Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem geschichtlichen Lernen im Sachunterricht der Grundschule durch Quellenarbeit. Dabei soll eine grundlegende Betrachtung den Stellenwert und die Wichtigkeit dieses Unterrichts, sowie eines "richtigen" Zeitverständnisses herausstellen.
Das historische Lernen im Sachunterricht der Grundschule hat in Deutschland eine lange Tradition, obwohl es manchen Kindern, besonders den jüngeren in den ersten beiden Klassenstufen, möglicherweise Schwierigkeiten bereitet. Dies kann zurückgeführt werden auf ein nicht vorhandenes beziehungsweise nicht ausreichend ausgeprägtes Verständnis des Zeitbegriffs. Das Lehren von Geschichte ist seit bereits langer Zeit umstritten, da dessen Sinnhaftigkeit fehlt, wenn Kinder noch keine zeitliche Einordnung vornehmen können. Neuere Ansätze und Erkenntnisse hingegen zeigen, dass das Lehren von Geschichte in der Grundschule von großer Wichtigkeit ist und dieses sogar bereits vor dem Eintritt in die Grundschule erfolgen sollte, damit neben des inhaltlichen geschichtlichen Verständnisses zugleich das Zeitverständnis von Kindern frühzeitig gefördert und eine fundierte Bildung von Geschichte in der Grundschule sowie in der weiterführenden Schule verbessert würde.
Zu Beginn der Arbeit werden die wichtigsten Zielsetzungen des historischen Sachunterrichts dargelegt. Dabei wird neben der Entwicklung und der Förderung von Kompetenzen auch auf die Rolle des Unterrichts für den weiterführenden Geschichtsunterricht nach der Grundschule eingegangen. Darauf aufbauend werden verschiedene Quellen für den historischen Sachunterricht näher betrachtet und teilweise bewertet. Dazu werden schriftliche, visuelle und gegenständliche Quellen im Detail erläutert und jeweils eingeordnet. Im Anschluss daran erfolgt eine Auseinandersetzung mit dem "Zeitbegriff". Die Wichtigkeit der Vermittlung des richtigen Verständnisses von Zeit, um historische Zusammenhänge zu verstehen und ein Geschichtsbewusstsein zu entwickeln, wird in Bezug auf Kinder im Grundschulalter hervorgehoben und behandelt.
Im Fazit werden die wichtigsten Inhalte sowie eine Bewertung von historischem Sachunterricht in der Grundschule zusammengestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zielsetzung des historischen Sachunterrichts
3. Quellenarbeit im historischen Sachunterricht
3.1 Schriftliche Quellen
3.2 Visuelle Quellen
3.3 Gegenständliche Quellen
4. Der Zeitbegriff
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Stellenwert des historischen Lernens im Sachunterricht der Grundschule und zeigt auf, wie durch den gezielten Einsatz verschiedener Quellenarten sowie die Vermittlung eines fundierten Zeitverständnisses ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein bei Kindern angebahnt werden kann.
- Bedeutung des historischen Lernens in der Grundschule
- Kompetenzorientierung im historischen Sachunterricht
- Systematisierung und didaktische Einordnung von Quellen (schriftlich, visuell, gegenständlich)
- Entwicklung und Bedeutung des Zeitbegriffs für Kinder
- Förderung von historischem Denken und kritischer Reflexion
Auszug aus dem Buch
3.3 Gegenständliche Quellen
Neben schriftlichen und visuellen Quellen bilden gegenständliche Quellen (Sachquellen) einen weiteren großen Bereich historischer Zeugnisse. Sie stellen alle überlieferten Überreste der materiellen Kultur dar (vgl. Stadtmüller 2004, S. 443). Zu den Sachquellen gehören unzählige Gegenstände wie beispielsweise: Werkzeuge, Maschinen, Instrumente, Geräte, Waffen, Spielzeug, Einrichtungsgegenstände (Möbel, Lampen), Kleidung, Schmuck, Wappen, Grenzsteine, Grabsteine, Denkmäler, körperliche Überreste, Baulichkeiten (Häuser, Verkehrswege, Befestigungsanlagen), Geld, Abzeichen (ebd., S. 442)
Anders als Text- und Bildquellen, sind Sachquellen nicht perspektivisch durch einen bestimmten historischen Standpunkt geprägt. Durch die reine Objekthaftigkeit gilt die Sachquelle als neutral und besitzt dadurch einen hohen Grad an historischer Authentizität. Bezogen auf das historische Lernen sind die vollkommene Anschaulichkeit und Explizität wichtige Merkmale von Sachquellen. Sie ergeben sich aus den natürlichen Größen und Dreidimensionalitäten von Gegenständen. Sachquellen sprechen somit nicht nur die optische, sondern auch die haptische Wahrnehmungsebene an. Die Arbeit mit Sachquellen im Unterricht wird dadurch dem sinnlich-ganzheitlichen und anschaulichen Lernen gerecht. Wenn man sich im Sachunterricht bzw. im Geschichtsunterricht mit Sachquellen auseinandersetzt, müssen die sinnlichen Wahrnehmungen erst in Sprache übersetzt werden. Nur auf der Ebene der Sprache ist eine deutende und einordnende Beschäftigung mit Sachquellen möglich (vgl. ebd., S. 443f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz des historischen Lernens in der Grundschule und betont die Notwendigkeit, bereits frühzeitig ein grundlegendes Zeitverständnis sowie Kompetenzen im Umgang mit Quellen zu fördern.
