Im Zuge dieser Arbeit soll das Phänomen des Rotwelschen genauer erläutert werden. Dazu wird zunächst der Begriff Rotwelsch, und anderer verwandter Wörter, definiert; weiterhin wird die Etymologie dieser Wörter geklärt und erläutert. Im Anschluss soll der Einfluss anderer Sprachen auf das Rotwelsche dargelegt und beispielhaft erläutert werden. Anschließend wird der soziolinguistische Zusammenhang zwischen Gesellschaft und Sprache der Rotwelsch-Sprecher dargestellt.
Dazu wird der geschichtliche Hintergrund des Rotwelschen beleuchtet, die Entwicklung hin zur Sprache der "Gauner und Vaganten", die in weiten Räumen Europas Verbreitung fand und sich schließlich heute noch in vielen Sprachen niederschlägt und in einigen Milieus weiterhin gesprochen wird. Die Unterschiede innerhalb des Rotwelschen sollen anschließend beispielhaft erläutert werden. Dazu werden einige Unterschiede zwischen bestimmten Rotwelsch-Dialekten anhand von Beispielen dargelegt und unterschiedliche Forschungsansätze aufgezeigt. Dabei wird auch auf sogenannte Rotwelsch-Wörterbücher eingegangen und nach deren Bedeutung für die Sprachforschung gefragt. Abschließend soll diskutiert werden, inwiefern Rotwelsch noch heute Einfluss auf die deutsche Sprache hat, sowohl in Bezug auf die Standardsprache als auch Umgangssprache, und ob sich eine tiefgreifende Erforschung des Rotwelschen lohnen kann.
Die Rotwelsch-Sprache hat einen großen Einfluss auf den Wortschatz der deutschen Standard- und Umgangssprache. Dennoch ist sie vielen Deutschsprechern weitestgehend unbekannt und auch regelmäßig verwendete Wörter werden nicht als rotwelsch erkannt. Das Rotwelsch ist eine Sprache, deren Wörter teilweise weit in das Mittelalter zurückreichen. Es wurde vom "Fahrenden Volk" gesprochen, also dem Teil der Population, der sein Leben reisend verbrachte und dabei viele Gebiete und Städte besuchte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff Rotwelsch
2.1 Was bedeutet Rotwelsch?
2.2 Rotwelsch – Etymologie
2.3 Der Einfluss verschiedener Sprachen auf das Rotwelsche
3. Die Rotwelsch-Sprecher
3.1 Sozialer Hintergrund
3.2 Rotwelsche Wörter - Beispiele
4. Rotwelsch-Dialekte
4.1 Das Manische in Gießen
4.2 Das Lützenhardter Jenisch
4.3 weitere Rotwelsch-Dialekte
5. Rotwelsch-Wörterbücher
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Rotwelschen, analysiert dessen etymologische Wurzeln sowie den soziolinguistischen Hintergrund seiner Sprecher und beleuchtet die Herausforderungen bei der Erstellung von Wörterbüchern für diese Sondersprache.
- Etymologische Herleitung des Begriffs Rotwelsch
- Soziale Struktur und Lebensumstände der Rotwelsch-Sprecher
- Regionale Ausprägungen und Dialekte (z.B. Manisch, Jenisch)
- Methodische Aspekte der Dokumentation und Lexikographie
- Einfluss von Fremdsprachen auf das rotwelsche Vokabular
Auszug aus dem Buch
2.2 Rotwelsch – Etymologie
Im Folgenden soll die Herkunft des Wortes Rotwelsch sowie weiterer verwendeter Wörter - etwa Jenisch und Kochemersprache - dargelegt werden.
