Warum ist der Transformationsprozess in Belarus gescheitert? Erklärungsansätze für diese Frage liefert die die Theorie von Jerzy Maćków. Untersucht wird der Zeitraum zwischen 1989 und 1994, da für Maćków das Verhalten der politischen Eliten direkt nach dem Umbruch ausschlaggebend ist.
Im Folgenden sollen die zentralen Pfeiler von Maćkóws Transformationstheorie, die im Fortlauf der Arbeit als Grundlage der Argumentation fungiert, dargelegt werden. Anschließend werden die für Maćków relevanten Faktoren eruiert, die zum Scheitern des belarussischen Transformationsprozesses maßgeblich beigetragen haben. Das abschließende Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und präsentiert eine Beantwortung der Forschungsfrage.
Inhaltsverzeichnis
1. Belarus‘ Weg zur Autokratie
2. Transformationstheorie nach Mackow
2.1 Politische Transformation
2.2 Ökonomische Transformation
3. Ursachen für das Scheitern des Transformationsprozesses
3.1 Elitenwechsel
3.2 Verhalten der Eliten
3.2.1 Regierung unter Kebitsch – Transformation wider Willen
3.2.2 Volksfront und Schuschkewitsch – zwischen Ohnmacht und Selbstbeschränkung
3.3 Wirtschaftliche Transformation – Verschleppen von Reformen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gründe für das Scheitern des Transformationsprozesses in Belarus im Zeitraum von 1989 bis 1994. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, warum das Land den Weg in die Autokratie einschlug und welche Rolle das Verhalten der politischen Eliten sowie die ökonomischen Rahmenbedingungen dabei spielten.
- Transformationstheorie nach Jerzy Maćków als analytische Grundlage
- Analyse des fehlenden Elitenwechsels nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion
- Untersuchung des Verhaltens der politischen Führung unter Kebitsch und der Rolle der Opposition
- Bewertung der ökonomischen Reformschritte und deren Scheitern
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Regierung unter Kebitsch – Transformation wider Willen
Durch den kaum erfolgten Elitenwechsel war keine gute Basis für die Demokratisierung der Nation geschaffen worden. Auch über die Unabhängigkeit durfte das Volk nicht per Referendum abstimmen, anders als in anderen ehemaligen Staaten der UdSSR. Die Unabhängigkeit Belarus‘ war stärker durch externe Faktoren bedingt, als durch den Wunsch der politischen Führung nach staatlicher Souveränität. So war ihr bereits ein Jahr zuvor die Souveränitätserklärung vorausgegangen, die sich aber als faktisch bedeutungslos erwies. Es scheint, als ob die belarussische Regierung eine tatsächliche Unabhängigkeit von Moskau mit der Verabschiedung einer symbolischen Souveränitätserklärung verhindern wollte. Es wurden zwar wenige Reformen, wie die Abschaffung des Einparteiensystems, in die Wege geleitet, aber nicht aufgrund des Demokratiewillens der politischen Führung. Diese orientierte sich am eigenen Machterhalt und der Systemwandel wurde „auf dem niedrigstmöglichen Niveau antizipiert.“ Die Unterstützung des Putschversuchs gegen Gorbatschow durch die politische Führung ist bezeichnend. Die Exekutive lehnte Gorbatschows Reformpolitik entschieden ab und demonstrierte mit diesem Akt „[d]ie unbedingte Loyalität […] gegenüber den Reformverweigerern im Kreml“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Belarus‘ Weg zur Autokratie: Einführung in die historische Ausgangslage des belarussischen Staates nach 1994 und Skizzierung des Aufstiegs von Alexander Lukaschenko zum autokratischen Herrscher.
2. Transformationstheorie nach Mackow: Darlegung der theoretischen Pfeiler zur politischen und ökonomischen Transformation in postsozialistischen Staaten sowie die Bedeutung des politischen Willens der Eliten.
3. Ursachen für das Scheitern des Transformationsprozesses: Umfassende Analyse der Gründe für das Scheitern, unterteilt in Elitenverhalten, die Rolle der Regierung Kebitsch, die Oppositionsbewegung BNF sowie die wirtschaftlichen Defizite.
4. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage, in der das Scheitern primär auf den ausgebliebenen Elitenwechsel und den mangelnden Reformwillen der Regierenden zurückgeführt wird.
Schlüsselwörter
Belarus, Transformation, Systemwechsel, Postkommunismus, Elitenwechsel, Autokratie, Marktwirtschaft, Demokratisierung, Kebitsch, Schuschkewitsch, Volksfront, Planwirtschaft, Transformationsprozess, Politische Führung, Souveränität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den gescheiterten Demokratisierungsprozess in Belarus in der unmittelbaren Nachwendezeit zwischen 1989 und 1994.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Transformationstheorie nach Jerzy Maćków, dem Verhalten der politischen Eliten, dem Transformationsversuch zur Marktwirtschaft und der Rolle der Oppositionsbewegung BNF.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, warum der Transformationsprozess in Belarus scheiterte und wie die politischen Akteure diesen Prozess durch ihr Handeln beeinflussten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretisch geleitete Analyse durchgeführt, bei der die Transformationstheorie von Jerzy Maćków als Grundlage dient, um historische Ereignisse und politisches Handeln in Belarus einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Analyse des Elitenwechsels, dem agieren der Regierung Kebitsch und der Opposition unter Schuschkewitsch sowie der Verschleppung ökonomischer Reformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Transformation, Systemwechsel, Elitenwechsel, Autokratie und Marktwirtschaft geprägt.
Warum konnte sich das Parlament nicht als Gegengewicht zur Exekutive etablieren?
Das Parlament war durch eine Teilzeit-Struktur, mangelnde Professionalisierung und die Dominanz von Vertretern der alten Nomenklatura geprägt, die den Machterhalt der Exekutive unterstützten.
Welche Rolle spielte die Belarussische Nationalfront (BNF) beim Scheitern der Transformation?
Die BNF fokussierte sich zu stark auf kulturelle und nationalistische Themen, fand bei der sowjetnostalgischen Bevölkerung kaum Rückhalt und versäumte es, ein überzeugendes ökonomisches Reformprogramm anzubieten.
- Arbeit zitieren
- Julia Meidinger (Autor:in), 2016, Belarus' Weg zur Autokratie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463229