2. Zielsetzung des historischen Sachunterrichts: Dieses Kapitel erläutert die kompetenzorientierten Ziele, wobei die Förderung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins und die Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Vordergrund stehen.
3. Quellenarbeit im historischen Sachunterricht: Es wird die zentrale Rolle von Quellen als Unterrichtsmedium dargelegt, um Geschichte anhand von Zeugnissen und Relikten konstruieren und kritisch hinterfragen zu können.
3.1 Schriftliche Quellen: Dieser Abschnitt klassifiziert schriftliche Quellen und diskutiert deren Bedeutung sowie die Herausforderungen beim Einsatz im Grundschulunterricht aufgrund von Sprachkompetenz und Vorkenntnissen.
3.2 Visuelle Quellen: Das Kapitel thematisiert Bilder als eigenständige, jedoch perspektivische und interessengeleitete Quellenarten, die einer kritischen Interpretation bedürfen.
3.3 Gegenständliche Quellen: Hier werden Sachquellen als authentische, haptisch erfahrbare Zeugnisse der materiellen Kultur hervorgehoben, die durch ihre Anschaulichkeit besonders motivierend auf Kinder wirken.
4. Der Zeitbegriff: Dieses Kapitel beleuchtet die Unterscheidung zwischen zyklischer und linearer Zeit und plädiert für eine frühzeitige Verschränkung von Zeitverständnis und historischem Lernen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung des historischen Lernens im Sachunterricht zusammen und betont, dass aktives, handelndes Lernen mit Quellen wesentlich zur Ausbildung eines Historizitätsbewusstseins beiträgt.
Schlüsselwörter
Historisches Lernen, Sachunterricht, Grundschule, Quellenarbeit, Geschichtsbewusstsein, Zeitbegriff, Schriftliche Quellen, Visuelle Quellen, Gegenständliche Quellen, Historische Kompetenz, Sachquellen, Historizitätsbewusstsein, Didaktik, Quellenkritik, Narrative Kompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der didaktischen Bedeutung und der methodischen Umsetzung des historischen Lernens im Sachunterricht der Grundschule durch die Arbeit mit Quellen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Zielsetzung des historischen Sachunterrichts, die Kategorisierung und Analyse historischer Quellen sowie die grundlegende Entwicklung des Zeitbegriffs bei Kindern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch eine fundierte Quellenarbeit und die Förderung eines Zeitverständnisses ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein bei Grundschülern aufgebaut werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Aufarbeitung fachdidaktischer Literatur und Konzepte zur Geschichtsdidaktik, um Kriterien für den historischen Sachunterricht abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Kompetenzziele des Unterrichts, die detaillierte Betrachtung von schriftlichen, visuellen und gegenständlichen Quellen sowie eine Auseinandersetzung mit der Bedeutung des Zeitverständnisses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Historisches Lernen, Quellenarbeit, Geschichtsbewusstsein, Sachquellen, Zeitbegriff und Quellenkritik.
Warum wird betont, dass auch junge Grundschüler historisch lernen sollten?
Die Autorin argumentiert, dass eine frühzeitige Förderung des Geschichts- und Zeitverständnisses wesentlich für die Bildung eines Realitätsbewusstseins ist und die Kinder befähigt, die Gegenwart als von der Vergangenheit geprägt zu begreifen.
Welchen Stellenwert haben gegenständliche Quellen gegenüber Textquellen?
Gegenständliche Quellen (Sachquellen) werden als besonders wertvoll für die Grundschule hervorgehoben, da sie durch ihre materielle Authentizität und ihre haptische Ebene natürlicher und lebensnäher wirken und den Forscherdrang der Kinder stärker anregen als reine Textquellen.
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- Jennifer Fleck (Author), 2018, Quellenarbeit im historischen Sachunterricht der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463619