Kurzexegese. Gen 12,10-20


Hausarbeit, 2015
18 Seiten, Note: unbenotet

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Segmentierung des Textes

2 Übersetzungsvergleich

3 Textabgrenzung

4 „Bühne“ des Textes

5 Synchrone Exegese
5.1 Analyse der Nomina
5.2 Analyse der Verben
5.3 Analyse der Aktanten

6 Literarkritik

7 Gattungskritik

8 Motivkritik

9 Fachliteratur

10 Literaturverzeichnis

1 Segmentierung des Textes

Einheitsübersetzung: Gen 12,10-20

Kreativtitel: Der Scham als Bestrafung Abrams

Der Aufbruch nach Ägypten

Hungersnot in Kanaan

10 a Als über das Land eine Hungersnot kam,

b zog Abram nach Ägypten hinab,

c um dort zu bleiben;

d denn die Hungersnot lastete schwer auf dem Land.

Appell zu einer Lüge und der Plan Abrams

11 a Als er sich Ägypten näherte,

b sagte er zu seiner Frau Sarai:

c Ich weiß,

d du bist eine schöne Frau.

12 a Wenn dich die Ägypter sehen,

b werden sie sagen:

c Das ist seine Frau!,

d und sie werden mich erschlagen,

e dich aber am Leben lassen.

13 a Sag doch,

b du seiest meine Schwester,

c damit es mir deinetwegen gut geht und ich um deinetwillen am Leben bleibe.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Ankunft in Ägypten

Aufmerksamkeit gegenüber Sarai

14 a Als Abram nach Ägypten kam,

b sahen die Ägypter,

c dass die Frau sehr schön war.

Sarai im Palast des Pharaos

15 a Die Beamten des Pharao sahen sie

b und rühmten sie vor dem Pharao.

c Da holte man die Frau in den Palast des Pharao.

Der Aufenthalt in Ägypten

Abrams Plan wird Realität

16 a Er behandelte Abram ihretwegen gut:

b Abram bekam Schafe und Ziegen, Rinder und Esel, Knechte und Mägde, Eselinnen und Kamele.

Die Erkenntnis der Lüge

17 a Als aber der Herr wegen Sarai,

b der Frau Abrams,

c den Pharao und sein Haus mit schweren Plagen schlug,

18 a ließ der Pharao Abram rufen

b und sagte:

Erklärungsbedarf

c Was hast du mir da angetan?

d Warum hast du mir nicht gesagt,

e dass sie deine Frau ist?

19 a Warum hast du behauptet,

b sie sei deine Schwester,

c sodass ich sie mir zur Frau nahm?

Folge der Lüge

d Nun, da hast du deine Frau wieder,

e nimm sie und geh!

Der Auszug aus Ägypten

20 a Dann ordnete der Pharao seinetwegen Leute ab,

b die ihn,

c seine Frau und alles,

d was ihm gehörte,

e fortgeleiten sollten.

2 Übersetzungsvergleich

Der Vergleich der Bibelstelle Gen 12,10-20 aus der Einheitsübersetzung, der Elberfelder Bibel und der Gute Nachricht Bibel sensibilisiert bezüglich der Semantik der Texte und macht auf bestimmte Dinge, auf einzelne Elemente der Texte, aufmerksam.

So wird beispielsweise in der Elberfelder Bibel unterstrichen, dass Abram als fremder Mensch nach Ägypten kommt. Die Bezeichnung „Fremder“ (V. 10.) spielt nochmals am Ende des Textabschnitts eine Rolle, wenn sich der Pharao wütend an Abram wendet. Der Aspekt, dass ein fremder Mensch in das eigene Land kommt, welchen man gut be­handelt und Besitz gibt, dieser jedoch an einer Intrige beteiligt ist, unterstützt die Wut des Pharaos am Ende des Textabschnitts (VV. 18-20.).

Ebenfalls in der Elberfelder Bibel auffällig ist der Gebrauch des Verbs „geschehen“ (VV. 11.12.14.), wodurch eine zusätzliche Struktur des Textes erkennbar wird. In der Vergangenheitsform wird die Aussage des vorhergehenden Satzes nochmals bestätigt, in der Zukunftsform wird einem kommenden Ereignis mehr Autorität verliehen. Auch taucht das Tetragramm „HERR“ in Majuskeln nur in der Elberfelder Bibel auf (V. 17.). Somit ist an dieser Stelle Jahwe gemeint.

