Ausarbeitung eines Trainingskonzepts für die Langdistanz im Triathlon


Hausarbeit, 2018

41 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Anamnese und Zielsetzung in der Trainingssteuerung
2.1 Das Fünf-Stufen-Modell der Trainingssteuerung
2.2 Anamnese
2.2.1 Eingangsgespräch
2.2.2 Biometrische Tests
2.2.3 Motorische Tests
2.2.4 Zielsetzung

3.Planung der sportmedizinischen und sportpraktischen Testverfahren
3.1 Sportmedizinische Untersuchung
3.1.1 Ergebnis der sportmedizinischen Untersuchung
3.2 Sportmedizinische Testverfahren
3.2.1 Laktat-Leistungsdiagnostik
3.2.2 Ergebnis der Laktat-Leistungsdiagnostik
3.3 Sportpraktische Testverfahren: Feldtests
3.3.1 Ablauf und Ergebnis 400m / 3.000m Schwimmtest
3.3.2 Ablauf und Ergebnis 12 Minuten Cooper-Lauftest
3.3.3 Ablauf und Ergebnis 20 Minuten FTP-Test
3.3.4 Ablauf und Ergebnis 10km-Testwettkampf

4.Trainingsplanung erste Saisonhälfte
4.1 Vorbereitungsphase
4.2 Wettkampfphase
4.3 Tapering

5.Übergang in die zweite Saisonhälfte

6.Analyse/Evaluation
6.1 Erstanalyse / Re-Test der Laktatdiagnostik
6.2 Zweitanalyse / Re-Test der Testwettkämpfe
6.3 Re-Test der Ist-Werte

7.Fazit der Trainingsplanung

8.Erklärung

9.Anlagen

10.Quellenverzeichnis

11.Abbildungsverzeichnis

12.Anlagenverzeichnis

13.Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

Das Ausdauertraining erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Es bereitet Freude, wirkt sich positiv auf das Lebensgefühl aus und -richtig durchgeführt- verbessert es den Gesundheitszustand des Athleten.

„Unter Ausdauer wird allgemein die psycho-physische Ermüdungs- widerstandsfähigkeit des Sportlers verstanden.“, so die Definition des Begriffs „Ausdauer“ nach FREY 1977.

Ausdauer, Kraft, Flexibilität, Koordination und Schnelligkeit gehören zu den fünf motorischen Hauptbeanspruchungsformen des Sports. Triathlon ist eine optimale Kombination drei präventiv wirkender Ausdauersportarten: Schwimmen, Radfahren und Laufen. Ausgeführt in dieser Reihenfolge.

Die Triathlon-Langdistanz, umgangssprachlich auch Ironman genannt, ist die Königsdisziplin im Triathlonsport: 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen. An nur einem Tag mit der eigenen Leistungsfähigkeit.Was bei dem einen Bewunderung auslöst, löst bei dem anderen Unverständnis aus.

Martin Mayr, 38 Jahre alt, Triathlet seit 3 Jahren, möchte sich genau dieser Herausforderung stellen: Dem Mainova Ironman European Championship in Frankfurt am Main.

Unter Bezugnahme auf das Fünf-Stufen-Modell der Trainingssteuerung, werde ich meinen Athleten über einen Zeitraum von 12 Monaten unter anderem auf seinem Weg zur ersten Langdistanz begleiten.

Trainings- und Wettkampferfolge im Leistungsbereich von Martin lassen sich nur mit einer gezielten und periodisierten Trainingsplanung erreichen.

Ein Wechselspiel aus Belastung und Entlastung, dem Training von Grundlagenausdauer, Kraft und Schnelligkeit oder einer Kombination daraus.

Wir werden Trainingsschwerpunkte setzen, Trainingsintensität und -methoden variieren. Mit Hilfe von sportpraktischen und sportmedizinischen Leistungskontrollen wird es möglich sein, Martin seinen Ist-Zustand zu bestimmen und entsprechend durch zyklische Trainingsplanung in einen Soll-Zustand zu verschieben.

2. Anamnese und Zielsetzung in der Trainingssteuerung

2.1 Das Fünf-Stufen-Modell der Trainingssteuerung

Das Fünf-Stufen-Modell der Trainingssteuerung ist die Basis einer strukturierten Trainingsplanung und ermöglicht, einen Ist-Zustand gezielt zu einem Soll-Zustand zu verändern.

