Betriebliche Standortentscheidungen in Multinationalen Unternehmen


Seminararbeit, 2015
15 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition von MNU und Abgrenzung zu nationalen Unternehmen

3 Faktorentscheidungen der Standortwahl
3.1 Harte und weiche Standortfaktoren
3.2 Push- und pull-Standortfaktoren

4 Internationalisierungstheorie und MNU

5 Direktinvestitionen als Auslandsmarkteintrittsstrategie
5.1 Vertikale Integration
5.2 Horizontale Integration

6. Zusammenfassung und Ausblick

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

In der heutigen, stark globalisierten Wirtschaft, tritt die internationale Aus- richtung von Unternehmen immer mehr hervor. Die Vorteile, die eine ins Ausland outgesourcte Wertschöpfungkette mit sich bringt sind enorm. Kos- tenvorteile und eine gestärkte Wettbewerbsposition sind nur einige Dinge von denen profitiert werden kann. Dieser Trend der internationalen Ausrich- tung von Unternehmen zeigt sich stark an den steigenden Direktinvestitio- nen ins Ausland. Die Investitionen Deutschlands haben sich von 1999 bis 2012 verdreifacht und beliefen sich zu diesem Zeitpunkt auf 1.200 Mrd. Euro.1 Gerade Multinationale Unternehmen (MNU) greifen auf diese Art des Auslandsmarkteintritts zurück. Trotzallem müssen auch hier verschie- dene Determinanten bei der Auswahl des geeigneten Standortes berück- sichtigt werden.

Im Zuge dieser Hausarbeit soll gezeigt werden, welche Faktoren die Standortentscheidungen von MNU beeinflussen und auf was hierbei zu achten ist. Es soll erläutert werden, welche Entscheidungen zu treffen sind und welche Vor- und Nachteile sich hieraus ergeben können. Ebenfalls wird, sofern es zu einem Auslandsmarkteintritt kommt, gezeigt werden, welche Möglichkeiten es hierfür gibt.

Diese Hausarbeit ist so gegliedert, dass zuerst die Grundlagen für dieses Thema vermittelt werden. Eingestiegen wird hierbei mit einer Definition von MNU sowie anschließend einer Abgrenzung von MNU und nationalen Un- ternehmen. Im nächsten Kapitel soll auf die verschiedenen Faktorentscheidungen bei der Standortwahl eingegangen sowie Vor- und Nachteile aufgezeigt werden. In diesem Zusammenhang folgt eine Erläute- rung von harten und weichen sowie von sog. push- und pull- Standortfaktoren. Weiterhin soll im Rahmen dieser Hausarbeit auf die Internationalisierungstheorie eingegangen und für MNU definiert werden. Hierbei wird aufgezeigt, warum und wann es für ein Unternehmen sinnvoll ist international zu agieren. Im 5. Kapitel soll speziell auf die Direktinvestiti- onen als Strategie des Auslandsmarkteintritts sowie im Anschluss auf die horizontale sowie auf die vertikale Integration von MNU eingegangen werden. Abschließend wird das Thema nochmals zusammengefasst darge- stellt sowie ein Ausblick auf die aktuelle Situation gegeben.

2 Definition von MNU und Abgrenzung zu nationalen Unternehmen

In der Literatur gibt es eine Reihe von verschiedenen Definitionen zu MNU. Diese gestalten sich sehr weitläufig und fallen nach verschiedenen Sche- men aus. Manche definieren MNU nur als eine Art Unternehmen, das min- destens ein oder mehrere Niederlassungen im Ausland betreibt, andere gehen hier mehr nach Strukturmerkmalen, wie z. B. gewisse Umsatzanteile von Tochterniederlassungen gemessen am Umsatz des gesamten Kon- zerns oder einfach auch nur nach gewissen Verhaltensmerkmalen hinsicht- lich der Aktivitäten des Unternehmens.2

Allgemein lässt sich sagen, dass MNU Unternehmen sind, die international agieren und neben ihrem inländischen Standort auch ein oder mehrere Tochterniederlassungen im Ausland betreiben, die ebenfalls als Produkti- onsstandort agieren. Somit finden grenzübergreifende Tätigkeiten statt, die neben der Produktion auch weitere unternehmerische Funktionen abbilden können, wie z. B. den Vertrieb oder die Buchhaltung.

Weiterhin lassen sich zwei verschiedene Arten von MNU unterscheiden, die nach verschiedenen Systemen agieren. Diese zwei Arten sind zum ei- nen horizontale MNU und zum anderen vertikale MNU. Eine genauere De- finition zu den Funktionsweisen dieser, soll jedoch erst in einem späteren Kapitel gegeben werden.

Durch die Verteilung auf einen oder mehrere Standorte werden MNU zu einem wesentlichen Faktor für den Transfer von Technologiekenntnissen, als auch von spezifischem Know-How, wie z. B. von Produktionarten- und Prozessen.3 MNU nehmen mehr und mehr eine wichtige Stellung ein, wenn es um internationales wirtschaftliches Handeln geht. Nicht zuletzt, da ein vermehrter Anstieg von investiven Aktivitäten in Entwicklungsländer zu ver- zeichnen ist, von denen diese nur profitieren können.

Oftmals werden MNU mit internationalen Unternehmen gleichgesetzt, was jedoch aufgrund der verschiedenen Ausprägungen und der verschiedenen Handlungsweisen hinsichtlich ihrer Aktivitäten nicht oder nur bedingt korrekt ist. Dies soll hier jedoch nicht weiter vertieft werden.

Nationale Unternehmen sind Unternehmen, die nur innerhalb der inländi- schen Landesgrenzen agieren, also keine weiteren Standorte im Ausland haben. Die Produkte werden im Inland produziert und auch dort direkt ab- gesetzt. Die kompletten unternehmerischen Tätigkeiten konzentrieren sich somit nur auf eine Volkswirtschaft. Grenzüberschreitende Tätigkeiten fin- den hier demnach nur bedingt statt.

MNU und nationale Unternehmen sind also grundverschieden aufgestellt und folgen verschiedenen Unternehmensstrategien und Vorstellungen. Durch die verschiedenen Unternehmensausrichtungen sind diese beiden Unternehmenskonzepte streng voneinander abzugrenzen und somit nicht u vergleichen.

3 Faktorentscheidungen der Standortwahl

Die Auswahl eines geeigneten Standortes für ein MNU gestaltet sich nicht gerade einfach. Hierbei muss auf verschiedene Kriterien und Punkte ge- achtet werden, gerade wenn es um die Auswahl eines alternativen Stand- ortes für eine Niederlassung im Ausland geht. Grundsätzlich lassen sich Standorte als Bündelung von vielen verschiedenen Standortfaktoren ver- stehen, die diesen definieren und bewerten.4 Solche Faktoren können öko- nomischer Natur sein, können aber auch politisch, kulturell, geografisch oder einfach nur gesellschaftlich sein. Inwieweit welche Standortfaktoren für ein Unternehmen relevant sind oder nicht, hängt letztendlich von den unternehmerischen Zielsetzungen ab.5 Das genaue herausfinden und ana- lysieren dieser Standortfaktoren, findet über eine sogenannte Standortana- lyse statt. Diese kristallisiert die wichtigen Faktoren für ein Unternehmen heraus und bewertet diese nach ihrer Wichtigkeit.

Mit dem sog. Kano-Modell, welches von Noriaki Kano für die Zufrieden- heitsmessung von Kunden entwickelt wurde, lässt sich die Eignung eines Standortes hinsichtlich der zu erwartenden Leistungen und der daraus re- sultierenden Zufriedenheit für ein Unternehmen messen. Gerade dies ist für MNU interessant, da diese oftmals in Länder investieren, die ggf. nicht dem aktuell inländischen Standard entsprechen und somit nicht unbedingt an das gewohnte vorgehen anknüpfen können oder zumindest nicht sofort. Beispielhaft sei hier die Auswahl von Entwicklungsländern genannt, in die von MNU sehr gerne investiert wird und die mit beispielsweise dem deut- schen Standard nicht zu vergleichen sind.

Mit diesem Modell werden drei verschiedene Bewertungsfaktoren unter- schieden: Basis-, Leistungs- und Begeisterungsfaktoren.6

Als Basisfaktoren werden die Kriterien bezeichnet, die als selbstverständ- lich gelten. Können diese von einem Standort nicht erfüllt werden, so wird dies mit hoher Unzufriedenheit einher gehen bzw. der Standort scheidet bei der Auswahl einer neuen Standortalternative komplett aus.

Als Leistungsfaktoren werden die Faktoren bezeichnet, bei denen sich die Erwartungen eines Unternehmens und die sich hieraus ergebende Zufrie- denheit ausgeglichen verhalten. Je höher die Erwartungen für einen be- stimmten Faktor erfüllt werden, desto höher ist die entstehende Zufrieden- heit.

Die Begeisterungsfaktoren verhalten sich ähnlich wie die Basisfaktoren, basieren jedoch auf dem Auslösen von Begeisterung. Diese lösen Begeis- terung aus, sobald Erwartungen erfüllt oder sogar übertroffen wurden. Es geht hierbei als nicht darum was passiert wenn gewisse Leistungen nicht erwartungsgemäß erfüllt werden sondern lediglich um die Tätigkeiten, die Zufriedenheit auslösen können.

