Der utilitaristische Wert der Präimplantationsdiagnostik


Seminararbeit, 2019

10 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Utilitarismus
2.1 John Stuart Mill

3. Präimplantationsdiagnostik (PID)
3.1 Rechtliche Situation in Österreich
3.2 Ethische Problematik

4. Gattaca

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Sogenannte „Designer-Babys“ sind bereits seit einigen Jahren nicht mehr nur Zukunftsvision. Im dystopischen Science-Fiction Film „Gattaca“ wird die Präimplantationsdiagnostik (PID) als Auslöser für ein Klassensystem dargestellt, in dem natürlich gezeugte Menschen als zweitrangig angesehen, und diskriminiert werden.

Die meisten Embryonen werden in der fiktiven Welt von Gattaca routinemäßig mithilfe von Gentechnik auf verschiedenste Krankheiten und vermeintliche Schwächen untersucht. Obwohl die durch Präimplantationsdiagnostik gezeugten Menschen im Film durchaus glücklich und überaus vital wirken, zeigt sich ebenfalls die Schattenseite einer Gesellschaft, die natürlich Gezeugte zwar „Gotteskinder“ nennt, sie aber offiziell als „invalid“, somit als schwach beziehungsweise krank bezeichnet. In dieser Arbeit wird behandelt, inwiefern sich eine solche mögliche Gesellschaft auf die Argumentation aus utilitaristischer Sicht auswirken würde, oder ob sie für eine solche Analyse überhaupt relevant wäre.

Nach einer Einleitung in die konsequentialistische Ethik des Utilitarismus, sowie eine kurze Einführung in den Utilitarismus bei John Stuart Mill folgt eine Erklärung des Begriffes der Präimplantationsdiagnostik, ihre ethische Problematik sowie die aktuelle rechtliche Situation in Österreich.

Im Anschluss daran wird im Resümee erläutert, wieso eine Gesellschaft, wie sie in Gattaca prophezeit wird, dennoch äußerst wünschenswert wäre, ginge man von einem utilitaristischen Standpunkt aus.

2. Utilitarismus

Der Utilitarismus (lat. utilitas: Nutzen,Vorteil) ist eine im 19. Jahrhundert bekannt gewordene Form des Konsequentialismus. Einzig und allein die Folgen einer Handlung werden zur moralischen Bewertung herangezogen. Die hierbei relevanten Handlungsfolgen sind jene, die das größte Glück hervorbringen, oder im Fall des Utilitarismus genauer gesagt, zur Glücksmaximierung und Leidminderung beitragen. [vgl.: Driver 2014]

Eine Definition von „Glück“, wie sie im Utilitarismus generell gebraucht wird, findet sich in John Stuart Mills „Utilitarismus“:

„Unter »Glück« wird Lust und das Fehlen von Schmerz verstanden, unter »Unglück« Schmerz und die Verhinderung von Lust“ [Mill 2006: 12, Erstauflage 1861]

Da sich im Laufe der philosophischen Geschichte einige verschiedene Formen des Utilitarismus entwickelt haben, wird zur Vereinfachung der folgenden Analyse der gestellten Problematik lediglich von jener eben genannten Grundposition dieser teleologischen Ethik ausgegangen. Diese Vereinfachung wird vorgenommen, da die Analyse durch Miteinbeziehung zum Beispiel des Regel- oder Handelsutilitarismus in verschiedenen oder leicht abweichenden Ergebnissen resultieren könnte. [vgl.: Driver 2014]

Obwohl der Utilitarismus in seiner Grundform bereits vor dem 19. Jahrhundert zum Beispiel unter Richard Cumberland oder John Gay Gestalt annahm, werden Jeremy Bentham und John Stuart Mill weitgehend als die Begründer des klassischen Utilitarismus angesehen. Bentham und Mill waren die ersten Utilitaristen, die ihre Ethik systematisch aufbauten und anwendeten. Sie legen ein Hauptaugenmerk auf die Gesellschaft und geltende Gesetze, die von ihnen größtenteils als schlecht angesehen wurden. Die Eigenschaft eben dieser Gesetze, die Menschen unglücklich zu machen, und im Ausgleich dazu kein Glück als Kompensation zu geben, wird zum Beispiel von Bentham sehr stark kritisiert. Obwohl zwischen den utilitaristischen Ethiken von Bentham und Mill einige Unterschiede gefunden werden können, bauen sie dennoch gleichermaßen auf denselben Prinzipien auf. Natürlich vertraten sie beide die utilitaristische Grundeinstellung, das größte Glück für die größtmögliche Zahl von Menschen erreichen zu wollen. Weiters kann über beide Philosophen gesagt werden, dass sie Freude und Leid als die entscheidenden Motive für menschliches Handeln ansahen, also beide eine Form des Hedonismus vertraten. [vgl.: Driver 2014]