Ziele hierbei sind:

- Optimierung des Trainingserfolges
- Vermeidung von Fehlentwicklungen (Maladaption)
- Vermeidung von Verletzungen durch zu hohe Belastungen
- Vermeidung von Trainingsmonotonie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 – Das Fünf-Stufen-Modell der optimalen Trainingssteuerung

(Quelle: Academy of Sports, Lehrskript „Ausdauertraining“)

2.2 Anamnese

Um Martin eine optimale Trainingssteuerung zu ermöglichen, ist auf der ersten Stufe der Trainingssteuerung eine Anamnese vorgesehen. Hierbei wird durch ein Eingangsgespräch sowie durch biometrische und motorische Tests der Ist-Zustand von Martin ermittelt. Durch die Ermittlung des aktuellen Gesundheits- und Fitnesszustandes lassen sich weitere Maßnahmen zur Trainingssteuerung ergreifen.

2.2.1 Eingangsgespräch

Auf den folgenden Seiten werden die im Eingangsgespräch ermittelten und für die Trainingsplanung erheblichen Daten stichpunktartig widergegeben:

- Martin Mayr (männlich), geboren am 31.03.1980 (38 Jahre)
- Wohnort im Alpenvorland
- Beruflich:
- überwiegend sitzende Tätigkeit als Büroangestellter
- höhenverstellbarer Schreibtisch vorhanden
- 35 Stunden-Woche (Montag bis Freitag)
- Arbeitsbeginn 07:30 Uhr – 09:30 Uhr (Gleitzeit)
- geringe Stressbelastung
- Gesundheitlich:
- bisher keinerlei Beschwerden
- orthopädisch stabil
- regelmäßiges Kraft- und Athletiktraining
- keine Medikamenteneinnahme
- Trainingserfahrung:
- Triathlet seit drei Jahren
- Sprint- und Kurzdistanz, eine Mitteldistanz
- Sprintdistanz (750m-20km-5km): 01:25:34 Std.
- Kurzdistanz (1500m-40km-10km): 02:58:27 Std.
- Mitteldistanz (1900m-90km-21km): 06:33:45 Std.
- im Winter regelmäßig Skilanglauf und Skitouren,
- gelegentlich Rollentraining
- Ziele:
- Ironman Frankfurt am Main als erste Langdistanz
- Mitteldistanz Ende August
- Halbmarathon zum Saisonabschluss

2.2.2 Biometrische Tests

Durch biometrische Tests lassen sich erste gesundheitliche Risikofaktoren wie ein erhöhter Körperfettanteil oder Bluthochdruck feststellen. Für Martin ließen sich im Eingangsgespräch folgende Ist-Werte ermitteln

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2 – Biometrische Daten / Ist-Ergebnis von Martin (eigene Darstellung)

2.2.3 Motorische Tests

Zu den motorischen Tests zählen Krafttests, Ausdauertests, Beweglichkeits-tests und Koordinationstests. Sie dienen der Feststellung der individuellen Ausprägung der motorischen Fähigkeiten, welche im Rahmen der Anamnese mit Martin erfolgt sind.

2.2.4 Zielsetzung

Martin sein erstes Saisonhighlight ist die erstmalige Teilnahme am Mainova Ironman European Championship Frankfurt am Main. Als zweites Saisonhighlight strebt er die Teilnahme an einer Mitteldistanz Ende August, sowie einem Halbmarathon zum Saisonabschluss an.

Das Hauptziel von Martin ist ein gesundes und glückliches Finishen der ersten Langdistanz in einer Zeit von maximal 12:59:00 Stunden. Des Weiteren möchte Martin durch ein strukturiertes Training eine Verbesserung seiner bisher erzielten Mitteldistanzzeit von 6:33:45 Stunden erreichen.

Ein Teilziel von Martin innerhalb der 12-monatigen Trainingsplanung ist ein athletisches Erscheinungsbild durch Reduzierung des Körperfettgehaltes und einen höheren Muskelanteil. Im Rahmen dieses Teilziels möchte er gleichzeitig seine Statik und Kraft verbessern.

