Drogenpolitik und Exklusion

Von der Wirkung akzeptierender Drogenarbeit auf die Inklusion der KonsumentInnen


Hausarbeit, 2015
19 Seiten, Note: 14

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Zum Drogenbegriff
1.2 Sucht und Suchtverständnis – ein Bedeutungswandel

2. Drogenpolitische Ansätze und ihre Umsetzung
2.1.1 Das Abstinenzmodell
2.1.2 Das Akzeptanzmodell
2.2 Akzeptierende Drogenarbeit und Exklusion

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen

1. Einleitung

„Es ist eine Forderung der Natur, daß der Mensch mitunter betäubt werde, ohne zu schlafen; daher der Genuss im Tabakrauchen, Branntweintrinken, Opiaten“ (Goethe 1867, S. 152), schrieb einst JOHANN WOLFGANG VON GOETHE, dem ebenso wie seinem Zeitgenossen FRIEDRICH SCHILLER gern nachgesagt wird, dass er selbst den Rauschmitteln nicht abgeneigt gewesen sei. Ob diese Zeilen hierfür als Beleg herangezogen werden können, bleibt fraglich. Eines aber zeigen sie allemal: Drogenkonsum ist allgegenwärtig und gehört seit Urzeiten zu jedem Kulturkreis (vgl. Sauer/Weilemann 2000, S. 7). Trotz dessen zählen drogenabhängige und alkoholkranke Menschen zur Gruppe der Suchtabhängigen – und damit zu jenen Bevölkerungsgruppen in Deutschland, die durch Exklusion gefährdet sind. So münde die Alkoholabhängigkeit der Betroffenen laut WINFRIED NOACK zumeist in der Auflösung bzw. dem Wegfall sozialer Kontakte und Netzwerke, während die Exklusion schließlich sowohl aus dem hinzukommenden Verlust des Arbeitsplatzes als auch einem ihnen von der Gesellschaft zugeschriebenen Stigma, z.B. dem des „Säufers“ oder „Penners“, resultiere. Diese Art der Etikettierung sei auch im Falle Drogenabhängiger zu beobachten, jedoch komme hier erschwerend hinzu, dass die – im Gegensatz zur kulturintegrierten Droge Alkohol illegalen und äußerst kostspieligen – Substanzen nicht nur mit körperlicher und seelischer Abhängigkeit einhergehe, sondern darüber hinaus Beschaffungskriminalität und/oder - prostitution erfordere. Die Vermischung von innerer und äußerer Realität trete hier, ebenso wie die Faktoren Selbstdestruktion, Zirkularität und Kriminalisierung, vergleichsweise stärker zutage und auch die Exklusion der DrogenkonsumentInnen, welche ebenfalls im Verlust der sozialen Netzwerke sowie der Bindung an das Suchtmittel und andere KonsumentInnen bestehe, sei oftmals noch stärker als jene der Alkoholkranken. Beide Abhängigkeiten münden nicht selten in der Obdachlosigkeit der Betroffenen und resultieren damit in einem weiteren Aspekt, der die Gefahr der Exklusion mit sich bringe (vgl. Noack 2014, S. 16ff). Dabei sei, so MARTIN SCHMID, insbesondere mit der Drogenproblematik die Entstehung eines Hilfesystems einhergegangen, das, nicht zuletzt dank entsprechender Ressourcen, innovative Hilfeformen hervorgebracht und neue Ansätze entwickelt habe, um seine Zielgruppen zu erreichen (vgl. Schmid 2003, S.7).

Es ist dieses Hilfesystem, das in den Fokus der vorliegenden Arbeit gerückt und dessen innovative Formen dahingehend untersucht werden sollen, inwiefern sie gegenüber jenen traditionellen Ansätzen für die Inklusion der von Abhängigkeit Betroffenen in die Gesellschaft förderlich sind.

