Gottfried Feder und sein Einfluss auf das Wirtschaftsprogramm der NSDAP


Hausarbeit, 2005

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gottfried Feder

3. Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft d. Geldes

4. Das Staats und Wirtschaftsprogramm der NSDAP

5. Der deutsche Staat auf nationaler und sozialer Grundlage

6. Die Geldschöpfung über die Bau- und Wirtschaftsbank

7. Die produktive Kreditschöpfung

8. Nach der Machtübernahme

9. Fazit

10. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Mit dem Staats- und Wirtschaftsprogramm stellte sich die NSDAP programmatisch in den Jahren 1924 - 1930 auf.[1] Trotz des recht allgemein gehaltenen Wirtschaftsteiles ist dieser doch bis zum Jahr 1930 die einzige wirtschaftspolitische Programmatik in der NSDAP.

Der Kern des Wirtschaftsprogrammes geht auf die von Gottfried Feder verfasste Kampfschrift „das Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft des Geldes“ zurück. Als Verfasser des Programmes gelten aber Anton Drexler und Adolf Hitler.[2]

Durch die unbestimmte Art und Weise hatte dieses zum einem einen recht hohen propagandistischen Wert, welcher sich in den von Gottfried Feder benutzten Schlagworten "Gemeinnutz vor Eigennutz", "Brechung der Zinsknechtschaft", "Kampf gegen die (jüdische) Hochfinanz“ zusammenfassen läßt. Zum anderem lag dem Wirtschaftsprogramm aber auch ein Kern zugrunde, der von Gottfried Feder bis zu seiner politischen Abschiebung kontinuierlich vertreten wurde.[3]

Dieser Kern war die "Brechung der Zinsknechtschaft", also die zinslose Geldwirtschaft. Im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern befasste sich Feder aber hauptsächlich mit der staatlichen Seite der zinslosen Wirtschaft.

Der Gedanke Geld gegen Zins zu verleihen ist in unserer kapitalistischen Gesellschaft selbstverständlich. Dabei galten noch vor einigen hundert Jahren in der katholischen Welt Europas Zinsverbote und gegen Wucher wurde mit drakonischen Maßnahmen vorgegangen. Auch das Judentum verbietet das Zinsnehmen (wenn auch nur unter Juden), genauso wie die islamische Welt.

Als bedeutendster Vertreter gilt wohl Silvio Gesell der in seinem Werk "die natürliche Wirtschaftsordnung" einen negativen Zins auf frei zirkulierende Geldscheine fordert, die so genannte Umlaufsicherungsgebühr. Zum besseren Verständnis der zinslosen Wirtschaft sei hier auf die "Robinsonade" in "die natürlichen Wirtschaftsordnung" verwiesen, die einen schnellen Einblick in die Ansichtsweisen der Verfechter der zinslosen Wirtschaft erlaubt.[4]

Obwohl Gesell und Feder zum Teil gleiche Argumente und ähnliche Rechenbeispiele für ihre jeweiligen Beweisketten heranziehen, sind die Schlussfolgerungen doch so unterschiedlich, dass man nicht von einer bedeutenden Inspiration Feders durch Gesell sprechen kann. Feder streitet dies auch mehrmals selbst ab.

Die Kritikpunkte am Zins sind hauptsächlich das progressive Wachstum des Vermögens durch Zinseszins, die Vermehrung von Geld ohne den Einsatz von Arbeit sowie die Umverteilung von Wohlstand von unten nach oben.

2. Gottfried Feder

Gottfried Feder wurde am 27. Januar 1883, als Sohn eines Regierungsdirektors und Geheimrates, geboren. Er studierte Hoch- und Tiefbau an den Hochschulen Zürich, Charlottenburg und München, wo er auch 1905 sein Examen zum Diplom-Ingenieur erfolgreich absolvierte. 1901 tritt er, wie schon sein Vater und Großvater, in das Corps Isaria ein.[5]

Da er wegen einer Schädelverletzung keinen Wehrdienst ableisten musste, konnte er sich 1908 als Teilhaber der Firma Ackermann & Co. selbstständig machen. Die Firma war vor allen auf den Gebieten des Hoch und Tiefbaus präsent und konnte auch international, hauptsächlich in Bulgarien, einige Projekte (Krankenhäuser, Fabriken, Wassertürme) durchführen.[6]

