleiten kann (Vgl. V. 6), so würde es doch dankbar und zufrieden ruhen, insofern es die Vollendung seiner Kunst, das „Heilge“ (V.7) auf Erden, geschaffen hat. Voller Zufriedenheit scheint das lyrische Ich dann sein Leben loslassen zu können. Denn so hätte es einmal nur leben können „wie Götter“ (V.12). Auf diesen Gottesvergleich werde Ich hinsichtlich der Mikrostruktur noch einmal eingehen.

Das Gedicht „An die Parzen“ kann als eine Art Gebet gewertet werden. Das lyrische Ich wünscht sich mehr Zeit seine Lyrik vollenden zu können und bittet die drei Schicksalsgöttinnen ihm diesen scheinbar letzten Wunsch zu erfüllen. Zudem lässt sich sagen, dass die Poesie selbst zum Thema des Gedichtes wird. Dies beweist zudem, dass Hölderlins Werke stets seinem eigenen Leben entspringen. Sie sind an seine eigenen Erfahrungen und Wünsche angelehnt. Erneut wird verdeutlicht, dass die Poesie Hölderlins Leben ist.

[...]


1 Kurz, Gerhard: Friedrich Hölderlin. Gedichte, Diezingen 2015.

2 Vgl. Die-Hölderlin-Gesellschaft Tübingen: Kurzbiographie Hölderlin, Tübingen 2013 (Zugriff am 20.09.18 um 13:03 Uhr).

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Friedrich Hölderlins "An die Parzen". Einordnung und Interpretation
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Hölderlins Dichtung
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
12
Katalognummer
V462617
ISBN (eBook)
9783668920071
Sprache
Deutsch
Schlagworte
friedrich, hölderlins, parzen, einordnung, interpretation
Arbeit zitieren
Sophie Bender (Autor), 2018, Friedrich Hölderlins "An die Parzen". Einordnung und Interpretation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462617

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