Suizidalität bei Jugendlichen als Herausforderung in der psychosozialen Beratung


Hausarbeit, 2019

24 Seiten, Note: 15


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Fokus | Fragestellung
1.2 Erkenntnisinteresse | Vorgehensweise

2. Definition | Klassifikation

3. Suizidalität im Jugendalter
3.1 Ursachen und Auslöser
3.2 Symptomatik
3.2.1 Alarmsignale

4. Psychosoziale Beratung
4.1 Psychosoziale Beratung für Jugendliche
4.2 Intervention bei psychosozialen Krisen

5. Schluss
5.1 Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt auch der Abgrund in dich hinein. (Friedrich W. Nietzsche)

1. Einleitung

Drei Knaben ( fahren herunter): Halt ein, o Papageno! und sei klug,

Man lebt nur einmal, dies sei dir genug!

Papageno:

Ihr habt gut reden, habt gut scherzen;

Doch brennt' es euch, wie mich im Herzen, Ihr würdet auch nach Mädchen gehn.

Drei Knaben:

So lasse deine Glöckchen klingen,

Dies wird dein Weibchen zu dir bringen.

Papageno:

Ich Narr vergaß der Zauberdinge! (nimmt sein Instrument heraus) Erklinge, Glockenspiel, erklinge!

Ich muss mein liebes Mädchen sehn. Klinget, Glöckchen, klinget,

Schafft mein Mädchen her! Klinget, Glöckchen, klinget! Bringt mein Weibchen her.

(Schikaneder 1794, 47f.)

Dieser Auszug aus EMANUEL SCHIKANEDERs Oper Die Zauberflöte diente der vorliegenden Arbeit als Inspiration. Der von Liebeskummer geplagte Vogelfänger Papageno möchte seinem Leben ein Ende setzen, wird jedoch im letzten Augenblick von den drei Knaben zurückgehalten. So sei Papagenos Lage durchaus nicht hoffnungslos, könne er doch sein „Weibchen“ mithilfe seines magischen Glockenspiels dazu bewegen, zu ihm zurückzukehren. Der Vogelfänger versucht es – und tatsächlich bringen die klingenden Glöckchen seine Geliebte zu ihm zurück. Papageno und Papagena sind wieder vereint, der Suizid wurde vereitelt (vgl. Fetchenhauer 2017, 206).

In der Realität geht es leider nicht immer so glimpflich aus wie in SCHIKANEDERs Oper. So nehmen sich in Deutschland nach Angaben des statistischen Bundesamts jährlich etwa 10 000 Menschen erfolgreich das Leben (vgl. Statistisches Bundesamt 2017b zit. n. Fetchenhauer 2017, 205) – zum Vergleich: Weniger als halb so viele Menschen sterben jedes Jahr bei Verkehrsunfällen (vgl. Statistisches Bundesamt 2017a zit. n. Fetchenhauer 2017, 205). Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist Suizid gar die zweithäufigste Todesursache; im Jahr 2010 starben mehr als 600 junge Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren durch die eigene Hand (vgl. Freunde fürs Leben, frnd.de). Papagenos Leben wurde hingegen wurde gerettet von drei Knaben, denen es gelang –„Man lebt nur einmal, dies sei dir genug!“ (Schikaneder 1794, 47) – dem Vogelfänger Hoffnung zu schenken und ihn mit neuem Lebensmut zu erfüllen. Nicht nur kam die Hilfe zur rechten Zeit, die Knaben verfügten zudem über das nötige Wissen und fanden die richtigen Worte.

Wie im folgenden Kapitel genauer erläutert, soll eben diese Hilfe in akuten Lebens- und lebensbedrohlichen Krisen im Rahmen der vorliegenden Seminararbeit thematisiert werden, deren Anliegen es ist, sich mit der pädagogischen Herausforderung der Suizidprävention bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auseinanderzusetzen.

