Umwelt- und Tierethik im Christentum. Philosophische Tendenzen


Studienarbeit, 2018

24 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition von Umweltethik
2.1 Definition Tierethik
2.2 Das Christentum

3. Philosophische Analyse der Umweltethik in der Enzyklika „Laudato Si“
3.1 Philosophische Analyse der Tierethik in der Enzyklika

4. Tierethik im Mittelalter

5. Umweltethik im 19. Jahrhundert

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In dieser Hausarbeit habe ich das Thema Umweltethik und Tierethik im Christentum bearbeitet. Von besonderem Interesse waren für mich die Begründungen der unterschiedlichen Personen aus unterschiedlichen Zeiten, die ich in dieser Hausarbeit untersucht habe. Das Thema kam mir in den Sinn, bei Überlegungen, warum gerade die westlich christlich geprägte Welt, so einen großen Anteil an den Umweltproblemen der Welt hat. Außerdem, wie der christliche Glaube unser Selbstverständnis die Natur nach unserem Belieben und Verlangen zu nutzen, beeinflusst hat.

Ich habe hierbei nicht versucht ein allgemeines Abbild der christlichen Umweltethik in allen Zeiten und auf der ganzen Welt darzustellen, sondern versucht anhand von umfangreichen Quellen, wie der Enzyklika des aktuellen Papstes Franziskus, Muster sowie wiederkehrende Strukturen im christlichen Denken wieder zu finden. Der Fokus lag besonders auf der bereits erwähnten Enzyklika, da die aktuelle Position, der größten Kirchengemeinschaft der römisch- katholischen Kirche, repräsentiert durch den Papst, eine gewisse Bedeutung beigemessen werden kann.

Um mich aber nicht nur auf eine Quelle zu berufen, habe ich die Umweltethik im 19. Jahrhundert betrachtet, um einen besseren Eindruck von der christlichen Einstellung zur Natur zu bekommen.

Anschließend lag der Fokus mehr auf der Tierethik, welche ich zuerst in der Enzyklika untersucht habe. Hier habe ich versucht die Ansätze und Begründungen seines Denkens herauszuarbeiten. Um hiergegen noch einen Vergleich zu liefern habe ich mich noch mit der Tierethik im Mittelalter beschäftigt. Die Beschäftigung diente auch dazu, um zu erkennen, welche tierethischen Ansätze bereits im Mittelalter erkennbar waren und, ob sich eine Essenz der christlichen Tierethik erkennen lässt.

Die Ergebnisse meiner Forschung werde ich dann in einem Fazit zusammenfassen, welches meiner Meinung entspricht und versuchen zu einem sinnvollen und differenzierten Urteil zu kommen.

2 Definition von Umweltethik

Die Umweltethik ist ein Teilbereich der Ethik, welche sich mit dem normativ richtigen und moralisch verantwortungsvollen Umgang mit der nichtmenschlichen Natur beschäftigt.

Die Umweltethik lässt sich in mehrere Teilbereiche differenzieren, zum einen philosophisch- ethischen, der politisch – rechtlichen Ebene sowie der praktischen Einzelarbeit.

(vgl. Wikipedia)1 In der Umweltethik geht es in moralischer Hinsicht um Verhalten, sowohl von Personen, wie auch von Unternehmen gegenüber natürlichen Dingen sowie dem Verbrauch von natürlichen Ressourcen. (vgl. Wikipedia)[2 ] Die Umweltethik kann in verschiedene Unterdisziplinen unterschieden werden. Eine bedeutende Unterdisziplin ist die Tierethik, welche sich mit dem moralisch verantwortungsvollen Umgang mit Tieren befasst.

Ein anderer Bereich ist die Naturethik, welche sich mit dem Umgang mit biologischen Einheiten, wie etwa Arten, Biotopen und Ökosystemen beschäftigt. Der letzte zu nennende Bereich ist die Umweltethik im engeren Sinn, die sich mit dem Umgang mit natürlichen Ressourcen und Umweltmedien, wie etwa Wasser, Boden und genetische Vielfalt beschäftigt. (vgl. Wikipedia)[2 ]

Zentrale Frage der Umweltethik ist es, welche Dinge bzw. Lebewesen ein Recht oder einen Wert im moralischen Sinne besitzen, welche also um ihrer selbst willen erhaltenswert sind. Darüber gibt es unterschiedliche Vorstellungen, die zwei sich gegenüberstehenden Grundpositionen sind der Anthropozentrismus und der Physiozentrismus. Beim Anthropozentrismus ist lediglich der Mensch als Wesen relevant, die Natur ist nur so weit von Bedeutung, wie sie auch eine Bedeutung für den Menschen besitzt, er berücksichtigt hierbei auch die Interessen zukünftiger Generationen gegenüber der Natur.