In der dritten Stufe des Fünf-Stufen-Modell der optimalen Trainingssteuerung wird unter Bezugnahme auf die Anamnese und Zielsetzung eine Trainings-planung durchgeführt. Unter Berücksichtigung der beruflichen und privaten Situation sowie der bisherigen Trainingserfahrung werde ich gemeinsam mit Martin ein auf ihn abgestimmtes Trainingskonzept erstellen. Um dem Prinzip der kontinuierlichen Belastungssteigerung und zunehmenden Periodisierung nachzukommen, werden wir Vorbereitungs-, Aufbau-, Wettkampf- und Übergangsphasen (Makrozyklen) festlegen. In den Mesozyklen werden wir Trainingsblöcke mit Schwerpunkten setzen. Ziel der zyklischen Trainings-planung ist es, bei Martin eine maximale Leistungsbereitschaft zu seinen Saisonhighlights erreicht zu haben. Um dieses Ziel zu erreichen und eine individualisierte Trainingssteuerung vornehmen zu können, sind sport-medizinische und sportpraktische Testverfahren in der Trainingssteuerung unerlässlich.

Die Festlegung der Mikrozyklen werden wir vorerst nicht für die kompletten 12 Monate vornehmen, da bedingt durch Erkrankungen oder berufliche Stresssituationen eine Anpassung der Feinziele ermöglicht werden sollte.

Eine kalendarische Saisonplanung verschafft sowohl dem Trainer als auch dem Athleten einen klaren Überblick über die Periodisierung und kann den Anlagen 1-4 entnommen werden.

3. Planung der sportmedizinischen und sportpraktischen Testverfahren

Durch regelmäßige sportmedizinische Testverfahren wird die Leistungs-fähigkeit von Martin sichtbar gemacht. Wir bekommen durch ein sportmedizinisches Testverfahren Werte aus „dem inneren des Körpers“, also eine Aussage darüber, wie gut die Qualität des Energiestoffwechsels ist.

Um die Trainingsbereiche optimal einstellen zu können, ist es sinnvoll, ein sportmedizinisches Testverfahren zu Beginn der Vorbereitungsphase zu legen. Am Ende der Vorbereitungsphase empfiehlt sich eine weitere sportmedizinische Untersuchung, die der Erfolgskontrolle dient.

Sportmedizinische Testverfahren sind im optimalen Fall alle drei Monate durchführbar, worauf hier allerdings aufgrund von finanziellen und zeitintensiven Aspekten abgesehen wird. Stattdessen wird auf sportpraktische, also auf die Einzeldisziplin bezogene Testverfahren, sogenannte Feldtests, zurückgegriffen, auf die später näher eingegangen wird.

Ich empfehle Martin zusätzlich zu der sportmedizinischen Untersuchung eine Laufanalyse sowie ein Bike-Fitting. Hierdurch können Probleme und Defizite im Laufstil erkannt werden und durch eine optimale Radeinstellung mehr Druck und damit Geschwindigkeit auf die Pedale gebracht werden.

Eine sportmedizinische Leistungsdiagnostik mit aussagekräftigem Ergebnis bedeutet eine Einschränkung im Trainingsverhalten. Martin sollte 24-48 Stunden vor dem Test kein anstrengendes Training durchführen. Ebenfalls sollte auf ausreichenden Schlaf und eine gute Gesundheit geachtet werden, denn Infekte führen hier zu einem nicht aussagekräftigen Ergebnis. Eine Veränderung des Essverhaltens wie z.B. eine Diät oder Ernährungsumstellung kurz vor der Leistungsdiagnostik sollte vermieden werden.

Wiederholungstests sollten unter gleichen Bedingungen durchgeführt werden, d.h. wurde die Diagnostik morgens an einem Urlaubstag durchgeführt, so sollte dies auch beim Wiederholungstest der Fall sein.

Hinweis: Um die Trainingsplanung entsprechend den sportmedizinischen und sportpraktischen Testverfahren anpassen zu können, ist es erforderlich, in den nachfolgenden Ergebnissen von der bereits erfolgten Auswertung der Testverfahren auszugehen. In einer saisonalen Planung würden die Ergebnisse selbstverständlich erst in der jeweilig dafür vorgesehenen Kalenderwoche vorliegen.