1.1 Fokus | Fragestellung

Gemäß ihrer Definition fördert die Soziale Arbeit

(…) als praxisorientierte Profession und wissenschaftliche Disziplin gesellschaftliche Veränderungen, soziale Entwicklungen und den sozialen Zusammenhalt sowie die Stärkung der Autonomie und Selbstbestimmung von Menschen. Die Prinzipien sozialer Gerechtigkeit, die Menschenrechte, die gemeinsame Verantwortung und die Achtung der Vielfalt bilden die Grundlage der Sozialen Arbeit. Dabei stützt sie sich auf Theorien der Sozialen Arbeit, der Human- und Sozialwissenschaften und auf indigenes Wissen. Soziale Arbeit befähigt und ermutigt Menschen so, dass sie die Herausforderungen des Lebens bewältigen und das Wohlergehen verbessern, dabei bindet sie Strukturen ein (Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V., dbsh.de).

Die Befähigung und Ermutigung ihrer Adressat_innen dahingehend, dass diese die Herausforderungen des Lebens bewältigen und Wohlergehen (wieder)erlangen können, ist folglich als Anliegen der Sozialen Arbeit in deren Professionsverständnis verankert. Bezugnehmend auf THOLE können vier große sozialpädagogische Praxisfelder der Sozialen Arbeit benannt werden, namentlich das Feld der Kinder- und Jugendhilfe, das (diffuse) Praxisfeld der erwachsenenbezogenen Sozialen Hilfe, der Bereich der Altenhilfe sowie sozialpädagogische Angebote im Gesundheitssystem (vgl. Thole 2002, 24). Die Konfrontation mit krisenhaften Situationen gehört für Sozialarbeiter_innen dabei zum Praxisalltag, doch können diese in ihrer Handlungsfähigkeit an Grenzen stoßen, wenn sich Krisen bis zur Suizidgefährdung zuspitzen. Ein fundiertes Wissen über potenzielle Suizidgefährdung und den Umgang mit hiervon betroffenen Menschen ist daher für all jene Berufsgruppen, die mit Menschen in Krisensituationen zu tun haben – und das betrifft insbesondere die Soziale Arbeit – unerlässlich (vgl. Lindner 2009, 98) – nicht zuletzt, da sich in psychosozialen Krisen befindende oder unter psychischen Erkrankungen leidende Menschen ein im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Suizidrisiko aufweisen (vgl. Lindner 2009, 98f sowie Eink/Haltenhoff 2007, zit. n. Lindner 2009, 99).

Der Fokus der vorliegenden Arbeit soll sich auf Suizidalität im Jugendalter und damit auf Jugendliche und junge Erwachsene als Klient_innen richten. Ausgehend vom aktuellen Stand der Forschung, demzufolge im Kinder- und Jugendbereich die frühe Identifizierung von Risikogruppen entscheidend ist für die wirksame Prävention, von universeller Prävention in Bildungseinrichtungen wie z.B. in Schulen oder Universitäten aufgrund fehlender gesicherter Ergebnisse zur Effektivität sowie Hinweise dahingehend, dass eine von Laien durchgeführte Suizidprävention und Aufklärung zum Thema Suizid die Gefahr von suizidalen Handlungen sogar verstärken kann, jedoch abgeraten wird, soll in dieser Arbeit versucht werden herauszuarbeiten, welche Faktoren Suizidalität bei Jugendlichen befördern, wie sogenannte Risikogruppen identifiziert und Alarmsignale erkannt werden können und welche Schlüsse hieraus für die Soziale Arbeit gezogen werden können (vgl. Wewetzer/Quaschner 2019, 32).

Zu bearbeiten sind daher die Frage nach Ursachen für die Suizidalität im Jugendalter sowie nach etwaigen Warnsignalen, die es Sozialarbeiter_innen ermöglichen, eine erste Einschätzung bei Gefährdung vorzunehmen, als auch danach, wie der Suizidalität im Jugendalter seitens der Sozialen Arbeit im Rahmen einer Beratungssituation präventiv begegnet werden kann.

1.2 Erkenntnisinteresse | Vorgehensweise

Die folgenden Kapitel sollen sich zunächst mit dem Stand der Forschung hinsichtlich einer Definition bzw. Klassifikation von Suizidalität im Allgemeinen befassen und sich schließlich spezifisch der Suizidalität im Jugendalter widmen. Hierbei wiederum gilt es, auf die Symptomatik einzugehen, um mögliche An-/Warnzeichen herauszuarbeiten, die im Rahmen einer psychosozialen Beratungssituation von Bedeutung, wenn nicht gar handlungsleitend sein könnten. Der Aktualität wegen wird hierfür unter anderem der Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie der Autoren WEWETZER und QUASCHNER herangezogen werden, wenngleich dieser erst im Juni 2019 veröffentlicht werden wird.1

Im Anschluss daran soll sich dem Feld der psychosozialen Beratung gewidmet und sollen in diesem Zuge speziell an suizidgefährdete Jugendliche gerichtete Angebote betrachtet werden. Daraufhin soll versucht werden darzulegen, wie im Rahmen eines Beratungssettings mit psychosozialen Krisensituationen umgegangen werden kann.