Beim Anthropozentrismus gibt es noch die Unterkategorie der Anthroporelationale Schutzethik, diese zeichnet sich aus durch bestimmen und erweitern von Schutznormen durch zuerkennen von Rechten an die Natur und die gesteuerte Beschränkung menschlichen Handelns. (vgl. Lienemann 2005/06 Seite 7 Punkt 3.32 )

Der Physiozentrismus geht davon aus, dass die Natur von sich aus einen Eigenwert besitzt, unabhängig vom Menschen. Hierbei gibt es ebenfalls noch Unterscheidungsmöglichkeiten innerhalb des Physiozentrismus. (Begriffsspeicher; Glossar)3

Hier zu nennen ist der Pathozentrismus, welcher allen empfindungsfähigen Lebewesen einen moralischen Eigenwert zuspricht. (vgl. Begriffsspeicher; Glossar)[4 ] Das Pathozentrische Prinzip bedeutet, dass eine Handlung moralisch richtig ist, wenn das Leiden aller betroffenen leidensfähigen Geschöpfe berücksichtigt wird. (vgl. Begriffsspeicher; Glossar)[4 ]

Außerdem gibt es noch die Position des Biozentrismus, bei dem alle Lebewesen einen vollkommen eigenständigen moralischen Wert besitzen. (vgl. Begriffsspeicher; Glossar)[4 ] Der Biozentrismus geht also noch einen Schritt weiter als der Pathozentrismus. Hier stehen die Lebewesen aller Art im Zentrum nicht nur Leidensfähige. Das biozentrische Prinzip besagt, dass eine Handlung moralisch richtig ist, wenn sie allen Lebendigen Achtung entgegenbringt.

Eine weiter Form des Biozentrismus ist das theologische Argument, wobei die Natur als ganzes die zu bewahrende Schöpfung Gottes darstellt. (vgl. Begriffsspeicher; Glossar)[4 ]

2.1 Definition Tierethik

Ein Bereich der Umweltethik auf den ich noch einmal genauer eingehen werde ist die Tierethik. In der Tierethik sind die verschiedenen Denkansätze, der Anthropozentrismus sowie der Physiozentrismus, jeweils erkennbar.

Es stehen meist Fragen der Legitimität der Nutzung von Tieren im Vordergrund. Die Tierethik kann verschiedenen Positionen vertreten, z.B. dass Tiere keinen Eigenwert an sich besitzen, dass nur leidensfähige Tiere eine moralische Berücksichtigung verdienen oder dass alle Tiere an sich einen Eigenwert besitzen. (vgl. vgl. Wirtschaftslexikon. Gabler)4

Die Ethik bleibt natürlich stets anthroporelational, also von dem Menschen für die Menschen gemacht). (vgl. Wikipedia Tierethik)5

2.2 Das Christentum

In dieser Hausarbeit soll es vor allem darum gehen welche Positionen das „Christentum“ bei diesen philosophischen Fragen einnimmt, wobei noch erläutert wird was hier unter dem Christentum gemeint ist.

Das Christentum als solches bezeichnet eine Weltreligion, welche aus dem Judentum hervorging und zurzeit etwa 2,3 Milliarden Anhänger hat, welche als Christenheit bezeichnet wird. (vgl. Religion.orf.at)6 In der Geschichte gab es zwei große Spaltungen des Christentums, die erste im Jahre 1054. Sie teilten sich, in die römisch- katholische und die griechische Ostkirche auch orthodoxe Kirche genannt, auf. (vgl. religion.orf.at) [7 ]

Die zweite große Spaltung fand um das Jahr 1517 statt, sie wird auch Reformation genannt.

Durch diese Spaltungsvorgänge gibt es diverse unterschiedliche Strömungen und Ausrichtungen auf der ganzen Welt.

In dieser Hausarbeit soll es vor allem um die Position der römisch- katholischen Kirche gehen. Als Beispiel für eine aktuelle Meinung der römisch-katholischen Kirche habe ich die Enzyklika des Papstes Franziskus aus dem Jahre 2015 ausgewählt.