Um sich dieser Fragestellung anzunähern zu können, ist eine einführende Betrachtung der Termini Droge und Sucht unabdingbar, ist doch deren Definition maßgebend für den gesellschaftlichen Umgang mit Sucht wie Süchtigen, welcher daran anschließend geschildert werden soll. Ausgehend von einer Einführung in die traditionelle Drogenpolitik und –hilfe werden schließlich der liberale, akzeptanzorientierte Ansatz sowie seine Ziele und deren Umsetzung vorgestellt werden. Eine kritische Betrachtung des Einflusses der Hilfsmaßnahmen auf die Situation der Betroffenen bildet das Schlusslicht der vorliegenden Arbeit.

1.1 Zum Drogenbegriff

Eine genaue Definition respektive Differenzierung von Medikamenten im herkömmlichen Sinne gestaltet sich als schwierig, ist sie doch über Wirkungsweise, Stoffeigenschaften und suchterzeugendes Potential allein nicht zu treffen (vgl. Sauer/Weilemann 2000, S. 9). Bezeichnete „Droge“ laut Pschyrembel ursprünglich „getrocknete Pflanzen oder Pflanzenteile, die direkt oder in verschiedenen Zubereitungen als Heilmittel verwendet oder aus denen Wirkstoffe isoliert werden; (…) darunter auch zu Abhängigkeit führende Pharmaka, die meist (illegalen) Rauschdrogen oder Alkohol verstanden“ (Pschyrembel Wörterbuch Pflege 2003, S. 173), so gelten nach SEBASTIAN SCHEERER und IRMGARD VOGT „(…) alle Stoffe, Mittel und Substanzen, die aufgrund ihrer chemischen Natur Strukturen oder Funktionen im lebenden Organismus verändern, wobei sich diese Veränderungen insbesondere in der Stimmungslage, im Bewusstsein oder in anderen psychischen Bereichen oder im Verhalten bemerkbar machen“ (Scheerer 1989, S. 5f) als Drogen. Demnach ist die psychotrope Wirkung, sprich die Fähigkeit einer Substanz, psychische Zustände und Prozesse zu verändern, ausschlaggebend für die Definition des Drogenbegriffs – was jedoch ein umgangssprachliches Problem darstellt, würde es doch bedeuten, dass auch Bier eine Droge ist. Daher wird in Fachkreisen zwischen legalen und illegalen respektive weichen und harten Drogen unterschieden. So rechnet man Alkohol, Nikotin und Cannabis gemeinhin zu den „weichen“, Ecstasy, Amphetamine, Kokain und Heroin zu den „harten“ Drogen, jedoch ohne, dass anerkannte Unterscheidungskriterien existieren (vgl. Tretter/Müller 2001, S. 30). Die Tatsache, dass es zwar fachlich, jedoch nicht „politisch korrekt“ wäre, Bier als Droge – und das Münchener Oktoberfest damit als legale Drogenszene mit Millionenpublikum – zu bezeichnen, verdeutlicht dabei die „enorme Kulturgebundenheit der Bewertung von Drogen“ (Tretter/Müller 2001, S. 30). Ob Alkohol, Tabak oder Psychopharmaka – mögen wir heutzutage auch hinreichend um das Schadenspotenzial dieser als Genussmittel oder Medikamente anerkannten Stoffe unterrichtet sein, so unterfallen sie aufgrund ihrer Kulturintegriertheit oder Alternativlosigkeit doch längst nicht der Prohibition (vgl. Fengler 2002, S. 443).