Zu guter Letzt gilt es, die einleitend aufgeworfen Fragen vor dem Hintergrund der gesammelten Informationen und gewonnenen Erkenntnisse im Rahmen eines Fazits erneut zu beleuchten.

2. Definition | Klassifikation

Die fehlende einheitliche Definition von Suiziden führt gemäß SCHERR ebenso wie die fehlende Einheitlichkeit bei der Verwendung von Begriffen dazu, dass die Befunde verschiedener Studien nur schwer aufeinander bezogen werden können; auch berge dies die Gefahr von Pauschalisierungen und Generalisierungen suizidbezogener Handlungen. In Anlehnung an SCHERR soll daher auch in der vorliegenden Arbeit der übergeordnete Begriff Suizidalität verwendet werden, da hierin verschiedene suizidbezogene Phänomene enthalten sind (vgl. Scherr 2015, 45).

So meint Suizidalität nach WEWETZER/QUASCHNER allgemein ein suizidales Verhalten, das von unkonkreten Suizidgedanken bis hin zur Durchführung eines Suizidversuchs alle Phasen umfasst und nach WOLFERSDORF folgendermaßen definiert wird:

„Suizidalität meint die Summe aller Denk- und Verhaltensweisen von Menschen, die in Gedanken, durch aktives Handeln oder passives Unterlassen oder durch Handeln lassen den eigenen Tod anstreben bzw. als mögliches Ergebnis einer Handlung in Kauf nehmen (Wolfersdorf 2008a, zit. n. Scherr 2015, 44).“

Das Begriffsverständnis WOLFERSDORFs zeichnet sich SCHERR zufolge durch seine Differenziertheit aus; es entspreche somit dem gegenwärtigen „state of the art“ in der Suizidologie (vgl. Scherr 2015, 44). Suizidgedanken und -versuche sowie durchgeführte Suizide werden unter dem Terminus „suizidale Verhaltensweisen“ zusammengefasst. Während es sich bei Suizidgedanken um verbale und nicht verbale Äußerungen handelt, die Selbsttötungsideen erkennen lassen, ohne dass zwangsläufig Verknüpfung zu einer Handlung besteht (vgl. Wewetzer/Quaschner 2019, 3), handelt es sich bei einem Suizidversuch gemäß PLATT et al. um

„Alle vorbereiteten und durchgeführten Handlungen, die mit dem Wissen, dem Wunsch und dem Ziel durchgeführt wurden, sich mit der angewandten Methode das eigene Leben zu nehmen, die Handlung aber in der Vorbereitung abgebrochen oder überlebt wurde oder ohne Intervention von dritter Seite zur massiven Selbstschädigung bis zum Tod geführt hätte (Platt et al 1992, zit. n. Wewetzer/Quaschner 2019, 3).“

Zu den zentralen Eigenschaften des Phänomens der Suizidalität zählt laut WOLFERSDORF, dass dieses häufig in psychosozialen Krisen und bei psychischer Erkrankung auftritt. Allerdings handle es sich grundsätzlich um ein äußerst komplexes Geschehen, bei dem aus dem subjektiven Erleben der Personen heraus die Bewertung der eigenen Person, die Wertigkeit in und von Beziehungen, die Einschätzung der eigenen wie auch der Zukunft anderer sowie die Veränderbarkeit eines Zustandes zusammenspielten. Ebenso vielschichtiger Natur sei die Motivation zur Suizidalität, was wiederum zu zahlreichen Suizidtypen führe, auf welche angesichts des Rahmens dieser Arbeit jedoch nicht weiter eingegangen werden kann (vgl. Wolfersdorf 2008a, zit. n. Scherr 2015, 45).

