Der Geistertanz war ein religiöser Krisenkult, welcher ein letztes Aufbäumen der amerikanischen Ureinwohner gegen die Unterwerfung und Zerstörung der indianischen Lebensgrundlagen und Stammeskulturen innerhalb der USA darstellte.
Um das Jahr 1890 herum nahm in der Pine Ridge Gegend der Einfluss der spirituellen Bewegung des Geistertanzes überhand, weswegen sich die US-amerikanische Regierung Sorgen um die Folgen dessen machte. Die schnelle Verbreitung des Geistertanzes lag an den sehr schlechten Verhältnissen in den Reservate, ausgelöst durch die Landesübernahme und Gesetzesänderungen der US-amerikanischen Regierung. „Die Ursache dafür, daß der Geistertanz so schnell übernommen wurde, lag vor allem in der Hoffnung auf Vertreibung aller Nichtindianer (durch übernatürliche Kräfte) und auf die Rückkehr der Toten und Tiere, besonders der Büffel, deren plötzliches Verschwinden binnen weniger Jahre einer ganzen Kultur die Existenzgrundlage raubte. Es war, kurz gesagt, die Hoffnung auf die Wiederherstellung der „alten Lebensweise“ vor der europäischen Besiedlung“. Ziel dieser Bewegung war die Erschaffung einer neuen gesellschaftlichen Form, welche durch eine übernatürliche Säuberung oder mittels Gewalt heraufbeschworen werden sollte.
Nun stellt sich die Frage, wie genau die Geistertänze abliefen und welche Merkmale sie trugen. Wer hatte die Idee und wie verbreitete sich diese in den Reservaten? Wie sahen die Geistertanzbewegungen aus? Gab es bestimmte Charakteristika für die Bewegung und unterschieden sich diese in den zwei Geistertänzen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erster Geistertanz von 1870
3. Zweiter Geistertanz von 1890
4. Charakteristika der Geistertanzbewegung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den religiösen Krisenkult des Geistertanzes bei den nordamerikanischen Ureinwohnern, mit dem Ziel, die Ursprünge, die Entwicklung der Bewegungen von 1870 und 1890 sowie deren soziokulturelle Bedeutung im Kontext der Unterdrückung zu analysieren.
- Ursprung und Entwicklung des Geistertanzes von 1870 unter Wodziwob.
- Die Ausbreitung und Transformation des Geistertanzes von 1890 durch Wovoka.
- Untersuchung der spezifischen Charakteristika und rituellen Praktiken.
- Die Rolle des Geistertanzes als Ausdruck von Widerstand und Identitätsbewahrung.
- Analyse des Einflusses der politischen Situation in den Reservaten auf die Radikalisierung der Bewegung.
Auszug aus dem Buch
Charakteristika der Geistertanzbewegung
Bei den Paiute dauerte der Geistertanz immer vier Nächte und wurde am Morgen des fünften Tages beendet (vgl. Mooney, 1965, S.46). Wie lange der Tanz bei den anderen Stämmen ging, ist unbekannt, da diese den Geistertanz nach ihren Vorstellungen abänderten. Mooney schreibt, dass der Tanz bei den Sioux immer am Sonntag abgehalten wurde, dem „great medicine day of white man“ (Mooney, 1965, S.69). In Oklahoma fand im September 1890 der wohl längste Geistertanz statt mit einer Länge von zwei ganzen Wochen (vgl. Mooney, 1965, S.154). Die Lakota trugen während der Geistertänze sogenannte Geistertanzhemden, welche von allen Beteiligten getragen wurden (vgl. Mooney, 1965, S.34ff).
„Although the shape, fringing, and feather adornment were practically the same in every case, considerable variation existed in regard to the painting, the designs on some being very simple, while the others were fairly covered with representatives of sun, moon, stars, the sacred things of their mythology, and the visions of the trance. In some cases the fringe or other portions were painted with the sacred red paint of the messiah.” (Mooney, 1965, S.31-34).
