Alkohol und Kriminalität ist eine Verbindung, die schon seit Jahrhunderten besteht und trotzdem immer wieder neue Fragestellungen zur Strafverfolgung, zum Strafprozess, zur Strafvollstreckung und zum Straf- bzw. Maßregelvollzug aufweist. Außerdem exis-tiert kaum ein anderes Gebiet, in welches die Medizin, die Psycho- und Sozialwissen-schaften sowie die Jurisprudenz involviert sind.
Die hier verfasste Diplomarbeit setzt sich gerade mit dieser Thematik auseinander und versucht die eine oder andere Fragestellung zu beantworten. Folglich handelt es sich um einleitende und spezifische Fragen zum Thema:
Was ist Alkohol?
Was ist Alkoholsucht?
Wer ist Alkoholstraftäter?
Ab wann ist man schuldunfähig bzw. teilschuldfähig?
Kann auch mit Alkoholeinfluss volle Schuldfähigkeit erkannt werden?
Dient Alkohol als Unschuldengel? (absichtliches Trinken vor einer Straftat)
Welche Rolle spielen gesellschaftliche/ familiäre/ soziale/ ... Hintergründe?
Strafrechtliche Hintergründe?
Trägt Alkohol zur Straftat bei?
Wäre der Alkoholstraftäter auch ohne Alkohol straffällig geworden?
Alkohol macht in manchen Gesellschaftsformen kriminell!
Kriminologische Hintergründe?
Medizinische Hintergründe?
Wie geht man dagegen vor?
Helfen therapeutische Ansätze?
Ist Zwangstherapie sinnvoll?
Oder nur ein Verwahren der Delinquenten?
Unternimmt der Gesetzgeber das Richtige?
Das Interesse des Autors, speziell diese Zusammenhänge zu schildern, erwuchs wäh-rend eines Praktikums im Hauptstudium innerhalb der forensischen Abteilungen des Landeskrankenhauses Hildesheim. Auf Grund dessen wird der Schwerpunkt der Arbeit das letzte Kapitel (Unterbringung und Behandlung in einer Entziehungsanstalt) darstellen.
Die Diplomarbeit umfasst insgesamt vier Kapitel.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Alkohol
1. Definition Alkohol
1.1 Wirkung des Alkohols
1.2 Ansehen des Alkohols
1.3 Alkoholkonsum in Deutschland
2. Alkoholismus
2.1 Definition
2.2 Ursachen
2.3 Physische, psychische und soziale Folgen
2.4 Behandlungsmethoden
II. Alkohol und Kriminalität
3. Einführung
4. Kriminalitätsfördernder Faktor Alkohol
4.1 Bei Alltagsdelikten
4.2 Bei chronischer Delinquenz
4.3 Bei Schwerdelikten
5. Delinquenz unter akuter Alkoholisierung
6. Erklärungsversuche
6.1 Resultate der psychischen und sozialen Störungen
6.2 Resultate der gesellschaftlichen Ausgrenzung
III. Alkohol und Strafrecht
7. Grundsätzliches
8. Fragen zur Schuldfähigkeit
8.1 Schuldunfähigkeit
8.2 Verminderte Schuldfähigkeit
8.3 Strafrechtliche Maßnahmen nach Erkennen der verminderten Schuldfähigkeit oder Schuldunfähigkeit
IV. Unterbringung und Behandlung in einer Entziehungsanstalt
9. Allgemeines zum Maßregelvollzug
9.1 Zur Geschichte
9.2 Das Zusammenwirken mit anderen Justizorganen
9.3 Organisation und Räumlichkeit
10. Maßregelvollzug nach § 64 StGB
10.1 Anordnungs- und Unterbringungsvoraussetzungen
10.2 Andere Unterbringungsgründe
10.3 Die Arten der Behandlung und der zeitliche Rahmen
10.4 Behandlungsbereitschaft und Behandlungsfähigkeit
11. Die Funktion der Sozialarbeiter/innen
12. Resultate der Behandlung
12.1 Prognostische Erfolgsaussichten
12.2 Tatsächliche Erfolge
13. Verbesserungsideen
13.1 Zur Unterbringung
13.2 Zur Förderung des Patienten
Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die komplexe Wechselwirkung zwischen Alkoholkonsum und kriminellem Verhalten unter Berücksichtigung medizinischer, psychologischer und juristischer Aspekte. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie die Delinquenz von Alkoholstraftätern, insbesondere bei pathologischem Befund, rechtlich bewertet, untergebracht und therapeutisch behandelt werden kann.
