Die Kairoer Erklärung über Menschenrechte im Islam von 1990


Essay, 2005
8 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen. Dieser Artikel lässt die elementarsten Ideen und Werte der Menschenrechte zur Geltung kommen: Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit und Solidarität. Diese Ansätze lassen sich in allen Kulturen finden. Menschenrechte entstehen schon mit der Geburt des Menschen, denn der Mensch ist letztendlich ein sittlich freies und mit Würde ausgestattetes Wesen. Hinsichtlich dieser Thematik werde ich mich im Kommenden mit der Frage auseinandersetzen, ob die Wortkombination Islamische Menschenrechtserklärung nicht ein Widerspruch in sich ist? Aufrufe zum Heiligen Krieg, die Diskriminierung religiöser Minderheiten in islamischen Ländern, die Rolle der muslimischen Frau, Khomeinis Todesurteil gegen den Schriftsteller Salman Rushdi und viele weitere Beispiele von Menschenrechtsverletzungen – besonders in jüngster Zeit - lassen diese Skepsis laut werden. Sie erwecken den Eindruck, Islam und Menschenrechte ständen prinzipiell im Gegensatz zueinander. Geht man davon aus, dass die vorderasiatischen islamischen Gesellschaften, in denen die Sharia Gesetzesgrundlage ist, eine solche Erklärung nicht brauchen, so kann die Frage erlaubt sein, für wen diese islamische Menschenrechtsumdeutung geschrieben wurde. Lässt sich die Zunahme radikal-islamischer Übergriffe auf Nicht-Muslime in den 90-er Jahren außerhalb der islamischen Geburtsstaaten Vordeasiens möglicherweise auf diese feierliche Erklärung von Kairo über Menschenrechte im Islam zurückführen? Folglich eine ’Menschenrechtserklärung’ als Grundlage für Menschenrechtsverletzungen? In meinem Essay möchte ich mich im Rahmen der Menschenrechte zur Thematik der Kairoer Menschenrechtserklärung über Menschenrechte im Islam von 1990 äußern. Die Kairoer Menschenrechtserklärung beinhaltet 30 Artikel, auf die ich in Anbetracht der Zeit nicht detailliert eingehen werde, sondern mich auf drei wesentliche Punkte beziehen möchte: Religionsfreiheit, Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau und die Strafen, die in der Sharia manifestiert sind. Mit dieser Arbeit möchte ich aufzeigen, dass das Problem der Menschenrechtsverletzungen nicht an der Religion, sondern an der Tradition der Ausübung im Alltag liegt. Die universelle Erklärung der Menschenrechte umgrenzt den Minimumstandard menschlichen Lebens. In der Erklärung findet sich diesbezüglich folgendes Argument als Basis für die Festlegung der Menschenrechte: „Für jeden der 30 Artikel der Erklärung findet sich Entsprechendes in Qur’an, Hadith und Sunna des Propheten“. Die erste Schlussfolgerung der Konferenz lautete: „Alle Menschen sind Träger von Menschenrechten“. Im Folgenden wäre also zu klären, wobei es sich bei den drei genannten Quellen handelt. Die Sunna umfasst das gesamte Leben des Propheten Muhammads als Vorbild für richtiges Verhalten im Alltag eines Muslims bzw. einer Muslima. Bei den Hadith en handelt es sich um die mündlich und schriftlich überlieferten Aussprüche des Propheten. Der Qur’ an stellt wie in allen monotheistischen Religionen das heilige Buch dar. Ebenso spielt die Sharia, als ein Teil des heiligen Qur’ ans, eine wichtige Rolle. Sie hat, wenn auch nicht offiziell als Staatsgesetz anerkannt, einen großen Einfluss auf die Rechtsprechung in der arabischen Welt. Aufgrund ihres Alters sind die Strafformen recht mittelalterlich und demzufolge verstoßen die grausamen Körperstrafen gegen die allgemeine Menschenwürde. So wäre beispielsweise das Handabschlagen bei Diebstahl, Auspeitschungen bei Alkoholgenuss, Steinigung von Ehebrechern nennenswert. Diese sind in der Vergangenheit nur selten angewendet worden und sind teilweise in den meisten islamischen Ländern nicht mehr in Gebrauch. Aber es gibt Ausnahmen, auf die ich kurz eingehen möchte. So wurde beispielsweise die Amputationsstrafe in den Ländern Sudan, Jemen, Saudi-Arabien, Iran und Pakistan mit dem Fundamentalismus wieder eingeführt. Steinigungen aufgrund von Ehebruch sind in letzter Zeit nur in Saudi-Arabien und im Iran bekannt geworden. Die Prügelstrafe ist noch über die genannten Staaten hinaus verbreitet.

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Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Die Kairoer Erklärung über Menschenrechte im Islam von 1990
Hochschule
Universität Erfurt
Veranstaltung
Philosophie der Menschenrechte
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
8
Katalognummer
V46310
ISBN (eBook)
9783638435321
ISBN (Buch)
9783656703792
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kairoer, Erklärung, Menschenrechte, Islam, Philosophie
Arbeit zitieren
B.A. Daniela Künzel (Autor), 2005, Die Kairoer Erklärung über Menschenrechte im Islam von 1990, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46310

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