Des weiteren sind die Anordnungen der Satzzeichen in der wörtlichen Rede des Pharaos von großer Bedeutung (VV. 18-19.), da sie die Aussagekraft beeinflussen. In keiner der drei Übersetzungen sind diese identisch.

In der Gute Nachricht Bibel wird, im Gegensatz zu den anderen beiden Übersetzungen, der Pharao durch die Wortwahl als Verantwortlicher für den Ehebruch zwischen Sarai und Abram dargestellt (VV. 15.17.). Die Übersetzer der Bibel haben diese Stelle einge­baut. Abram wird in dieser Übersetzung die Fähigkeit des Vorhersehens zugeschrieben (V. 14.).

Zusammengefasst fokussieren die verschiedenen Übersetzungen unterschiedliche De­tails.

3 Textabgrenzung

Der Textabschnitt Gen 12,10-20 beginnt mit der Auswanderung Abrams und seiner Frau Sarai nach Ägypten, da im Land Kanaan eine Hungersnot ausgebrochen ist (V. 10.). Der vorherige Textabschnitt (Gen 12,1-9) handelt von der Berufung Abrams durch Gott, Ha­ran zu verlassen und nach Kanaan zu ziehen. Neben diesem Themenwechsel findet also innerhalb des Abschnitts Gen 12,1-9 ein Ortswechsel zwischen Haran und Kanaan statt (VV. 4-5.), innerhalb von Kanaan zwischen Sichem, dem Bergland östlich von Bet-El sowie der Richtung zum Negeb (VV. 6.8-9.), bevor es im Abschnitt Gen 12,10-20 zum Ortswechsel nach Ägypten kommt. Während Abram im Abschnitt Gen 12,1-9 mit Sarai, seinem Neffen Lot und ihren Knechten und Mägden nach Kanaan zieht (V. 5.), wird Ab­ram allein erwähnt, wenn er durch das Land Kanaan zieht (VV. 6-9.). In Gen 12,10-20 wird erkennbar, dass er zusammen mit Sarai nach Ägypten zieht (V. 11.).

Da Abram in Gen 12,10 im Anschluss von Gen 12,9 nochmal neu als Subjekt eingeführt wird, liegt eine Renominalisierung vor.

Der Textabschnitt Gen 12,10-20 endet mit einem Rauswurf von Abram und Sarai aus Ägypten durch den Pharao. Im folgenden Textabschnitt kommt es ab Gen 13 zu einem Ortswechsel, indem Abram, Sarai und Lot von Ägypten in den Negeb hinauf und an­schließend nach Bet-El ziehen. Gleichzeitig wird an dieser Stelle ein Personenwechsel erkennbar. Zum einen wird Lot wieder genannt, zum anderen spielen der Pharao und seine Beamten keine Rolle mehr ab Gen 13,1. Das Thema in Gen 13,1-13 ist die Tren­nung von Abram und Lot, da das Land für beide mit ihren Zelten und ihrem Besitz zu klein ist.

4 „Bühne“ des Textes

Auch innerhalb des Textabschnitts Gen 12,10-20 sind Themen-, Personen- und Orts­wechsel enthalten.

Der Text enthält vier große Themenfelder, nämlich den Aufbruch nach Ägypten (VV. 10-13.), die Ankunft in Ägypten (VV. 14-15.), den Aufenthalt in Ägypten (VV. 16-19.) und den Auszug aus Ägypten (V. 20.). Diese ergeben den Rahmen des Textes und bilden eine übersichtliche Struktur. Innerhalb dieser großen Themenfelder gibt es auch kleinere Themenwechsel, die den Text detaillierter darstellen.

Während des Aufbruchs nach Ägypten, sind Abram und Sarai die Aktanten des Textes (VV. 10a-13c.). Nach der Ankunft in Ägypten kommt es zu verschiedenen Personen­wechseln. Zunächst werden die Ägypter erwähnt (V. 14b.). Unmittelbar darauf werden die Beamten des Pharaos und der Pharao selbst in Bezug auf die Rühmung Sarais einge­führt (VV. 15a-c.). Folglich wird wieder Abram im Zusammenhang mit seinem neuen Besitz erwähnt (VV. 16a-b.). Anschließend wird im Textabschnitt der Herr als Aktant aufgegriffen (VV. 17a-b.). Ab dem Vers darauf wird wieder der Pharao zur handelnden Person (VV. 18a-20e.). Diese Personenwechsel machen den Textabschnitt lebhaft und bedingen inhaltlich die Themenfelder.

