Vor der Veröffentlichung Kants Kritik der reinen Vernunft, war die Rolle der Metaphysik als wissenschaftliches Themenfeld allgemein akzeptiert. Die vorherrschende Meinung war dabei ein geradezu dogmatischer Rationalismus, der keinen Platz für Skepsis lies, und Verfechter dieser vehement widersprach oder gar mit Argwohn und Spott bedachte. So resümiert Kant bereits in der Vorrede seiner Prolegomena über seine bereits veröffentlichte Kritik der reinen Vernunft: "Man wird sie unrichtig beurteilen, weil man sie nicht versteht; man wird sie nicht verstehen, weil man das Buch zwar durchzublättern, aber nicht durchzudenken Lust hat […]". Die Prolegomena soll dem Abhilfe schaffen und die wichtigsten Punkte der Kritik der reinen Vernunft verdeutlichen. Die Entstehung der beiden Werke geht allerdings auf einen skeptischen Einwurf Humes zurück, der das bestehende System der Metaphysik anzweifelte.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Möglichkeit einer Metaphysik
1.1 Humes 'Angriff'
1.2 Kants Erwachen
2. Kants Erweiterung
3. Die Aufhebung des Humeschen Zweifels
4. Die Grenzen der Erfahrung
5. Bedeutung der Prolegomena
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die erkenntnistheoretische Auseinandersetzung zwischen David Hume und Immanuel Kant mit dem Ziel, die Grundlagen und die Bedingungen der Möglichkeit einer Metaphysik nach der Kritik der reinen Vernunft darzulegen.
- Die skeptische Herausforderung durch David Hume
- Kants erkenntnistheoretische Wende
- Die deduktive Begründung der Verstandesbegriffe
- Die Bestimmung der Grenzen zwischen Sinnenwelt und Verstandeswesen
Auszug aus dem Buch
Die Aufhebung des Humeschen Zweifels
Während Hume also zu dem Schluss kommt, dass Erkenntnis ohne Erfahrung gar unmöglich sei und daraus schlussfolgert, dass Metaphysik keinerlei Grundlage habe, erweitert Kant das Erkenntnismodell um die Begriffe, zu denen auch das von Hume verwendete Kausalitätsprinzip gehört, welche von der Vernunft verwendet werden um synthetische Urteile a priori zu bilden.
Kant fasst zusammen:
Diese vollständige, obzwar wider die Vermutung des Urhebers ausfallende Auflösung des Humeschen Problems rettet also den reinen Verstandesbegriffen ihren Ursprung a priori und den allgemeinen Naturgesetzen ihre Gültigkeit als Gesetzen des Verstandes, doch so, daß sie ihren Gebrauch nur auf Erfahrung einschränkt, darum weil ihre Möglichkeit bloß in der Beziehung des Verstandes auf Erfahrung ihren Grund hat; nicht aber so, daß sie sich von Erfahrung, sondern daß Erfahrung sich von ihnen ableitet, welche ganz umgekehrte Art der Verknüpfung Hume sich niemals einfallen ließ.
Und als Resultat daraus:
'Alle synthetischen Grundsätze a priori sind nichts weiter als Prinzipien möglicher Erfahrung' [...]
Seine Lösung des „Humeschen Zweifels“ bildet also einen Kompromiss zwischen Empirismus, bzw. Skeptizismus und dem dogmatischen Rationalismus seiner Zeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Möglichkeit einer Metaphysik: Dieses Kapitel thematisiert den Ausgangspunkt der Debatte, insbesondere Humes skeptischen Angriff auf die Metaphysik und Kants Reaktion darauf.
2. Kants Erweiterung: Hier wird erläutert, wie Kant durch die 'Tafel der Kategorien' und die Einführung synthetischer Urteile a priori den Erkenntnisbegriff erweitert.
3. Die Aufhebung des Humeschen Zweifels: Dieses Kapitel zeigt den erkenntnistheoretischen Kompromiss auf, den Kant zwischen Empirismus und Rationalismus findet.
4. Die Grenzen der Erfahrung: Der Abschnitt behandelt das Verhältnis zwischen Sinnenwelt und Verstandeswesen sowie die Bestimmung der Grenzen möglicher Erkenntnis.
5. Bedeutung der Prolegomena: Hier wird der Status der Prolegomena als Plan zur Grundlegung der Metaphysik im Verhältnis zur Kritik der reinen Vernunft definiert.
Schlüsselwörter
Metaphysik, Immanuel Kant, David Hume, Erkenntnistheorie, Skeptizismus, Empirismus, Verstandesbegriffe, Kausalitätsprinzip, synthetische Urteile a priori, Sinnenwelt, transzendental, Erfahrung, Vernunft, Kritik der reinen Vernunft, Prolegomena
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die philosophische Antwort Immanuel Kants auf die skeptischen Einwände David Humes bezüglich der Möglichkeit von Metaphysik und Erkenntnis a priori.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Kritik des dogmatischen Rationalismus, der Empirismus Humes, die Deduktion der reinen Verstandesbegriffe und die Bestimmung der Grenzen der Erfahrung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen Metaphysik als Wissenschaft möglich ist und wie Kant den Widerspruch zwischen reiner Vernunft und sinnlicher Erfahrung auflöst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse der Schriften Kants, insbesondere der Prolegomena, unter Einbeziehung der historischen Position Humes.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entwicklung von Kants Erkenntnismodell, von der Widerlegung des Humeschen Skeptizismus bis hin zur Grenzziehung zwischen erfahrbarer Welt und transzendentalen Objekten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind synthetische Urteile a priori, Kategorien, Verstand, sinnliche Anschauung und der Humesche Zweifel.
Wie veränderte Humes Angriff Kants Denken?
Humes Kritik riss Kant aus seinem „dogmatischen Schlummer“, da er anerkennen musste, dass eine Verbindung von Begriffen rein aus dem Verstand ohne sinnliche Grundlage problematisch ist.
Was versteht Kant unter dem „Feld der reinen Verstandeswesen“?
Es handelt sich um einen Bereich jenseits der Sinnenwelt, für den keine dogmatisch-bestimmten Erkenntnisse möglich sind, über den wir aber im Rahmen der Grenzbestimmung der Erfahrung reflektieren können.
In welchem Verhältnis stehen die Prolegomena zur „Kritik der reinen Vernunft“?
Kant bezeichnet die Prolegomena als „Plan nach vollendetem Werke“, der die Argumentation der Kritik der reinen Vernunft prägnant darlegt und verständlich machen soll.
- Arbeit zitieren
- Jascha Daniló Jung (Autor:in), 2013, Die Möglichkeit einer Metaphysik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462791