1.2 Sucht und Suchtverständnis – ein Bedeutungswandel

Noch heute ist der Begriff „Sucht“ seiner etymologischen Herkunft entsprechend – Sucht ist vermutlich vom mittelhochdeutschen „siech“ bzw. dem gotischen „sauhts“ (=krank sein, siechen, Krankheit, Seuche) abzuleiten – vornehmlich im Bereich der Krankheit (wie z.B. Gelb-, Schwind-, Fall- oder Magersucht) vorzufinden. Findet er sich seit dem 8. Jahrhundert als eigenständiger Begriff, so war er, dem lateinischen „morbus“ gleich, der gängige Ausdruck für äußerlich erkennbare, jedoch nicht durch Verletzungen oder Unfälle verursachte Krankheiten, bis er im Laufe des 16. Jahrhunderts zunehmend durch den Begriff Krankheit verdrängt und zu einem moralischen Wertbegriff wurde, mittels dessen man sünd- und lasterhaftes menschliches Handeln umschrieb. Die mit dieser Umschreibung unmoralischer Verhaltensweisen einhergehenden Neologismen (neben Eifer- oder Tobsucht sprach man nun auch von Geld-, Lust- oder Zanksucht) verdeutlichen den Bedeutungswandel eines Terminus, der einst Krankheit meinte und schließlich zur negativen Charaktereigenschaft wurde (vgl. Hülsmann 2006, S. 15). Nachdem der amerikanische Sozialreformer und Mediziner BENJAMIN RUSH den bis dato als Trunksucht bezeichneten – und damit zu den „Lastern“ gezählten – Alkoholismus 1784 als Krankheit definierte, entwickelte sich Sucht zu einem „medizinischen Fachbegriff für sämtliche Ausformungen des seelischen und/oder körperlichen Abhängigseins von Rausch- und Betäubungsmitteln“ (Hülsmann 2006, S. 15). Im 19. Jahrhundert wandelte sich das Verständnis von Sucht ein weiteres Mal, das Krankheitsmoment lag nunmehr im Verlust der vernunftgemäßen Selbstkontrolle über Verhaltensweisen und Seelenzustände (vgl. Loviscach 1996, S. 33).

Von der einstigen Bezeichnung für Krankheit wandelte sich der Begriff Sucht bis in die 1950er Jahre zu einem nur noch eine einzige Krankheit, namentlich die „Hörigkeit gegenüber Rausch- und Betäubungsmitteln“ (Hülsmann 2006, S. 18), bezeichnenden Terminus, bevor er 1968 von der WHO schließlich durch jenen der „Abhängigkeit“ ersetzt wurde. Unterschieden wird dabei zwischen physischer und psychischer Abhängigkeit. Erstere zeichnet sich primär durch das Bedürfnis aus, mittels psychotroper Substanzen deren positive Wirkung zu erleben. Der ebenso starke Wunsch, diese positive Wirkung durch wiederholtes Zuführen der Substanz erneut hervorzurufen oder aber möglichen Entzugserscheinungen hierdurch zu entgehen, ist sekundär. Bei der physischen Abhängigkeit hingegen handelt es sich um eine Veränderung von Steuerungsmechanismen des zentralen und peripheren Nervensystems, welche unter der chronischen Zufuhr abhängigkeitsauslösender Substanzen ein neues Gleichgewicht der Zell- und Organfunktion zur Folge hat. Dieses Gleichgewicht gilt es durch die ständige Zufuhr der entsprechenden Substanz aufrechtzuerhalten, um Entzugssymptome zu vermeiden. Weiterhin findet eine Unterscheidung zwischen stoffgebundenen und nichtstoffgebundenen Süchten statt, wobei letztere als pathologisch bezeichnete Verhaltensmuster (wie z.B. Kleptomanie oder Spielsucht) beschreiben, die in ihrer Dominanz über die Betroffenen mit der Abhängigkeit von Substanzen vergleichbar sind. (vgl. Machleidt et al. 2004, S. 209f).