2.1 John Stuart Mill

Neben Jeremy Bentham gilt vor allem John Stuart Mill als einer der Mitbegründer des klassischen Utilitarismus. In seinem Denken wurde er vor allem von Bentham geprägt, der ein Freund seines Vaters war, dennoch lässt sich vor allem in seinem Werk „Utilitarismus“ erkennen, dass er Bentham nicht in allen Punkten seiner konsequentialistischen Sicht zustimmte. In vielen Fällen stellt er Verbesserungsvorschläge für Benthams Konzepte vor. [vgl. Macleod 2016]

In seinem für den Utilitarismus wohl wichtigsten Werk „Utilitarismus“ aus den Jahre 1861 kann bereits im zweiten Kapitel eine Abweichung zu Benthams Form dieser teleologischen Ethik erkannt werden. Während für Jeremy Bentham das Glück jedes Menschen den gleichen Wert besitzt, vertritt Mill einen sogenannten qualitativen Hedonismus. Er sieht also qualitative Unterschiede innerhalb des Glückspektrums.

„Es ist besser, ein unzufriedener Mensch zu sein, als ein zufriedenes Schwein, besser ein unzufriedener Sokrates, als ein zufriedener Narr.“ [Mill 2006: 16, Erstauflage 1861]

Dieses berühmte Zitat von Mill zeigt, dass er nicht nur deutliche Unterschiede zwischen körperlicher und geistiger Lust sieht, wobei er die geistige Lust als eindeutig wertvoller betrachtet, sondern vielmehr die qualitativen Arten von Glück dadurch differenziert, ob das glücksempfindende Wesen dazu fähig ist, jene höher qualitativen Glücksarten zu empfinden. Ein zufriedener Mensch, der weiß, dass anderes Glück als jenes der Befriedigung der Grundbedürfnisse existiert, würde sich laut Mill auf keinen Fall wünschen, in ein Schwein verwandelt zu werden, selbst wenn man ihm verspräche, das größtmögliche Glück, das einem Schwein möglich wäre, fühlen zu können.

Im Gegensatz zu Jeremy Bentham stellt Mill also fest, dass im Utilitarismus nicht nur quantitative, sondern auch qualitative Faktoren berücksichtigt werden müssen. Mill schreibt der Qualität in diesem Fall sogar einen höheren Wert zu als der Quantität. Der Wert des Glücks kann demnach nicht nur quantitativ bestimmt werden, wie es bei Bentham der Fall ist. [vgl. Mill 2006: 14, Erstauflage 1861]

3. Präimplantationsdiagnostik (PID)

Die Präimplantationsdiagnostik, oder kurz PID beschreibt die genetische Untersuchung eines durch In-vitro-Fertilisation, das heißt künstlich gezeugten Embryos außerhalb des Mutterleibs. Von möglichen Erbkrankheiten bis zur Feststellung des Geschlechts bietet die PID bereits viele Optionen zur Untersuchung der menschlichen Gene. Die ethisch problematische Präimplantationsdiagnostik darf nicht verwechselt werden mit der allgemein akzeptierten und üblicherweise durchgeführten pränatalen Diagnostik (PD), bei der der Fetus mithilfe verschiedenster Verfahren innerhalb des Mutterleibs auf mögliche Erbkrankheiten untersucht wird. [vgl. Kreß 2003: 128 f.]

Im Unterschied zur pränatalen Diagnostik wird bei der Präimplantationsdiagnostik also der künstlich gezeugte Embryo noch vor dem Einsetzen in den Mutterleib untersucht und ausgewählt.

3.1 Rechtliche Situation in Österreich

Die Durchführung einer Präimplantationsdiagnostik ist in der Europäischen Union nicht universell geregelt. Obwohl die PID mittlerweile in den meisten EU-Ländern erlaubt ist, gibt es Unterschiede zwischen den individuellen Gesetzeslagen vieler Staaten. In Österreich wird die Präimplantationsdiagnostik durch das Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG) §2a. wie folgt geregelt:

[...]

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Details

Titel
Der utilitaristische Wert der Präimplantationsdiagnostik
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Philosophie)
Veranstaltung
Einführung in die Philosophie (mit einer Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten)
Note
1
Autor
Jahr
2019
Seiten
10
Katalognummer
V462806
ISBN (eBook)
9783668910539
ISBN (Buch)
9783668910546
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Philosophie, Utilitarismus, J.S.Mill, John Stuart Mill, Präimplantationsdiagnostik, PID, Gattaca, Film
Arbeit zitieren
Lea Strauch (Autor:in), 2019, Der utilitaristische Wert der Präimplantationsdiagnostik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462806

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