Das Wort Rotwelsch ist schon im 13.Jhd. belegt. Die Definition bestand hier lediglich in "geheimen arglistigen Wörtern"; es ist allerdings anzunehmen, dass die Wörter zu diesem Zeitpunkt schon lange verwendet wurden (vgl. Girtler 2010, S. 21). Das Wort selbst setzt sich nach einer ersten etymologischen Definition aus "rot" und "welsch" zusammen. "rot" bezeichnet hier einerseits die Farbe Rot, welche symbolisch für Dinge wie Blut, Revolution aber auch etwas Geheimes stehen kann. Zudem besteht mutmaßlich eine Verwandtschaft mit dem Wort "Rotte", welches eine Gruppe von armen, zuweilen auch böswilligen Menschen bezeichnet, die ihren Unterhalt mit 'unehrlichen' Tätigkeiten verdienen (vgl. Girtler 2010, S. 21). Dieser Zusammenhang zeigt sich beispielhaft etwa bei den Wörtern "rotten" für Bettler sowie "Rotboß" für eine Bettlerherberge. (vgl. Girtler 2010, S. 22). Ganz allgemein steht "rot" also für eine soziale Randgruppe mit niedrigem Ansehen in der seßhaften Bevölkerung. Der Ursprung des Wortes könnte man im Niederländischen vermuten, da dort noch einige Wörter mit den entsprechenden Konnotationen existieren (vgl. Girtler 2010, S. 22).
"Welsch" dagegen ist jemand, der eine andere, fremde Sprache spricht und daher nicht verstanden werden kann, also jemand, der aufgrund seiner Sprache fremd ist (vgl. Girtler 2010, S. 12).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung des Rotwelschen als Sondersprache ein und definiert die zentralen Fragestellungen und methodischen Ziele der Untersuchung.
2. Der Begriff Rotwelsch: Dieses Kapitel erläutert die etymologischen Ursprünge des Begriffs Rotwelsch und diskutiert den Einfluss verschiedener Sprachen auf die Wortbildung dieser Sondersprache.
3. Die Rotwelsch-Sprecher: Hier wird der soziale Kontext der Sprecher beleuchtet und an konkreten Beispielen gezeigt, wie sich ihre Lebensumstände im Wortschatz widerspiegeln.
4. Rotwelsch-Dialekte: Das Kapitel bietet eine Übersicht über verschiedene regionale Varietäten, darunter das Gießener Manische und das Lützenhardter Jenisch.
5. Rotwelsch-Wörterbücher: Es werden die methodischen Probleme und Besonderheiten bei der Erstellung von Wörterbüchern für Rotwelsch und seine Dialekte thematisiert.
6. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit, aussterbende Rotwelsch-Dialekte wissenschaftlich und digital zu dokumentieren.
Schlüsselwörter
Rotwelsch, Sondersprache, Etymologie, Jenisch, Manisch, Soziolekt, Lexikographie, Sprachgeschichte, Gaunersprache, Dialektforschung, Sprachkontakt, Randgruppe, Wortschatz, Dokumentation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der Definition, dem historischen Hintergrund und den soziolinguistischen Besonderheiten der Sondersprache Rotwelsch sowie deren verschiedenen regionalen Ausprägungen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Etymologie des Begriffs, die soziale Herkunft der Sprecher, die Vielfalt der Dialekte und die Herausforderungen bei der linguistischen Erfassung und Wörterbucherstellung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Phänomen Rotwelsch genauer zu erläutern, die Bedeutung der Sprache für ihre Sprechergruppen aufzuzeigen und die Notwendigkeit der Archivierung und Erforschung zu betonen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse linguistischer Fachliteratur und vergleicht verschiedene Wörterbücher sowie Forschungsansätze (insb. Girtler, Efang, Lerch).
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Im Hauptteil werden etymologische Herleitungen, soziologische Analysen der Sprechergruppen, ein Vergleich einzelner Dialekte und eine kritische Auseinandersetzung mit der Wörterbuch-Methodik dargelegt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird primär durch die Begriffe Rotwelsch, Jenisch, Manisch, Soziolekt und die soziologische Erforschung von Randgruppen charakterisiert.
Warum ist die Erstellung von Rotwelsch-Wörterbüchern so schwierig?
Da es sich um eine mündlich überlieferte, nicht standardisierte Sprache handelt, ist der Zugang zu verlässlichen Daten erschwert und erfordert oft aufwendige Feldforschung in einem sozialen Umfeld, das dem Außenstehenden verschlossen bleiben kann.
Was unterscheidet das Gießener Manische vom Lützenhardter Jenisch?
Beide Dialekte weisen unterschiedliche regionale Kontexte und historische Einflüsse auf, wobei das Gießener Manische etwa ethnische Zuordnungen und spezifische gewerbliche Lebensformen stärker reflektiert als das Jenische aus Lützenhardt.
- Arbeit zitieren
- Jascha Daniló Jung (Autor:in), 2014, Die Rotwelsch-Sprache und ihr Einfluss auf die deutsche Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462788