Suizidalität sei zudem, so WOLFERSDORF, bewusstes Denken und Handeln, mit dem Ziel der Veränderung anderer Personen, der eigenen Umwelt oder sich selbst in der Beziehung zur Umwelt. Sie drücke gemeinhin keine Freiheit aus, sondern sei Zeichen für die Einengung durch objektiv und/oder subjektiv erlebte Not oder auch durch psychische und/oder körperliche Befindlichkeit bzw. deren Folgen (vgl. Wolfersdorf 2008a, zit. n. Scherr 2015, 45).

Im Folgenden soll sich nun tiefergehend mit der Suizidalität im Jugendalter auseinandergesetzt werden.

3. Suizidalität im Jugendalter

I won’t be around anymore . . . tomorrow.

(Aus: Thirteen Reasons Why; Asher 2007, 256)

Suizide von Kindern sind selten. Dies hängt u.a. mit der Entwicklung des kindlichen Todesbewusstseins zusammen, sind doch die Vorstellungen vom Tod umso unrealistischer, je jünger ein Kind ist. Suizid als Handlungsoption tritt denn auch erst in einem Alter zutage, in dem Sterben bereits als willentlich und wissentlich herbeiführbare Handlung begriffen werden kann, was wiederum erst im höheren Kindesalter der Fall ist.

Bei Jugendlichen stellen Suizide nach Verkehrsunfällen die häufigste Todesursache dar. Dabei nehmen sich drei- bis viermal so viele männliche Jugendliche das Leben wie

weibliche, was einerseits als Folge der unterschiedlichen Wahl der Tötungsmittel zu betrachten ist – Jungen entscheiden sich meist für die „harten“ Methoden wie Erhängen, Sturz aus großer Höhe, sich vor den Zug werfen, während Mädchen „weiche“ Methoden wählen wie Medikamenteneinnahme oder Vergiftungen anderer Art und damit häufiger überleben (vgl. Steinhausen 2010, zit. n. Melzer et al. 2015, 211) – und andererseits in den hormonell und genetisch angelegten unterschiedlichen Temperamenten von Jungen und Mädchen. So tragen Jungen, deren Neigung zu Risikohandeln und -bereitschaft sowie zu Aggressivität und Gewalt ausgeprägter ist als bei Mädchen, Konflikte und Probleme eher externalisierend aus, sind also eher bereit als Mädchen, körperliche Gewalt gegen sich und andere anzuwenden. Auch gehen sie dabei meist mit einer größeren Kompromisslosigkeit vor als Mädchen (vgl. Melzer et al. 2015, 211).

Mädchen verüben allerdings bis zu zehnmal so häufig wie Jungen einen Suizidversuch, sprich eine Suizidhandlung mit nicht-tödlichem Ausgang, welche nach MELZER et al. vor allem Ausdruck ist von Aggressionshemmungen und Beziehungswünschen als auch eines Rufs nach Hilfe, Aufmerksamkeit und Zuwendung (vgl. Melzer et al. 2015, 211). Sowohl bei Suiziden wie auch bei Suizidversuchen handelt es sich um Versuche einer Konfliktbewältigung; eine für den jungen Menschen unerträgliche Situation wird durch die suizidale Handlung beendet. Suizid und Suizidversuch werden daher als eine misslungene Bewältigung von Belastungen angesehen, die als Ergebnis einer Eskalation am Ende einer lang andauernden Problemgeschichte stehen (vgl. Melzer 2015, 212).

MELZER et al. zufolge, ist die psychische Situation von Jugendlichen ambivalent, ebenso deren Motive. So wollten die jungen Menschen einerseits das Leben genießen, empfänden andererseits aber Langeweile, Leere und psychische Not. Suizidale Jugendliche wollten nicht wirklich sterben, sondern nur unter ihren bisherigen Lebensbedingungen nicht mehr weiterleben. Diese nebeneinander existierenden Gefühlsebenen verdeutlichten die Ambivalenz und Komplexität der suizidalen Befindlichkeit (vgl. Melzer et al. 2015, 212). Es ist also anzunehmen, dass auch das suizidale Verhalten komplex und bisweilen ambivalent ist. Hinzu kommt die Tabuisierung der Thematik, werden doch Suizid bzw. Suizidalität kaum offensiv angesprochen. Wie auch einem behandelnden Arzt kommt der beratenden Person somit die Aufgabe einer genauen Beobachtung zu, um Signale für Suizidalität zu erkennen und Präventionsarbeit zu leisten (vgl. ÖGPB 2011, 17).

