In dieser Arbeit wird der Blick auf das erfahrungsorientierte und informelle Lernen gelenkt und die Bedeutung des erweiterten Lernraumes Garten für Kinder aufzeigt. Ziel ist die Beschäftigung im Garten nicht nur als formales Lernsetting, sondern auch als informelles vermehrt in die pädagogische Praxis miteinzubeziehen.
Aus den vielen Überlegungen, wie sich das Interesse bei Kindern für Pflanzen und natürliche Kreisläufe, sowie eine Naturverbundenheit fördern lässt, ergibt sich folgende Forschungsfrage: Durch welche Erfahrungsmöglichkeiten wird ein Garten für Kinder zu einem informellen Lernraum? Die Arbeit besteht aus drei Teilen. Ausgegangen wird von einer Auseinandersetzung mit dem Haus- und Nutzgarten, sowie der Bedeutung von Biodiversität im Konzept der Permakultur. Der zweite Teil soll dem Thema Erfahrungen und dem Lernen durch Erfahrung gewidmet werden. Dieses informelle Lernen wird am Konzept der Reggio-Pädagogik veranschaulicht.
In einem dritten Abschnitt werden die beiden ersten Teile verzahnt. Dadurch ergeben sich Erfahrungsmöglichkeiten, durch die ein Haus- und Nutzgarten als informeller Lernraum beschrieben werden kann. Abschließend werden die Ergebnisse in Hinblick zur Forschungsfrage, sowie neu gewonnene Erkenntnisse diskutiert und reflektiert. Die Wahl der Methode fällt auf eine hermeneutische Theoriearbeit, wobei der Blick vor allem auf Kinder und auf eine alltagsorientierte Tätigkeit im Garten gerichtet wird. Die Ergebnisse könnten zu einem Anlegen eines Gartens als informellen Lernraum in pädagogischen Kontexten animieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Persönliches Interesse
1.2. Ziel der Arbeit und Fragestellung
1.3. Aufbau der Arbeit
2. Der Haus- und Nutzgarten
2.1. Herkunft des Begriffes und Geschichte
2.2. Biodiversität
2.3. Permakultur
2.4. Garten als Naturraum
3. Erfahrungslernen
3.1. Erfahrung
3.2. Lernen durch Erfahrung und informelles Lernen
3.3. Erfahrungslernen am Beispiel Reggio-Pädagogik
4. Der Garten als informeller Lernraum
4.1. Mensch und Natur
4.2. Vielfältige Sinneserfahrungen und Bewegungsmöglichkeiten
4.3. Vielfalt und das soziale Lernen
4.4. Erfahrung von Entspannung und Erholung
4.5. Gartenpädagogik und Ernährungsbewusstsein
5. Diskussion der Ergebnisse
6. Reflexion und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Bachelorarbeit untersucht, unter welchen Bedingungen ein Garten für Kinder als informeller Lernraum fungieren kann. Das zentrale Ziel ist es, das Gärtnern nicht nur als formales pädagogisches Angebot zu begreifen, sondern sein Potenzial für selbstgesteuerte, erfahrungsorientierte Bildungsprozesse zu erschließen und theoretisch zu fundieren.
- Die Bedeutung von Biodiversität und Permakultur als Lebensraum.
- Die pädagogische Relevanz des Lernens durch Erfahrung und informelles Lernen.
- Die Umsetzung von Raumkonzepten in der Reggio-Pädagogik.
- Die Auswirkungen des Naturraums Garten auf die physische und psychische Entwicklung.
- Die Verknüpfung von Gartenpädagogik und Ernährungsbewusstsein.
Auszug aus dem Buch
2.4. Garten als Naturraum
Der Begriff Raum ist in unserem Leben allgegenwärtig. In der Vielheit seiner Bedeutungen (Naturraum, Lebensraum, Spielraum, umbauter Raum, Wohnraum, Lernraum, Alpinraum, Schengenraum) wird ersichtlich, dass eine allgemeine Definition des Begriffes nicht möglich ist. „Raum ist weder auf geodätische Ortsbestimmungen begrenzt, noch auf relationale Lagebeziehungen im Raum, auch im Denken und Fühlen erschließt sich der Mensch Räume.“ (Hasse 2007, S. 15)
Hasse skizziert in seiner Raumtheorie sechs Raum-Begriffe:
Der mathematische Raum ist unserem alltäglichen und naturwissenschaftlichen Verständnis von Raum sehr nahe. Dieser Raum ist in der Welt durch Koordinaten eindeutig zuordenbar, zudem ist er präzise ermessbar. Dazu nennt Hasse auch den relational geordneten Raum. Als Beispiel hierfür nennt er das Wasser des Meeres, welches ein Volumen bildet, das sich jedoch durch Naturprozesse verändern kann. Auch wenn das Meer im biologischen Sinn einen Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen darstellt, so gilt er in diesem Sinne nicht als lebendiger Raum. Hier wir die Relationalität des mathematischen Raumbegriffes sichtbar. (Vgl. ebd., S. 18ff.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Autor erläutert sein persönliches Interesse an Naturprozessen und Architektur und formuliert die zentrale Fragestellung, wie ein Garten zum informellen Lernraum wird.
