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Gegenwartsdiagnosen auf dem Prüfstand. Leistung und Erschöpfung

Burnout. Ein Phänomen unserer Zeit?

Titel: Gegenwartsdiagnosen auf dem Prüfstand. Leistung und Erschöpfung

Ausarbeitung , 2019 , 12 Seiten

Autor:in: Frauke Oberländer (Autor:in)

Psychologie - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ausgangspunkt der vorliegenden Ausarbeitung soll die von SIGHARD NECKEL und GRETA WAGNER als „soziales Leid“ bezeichnete Erschöpfung bilden, die im Rahmen des Themas psychische Erkrankungen im Zusammenhang mit der Arbeitswelt – zumeist unter der Bezeichnung „Burnout“ – seit etwa 2004 zunehmend in der Fachöffentlichkeit dokumentiert und diskutiert wird.
Laut einer auf Grundlage der Befragung von 9,7 Millionen Versicherten erarbeiteten Studie der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) aus dem Jahr 2011 ist die Zahl der Burnout-Fehltage zwischen 2004 und 2010 auf nahezu das Neunfache angestiegen. Burnout kann von den Ärzt_innen zwar nicht als eigenständige psychische Erkrankung codiert werden, wird jedoch zunehmend als Zusatzinformation angegeben und von den Krankenkassen als Zustand physischer und psychischer Erschöpfung unter der Diagnosegruppe „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ erfasst, wobei die Diagnose zu der Gruppe jener Faktoren zählt, „die den Gesundheitszustand beeinflussen“. Im Jahr 2010 wurden einer Pressemitteilung des wissenschaftlichen Instituts der AOK zufolge etwa 100.000 Menschen mit insgesamt mehr als 1,8 Millionen Fehltagen wegen eines Burnouts krankgeschrieben.
Nicht zuletzt dieses rasche Anwachsen der Fallzahlen zeichnet verantwortlich für die Interpretation von Burnout als „Volkskrankheit“ oder „Epidemie“, aber auch für die etwas abschätzige Bezeichnung als „Modeerscheinung“ oder gar „Fehldiagnose“. Eben diesem Spannungsfeld soll sich in den folgenden Kapiteln gewidmet und die Frage behandelt werden, inwieweit es sich beim Burnout um ein Phänomen unserer Zeit handelt und welche Ursachen sich in diesem Fall hierfür ausmachen ließen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

1.1 Fragestellung

2. Strukturwandel der Arbeit – Entgrenzung und Subjektivierung

2.1 Entgrenzung und Subjektivierung als Stressfaktoren

2.2 Selbstbestimmung und Selbstüberlastung

3. Burnout als Ausweg aus der Belastungssituation

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem Strukturwandel der Arbeitswelt und dem signifikanten Anstieg psychischer Erkrankungen, insbesondere des Burnout-Syndroms. Ziel ist es, zu klären, ob Burnout lediglich als Modediagnose zu verstehen ist oder ob es als Symptom eines tiefergreifenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels betrachtet werden muss, der den Einzelnen durch Entgrenzung und Subjektivierung zunehmend überfordert.

  • Strukturwandel der Arbeit (Fordismus vs. Postfordismus)
  • Phänomene der Entgrenzung und Subjektivierung
  • Einfluss moderner Arbeitsanforderungen auf das Individuum
  • Zusammenhang zwischen Selbstbestimmung und Selbstüberlastung
  • Burnout als Indikator für systemische gesellschaftliche Belastungen

Auszug aus dem Buch

2.1 Entgrenzung und Subjektivierung als Stressfaktoren

Waren unter den Lohnarbeitern der Frühindustrialisierung angesichts der prekären Arbeits- und Lebensbedingungen Erkrankungen des Muskel- und Skelettapparates, Lungen- und Infektionserkrankungen sowie Mangelerscheinungen üblich, so litten die (in vielen Bereichen noch zu findenden) Arbeitnehmer_innen des Fordismus vermehrt unter stressinduzierten Herz-Kreislauf-Erkrankungen und, wohl als Resultat der verbesserten Ernährungs- und Wohnsituation, an „Wohlstandskrankheiten“ wie Diabetes, Magen-Darm-Beschwerden und Übergewicht (vgl. Voss/Weiss 2013, 41).

Die typischen Beschäftigten des Postfordismus sind aufgrund der im vorherigen Kapitel geschilderten An- und Herausforderungen nun ihrerseits mit spezifischen gesundheitlichen Belastungen konfrontiert. So wird der steigende Zeit- und Leistungsdruck wie auch die Notwendigkeit der selbstverantwortlichen Steuerung der Arbeit zum Nährboden für Selbstüberforderung und somit zu einer Zunahme des individuellen Stressempfindens sowie zu dem Gefühl „nicht abschalten“ zu können. Die flexibilisierten Arbeitszeiten gehen allzu oft mit reduzierten Pausen, deutlich mehr Arbeitsstunden sowie einer verringerten oder unregelmäßigen Inanspruchnahme von Urlaubstagen einher, haben also eine insgesamt kürzere Erholungszeit zur Folge (vgl. Voss/Weiss 2013, 42). Die Möglichkeit, jenseits eines festen Ortes arbeiten zu können, kann ebenfalls zur gesundheitlichen Belastung werden, handelt es sich hierbei doch für die meisten Erwerbstätigen schlicht um die Notwendigkeit „mobil“ zu sein und lange Arbeitswege auf sich zu nehmen oder Reisebereitschaft zu zeigen. Diese Mobilität wiederum trägt zur räumlich-zeitlichen Entgrenzung von Berufs- und Privatleben bei und kann sich in Verbindung mit der erwarteten ständigen Erreichbarkeit sowohl als kontraproduktiv für die individuelle Erholung herausstellen wie auch die familiären und sonstigen außerberuflichen sozialen Beziehungen der Arbeitnehmer_innen beeinträchtigen. Nicht zuletzt sind prekäre Beschäftigungsverhältnisse wie Zeit- oder Leiharbeit sowie das Risiko der Arbeitslosigkeit als belastende Faktoren zu nennen (vgl. Voss/Weiss 2013, 42).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Es wird die drastische Zunahme von Burnout-Fehltagen dargestellt und das Spannungsfeld zwischen der Interpretation als Volkskrankheit und einer bloßen Modediagnose abgesteckt.