Für Martin sind folgende sportmedizinische Testverfahren / Untersuchungen vorgesehen:

- KW 44 (29.10. - 04.11.2018) sportmedizinische Untersuchung
- KW 45 (Dienstag, 06.11.2018) Laktat-Leistungsdiagnostik
- KW 18 (Dienstag, 30.04.2019) Laktat-Leistungsdiagnostik

3.1 Sportmedizinische Untersuchung

Eine sportmedizinische Untersuchung ist gerade bei leistungsorientierten Athleten von großer Bedeutung. Unter sportmedizinisch versteht man Testverfahren, die unter Laborbedingungen mehr als nur die sportliche Leistung erfassen. So können z.B. Herzschwächen rechtzeitig erkannt werden und das Training entsprechend gesteuert werden. Martin hat sich zu Beginn seiner Sportlaufbahn bei einem Sportmediziner untersuchen lassen. Das Belastungs-EKG sowie das Herzultraschall waren zum damaligen Zeitpunkt unauffällig. Nach Rücksprache mit Martin wird dieser sich zu Beginn der Trainingsplanung, in der KW 44, bei seinem Sportmediziner erneut untersuchen lassen, da die zuletzt erfolgte Untersuchung bereits drei Jahre zurückliegt.

3.1.1 Ergebnis der sportmedizinischen Untersuchung

Martin unterzog sich den kardiologischen Untersuchungen eines Ruhe- und Belastungs-EKGs sowie einem Herzultraschall. Ebenfalls erfolgte die Auswertung eines großen Blutbildes. Martin weist keine Mängelzustände auf. Sein Herz ist unauffällig ohne Narbenbildung, was ein Hinweis auf eine vergangene Myokarditis hätte sein können. Martin ist gesund und demnach vollkommen auslastbar.

Eine unauffällige sportmedizinische Untersuchung ist Voraussetzung für Martin seine Langdistanzpläne. Nachdem medizinisch „grünes Licht“ erteilt wurde, möchten wir uns Martin seine absolute Leistungsfähigkeit näher anschauen.

Der Zeitpunkt des sportmedizinischen Testverfahrens wurde in die KW45 gelegt, also in die zweite Woche der Vorbereitungsphase I.

3.2 Sportmedizinische Testverfahren

In der Leistungsdiagnostik der sportmedizinischen Testverfahren unterscheidet man zwischen der Spiroergometrie und der Laktat-Leistungs-diagnostik. Vorteil dieser beiden Labordiagnostiken ist die Wiederholbarkeit unter gleichen Umgebungs- und Durchführungs-bedingungen. Bei der Spiroergometrie handelt es sich um eine nicht invasive Atemgasanalyse mit Maske. Eine 3-Dimensionale-Analyse, die eine Aussage über das Kreislaufsystem, die Atmung und den Stoffwechsel trifft. Bestimmt werden die individuellen Trainingszonen sowie die Leistungsfähigkeit der Fettver-brennung.

Bei der Laktat-Diagnostik handelt es sich um eine minimal-invasive Leistungsdiagnostik, bei der die Blutentnahme am Ohr (Optimalfall) oder der Fingerbeere erfolgt (schmerzhafter). Es handelt sich um eine 2-Dimensionale-Analyse für das Stoffwechselverhalten und den Kreislauf unter Belastung. Auch hier werden die individuellen Trainingszonen bestimmt.

Da Martin mit den Leistungsdiagnostiken noch nicht vertraut ist und die Maske bei der Spiroergometrie für eine Erhöhung der Herzfrequenz sorgen kann, haben wir uns für die Laktat-Diagnostik entschieden.

3.2.1 Laktat-Leistungsdiagnostik

Zur Bestimmung der Übergangsbereiche zwischen aerober Energie-bereitstellung, gemischt aerob-anaerober Energiebereitstellung und rein anaerober Energiebereitstellung wird die Laktat-Leistungsdiagnostik heran-gezogen. Es ist das am weitesten verbreitete sportmedizinische Testverfahren zur Bestimmung der aktuellen Ausdauerleistungsfähigkeit.

1976 definierte der Sportmediziner Alois Mader erstmalig eine aerob-anaerobe Schwelle auf der Laktatkurve, beurteilte daran die Ausdauerleistungsfähigkeit und definierte anhand der Laktatkurve die Trainingsbereiche in Intensitätsbereiche. Bis Ende der 1980er wurden eine Vielzahl von Methoden zur Bestimmung einer oder mehrerer Schwellen sowie dazugehörige Testprotokolle entwickelt (u.a. KEUL et al. 1979, STEGMANN / KINDERMANN 1981, SIMON / DICKHUTH 1986, sowie TEGTBUR 1989).