- Historische und gesellschaftliche Wahrnehmung von Alkohol
- Zusammenhänge zwischen Alkoholismus und Kriminalitätsformen
- Strafrechtliche Bewertung der Schuldfähigkeit bei Alkoholeinfluss
- Organisation und Ablauf des Maßregelvollzugs nach § 64 StGB
- Anforderungen an die sozialarbeiterische Begleitung im Entzugsvollzug
Auszug aus dem Buch
1.1 Wirkung des Alkohols
Nach der Einnahme vergehen ca. 30 bis 90 Minuten bis sich der Alkohol im Körper verteilt hat und den Höhepunkt seiner Wirkung zeigt. Allerdings sind die Nervenzellen des Gehirns der konkrete Angriffsort. Diese sind zwar von der Blutversorgung durch die sogenannte Blut-Hirn- und Blut-Liquor-Schranke abgeschnitten, doch durch zahlreiche Kontaktstellen im Gehirn (Synapsen) miteinander verbunden. Wie bereits erwähnt ist der Alkohol leicht in anderen Flüssigkeiten löslich, so auch in Fett und Wasser, welche im Gehirn vorhanden sind. Demnach wird Ethanol nach der oralen Zufügung vorwiegend vom Zwölffingerdarm und Dünndarm aufgenommen und in die Blutbahn des Organismus verteilt. Es gelangt zum Gehirn und greift dort die Nervenzellen an, was Störfunktionen der elektrischen Impulse, die von Synapsen ausgehen, zur Folge hat.
Auf ein Hoch folgt ein Tief, so wird Alkohol vom Körper auf verschiedene Weise abgebaut und ausgeschieden. Ein geringer Teil des Alkohols geht durch die Atmung und durch die Transpiration verloren. Der größte Teil allerdings wird über die Leber abgebaut, indem sie den Alkohol in den Energiehaushalt des Körpers überführt oder ihn als Wasser ausscheidet. Eine Erklärung für die körperlichen Folgeerscheinungen während des Abbaus ergibt sich aus der Tatsache, dass Zwischenprodukte wie Acetaldehyd entstehen. Das Acetaldehyd-Syndrom umschreibt ein Vergiftungsbild nach dem Verzehr von Alkohol.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Verbindung von Alkohol und Kriminalität sowie Darstellung der spezifischen Fragestellungen der Arbeit.
I. Alkohol: Abhandlung über Definitionen, historische Hintergründe, die körperliche Wirkung von Alkohol, Alkoholismus und Behandlungsmethoden.
II. Alkohol und Kriminalität: Beschreibung der Zusammenhänge zwischen Alkohol und Delinquenz sowie Analyse von Erklärungsversuchen für alkoholbedingtes kriminelles Verhalten.
III. Alkohol und Strafrecht: Erläuterung der strafrechtlichen Grundsätze, der Fragen zur Schuldfähigkeit sowie der rechtlichen Folgen für Alkoholtäter.
IV. Unterbringung und Behandlung in einer Entziehungsanstalt: Detaillierte Betrachtung des Maßregelvollzugs, der Rolle der Sozialarbeit und der Wirksamkeit von Behandlungsmaßnahmen.
Schlüsselwörter
Alkohol, Alkoholismus, Kriminalität, Delinquenz, Strafrecht, Schuldfähigkeit, Maßregelvollzug, Entziehungsanstalt, Therapie, Sucht, Sozialarbeit, Alkoholstraftäter, Resozialisierung, Rückfallprognose, § 64 StGB
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der vielschichtigen Problematik der Delinquenz unter Alkoholeinfluss und analysiert, wie das deutsche Rechtssystem und die Forensik mit alkoholabhängigen Straftätern umgehen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit deckt die medizinischen Grundlagen des Alkoholkonsums, kriminologische Erklärungsmodelle, strafrechtliche Rahmenbedingungen sowie die praktische Umsetzung des Maßregelvollzugs ab.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen Alkoholsucht und kriminellem Handeln aufzuzeigen und zu prüfen, inwieweit therapeutische Maßnahmen im Maßregelvollzug zur Reduzierung der Rückfallgefahr beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen sowie qualitative Einzelfallbetrachtungen durch biographisch-narrative Interviews mit Patienten des Landeskrankenhauses Hildesheim.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Alkoholismus, die Wechselwirkung zwischen Alkohol und Kriminalität, strafrechtliche Bestimmungen zur Schuldfähigkeit sowie die detaillierte Beschreibung der Unterbringung in Entziehungsanstalten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Suchtpotenzial, Schuldfähigkeit, § 64 StGB, Maßregelvollzug, Legalbewährung und psychische Disposition.
Wie unterscheidet sich die Behandlung von Alkoholikern nach § 64 StGB von einer regulären Haft?
Im Gegensatz zur reinen Strafverbüßung zielt der Maßregelvollzug nach § 64 StGB primär auf die therapeutische Heilung des Hangs zur Sucht ab, um die Rückfallgefahr zu minimieren und eine Resozialisierung zu ermöglichen.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen vorsätzlicher und fahrlässiger "actio libera in causa" eine Rolle im Strafrecht?
Diese Rechtsfigur ist entscheidend, um Täter bestrafen zu können, die sich wissentlich oder fahrlässig in einen Zustand der Schuldunfähigkeit versetzt haben, um damit straffrei aus einer begangenen Tat hervorzugehen.
Was sind die zentralen Erkenntnisse zu den Rückfallquoten bei behandelten Patienten?
Die Datenlage zeigt eine hohe Variabilität der Rückfallquoten, wobei die statistischen Erfolge stark von der Definition eines Rückfalls und dem Beobachtungszeitraum abhängen; die Arbeit betont dabei die Notwendigkeit einer langfristigen ambulanten Nachsorge.
- Quote paper
- Mike Brandt (Author), 2005, Alkoholstraftäter-Delinquenz mit pathologischem Befund, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46281