Diese Exegese behandelt Genesis 12, 10-20. Im Zentrum stehen hierbei die Analysen der Nomina, Verben und Aktanten. Es soll unter anderem auch darauf eingegangen werden, wie die Gattung zu bewerten ist und was das Motiv in Genesis 12, 10-20 ist.
In Gen 12,10-20 wird das Motiv der Lüge, das Ausgeben als Geschwister, deutlich. Dieses Motiv findet sich auch in Gen 20 wieder, wo es sich ebenfalls um Abram und Sarai handelt. Dort geht die Lüge ebenfalls von Abram aus und im Gegensatz zu Gen 12,10-20 ist auch sofort erkennbar, dass Abram diese Lüge ausspricht.
Unter einer Lüge in der Bibel versteht man neben dem Reden auch hinterlistiges Handeln sowie Untreue gegenüber Gott und ihn nicht ernst zu nehmen. Besonders auffällig ist auch das Motiv des Ehebruchs. Dieses Motiv findet sich auch in den anderen herangezogenen Bibelübersetzungen wieder. Eines der Zehn Gebote in der Bibel ist "Du sollst nicht die Ehe brechen." in Ex 20,14.
Inhaltsverzeichnis
1 Segmentierung des Textes
2 Übersetzungsvergleich
3 Textabgrenzung
4 „Bühne“ des Textes
5 Synchrone Exegese
5.1 Analyse der Nomina
5.2 Analyse der Verben
5.3 Analyse der Aktanten
6 Literarkritik
7 Gattungskritik
8 Motivkritik
9 Fachliteratur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich das Ziel, eine exegetische Analyse der biblischen Erzählung Genesis 12,10-20 durchzuführen, um die komplexen zwischenmenschlichen Interaktionen und das Gottesbild innerhalb des Textabschnitts kritisch zu untersuchen.
- Strukturelle Segmentierung und Vergleich verschiedener Bibelübersetzungen
- Synchron-exegetische Untersuchung von Nomina, Verben und Aktanten
- Literarkritische Analyse der Schuldfrage und semantischer Leerstellen
- Gattungsbestimmung als Erzählung mit Sagencharakter
- Motivgeschichtliche Einordnung der Themen Lüge und Ehebruch
Auszug aus dem Buch
4 „Bühne“ des Textes
Auch innerhalb des Textabschnitts Gen 12,10-20 sind Themen-, Personen- und Ortswechsel enthalten.
Der Text enthält vier große Themenfelder, nämlich den Aufbruch nach Ägypten (VV. 10-13.), die Ankunft in Ägypten (VV. 14-15.), den Aufenthalt in Ägypten (VV. 16-19.) und den Auszug aus Ägypten (V. 20.). Diese ergeben den Rahmen des Textes und bilden eine übersichtliche Struktur. Innerhalb dieser großen Themenfelder gibt es auch kleinere Themenwechsel, die den Text detaillierter darstellen.
Während des Aufbruchs nach Ägypten, sind Abram und Sarai die Aktanten des Textes (VV. 10a-13c.). Nach der Ankunft in Ägypten kommt es zu verschiedenen Personenwechseln. Zunächst werden die Ägypter erwähnt (V. 14b.). Unmittelbar darauf werden die Beamten des Pharaos und der Pharao selbst in Bezug auf die Rühmung Sarais eingeführt (VV. 15a-c.). Folglich wird wieder Abram im Zusammenhang mit seinem neuen Besitz erwähnt (VV. 16a-b.). Anschließend wird im Textabschnitt der Herr als Aktant aufgegriffen (VV. 17a-b.). Ab dem Vers darauf wird wieder der Pharao zur handelnden Person (VV. 18a-20e.). Diese Personenwechsel machen den Textabschnitt lebhaft und bedingen inhaltlich die Themenfelder.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Segmentierung des Textes: Dieser Abschnitt unterteilt die Erzählung Genesis 12,10-20 in logische Handlungseinheiten und bietet eine inhaltliche Übersicht.
2 Übersetzungsvergleich: Die Gegenüberstellung verschiedener Bibelübersetzungen macht auf semantische Unterschiede aufmerksam, die die Interpretation einzelner Verse beeinflussen können.
3 Textabgrenzung: Hier wird der Textabschnitt in den größeren Kontext der Abram-Erzählungen eingeordnet und durch Orts- und Personenwechsel bestimmt.
4 „Bühne“ des Textes: Dieses Kapitel strukturiert den Text anhand seiner zentralen Themenfelder und analysiert die Dynamik der handelnden Personen.
5 Synchrone Exegese: Eine detaillierte linguistische Untersuchung der Nomina, Verben und Aktanten offenbart die Schwerpunkte der Erzählung auf zwischenmenschliche Prozesse.
6 Literarkritik: Dieser Teil widmet sich den Leerstellen des Textes und der zentralen Frage nach der Schuld am Ehebruch.
7 Gattungskritik: Der Text wird als Erzählung mit Sagencharakter eingeordnet, wobei besonders die Rolle Gottes als ordnende Instanz hervorgehoben wird.
8 Motivkritik: Die Analyse untersucht die zentralen Motive der Lüge und des Ehebruchs im Kontext des Alten Testaments.
9 Fachliteratur: Ergänzende wissenschaftliche Perspektiven werden hinzugezogen, um das Verständnis der damaligen Lebensumstände und der theologischen Aussage zu vertiefen.
Schlüsselwörter
Genesis, Abram, Sarai, Pharao, Exegese, Lüge, Ehebruch, Hungersnot, Ägypten, Synchron-exegese, Aktanten, Sagencharakter, Altes Testament, Schuld, Gottesbild
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine exegetische Kurzexegese zum biblischen Text Genesis 12,10-20, der die Flucht Abrams und Sarais nach Ägypten und die daraus resultierende Problematik thematisiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind der Aufbruch nach Ägypten, die Täuschung über die Verwandtschaftsverhältnisse von Abram und Sarai, der darauf folgende Ehebruch und die göttliche Intervention.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Untersuchung der zwischenmenschlichen Dynamiken und der narrativen Struktur des Textes, um die Rollen der Akteure sowie die Funktion Gottes innerhalb der Erzählung zu klären.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es kommen Methoden der synchronen Exegese, der Literarkritik, der Gattungskritik und der Motivkritik zur Anwendung, ergänzt durch einen Vergleich verschiedener Bibelübersetzungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Untersuchung von Nomina, Verben und Aktanten sowie die Analyse der Erzählstruktur, der Motive und der fachwissenschaftlichen Einordnung des Textes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Abram, Sarai, Ehebruch, Lüge, Pharao, Schuld und der erzählerische Sagencharakter der Passage.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle des Pharaos in Bezug auf den Ehebruch?
Die Arbeit stellt heraus, dass der Pharao zwar handlungstragend ist, er jedoch als belogene Partei dargestellt wird, wobei die Frage nach seiner Bestrafung durch Gott als theologisch komplexes Motiv behandelt wird.
Welche Bedeutung kommt der "Leerstelle" in dieser Exegese zu?
Leerstellen, wie etwa die genaue Intention oder die Gedankenwelt von Sarai, werden genutzt, um die Ambivalenz des Textes und die moralische Komplexität des Verhaltens der Hauptfiguren aufzuzeigen.
- Quote paper
- Sandra Knierbein (Author), 2015, Kurzexegese. Gen 12,10-20, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463062