Der Mangel an Schiffsraum im ersten Weltkrieg führte bei Feder zu der Überlegung auf eigene Rechnung ein Betonschiff zu bauen, das aber wegen Ende des Krieges dann nicht benötigt wurde. Im Jahr 1940 bot er dieses, unter den Namen Kriegskrokodil, Adolf Hitler für die anvisierte Invasion Englands an, aber die ernsthaft diskutierte Idee wurde am 20.Juni 1940 verworfen.[7] /[8]

Das Ende des ersten Weltkrieges war auch die Zeit in der er sich immer mehr aus der Firma zurückzog um sich im Selbststudium den Sozialwissenschaften, besonders der Volkswirtschaft, zuzuwenden.[9]

Schon im November 1918 schrieb er das Manuskript vom "Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft" das sein Wirken bis in die späten zwanziger Jahre bestimmen sollte. Kurz darauf gründete er den „Kampfbund zur Brechung der Zinsknechtschaft“. Bei einer Rede im Jahr 1919 traf er auch das erste Mal mit Adolf Hitler zusammen. Später ging der Kampfbund in der NSDAP auf und Gottfried Feders Ideen gingen in "das Programm der NSDAP und seine weltanschaulichen Grundgedanken" ein. Dieses enthielt im Wirtschaftsteil alle Forderungen die auch schon im "Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft " zu finden sind.[10]

Feder nahm aktiv am Hitler-Ludendorff-Putsch teil, er wird für einen Tag sozusagen „Finanzminister“ und verstaatlichte alle Banken. Nach der Niederschlagung dieses Putsches wird Feder wegen Hochverrat angeklagt aber nur wegen Amtsanmaßung zu 50 RM Strafe verurteilt.[11]

1924 erscheint sein Hauptwerk " der deutsche Staat auf nationaler und sozialer Grundlage" das man als Unterbau des "Staats- und Wirtschaftsprogrammes" ansehen kann.

Am 24. Mai 1924 wird er in seinem Wahlkreis Chemnitz-Zwickau-Plauen in den deutschen Reichstag gewählt und wird stellvertretender Fraktionsvorsitzender und wirtschaftspolitischer Sprecher.[12]

Auf dem 1926 in Weimar stattfindenden Parteitag wird Feder von Hitler beauftragt die "Nationalsozialistische Bibliothek" herauszugeben, welche in loser Reihenfolge Beiträge über die nationalsozialistische Gedankenwelt herausgibt. Das erste Heft ist das "Programm der NSDAP".[13]

1928 übernahm Feder die Zeitung "die Flamme" und siedelte diese in Nürnberg an. Der "Flamme" - Verlag wurde durch den "Hessenhammer", die "deutsche Wocheschau" und die "saardeutsche Volksstimme" erweitert.[14]

Im Herbst 1932 wird er dann Leiter der Hauptabteilung IV A (Staatswirtschaft) der NSDAP und gibt ein Sofortprogramm zur Arbeitsbeschaffung heraus.[15]

Bei der Machtübernahme im Januar 1933 wird er nicht, wie wohl selbst erhofft, Wirtschaftsminister sondern nur Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Zum einem weil die Koalitionspartner das Wirtschaftsministerium für sich beanspruchten, zum anderen war dies wohl auch der erste Schritt seiner langsamen Abschiebung.[16]

Am 24.September 1941 stirbt Gottfried Feder, nachdem er noch einige unbedeutende Ämter bekleidete, in Murnau.

3. Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft d. Geldes

Das 1919 veröffentlichte "Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft des Geldes" ist das erste Werk Gottfried Feders. Hierin stellt er seine Thesen über den herrschenden "Mammonismus" auf und richtet sich in Sprache und Aufmachung dieser Kampf- und Begründungsschrift direkt an die deutschen Arbeiter.

Es heißt nicht umsonst "Manifest" und endet mit den Worten "Reicht mir die Hände, Werktätige aller Länder, vereinigt euch!"

Das Manifest hat als Hauptforderung, die Abschaffung des Zinses. So schreibt er: "Der Leihzinsgedanke ist die teuflische Erfindung des Großleihkapitals, sie ermöglicht allein das träge Drohnenleben einer Minderzahl von Geldmächten auf Kosten der schaffenden Völker und ihrer Arbeitskraft sie hat zu den tiefen, unüberbrückbaren Gegensätzen, zum Klassenhaß geführt, aus dem der Bürgerkrieg und Bruderkrieg geboren ist."