2. Der Haus- und Nutzgarten: Dieses Kapitel beleuchtet die Geschichte des Gartens und führt in Konzepte wie Biodiversität und Permakultur ein, um den Garten als erweiterten Lebensraum zu definieren.
3. Erfahrungslernen: Hier wird der Begriff der Erfahrung phänomenologisch hergeleitet und mit den Konzepten des informellen Lernens sowie der Reggio-Pädagogik verknüpft.
4. Der Garten als informeller Lernraum: Das Kernstück der Arbeit verzahnt die theoretischen Grundlagen mit fünf Themenbereichen, die den Garten als idealen Lernort für Kinder ausweisen.
5. Diskussion der Ergebnisse: Die Ergebnisse werden in Hinblick auf die Forschungsfrage reflektiert und das Potenzial des informellen Lernens im Garten pädagogisch eingeordnet.
6. Reflexion und Ausblick: Der Autor reflektiert methodische Herausforderungen und regt zukünftige Forschungsdesiderate sowie die praktische Integration von Nutzgärten in die Planung von Kindertagesstätten an.
Schlüsselwörter
Garten, informelles Lernen, Erfahrungslernen, Permakultur, Reggio-Pädagogik, Biodiversität, Naturraum, Gartenpädagogik, Kindheit, Bildungsraum, Selbstbildung, Naturerfahrung, Nachhaltigkeit, Lernort, Raumtheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie ein Garten als informeller Lernraum für Kinder genutzt werden kann und welche Faktoren dabei für ihre Entwicklung besonders bedeutsam sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Raumtheorie, dem Konzept der Permakultur, der Reggio-Pädagogik, der Bedeutung von Naturerfahrungen und der Gartenpädagogik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Potenzial des Gartens als informelles Lernsetting für Kinder aufzuzeigen und die pädagogische Praxis dazu zu animieren, Gärten stärker als Bildungsraum einzubeziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine hermeneutische Theoriearbeit, die aktuelle Forschungsliteratur und pädagogische Ansätze analysiert und zueinander in Bezug setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen zum Haus- und Nutzgarten sowie zum Erfahrungslernen erarbeitet und anschließend auf den Garten als informellen Lernraum übertragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Erfahrungslernen, informelles Lernen, Gartenpädagogik, Permakultur, Reggio-Pädagogik und Naturerfahrung.
Wie unterscheidet der Autor den "mathematischen Raum" vom "symbolischen Raum" nach Hasse?
Der mathematische Raum ist physisch berechenbar und koordiniert, während der symbolische Raum erst dadurch entsteht, dass der Mensch dem Ort durch sein Erleben und Handeln eine spezifische Bedeutung zuschreibt.
Warum spielt die Reggio-Pädagogik eine so wichtige Rolle in dieser Arbeit?
Die Reggio-Pädagogik betrachtet den Raum als "dritten Erzieher" und betont, dass Kinder durch selbstgesteuertes Forschen und den Umgang mit alltäglichen Materialien ihre eigene Welt konstruieren.
Welche Rolle spielt die "Langsamkeit" beim Lernen im Garten?
Die Natur arbeitet in Zyklen, die nicht beschleunigt werden können; diese Entschleunigung ist nach Ansicht des Autors essenziell für die Tiefe des Lernens und des Forschens.
Was ist das zentrale Ergebnis bezüglich der Gartenpädagogik?
Die Gartenpädagogik ist ein noch junges Feld, das vor allem im Kontext von Schulgärten erforscht wurde, aber als informelles Setting im privaten Garten großes, bisher zu wenig genutztes Potenzial birgt.
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- Tobias Wallnöfer (Author), 2019, Der Garten als informeller Lernraum. Welche Erfahrungsmöglichkeiten für Kinder bietet der Naturraum Garten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463505