Im Testprotokoll nach Mader beginnt die sportliche Belastung mit 2mmol/l Laktat im Blut. Hier befinden wir uns im aeroben Bereich. Der anaerobe Bereich wird mit 4mmol/l gemessen. Im sogenannten anaeroben Bereich entsteht mehr Laktat im Blut als abgebaut werden kann. Der Körper muss seine Energie ohne Sauerstoff gewinnen.

Im Ruhezustand sowie bei geringer körperlicher Anstrengung wird die Energie zu etwa ¾ aus Fetten und etwa zu ¼ aus Kohlenhydraten gewonnen. Fette besitzen einen höheren Brennwert als Kohlenhydrate. Bei steigender Belastung wird zunehmend auf Kohlenhydrate zurückgegriffen. Demnach treten bei höheren Belastungen die Fette als Energieträger in den Hintergrund. Wird das System der Laktatverwertung überfordert, häuft sich das Laktat in der Muskulatur an.

In der Praxis wird die Laktat-Leistungsdiagnostik in der Regel als stufenförmiges Belastungsprotokoll auf einem geeichten Ergometer durchgeführt. Um Vergleiche in realer sportlicher Ausübung zu ermöglichen, empfiehlt es sich, dass Läufer den Stufentest auf einem Laufband, Radfahrer auf einem Radergometer oder einer Rolle, absolvieren. Nach Möglichkeit sollte der Test auf dem eigenen Rad durchgeführt werden, da dies positive Auswirkungen auf Herzfrequenz und Leistungsvermögen haben kann.

Das Ziel eines Laktatstufentestes ist es, die Ausdauerleistungsfähigkeit beurteilen und verfolgen zu können sowie die Bestimmung der Trainingsbereiche anhand der Laktatschwellen. Um Martin seine Trainingsbereiche bei der periodisierten Jahresplanung berücksichtigen zu können, ist es sinnvoll, eine Leistungsdiagnostik zum Anfang einer Trainingsplanung zu setzen. Weiterhin wird der gewünschte Trainingsfortschritt durch einen Re-Test ersichtlich, der am Anfang der Übergangsphase nach der Vorbereitungsphase 3 gesetzt wird. Wir haben diesen Zeitpunkt bewusst gewählt, da die Vorbereitungsphase die trainingsintensivste Phase der Periodisierung ist. Weiterhin endet diese Phase 8 Wochen vor der Langdistanz und bietet uns noch die Möglichkeit das Training umzustellen, sofern der Re-Test nicht die gewünschte Kurvenverschiebung und somit Leistungssteigerung bewirkt hat.Martin hat sich in der 45.KW für Dienstag, 06.11.2018 Urlaub genommen und möchte an diesem Tag den Laktat-Stufentest auf dem Rad durchführen. Wir haben den Dienstag gewählt, da Martin am Montag einen Ruhetag hat und so ausgeruht in seinen Laktat-Stufentest gehen kann. Bei Triathleten empfiehlt es sich, den Laktatstufentest sportartenspezifisch durchzuführen, d.h. sowohl beim Radfahren als auch beim Laufen. Auf einen separaten Laktatstufentest auf dem Laufband möchte Martin aus Kostengründen verzichten. Aufgrund der erforderlichen Laborausstattung und Kenntnis ist es mir nicht möglich, den Leistungstest persönlich durchzuführen, weshalb Martin die Laktatdiagnostik bei einem entsprechende Leistungslabor ausführen wird (z.B. physig Rad- und Lauflabor, Hanau).

Beim Laktatstufentest wird Martin eine Belastung vorgegeben und diese regelmäßig stufenförmig gesteigert. Martin wird so viele Belastungsstufen wie möglich absolvieren und so, bis zur maximalen Ausbelastung am Testende, sein gesamtes Leistungsspektrum durchlaufen. Idealerweise sollten 5-10 Stufen durchlaufen werden. Die Anfangsstufe hängt von dem jeweiligen Trainingsstand des Athleten ab (i.d.R. 50W-150W). Bei Martin wird eine Belastungsstufe ab 100 Watt gewählt, da Martin bereits trainiert ist, der Anfangsbestand jedoch nicht zu hoch gewählt werden sollte. Hintergrund ist, dass mindestens zwei Stufen mit Ruhelaktatwerden absolviert werden sollten, um die aerobe Schwelle bestimmen zu können. In jeder Leistungsstufe werden die Laktatkonzentration und die Herzfrequenz erhoben, die wiederum in einer Tabelle erfasst werden. Die Herzfrequenz wird über die komplette Testdauer aufgezeichnet. Für jede Stufe wird der Mittelwert der Herzfrequenz über die letzten 30 Sekunden ermittelt. Auch Martin sein Belastungsempfinden wird kurz vor dem jeweiligen Stufenende erhoben.