In diesem Zitat lässt sich schon seine später veröffentliche Einteilung des Kapitals in schaffendes (gutes, produktives) und raffendes Kapital (schlecht, auspressend) erkennen. Anders als in späteren Veröffentlichung wird im Manifest aber auch noch die Bekämpfung des industriellen Großkapitals gefordert.[17]

Das "Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft des Geldes" bestreitet nicht die nationale Durchführbarkeit, aber der Kampf gegen den „Mammonismus“ ist eine internationale Sache.[18]

Die weiteren Forderungen des „Manifestes“ sind, obwohl diese drastische Veränderungen der bestehenden Wirtschaftsordnung bedeuten, nur Unterpunkte und Durchführungsvorschläge auf dem Weg zur Brechung der Zinsknechtschaft.

So sollen die Kriegsanleihen, die Schulden des Reiches und der Körperschaften sowie die Eisenbahnanleihen unter Aufhebung der Zinspflicht zu Zahlungsmittel erklärt werden. Alle anderen Schulden, wie Industrieobligationen, werden unter Aufhebung der Zinspflicht nur noch abgezahlt. Die Immobilienschulden und Grundhypotheken werden ebenso behandelt. Hier erhält der Staat nach der Entschuldung aber ein anteilsmäßiges Eigentumsrecht, um die Mietpreise zu senken.[19] Nach Gesell ist dieser Schritt aber auch unbedingtes „Muss“ auf dem Weg zur zinslosen Wirtschaft um die Kapitalflucht in Boden zu verhindern. Dieses würde sonst den Kapitalbesitzern einen „mühelosen“ Zins auf Bodenpachten erlauben, da Boden neben Geld das einzige Gut ist das nicht im Laufe der Zeit an Wert verliert.[20]

Die beiden nächsten Punkte, die Verstaatlichung des gesamten Geldwesens und die Rückzahlung des Aktienkapitals (zuzüglich eines Risikoaufschlages) brachten Feder und der NSDAP zusammen mit den Punkten 13, 14 und 17 des Staatsprogrammes der NSDAP den Vorwurf ein, überhaupt nicht zum Privateigentum zu stehen. In der Tat macht Feder hier nicht klar, wem dann die großen Aktiengesellschaften gehören sollen. Zwar unterscheidet er unter „nur Geldgeber“ und „Unternehmer“, diese Unterscheidung lässt sich aber gerade bei Aktiengesellschaften nicht immer klar vornehmen. Er äußert sich nur zu den anfallenden Gewinnen, die entweder sozial verteilt werden sollen oder in sinkende Preise investiert werden sollen.[21]

Dieses klar antikapitalistische Manifest, mit einem Aufruf zur Weltrevolution, stellt die Arbeit an die erste Stelle der Ökonomie. Gottfried Feder aufgrund des Manifestes aber schon in das rechte Lager einzuordnen fällt nicht leicht, zu undifferenziert sind zu dieser Zeit seine Aussagen die über die Geldwirtschaft als solche hinausgehen. Antisemitische Tendenzen, Antiparlamentarismus oder allgemeiner Antiliberalismus lassen sich kaum konstruieren.

[...]


[1] Vgl. Barkai (1977), S.30

[2] Vgl. Breuer (2001), S.227

[3] Vgl. Barkai (1977), S.57

[4] Vgl. Gesell (1949), S.241 ff.

[5] Vgl. Herrmann (1933), S.12/14

[6] Vgl. ebenda, S.15

[7] Vgl. ebenda, S.17

[8] Vgl. Shirer (1961), S.693

[9] Vgl. Herrmann (1933), S.17

[10] Vgl. ebenda, S.42

[11] Vgl. ebenda, S.46/47

[12] Vgl. ebenda, S. 53/54

[13] Vgl. ebenda, S.69/70

[14] Vgl. ebenda, S. 86/87

[15] Vgl. ebenda, S.104

[16] Vgl. Barkai (1977), S.29

[17] Vgl. Feder (a) (1920), S. 6

[18] Vgl. ebenda, S.35

[19] Vgl. ebenda, S.7

[20] Vgl. Gesell (1949), S.72 ff.

[21] Vgl. Feder (a) (1920), S.8

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Gottfried Feder und sein Einfluss auf das Wirtschaftsprogramm der NSDAP
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Politische Soziologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V46371
ISBN (eBook)
9783638435765
ISBN (Buch)
9783638763851
Dateigröße
671 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Arbeit beschäftigt sich mit Feders Thesen zur Einführung einer zinslosen Geldwirtschaft aus Sicht der Probleme der späten zwanziger Jahre.
Schlagworte
Gottfried, Feder, Einfluss, Wirtschaftsprogramm, NSDAP, Politische, Soziologie
Arbeit zitieren
Andre Bories (Autor), 2005, Gottfried Feder und sein Einfluss auf das Wirtschaftsprogramm der NSDAP, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46371

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