Man glaubte, dass die Hemden undurchdringlich für Schusskugeln und Waffen jeglicher Art seien (Ebd.). Der Ursprung der Geistertanzhemden könnte bei den Messgewändern der mormonisch missionierten Shoshone-Bannock liegen (vgl. Mooney, 1965, S.35). DeMallie schrieb 1984, dass die Geistertanzhemden in den Visionen der Tänzer erschienen (vgl. DeMallie, 1984, S.262). Bis auf die Lakotas, welche den Geistertanz von Anfang an „gewalttätiger“ angingen, tanzte kein anderer Stamm mit Waffen (vgl. Mooney, 1965, S. 179). „Die Krähe war ein heiliger Vogel des Geistertanzes, da sie als heiliger Bote aus dem Geisterland galt“ (Hatoum, 1993, S.8).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Phänomen des Geistertanzes als religiösen Krisenkult ein und erläutert die historisch verzweifelte Lage der amerikanischen Ureinwohner gegen Ende des 19. Jahrhunderts.
2. Erster Geistertanz von 1870: Dieses Kapitel beschreibt den Ursprung des Kults bei den Paiute unter Wodziwob, der eine übernatürliche Rückkehr der Toten und eine Paradiesvorstellung prophezeite.
3. Zweiter Geistertanz von 1890: Hier wird die Wiederaufnahme der Bewegung durch Wovoka beleuchtet, die sich durch Einflüsse des Christentums und eine weite geografische Verbreitung, insbesondere bei den Lakotas, auszeichnete.
4. Charakteristika der Geistertanzbewegung: Dieser Abschnitt analysiert die rituellen Merkmale, wie Tanzdauer, Kleidung (Geistertanzhemden) und die Bedeutung von Visionen, die den Kern der spirituellen Praxis bildeten.
5. Fazit: Das Fazit zieht eine Parallele zwischen dem Geistertanz und monotheistischen Religionen und reflektiert über die Rolle des Glaubens als Mittel zur Bewahrung von Identität und Widerstand gegen Unterdrückung.
Schlüsselwörter
Geistertanz, Wodziwob, Wovoka, Indianer, Reservate, Widerstand, Krisenkult, Wounded Knee, Lakota, Paiute, Erlösung, Spiritualität, Prophetie, Unterdrückung, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert den „Geistertanz“, einen religiösen Krisenkult der nordamerikanischen Ureinwohner, der Ende des 19. Jahrhunderts als Reaktion auf die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen entstand.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen die Entstehungsgeschichte der beiden Geistertanz-Bewegungen (1870 und 1890), die prophetischen Visionen der Anführer Wodziwob und Wovoka sowie die soziokulturellen Auswirkungen auf verschiedene Stämme.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie die Geistertänze abliefen, welche Merkmale sie definierten und warum diese Bewegungen trotz unterschiedlicher regionaler Ausprägungen so schnell in den Reservaten Verbreitung fanden.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es handelt sich um eine kulturwissenschaftliche Analyse, die primär auf der Auswertung historischer Quellen, Sekundärliteratur und zeitgenössischer Berichte basiert, um das Phänomen in einen historischen Kontext zu setzen.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil gliedert sich in die Beschreibung des ersten Geistertanzes (1870), die detaillierte Analyse der zweiten Welle (1890) und eine Untersuchung der spezifischen rituellen Charakteristika wie Tanzhemden und gemeinschaftliche Rituale.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind Geistertanz, Widerstand, Erlösung, Wovoka, Wodziwob, Reservatspolitik und die soziokulturelle Identitätsbewahrung der indigenen Bevölkerung.
Warum war das Massaker von Wounded Knee für die Bewegung so bedeutend?
Das Massaker markierte die gewaltsame Zerschlagung des Geistertanz-Widerstands und steht symbolisch für die totale Unterdrückung der indigenen Bevölkerung durch die US-Regierung.
Inwiefern unterschieden sich die Geistertänze von 1870 und 1890?
Während der Geistertanz von 1870 lokaler begrenzt blieb, integrierte Wovoka 1890 Elemente des Christentums und der Nächstenliebe, während sich die Bewegung bei den Lakotas durch extrem schlechte Lebensbedingungen zunehmend radikalisierte.
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- Jean Paulus (Author), 2018, Der Geistertanz. Ein Krisenkult mit der Hoffnung auf Erlösung und Freiheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463194