Die Laktatkonzentration im Blut passt sich nicht unmittelbar einer höheren Belastung an. Demnach wird die Stufendauer mit 5 Minuten in unserem Leistungstest gewählt. Auch die Trittfrequenz ist ein vorgegebener Wert (i.d.R. 70-100 Umdrehungen / Min.). Ein Abbruchkriterium für den Test wäre z.B. das Unterschreiten der vorgegebenen Trittfrequenz, gesundheitliche Beschwerden (u.a. Kopfschmerzen, Schwindel) oder der Abbruchwunsch des Athleten.

3.2.2 Ergebnis der Laktat-Leistungsdiagnostik

Martin konnte den Laktatstufentest mit 8 Leistungsstufen und 275 Watt Maximalbelastung durchlaufen. Die nächste Leistungsstufe (300W) konnte wegen einer muskulären Ausbelastung nicht erreicht werden (vgl. Tabelle 3). Das subjektive Belastungsempfinden wurde auf der sogenannten BORG-Skala mit 6 gewertet. Dies bedeutet „sehr hart“ im Belastungsempfinden.

Die erreichten Laktat- und Herzfrequenzwerte wurden mit Hilfe eines Computerprogrammes grafisch dargestellt und daraus die Trainingsbereiche ermittelt (vgl. Abbildung 1-2, Tabelle 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3 – Belastungsdaten Laktatdiagnostik (Quelle: physig Rad- und Lauflabor, Hanau)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 – Zeitliche Darstellung Laktat und Herzfrequenz (Quelle: physig Rad- und Lauflabor, Hanau)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 – Lastbezogene Darstellung Laktatdiagnostik (Quelle: physig Rad- und Lauflabor, Hanau)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4 – Trainingsbereiche Radfahren (Quelle: physig Rad- und Lauflabor, Hanau)

Wie bei Martin seinen bisherigen Wettkampfzeiten auf der Sprint-, Kurz- und Mitteldistanz bereits vermutet, steigt die Laktatkonzentration auffällig hoch im Spitzenbereich (SB) an. Ziel für Martin seine Trainingsplanung ist daher, die Grundlagenausdauer weiter auszubauen und vor allem die anaerobe Kapazität durch intensiveres Training zu verbessern. Die Leistungs-verschiebung werden wir in unserem Makrozyklus entsprechend durch einen periodisierten Aufbau und die Planung von Testwettkämpfen, u.a. auch als Feldtests, berücksichtigen.

Wichtig ist hierbei zu beachten, dass die ermittelten Herzfrequenzwerte auf dem Rad festgelegt wurden und für Läufe eine Addition von 10 Schlägen sowie beim Schwimmen eine Subtraktion von 10 Schlägen zu erfolgen hat.

3.3 Sportpraktische Testverfahren: Feldtests

Im Vergleich zu den sportmedizinischen Testverfahren sind die sportpraktischen Testverfahren, auch Feldtests genannt, weniger dazu geeignet, konkrete Trainingsbereiche abzuleiten. Der Nutzen der sportpraktischen Testverfahren besteht darin, mit wenig Kosten, Material und Personal einen Trainingsfortschritt zu dokumentieren und eine Einschätzung von Wettkampfzeiten vornehmen zu können. Sie sind demnach wirtschaftlich und ökonomisch, was eine häufigere Anwendbarkeit gegenüber der sportmedizinischen Testverfahren ermöglicht. Nach Möglichkeit sollten die Tests am Ende einer Entlastungswoche erfolgen.