Für die anderen Meinungen zur Umweltethik und Tierethik werde ich in der Zeit zurück gehen und Denker sowie Theologen aus dem Mittelalter, sowie aus dem 19. Jahrhundert analysieren.

3. Philosophische Analyse der Umweltethik in der Enzyklika „Laudato Si“

Als erstes möchte ich meinen Fokus auf die Umweltethik des aktuellen Papstes legen, der mit der 2015 veröffentlichten Enzyklika zu ökologischen, sozialen Themen und anderen Stellung bezieht.

Im Folgenden werde ich anhand dieses Textes verschiedene Thesen zur Umweltethik herausarbeiten, mit einem Fokus auf die biblische Fundierung dieser Thesen.

Über Papst Franziskus lässt sich sagen, dass die Fragen der Ökologie für ihn von großer Bedeutung sind, welches er bereits durch seine Namenswahl deutlich machte. Denn er nannte sich nach dem heiligen Franz von Assisi, welcher der Schutzpatron der Tiere und des Naturschutzes ist.“ (vgl. Wikipedia)7

Franz von Assisi (1181 oder 1182 bis 3.10.1226) zeichnete sich ebenfalls durch ein Leben in Bescheidenheit und Armut aus, er wurde im Jahr 1228 heiliggesprochen. (vgl. Kathpedia)8

Der Text beginnt mit mahnenden Worten über den Umgang mit der Natur und der Umwelt: “Wir sind in dem Gedanken aufgewachsen, dass wir ihre Eigentümer und Herrscher seien, berechtigt, sie auszuplündern.“ (Franziskus „Laudato Si“ Abschnitt 2 Zeile 3-4)

In diesem Satz wird bereits verdeutlicht, dass er den Menschen nicht als Eigentümer der Welt sieht und hiermit den gegenwärtigen Umgang mit der Natur in Frage stellt. Entscheidend hierbei ist auch die Verwendung des Wortes „berechtigt“, womit er die Legitimation, die Natur auszubeuten hinterfragt.

Im Folgenden geht er darauf ein, dass bereits Papst Paul der VI. sich zur ökologischen Problematik geäußert hat, und dieser stellte die These auf, das Wirtschaftswachstum, wenn nicht von sozialem und moralischem Fortschritt begleitet sei, sich letztlich gegen den Menschen wende. (vgl. Abschnitt 4 Zeile 9-13) Franziskus möchte mit diesem Absatz zeigen, dass die ökologische Problematik schon länger von der Kirche beachtet wird. Sowie ebenfalls eine Kritik am gegenwärtigen Wirtschaftssystem übt, was schließlich vor allem auf Wachstum ausgerichtet ist. (vgl. Matthias Schmelzer Postwachstum Krise9 )

Eine andere Textstelle hieraus: „Infolge einer rücksichtslosen Ausbeutung der Natur läuft er Gefahr, sie zu zerstören und selbst Opfer dieser Zerstörung zu werden.“ (Franziskus Abschnitt 4 Zeile 3-5) An dieser Aussage wird eine Anthropozentrik des Denkens deutlich, welche zuerst einmal nicht auf die Folgen für die anderen Lebewesen der Erde eingeht, sondern nur aus den ökologischen Problemen erwachsene Probleme für die Menschheit selbst. Nach diesem Verständnis ist Naturschutz nur nötig, um Leid von Menschen abzuwenden und nicht wegen den Problemen, die das menschliche Handeln für andere Lebewesen verursacht.

Franziskus macht deutlich, dass das Schützen der Natur, die Gerechtigkeit gegenüber den sozial Schwachen, engagieren für die Gesellschaft und der Innere Frieden untrennbar verbunden sind. (vgl. Franziskus Abschnitt 10 Zeile 13-15) Nach diesem Verständnis steht die Sorge um die Natur nicht allein, sondern ist stets verbunden mit sozialen Fragen und auch immer mit der eigenen Moral.