Zu Beginn des Textabschnitts sind Ortsangaben vorhanden, die jedoch nicht konkret sind („zog Abram nach Ägypten hinab“ (V. 10b.), „Als er sich Ägypten näherte“ (V. 11a.)). Ungefähr in der Mitte des Textabschnitts erfahren wir, dass sich Abram und Sarai in Ägypten befinden (V. 14a.). Ein konkreter Ortswechsel findet durch den Palast des Pharaos statt (V. 15c.). Diese vier genannten Angaben werden jeweils aufeinander auf­bauend genauer, bis Abram und Sarai ohne neue Ortsangabe aus Ägypten fort gehen. Die konkreteste Ortsangabe befindet sich somit kurz vor dem Höhepunkt in V. 17, auf welchen in der folgenden synchronen Exegese eingegangen wird.

5 Synchrone Exegese

5.1 Analyse der Nomina

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Nomina im Textabschnitt Gen 12,10-20 lassen sich Oberbegriffen zuordnen. Diese sind Menschen, Tiere, Orte, negativ und positiv.

Die größte Kategorie mit ca. 2/3 aller vorkommenden Nomina bilden dabei diejenigen im Bereich der Menschen. Dieser Aspekt deutet darauf hin, dass es sich im Textab­schnitt vor allem um zwischenmenschliche Prozesse handelt. Hinzu kommen die im Textabschnitt angewandten Personal- und Possessivpronomen, welche den Fokus auf die genannten Personen vergrößern. Die meisten genannten Personen und Personen­gruppen werden mehrmals wiederholt genannt. Besonders häufig kommt die Bezeich­nung „Frau“ in Verbindung mit den Ägyptern und dem Pharao vor, mit welcher Sarai gemeint ist.

Die Tiere werden, in etwa in der Mitte des Textes, alle im selben Vers genannt und ste­hen für den Besitz, den der Pharao Abram gibt. Dazu gehören ebenfalls die Knechte und Mägde. (V. 16b.)

Vier der sechs genannten Ortsbestimmungen stehen bereits am Anfang des Textab­schnitts (VV. 10a-11a.). Die Nomina „Land“ und „Ägypten“ wiederholen sich jeweils in diesen Versen. „Land“ steht in beiden Fällen in Verbindung mit „Hungersnot“. Dadurch bekommt dieses Land, welches für Kanaan steht, eine negative Bedeutung, wodurch Ägypten wiederum gleichzeitig ein positiverer Charakter zukommt . Folglich wiederholt sich das Nomen Ägypten noch ein weiteres Mal (V. 14a.).

Die Hungersnot, zugehörend zur Kategorie der negativen Nomina, wird also ebenfalls zwei Mal zu Beginn des Textabschnitts erwähnt. Somit wird der Grund für Abrams Zu­flucht in Ägypten und die Bedrohung die einen Zwang dafür impliziert einsichtig. Un­mittelbar vor der wörtlichen Rede des Pharaos und als Auslöser dieser, steht das Nomen „Plagen“ (V. 17c.). Diese Plagen sind ein negatives Geschehen für den Pharao. Neben der Tatsache, dass sich der Pharao unbewusst eine verheiratete Frau genommen hat, ver­ursachen diese die Wut und Empörung seitens des Pharaos. Sie stehen darüber hinaus für den Höhepunkt des Textes, der sich aus der Erkenntnis der Lüge Abrams und seiner Frau und der Reaktion des Herrn ergibt. Darauf hin wendet sich die Handlung (Wende­punkt). Nach der vorhergehenden Ankunft und guten Aufnahme in Ägypten folgt der zwanghafte Auszug aus Ägypten (VV. 20a-e.).

Unter dem Oberbegriff positiv wird ausschließlich das zweimal auftauchende Nomen „Leben“ gefasst (VV. 12e.13c.). Der Begriff Leben verfügt jedoch über eine besonders große Bedeutung – deshalb kommt ihm eine eigene Kategorie zu. Denn das Leben ist erst die Voraussetzung für alles Geschehen im Textabschnitt sowie auch allgemein für alle Geschehnisse in der Welt. Die Oberbegriffe positiv und negativ gehören in gewisser Weise zusammen, da Leid, unter anderem Hungersnot, unter den Menschen existiert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Kurzexegese. Gen 12,10-20
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
unbenotet
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V463062
ISBN (eBook)
9783668925786
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Genesis, Gen, Genesis 10, Gen 10, Exegese, Kurzexegese, Abraham und Sarai in Ägypten
Arbeit zitieren
Sandra Knierbein (Autor), 2015, Kurzexegese. Gen 12,10-20, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463062

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