Um die Leistungsfähigkeit zu bestimmen und einen Trainingsfortschritt dokumentieren zu können, besteht die Möglichkeit, in den jeweiligen Einzeldisziplin Eingangstests und sogenannte Re-Tests, also 4-8-wöchige Wiederholungstests, durchzuführen. Re-Tests ermöglichen die Kontrolle darüber, ob das Leistungsvermögen Fortschritte macht, ob es stagniert oder gar ein negativer Trend festzustellen ist. Ein rechtzeitiges gegensteuern ist somit gegeben. Testwettkämpfe bieten ebenfalls die Möglichkeit für einen Feldtest. Der Vorteil eines Testwettkampf für Martin ist gleichzeitig, dass er lernen wird, seine Kräfte richtig einzuteilen, sich mit der Konkurrenz auseinander zu setzen, die Disziplinen taktisch anzugehen, die Ernährung vor und nach dem Rennen richtig auszuwählen sowie sich geistig mit dem Rennen auseinander zu setzen. Wettkämpfe, die bereits in den Vorjahren gestartet wurden, können unter Berücksichtigung von nicht beeinflussbaren Faktoren wie Wetter und Rennverlauf miteinander verglichen werden.

Da wir Martin seine Leistungsfähigkeit im Rahmen des Laktatstufentest festgestellt haben, werden wir Feldtests hauptsächlich als Testwettkämpfe platzieren. Zusätzlich zu den Feldtests werden wir im Schwimmen den 400m- und 3.000m-Test einbauen. Der Schwimmtest ist aussagekräftig für die Leistungsfähigkeit im Wasser. Der 3.000m-Test hat gegenüber dem 400m-Test den Vorteil, dass er eine höhere Aussagekraft für die Langdistanz hat und Martin sich gleichzeitig an die längere Distanz gewöhnt.

Auf dem Rad werden wir zusätzlich, da Martin einen wattgesteuerten Rollentrainer besitzt, auf den 20 Min. FTP-Tests zurückgreifen. Beim Laufen habe ich für Martin zusätzlich einen 12 Minuten-Coopertest vorgesehen. Dieser kann optimal zum Bahntraining eingebaut werden und ersetzt die jeweilige Tempoeinheit.

In Abstimmung mit Martin sind die geplanten sportpraktischen Testverfahren / Testwettkämpfe der periodisierten Jahresplanung in der Anlage 3 und 4 zu entnehmen.

3.3.1 Ablauf und Ergebnis 400m / 3.000m Schwimmtest

Vor den jeweiligen Schwimmtests ist es wichtig, den Körper auf Betriebs-temperatur zu bringen und die Armzugfrequenz zu erhöhen. Besonders der 3.000m-Schwimmtest bietet sich aufgrund seiner Dauermethode optimal als Grundlagenausdauertraining für Langdistanztriathleten an.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 5 – Ablauf des 400m und 3.000m Schwimmtest (eigene Darstellung)

Beim 400m-Test werden die Ergebnisse in jeweiligen 100m-Schritten notiert, beim 3.000m-Test in 400m-Schritten, um im Nachhinein die Tempoeinteilung nachvollziehen zu können. Ein Einbrechen in der zweiten Schwimmhälfte bei gleichbleibendem oder fallendem Puls wäre zum Beispiel ein Hinweis zur fehlenden Kraftausdauer.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 6 – Ergebnis des 400m- und 3.000m-Schwimmtest (eigene Darstellung)

Die tabellarische Darstellung ermöglicht eine Vergleichbarkeit über mehrere Wochen. Es ist ersichtlich, dass das über den Winter eingesetzte Kraft- und Athletiktraining einen positiven Effekt auf Martin seine Schwimmleistung haben. Besonders im 3.000m-Bereich ist im Wochenverlauf ersichtlich, dass es zu keinem größeren Einbruch in der zweiten Schwimmhälfte kommt. Martin hat über die Wochen gelernt, sich seine Kräfte, besonders auf der längeren Schwimmdistanz, einzuteilen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Ausarbeitung eines Trainingskonzepts für die Langdistanz im Triathlon
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
41
Katalognummer
V462654
ISBN (eBook)
9783668902572
ISBN (Buch)
9783668902589
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Triathlon, Sport, Trainingskonzept, Langdistanz, Fachtrainer für Ausdauersport, Trainingsplan
Arbeit zitieren
Heike Eger (Autor), 2018, Ausarbeitung eines Trainingskonzepts für die Langdistanz im Triathlon, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462654

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