1.1 Fragestellung: Das Kapitel führt in die Forschungsfrage ein, inwieweit moderne Anforderungen der Arbeitswelt als Ursache für den Anstieg psychischer Erkrankungen fungieren.

2. Strukturwandel der Arbeit – Entgrenzung und Subjektivierung: Hier wird der historische Wandel der Arbeitswelt vom Fordismus zum Postfordismus analysiert, wobei besonders die Entgrenzung und Subjektivierung als zentrale Merkmale hervorgehoben werden.

2.1 Entgrenzung und Subjektivierung als Stressfaktoren: Es werden die gesundheitlichen Folgen der neuen Flexibilitätsanforderungen und des Leistungsdrucks detailliert beleuchtet.

2.2 Selbstbestimmung und Selbstüberlastung: Das Kapitel untersucht das Paradoxon, dass die Freiheit zur Selbstbestimmung gleichzeitig den Zwang zur Selbstausbeutung und ein hohes Risiko des Scheiterns in sich birgt.

3. Burnout als Ausweg aus der Belastungssituation: Es wird erörtert, wie Burnout psychodynamisch als vermeintlicher Ausweg aus einem Teufelskreis der permanenten Selbstoptimierung fungieren kann.

4. Fazit: Die Arbeit fasst die Erkenntnisse zusammen und bestätigt die These, dass Burnout ein soziales Phänomen des modernen Kapitalismus ist.

Schlüsselwörter

Burnout, Arbeitswelt, Strukturwandel, Entgrenzung, Subjektivierung, Selbstüberlastung, Postfordismus, Stress, psychische Erkrankungen, Arbeitskraftunternehmer, Selbstoptimierung, Leistungsdruck, soziale Beziehungen, Individuum, Modediagnose.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Zunahme von Burnout-Fällen vor dem Hintergrund tiefgreifender Veränderungen in der modernen Arbeitswelt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit fokussiert sich auf den Strukturwandel von der Industrie- zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft (Postfordismus), die Konzepte der Entgrenzung und Subjektivierung sowie deren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit.

Welches Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Ausarbeitung?

Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, ob der Anstieg des Burnout-Syndroms durch neuartige Anforderungen der Arbeitswelt erklärt werden kann oder lediglich als modisches Phänomen abgetan werden sollte.

Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?

Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse, die insbesondere aktuelle arbeitssoziologische Beiträge (u.a. Voss/Weiss, Sennett, Kury) heranzieht, um den soziokulturellen Wandel und seine Folgen zu diskutieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Strukturwandels, die Identifizierung spezifischer Stressfaktoren, die Problematik der Selbstüberlastung sowie die Interpretation von Burnout als soziale Strategie innerhalb eines überforderten Systems.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind die „Entgrenzung der Arbeit“, „Subjektivierung“, „postfordistischer Kapitalismus“, „Selbstoptimierung“ und die „Selbstüberlastung“ des Individuums.

Warum wird Burnout im Text als "prekäre Selbstverstrickung" bezeichnet?

Der Begriff beschreibt, dass Anforderungen an das Individuum so verinnerlicht werden, dass Scheitern als persönliches Versagen wahrgenommen wird, was wiederum zu weiterem, schädlichem Leistungsdruck führt.

Welche Rolle spielt die "Subjektivierung" bei der Entstehung von Erschöpfung?

Durch die Forderung, die eigene Subjektivität (Kreativität, Sozialkompetenzen) beruflich einzubringen, verschwimmen die Grenzen zwischen Person und Arbeit, was zu einer neuen Qualität der Selbstausbeutung führt.

Warum könnte Burnout als "Ausweg" aus der Belastungssituation gelten?

Die Diagnose Burnout ist gesellschaftlich weitgehend akzeptiert und erlaubt es dem Individuum, sich aus dem permanenten Druck der Selbstoptimierung zurückzuziehen, ohne sozial vollkommen sanktioniert zu werden.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Politik in diesem Zusammenhang?

Die Autorin kritisiert, dass aktuelle Ansätze, wie etwa Stressmanagement, das Individuum zur Anpassung zwingen, während gesellschaftspolitische Lösungen für die systemischen Anforderungen der Arbeitswelt weitgehend ausgeblendet werden.

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Details

Titel
Gegenwartsdiagnosen auf dem Prüfstand. Leistung und Erschöpfung
Untertitel
Burnout. Ein Phänomen unserer Zeit?
Autor
Frauke Oberländer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
12
Katalognummer
V463720
ISBN (eBook)
9783668929098
ISBN (Buch)
9783668929104
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gegenwartsdiagnosen prüfstand leistung erschöpfung burnout phänomen zeit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Frauke Oberländer (Autor:in), 2019, Gegenwartsdiagnosen auf dem Prüfstand. Leistung und Erschöpfung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463720
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Leseprobe aus  12  Seiten
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