Standortfaktoren können in vier verschiedene Arten unterschieden werden. Zum einen gibt es harte und weiche Standortfaktoren, die gewisse Merk- male und Bestimmungsgrößen darstellen und somit objektiv zu betrachten sind, zum anderen gibt es sog. push- und pull-Faktoren, die sich mehr auf die Auslöser einer Standortwahl konzentrieren und somit mehr subjektiv ins Gewicht fallen. Im Folgenden sollen diese Faktoren kurz vorgestellt wer- den.

3.1 Harte und weiche Standortfaktoren

Wie bereits erwähnt, stellen harte und weiche Faktoren gewisse Gegeben- heiten zu einem Standort dar und dienen somit als Bestimmungsgrößen für die Standortwahl. Oft ist eine exakte Abgrenzung der beiden Faktoren schwierig, da eine genaue Definition von weichen Standortfaktoren oft nicht möglich ist oder nur ungenau gegeben werden kann. Dies liegt mitunter an der nicht vorhandenen zahlenmäßigen Erfassbarkeit. Weiche Faktoren können als solche bezeichnet werden, die nicht immer eine direkte Wirkung auf die Unternehmensprozesse haben, jedoch für Mitarbeiter und Unter- nehmen durchaus von großer Wichtigkeit sind. Solche Faktoren sind u. a. kulturelle Aspekte des Landes, Bildungseinrichtungen und Bildungswesen, aber auch das Wohnumfeld, Einkaufsmöglichkeiten und die Qualität der Umwelt. Gerade für die Rekrutierung von qualifizierten Mitarbeitern spielen weiche Faktoren eine erhebliche Rolle und sind somit nicht zu vernachläs- sigen.

Harte Standortfaktoren sind wesentlich einfacher zu definieren, da diese zahlenmäßig und mengenmäßig erfassbar sind und somit nur wenig Raum für subjektive Wahrnehmungen lassen. Diese Art von Standortfaktoren stel- len z. B. Lohnkosten, Zölle, Infrastruktur, Steuern sowie Markteintrittsbarrie- ren und Markttransparenz dar.

Harte Faktoren tangieren ein Unternehmen direkt und werden somit in der Regel stärker in die Planung mit einbezogen und bewertet als weiche Standortfaktoren. Gerade für MNU sind diese Faktoren von besonderer Wichtigkeit bei der Auswahl einer geeigneten Niederlassung im Ausland, da hier ja ebenfalls ein Großteil der Unternehmensfunktionen abgebildet werden soll. Somit spielen Lohnkosten aber auch Zölle und Transportkos- ten mit eine wichtige Rolle. Weiterhin haben diese Merkmale auch durch- aus Einfluss auf die Art und die Ausrichtung eines MNU (vertikal oder hori- zontal). Je nachdem in wie weit diese Faktoren ausgeprägt sind, kann die Art des Unternehmens variieren. Hierbei spielt das Ausnutzen komparativer Vorteile mit eine Rolle.

Oft werden harte Standortfaktoren bevorzugt bei der Auswahl eines Stand- ortes bewertet. Weiche Faktoren dienen häufig nur als Hilfestellung bei der endgültigen Entscheidung.

3.2 Push- und pull-Standortfaktoren

Push- und pull-Faktoren beeinflussen Unternehmen stark bei ihren Stand- ortentscheidungen und treiben diese in eine gewisse Richtung voran. Diese Arten von Faktoren lassen sich so definieren, dass Push-Faktoren sich ne- gativ auf den aktuellen Standort auswirken und somit das Unternehmen zur Standortverlagerung, -schrumpfung oder sogar –schließung treiben, wäh- rend Pull-Faktoren hingegen einen Standort positiv darstellen und somit anziehend bei der Standortwahl wirken.7 Somit lässt sich verallgemeinern, dass Push-Faktoren Unternehmen „wegdrücken“, während Pull-Faktoren Unternehmen direkt „anziehen“.

[...]


1 Vgl. hierzu den Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums (2014): Deutsche Direktin- vestitionen im Ausland; online im Internet unter: http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Monatsberichte/2014/09/Inhalte/K apitel-3-Analysen/3-2-deutsche-direktinvestitionen-im-ausland.html (Stand 25.01.2015)

2 Vgl. Sell (2003), S. 195

3 Vgl. Sell (2003), S. 195

4 Vgl. Balderjahn (2014), S. 61

5 Vgl. Ottmann/ Lifka (2010), S. 8

6 Vgl. Balderjahn (2014), S. 66

7 Vgl. Salmen (2001), S. 34

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Betriebliche Standortentscheidungen in Multinationalen Unternehmen
Hochschule
Fachhochschule Südwestfalen; Abteilung Meschede
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V463169
ISBN (eBook)
9783668922624
ISBN (Buch)
9783668922631
Sprache
Deutsch
Schlagworte
betriebliche, standortentscheidungen, multinationalen, unternehmen
Arbeit zitieren
Jessica Wieandt (Autor), 2015, Betriebliche Standortentscheidungen in Multinationalen Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463169

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