Honoré de Balzac gilt als typischer Autor des französischen Realismus. Anhand einer seiner Novellen namens "El Verdugo" sollen die realistischen Charakteristika aufgezeigt und die Novelle analysiert werden. Hierbei werden die Kompositionsstruktur, ihre spezifischen narrativen Verfahren und die jeweiligen thematischen Schwerpunkte untersucht.
„La Société Française allait être l’historien, je ne devais être que le secrétaire.“ So lautet es in Balzacs avant-propos seiner Comédie Humaine, mit der letztendlich nicht die französische Gesellschaft, sondern er selbst in die Geschichte der französischen
Literatur des 19. Jahrhunderts eingeht. Mit seinen Worten greift er dabei nicht nur seinen bis dato nicht bewussten Erfolg des Werks voraus, sondern weist auch schon auf eine sehr allgemeine Art und Weise darauf hin, welche Inhalte seine Leser erwarten
werden: Darstellungen der zeitgenössischen Gesellschaft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einordnung
2.1. Realismus in ‚El Verdugo‘
2.2. ‚El Verdugo‘ als Teil der Comédie Humaine
3. Analyse der Novelle
3.1. Analyse der Handlungsstruktur ihre Bedeutung
3.2. Analyse der Chronotopoi und deren Bedeutung
3.3. Figurengestaltung und ihre Bedeutung
3.3.1. Thematische Relevanz der Namen
3.3.2. Mögliche Parallelisierung der Figuren Victor und Juanito und die Figuren als Träger von Wertekonflikten
3.4. Techniken des narrativen Diskurses und deren thematisch Relevanz
4. Systematisierung der Analyseergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine tiefgreifende literaturwissenschaftliche Deutung der Novelle „El Verdugo“ von Honoré de Balzac vorzunehmen. Dabei wird untersucht, inwiefern die Darstellung von Tragik und Grausamkeit durch die Anwendung aristotelischer Kategorien sowie narratologischer Verfahren nach Genette strukturiert ist, um ein umfassendes Verständnis der komplexen Wertekonflikte und der Figurendynamik zu ermöglichen.
- Einordnung des Werkes in den literarischen Realismus und die „Comédie Humaine“.
- Analyse der Handlungsstruktur unter Berücksichtigung von Peripetie und Anagnorisis.
- Untersuchung der Figurengestaltung mit Fokus auf die semantische Relevanz der Namen.
- Analyse der narrativen Diskursverfahren und deren Beitrag zur Wirkungsästhetik.
- Systematisierung der komplexen Interaktion zwischen politischem und persönlichem Wertekonflikt.
Auszug aus dem Buch
3.3.2. Mögliche Parallelisierung der Figuren Victor und Juanito und die Figuren als Träger von Wertekonflikten
In der Konstellation der Figuren ist festzustellen, dass der Fokus in der Novelle größtenteils auf drei Figuren liegt: In erster Linie wird Victor große Aufmerksamkeit zugeschrieben, doch mit dem Zuspitzen des tragischen Akts des Verwandtenmords wird diese Aufmerksamkeit des Lesers auch zunehmend auf Juanito gelenkt. Wie bereits in Kapitel 3.1. angedeutet, funktioniert Clara in dieser Dreieckskonstellation als Dreh und Angelpunkt, der die beiden Figuren miteinander verbindet und die Möglichkeit bietet, die beiden jungen Männer in ihren Taten und Schicksälen zu vergleichen.
Der erste und für den Leser offensichtlichste Ansatz, unter dem die Ähnlichkeit der beiden Situationen betrachtet werden kann, ist die Beziehung zu Clara. Schon in der eröffnenden, bereits erwähnten Szene, in der Victor Marchand die Landschaft betrachtet und gar bewundert, ist metonymisch eine Anziehung zu Clara bemerkbar. Wird dies für den Leser möglicherweise nicht direkt ersichtlich, so wird spätestens im darauffolgenden Absatz klar, wie sehr Victor von der jungen Frau eingenommen wird:
Pendant toute cette soirée, l’aînée des filles avait regardé l’officier avec un intérêt empreint d’une telle tristesse, que le sentiment de compassion exprimé par l’espagnole pouvait bien causer la rêverie du Français.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Werk in den Kontext von Balzacs „Comédie Humaine“ und definiert die methodische Herangehensweise an die Novelle „El Verdugo“ unter Rückgriff auf narratologische Kategorien.
2. Einordnung: Dieses Kapitel verortet die Novelle im literarischen Realismus und erläutert ihre strukturelle Zugehörigkeit zum Gesamtwerk Balzacs.
3. Analyse der Novelle: Der Hauptteil untersucht detailliert die Handlungsstruktur, Chronotopoi, Figurengestaltung sowie die diskursiven Techniken des Werkes.
4. Systematisierung der Analyseergebnisse: Hier werden die gewonnenen Erkenntnisse zusammengeführt, um die komplexe Verzahnung von Figurenhandlungen und Wertekonflikten abschließend zu reflektieren.
Schlüsselwörter
El Verdugo, Honoré de Balzac, Realismus, Comédie Humaine, Tragödie, Aristoteles, Peripetie, Anagnorisis, Wertekonflikte, Narratologie, Figurenanalyse, historischer Kontext, literarische Analyse, französische Literatur, Epochenbegriff.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Novelle „El Verdugo“ von Honoré de Balzac im Hinblick auf ihre tragischen Elemente und die Darstellung von menschlicher Grausamkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Einordnung in den Realismus, die Analyse von Handlungsstrukturen, die Figurengestaltung und die diskursiven Verfahren Balzacs.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es, eine Deutung der Novelle zu entwickeln, die zeigt, wie durch narratologische und tragiktheoretische Verfahren die Komplexität menschlicher Wertekonflikte vermittelt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, wobei primär Genettes Begrifflichkeiten zur Analyse der Handlungs- und Diskursebene sowie aristotelische Konzepte angewandt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-literarische Einordnung, eine detaillierte Analyse der Handlungslogik und der Chronotopoi sowie eine intensive Figurenanalyse und Untersuchung narrativer Techniken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist charakterisiert durch Begriffe wie „El Verdugo“, Realismus, Tragödie, Wertekonflikte und Narratologie.
Wie spielt der Titel „El Verdugo“ in die Analyse hinein?
Der Titel, spanisch für „der Henker“, fungiert als paratextueller Lektürestreuer, der den Fokus auf den tragischen Verwandtenmord durch die Figur Juanito lenkt.
Warum wird die Rolle der Clara als zentral erachtet?
Clara dient als „Dreh- und Angelpunkt“ in der Dreieckskonstellation zwischen ihr, Victor Marchand und Juanito, was die beiden Männer als Kontrastfiguren miteinander verflechtet.
- Arbeit zitieren
- Valentina Fabris (Autor:in), 2018, Tragik und Grausamkeit menschlichen Handelns. Analyse der Novelle „El Verdugo“ von Honoré de Balzac, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463172