Das Erkennen von Suizidalität ist zentraler Bestandteil der Suizidprävention. Laut LINDNER (2009, 99) sowie NUBER (2006, zit. n. Lindner 2009, 99f) und EINK/HALTENHOFF (2007, zit. n. Lindner 2009, 99f) ist es hierfür zunächst einmal von Wichtigkeit, sich von falschen Vorstellungen zur Thematik zu distanzieren. Die Autorin zählt hierzu beispielsweise die Annahme, dass eine Person, die von Selbstmord redet, sich nicht umbringt – im Gegenteil hätten acht von zehn Suizidant_innen ihre Absichten im Vorfeld verbalisiert. Suizid geschehe entgegen gängiger Vorstellungen auch nicht ohne Vorzeichen, vielmehr würden Menschen zumeist deutliche Signale geben, bevor sie sich das Leben nähmen. Dennoch sei die Absicht, sich zu suizidieren, nicht zwangsläufig gleichbedeutend damit, nicht mehr leben zu wollen. Stattdessen sei selbst ein Suizidversuch meist noch als Hilferuf zu deuten und komme es bei 75% der Überlebenden eines solchen Versuchs zu keinen weiteren Versuchen. Und doch: Wer versuche, sich das Leben zu nehmen, sei ernsthaft verzweifelt; ein misslungener Suizidversuch sollte nicht verharmlosend als Wunsch nach Aufmerksamkeit interpretiert werden (vgl. Nuber 2006 und Eink/Haltenhoff 2007, zit. n. Lindner 2009,99f).

Weiterhin dürfe nicht davon ausgegangen werden, dass eine Besserung in oder nach einer suizidalen Krise bedeute, dass die Gefahr vorüber sei. So könne ein plötzliches Verschwinden von Verzweiflung und Unruhe ebenso ein Hinweis auf den definitiven Entschluss zum Suizid sein. Gerade bei Depressionen geschähen Suizide nicht selten in den Phasen der „Besserung“, da in diesen überhaupt erst wieder genügend Energie vorhanden sei, um tätig zu werden; hierfür sei oftmals die antriebssteigernde Wirkung antidepressiver Medikamente verantwortlich (vgl. Nuber 2006 und Eink/Haltenhoff 2007, zit. n. Lindner 2009, 99f).

Den Autor_innen zufolge ist zudem die Annahme inkorrekt, dass das Ansprechen von Suizidalität das Gegenüber erst auf entsprechende Gedanken bringt. Das verständnisvolle Ansprechen des Themas habe keine entsprechenden Gedanken und Handlungen zur Folge (vgl. Nuber 2006 und Eink/Haltenhoff 2007, zit. n. Lindner 2009, 99f).

Vor dem Hintergrund dieser zahlreichen, mitunter inkorrekten Vorstellungen zum Thema Suizidalität stellt sich für die verschiedenen Professionen wie auch für Angehörige und Freund_innen die Frage, wie diese erkannt bzw. wie erkannt werden kann, wann diese gefährlich wird. Zwar kann diese Frage nicht mit hundertprozentiger Sicherheit beantwortet werden, doch gibt es Risikogruppen und -befindlichkeiten sowie Anzeichen, die als Hinweis dienen können (vgl. Hegerl/Althaus/Reiners 2006, zit. n. Lindner 2009, 100).

[...]


1 Der Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie zur Suizidalität von den Autoren Prof. Dr. med. CHRISTOPH WEWETZER und Dr. rer. nat. KURT QUASCHNER erscheint im Juni 2019, jedoch konnte ich über das IVV Marburg das zugehörige Skript erhalten, aus welchem ich der Aktualität der Beiträge zum Thema wegen zitieren möchte. Die Seitenzahlen können daher möglicherweise abweichen.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Suizidalität bei Jugendlichen als Herausforderung in der psychosozialen Beratung
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
15
Autor
Jahr
2019
Seiten
24
Katalognummer
V463714
ISBN (eBook)
9783668907294
ISBN (Buch)
9783668907300
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Suizidalität Beratung
Arbeit zitieren
Frauke Oberländer (Autor), 2019, Suizidalität bei Jugendlichen als Herausforderung in der psychosozialen Beratung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463714

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Suizidalität bei Jugendlichen als Herausforderung in der psychosozialen Beratung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden