Stadtstrukturen in Kanada und den USA im Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
38 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. US-amerikanische Stadtstrukturen (Grundriss, Aufriss)
2.1 Modelle der US-amerikanischen Stadt
2.1.1 „Modell der Viertelsbildung amerikanischer Städte“ (Holzner, 1972)
2.1.2 „Muster der US-amerikanischen Stadt“ (Hahn, 1991)
2.1.3 „Modell Stadtland USA“ (Holzner, 1990, verändert 1996)

3. Kanadische Stadtstrukturen
3.1 „Modell der kanadischen Stadt“ (Murdie, 1969)

4. Vergleich der Stadtstrukturen in beiden Ländern

5. Der Städtevergleich am Beispiel Seattle / Vancouver

6. Fazit - Konvergenz oder Divergenz zwischen kanadischer und us-amerikanischer Stadt?

7. Literatur und Quellennachweise

1. Einleitung

In der Literatur wird oftmals von „der nordamerikanischen Stadt“ gesprochen. Dabei wird zumeist völlig außer acht gelassen, daß in Nordamerika neben den us-amerikanischen Städten auch in Kanada Agglomerationen existieren, die sich bezüglich der Struktur sowie weiterer Merkmale deutlich von den us-amerikanischen Städten abheben.

Dieses Referat soll somit zeigen, daß es falsch ist, den generalisierten Begriff „die nordamerikanische Stadt“ zu verwenden, da sich die Städte in den USA und in Kanada sowohl in physiognomischer Hinsicht, aber auch in bezug auf die Planung der beiden Staaten wesentlich unterscheiden.

Um die Unterschiede in den beiden Ländern darzustellen, wird in dieser Arbeit zunächst versucht, die Strukturen in beiden Ländern darzustellen. Hierbei sollen zu Beginn generelle Strukturmerkmale verdeutlicht werden, um im Anschluß daran verschiedene vorhandene Modelle der us-amerikanischen Stadt und der kanadischen Stadt zu referieren.

Auf die einleitende Darstellung der Merkmale der Städte beider Länder aufbauend, sollen anschließend vergleichend die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Stadtstrukturen in beiden Ländern herausgestellt werden. Beispielhaft soll dies dann am Vergleich der Städte Seattle und Vancouver verdeutlicht werden.

Zum Abschluß wird in dieser Arbeit die Frage aufgeworfen, ob die zukünftige Entwicklung der Städte in Kanada und den USA zu einer Annäherung oder Entfernung der Strukturen in beiden Ländern führen wird. Die Frage nach Konvergenz oder Divergenz der Stadtentwicklung soll dabei auch behandeln, in wie weit der staatliche Einfluß in die Planung der Städte in beiden Ländern vorhanden oder auch nicht vorhanden ist.

2. US-amerikanische Stadtstrukturen

Charakteristisches Merkmal der us-amerikanischen Städte ist zunächst einmal das sehr hohe flächenmäßige Ausmaß und damit verbunden eine relativ niedrige Intensität der Flächennutzung in den Städten, aber mit einem weiten Umland mit einer sehr großen Zahl von Vororten (suburbs). Ebenfalls typisch ist die typische Hochhausbebauung („skyscraper“) in den Großstädten, sowohl in den Innenstadt-Kernen (CBD) als auch in den außerhalb liegenden „edge cities“, den außenstädtischen Zentren, die Hofmeister (1996) als „erste eigenständige Leistung der amerikanischen Architektur“ bezeichnet.

Abb. 1: Die Flächenentwicklung in L.A., aus DIERCKE-Atlas (1996)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Der Unterschied zwischen Downtown und Suburbs, Bsp. Milwaukee aus Holzner (1996)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Städte der Vereinigten Staaten von Amerika sind häufig geprägt durch ein einheitliches Grundschema. Sie sind durch einen schachbrettartigen, in einigen Fällen auch fächer- oder speichenförmigen Grundriss gekennzeichnet, durch den sich die Städte von der Struktur her sehr ähneln. Typisches Merkmal der us-amerikanischen Städte ist somit ein orthogonales Bausystem, das sich in einem rechteckigen Straßennetz sowie in Form von quadratischen oder rechteckigen Baublöcken ausdrückt. Beim fächer- oder speichenartigen Grundriss wurde dagegen mit einer Kombination von Schachbrettstruktur und Diagonalverbindungen gearbeitet.

Der Ursprung für diesen Grundriss ist im „Hippodamischen Schema“ der Antike begründet, das erstmals beim Wiederaufbau der Stadt Milet ein rechteckiges Schema für Straßen und Baublöcke verwandt wurde. Dieses Schema diente als Vorlage für die Planung in den meisten Arealen der heutigen USA; es wurde sowohl von den Spaniern im Südosten der USA (Kalifornien, New Mexiko usw.) als auch von den Franzosen (im Süden, entlang des Mississippi und in Kanada) sowie teilweise auch vom Britischen Empire im Nordosten der Vereinigten Staaten zur Planung von Städten verwendet.

Abb. 3: Ein Beispiel für die Schachbrettstruktur, St. Louis 1966, aus Hofmeister (1971)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Forciert und fortgesetzt wurde dieses Schema auch in den weiteren Planungen nach Entstehen der USA (Unabhängigkeit 1776) ab 1785, da als Grundmaß für die Landvermessung die Quadratmeile verwandt wurde. Zu bebauendes Land wurde in sogenannte „sections“ eingeteilt und somit jede Quadratmeile in 12 Baublöcke mit jeweils 100 Metern Seitenlänge aufgeteilt.

Abb. 4: aus Hofmeister, B (1971)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dennoch wurde nicht strikt an einem starren Schema (sei es schachbrett-, fächer- oder speichenartig) festgehalten, da eine Anlagerung der Städte an Verkehrslinien oder naturräumliche Trennlinien (Flüsse, Seen o.ä.) eine Anpassung des Systems an die bestehenden Gegebenheiten notwendig machte.

Abb. 4: Speichenstruktur des Stadt-Grundrisses, Washington D.C., aus Hofmeister (1971)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch sind heute die Baublöcke nicht mehr in sich geschlossene Systeme, sondern zumeist durch sogenannte „alleys“ zerschnitten, also kleinere Straßen, die die Baublöcke durchtrennen. Diese alleys haben jedoch eine wichtige Funktion in den amerikanischen Großstädten, da sie heute vor allem zur Versorgung der Einwohner genutzt werden. Dies bedeutet, daß sowohl die Versorgung mit Gas, Wasser, Strom oberirdisch in diesen hinteren Straßen verläuft als auch die Müllentsorgung in diesen Bereichen vonstatten geht. Dies bedeutet für die Hauptverkehrswege eine deutliche Entlastung, zum einen durch die geringere Zahl der notwendigen Bauarbeiten (einfachere und kostengünstigere Reparatur der oberirdischen Leitungen) als auch durch das geringere Verkehrsaufkommen und die Behinderung durch Ver- und Entsorgung.

Verkehrsstruktur:

Die in den meisten Städten vorhandene Schachbrettstruktur mit dem orthogonalen Straßennetz bringt in der heutigen Praxis große Verkehrsprobleme für die amerikanischen Städte, die diese zumeist dadurch gelöst haben, daß ein Großteil der Straßen als Einbahnstraßen ausgewiesen wurden, um den Verkehr einigermaßen leiten zu können.

Weiterhin ergibt sich auch das Problem des ruhenden Verkehrs. Da in den USA der Individualverkehr eine sehr große Bedeutung hat und da die Städte eine im Verhältnis sehr große Gesamtfläche aufweisen, besteht im Innenstadtbereich ein großer Bedarf für Parkmöglichkeiten. Teilweise ergibt sich aktuell ein Bedarf von einem bis zwei Dritteln der Gesamtfläche, der für Abstellmöglichkeiten des Individualverkehrs genutzt wird. Diese Flächen sind vor allem im Bereich der „zone in transition“ zu finden, und durch die Sanierung von Flächen entstanden (Neunutzung alter Industrieareale o.ä.), in denen also auch vorher keine hochwertige Nutzung stattfand (daher auch der hier verwandte Begriff „slum clearance“).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aufriss:

Die oben genannten Verkehrsprobleme, verursacht durch den hohen Grad an Individualverkehr, sind in den Innenstädten vor allem auch durch die massive Hochhausbebauung ausgelöst und verstärkt. Durch die enorme Vielzahl von Arbeitsplätzen auf relativ engem Raum (Büroarbeitsplätze sowie die Arbeitsplätze in den dazugehörigen Infrastruktur- und Versorgungs-Branchen) ergibt sich ein enormer Zustrom von Beschäftigten, v.a. in den Stoßzeiten der Hauptarbeitszeit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Neben der Hochhausbebauung ist in den us-amerikanischen Innenstädten vor allem auch das Einfamilienhaus dominantes Merkmal der Bebauung, sowohl in den innerstädtischen Wohngebieten als auch in den Vororten (suburbs).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein wesentliches weiteres Merkmal der heutigen Stadtstrukturen in den USA ist der Bedeutungsverlust der Innenstädte, v.a. des CBD. Im Zuge des bekannten, die Stadtentwicklung prägenden Faktors der „Suburbanisierung“ ergab sich im Laufe der Zeit eine Dezentralisierung des Dienstleistungssektors und somit eine Abwanderung der Büroarbeitsplätze sowie des Groß- und Einzelhandels.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Begünstigt und vorangetrieben wurde diese Abwanderung im Zuge der Suburbani-sierung sicherlich durch das Entstehen neuer außenstädtischer Zentren, den sogenannten „edge cities“, in denen sich neben neuen „shopping centers“ oder „malls“ auch Bürokomplexe und große Bereiche des Großhandels ansiedelten.

Die Überalterung der Bausubstanz in den innenstädtischen Wohngebieten und damit das Abwandern der hohen Einkommensschichten in die Außenbereiche der Städte (Wohnsuburbanisierung) ist natürlich ebenfalls ein Faktor dafür, daß die Nachfrage nach Gütern des Groß- und Einzelhandels nachließ und somit das ein Festhalten am CBD-Standort immer unattraktiver für die einzelnen Firmen wurde. Auch die traditionell in der „zone in transition“ angesiedelte Industrie wurde zunehmend von der Suburbanisierung mit erfasst und in Außenstadt-Bereiche umgelagert (in sogenannte „industrial parks“ usw.). Somit sind sowohl die Wohnbevölkerung als auch die Beschäftigungsstruktur im Industrie- und im Dienstleistungsbereich von der Suburbanisierung geprägt. Letztlich tragen also all diese Faktoren zum Bedeutungsverlust der us-amerikanischen Innenstädte bei, was in der Literatur durch den Begriff „blight“ ausgedrückt wird. Unterschieden wird der „blight“-Begriff noch in die Unterkategorien „residential blight“, was die Degradierung alter einkommensstarker Wohngebiete ausdrückt, „industrial blight“, welcher den starken Leerstand und Verfall alter Industriebereiche kennzeichnet und „commercial blight“, welcher wiederum den Bedeutungsverlust alter Geschäftsstraßen und –bereiche

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ghettobildung und Verslumung („residential blight“)

[...]

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Stadtstrukturen in Kanada und den USA im Vergleich
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Fachbereich Geographie)
Veranstaltung
Sozialräumliche und ökonomische Fragmentierung in Großstädten
Note
1
Autor
Jahr
2002
Seiten
38
Katalognummer
V46368
ISBN (eBook)
9783638435734
ISBN (Buch)
9783638933254
Dateigröße
4445 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stadtstrukturen, Kanada, Vergleich, Sozialräumliche, Fragmentierung, Großstädten
Arbeit zitieren
Timo Cyriax (Autor), 2002, Stadtstrukturen in Kanada und den USA im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46368

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