Diese Einstellung macht er an weiteren Stellen noch deutlicher. Er bezieht sich auf Franz von Assisi, welchen er als eine Art Vorbild in diesem Sinne bezeichnet. Die hier verbundenen Themen zeigen, dass es nie nur um die Natur geht, sondern dass der Mensch stets zentral einzubeziehen sei. (vgl. Franziskus Abschnitt 10 Zeile 7-10)

Im nächsten Absatz erklärt er seine Definition von einer ganzheitlichen Ökologie, welche über die rationalen Wissenschaften hinausgeht und nicht weniger fordert, als die Tiere und Pflanzen zu lieben, und sich ihrer Schönheit bewusst werden. (vgl. Franziskus Abschnitt 11 Zeile 2-6)10

Der Ansatz von Franz von Assisi geht in diesem Punkt weg von der bisher gezeigten Anthropozentrik. So sollen Beispielsweise die Tiere geliebt werden, ohne jeglichen Nutzen, nur wegen ihrer selbst willen. (vgl. Franziskus Abschnitt 11 Zeile 13-15)

Laut Franziskus sollten das Bewundern und das Staunen, sowie die Sprache der Brüderlichkeit in den Vordergrund mit unserem Umgang mit der Natur stehen. Er stellt diese Betrachtung in Gegenüberstellung zu einem herrschenden Anspruch und einem Verständnis der Natur, was nur auf ihre Ausbeutung abzielt. (vgl. Franziskus Abschnitt 11 Zeile 20-2311 )

In diesem Kapitel weicht er erneut vom starken Anthropozentrismus ab, aus dem Glauben, dass alle Lebewesen ihren Ursprung in Gott haben, erwächst eine Zuneigung für die Lebewesen der Erde, welche allein mit ihrem Ursprung gerechtfertigt ist. (vgl. Franziskus Abschnitt 11 Zeile 13-15) Aus dieser Zuneigung oder Verbundenheit erwächst aber keine Nichtnutzung der Natur, sondern eine Genügsamkeit und Fürsorge für diese.

Besondere Aufmerksamkeit möchte ich hier dem Wort Genügsamkeit widmen, welches in erster Linie Bescheidenheit und auch Abstinenz bedeutet. (vgl. Franziskus Abschnitt 11 Zeile 23-24) Aus dem genügsamen Umgang mit der Natur folgt zwangsläufig eine Änderung im Konsum von Gütern, welche in der westlichen Welt, im Überfluss zur Verfügung stehen und auch verbraucht werden. (vgl. Oliver Stengel Vorlesung Grundlagen Nachhaltiger Entwicklung)

Papst Franziskus erkennt in Franz von Assisis Handeln mehr als nur Askese, nämlich einen Verzicht die Wirklichkeit in einen bloßen Gebrauchsgegenstand und ein Objekt der Herrschaft zu verwandeln. (vgl. Franziskus Abschnitt 11 Zeile 27-28)

Somit ging Franz von Assisi sehr weit weg vom Anthropozentrismus und dem Anspruch alles sei nur für den Menschen da. Er stellt hier die generelle Herrschaft der Menschen über die Welt teilweise in Frage.

[...]


1 https://de.wikipedia.org/wiki/Umweltethik

2 http://www.ikaoe.unibe.ch/veranstaltungen/ss06/Umweltethik_Einfuehrung_WL.pdf

3 Begriffsspeicher; Glossar (2016) https://lehrerfortbildung-bw.de/u_gewi/ethik/gym/bp2004/fb3/4_glossar/

4 https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/tierethik-54000

5 Wikipedia 2018b https://de.wikipedia.org/wiki/Tierethik

6 Religion.orf.at https://religion.orf.at/lexikon/stories/christentum/

7 Wikipedia 2018a https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_von_Assisi

8 Kathpedia http://www.kathpedia.com/index.php/Franz_von_Assisi

9 Schmelzer und Passadakis (2011) https://www.boeckler.de/wsimit_2014_01_buchbesprechung_heuwinkel.pdf

10 Enzyklika „Laudato Si“ 2015 Franziskus https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2015/2015-06-18-Enzyklika-Laudato-si-DE.pdf

11 Enzyklika Laudato Si 2015 Franziskus https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2015/2015-06-18-Enzyklika-Laudato-si-DE.pdf

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Details

Titel
Umwelt- und Tierethik im Christentum. Philosophische Tendenzen
Autor
Jahr
2018
Seiten
24
Katalognummer
V463554
ISBN (eBook)
9783668906969
ISBN (Buch)
9783668906976
Sprache
Deutsch
Schlagworte
umwelt-, tierethik, christentum, philosophische, tendenzen
Arbeit zitieren
Jonas Opalla (Autor:in), 2018, Umwelt- und Tierethik im Christentum. Philosophische Tendenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463554

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