2. Drogenpolitische Ansätze und ihre Umsetzung

Im Gegensatz zur Drogenarbeit oder –hilfe, die sich vor Ort mit Drogengefährdeten, DrogenkonsumentInnen und –abhängigen befasst, bezeichnet Drogenpolitik zunächst einmal nur jenen Teil der Politik, der sich Drogen, deren Gebrauch respektive Missbrauch sowie Strategien zur Bekämpfung sozialschädlichen Konsums und -handels widmet, ohne dabei Einzelfälle zu berücksichtigen. Herrschen in den verschiedenen Staaten auch völlig unterschiedliche drogenpolitische Grundkonzepte, die seit jeher Veränderungen unterworfen sind, so lässt eine vergleichende Betrachtung der Verschiedenheit zum Trotz drei Hauptstrategien oder Ansätze erkennen. Während der „liberal approach“ als antiprohibitiver Ansatz mit Verweis auf das Selbstbestimmungsrecht eines jeden mündigen Bürgers auf eine Aufhebung oder Liberalisierung der Drogenkontrolle zielt, tritt der „social approach“ für die Betreuung Gefährdeter und Abhängiger ein, indem hier auf vorbeugende, medizinisch-therapeutische oder aber sozialtherapeutisch- pädagogische Maßnahmen gesetzt wird. Den Gegenpol zu diesen liberal anmutenden Ansätzen bildet der sogenannte „legal approach“, dessen Ziel im Unter-Strafe-Stellen des Umgangs mit sozialschädlichen Drogen wie auch der Durchsetzung entsprechender Verbote und Kontrollen liegt. In alleiniger Form findet sich keine dieser drei Hauptstrategien in den drogenpolitischen Grundkonzepten der heutigen Zeit, vielmehr treten Mischformen der verschiedenen Ansätze in Erscheinung, die wiederum unterscheidbare Haupttendenzen aufweisen (vgl. Hellebrand 1990, S. 8f).

Laut einer Aussage PETER LOVISCACHs aus dem Jahre 1996 handle es sich bei der „Drogenpolitik in Deutschland vorrangig [um] Verbotspolitik, die sich seit den 20er Jahren im Gefolge der vor allem von den USA betriebenen internationalen Drogenpolitik entwickelte“ (Loviscach 1996, S. 98) und die eine massive Einschränkung für die Drogenhilfe darstelle (vgl. Loviscach 1996, ebd.). Sie fußt insbesondere auf dem „Gesetz über den Verkehr mit Betäubungsmitteln“, besser bekannt als Betäubungsmittelgesetz (BtMG), welches wiederum auf dem Opiumgesetz von 1920 basiert (vgl. Hellebrand 1990, S. 13; Loviscach 1996, S. 101). Als Folge einer Verpflichtung im Versailler Vertrag zur Übernahme der Internationalen Opiumkonvention regelte dieses Gesetz neben der Kontrolle von Opiaten das Verbot von Rauchopium. Jahrzehntelang diente das Betäubungsmittelgesetz vornehmlich als verwaltungsrechtliche Kontrollregelung und wurde erst 1971, angesichts einer (in erster Linie den zunehmenden Cannabis-Konsum bezeichnenden) „Rauschgiftwelle“, neu und als strafrechtliches Instrument gefasst. Zehn Jahre später wurde das Gesetz unter Einbeziehung von Aspekten der Hilfe novelliert. Unter dem Motto „Therapie statt Strafe“ sollten kleinere bis mittlere drogenabhängige Straftäter mehr als zuvor zu einer therapeutischen Behandlung motiviert werden, wobei die Therapiebereitschaft, falls erforderlich, mittels Strafdrohung oder –vollstreckung ausgelöst werden konnte (vgl. Loviscach 1996, S. 102f).

Allerdings stellten Drogen und Sucht in Deutschland bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts kein gesellschaftspolitisch kontroverses Thema dar, herrschte doch über die Notwendigkeit, kulturellen Genussdrogen wie z.B. Alkohol und Tabak eine andere Behandlung zuteilwerden zu lassen als kulturfremden Drogen (hierzu zählen z.B. Cannabis, Opiate oder Kokain), Konsens unter den Parteien. Entsprechend gespalten war die Drogenpolitik: Wurde im Falle legaler Suchtmittel auf die Kommunikation mit Industrie und Bürgern, sprich eine Politik der Überzeugung gesetzt, begegnete man illegalen Substanzen hingegen mit Repression und war sich darüber einig, dass es die nahezu immer in der Sucht mündenden kulturfremden Drogen – ganz im Sinne der Prohibition – zu bekämpfen gelte. Einigkeit herrschte auch in der Ansicht, dass den mit diesen Substanzen einhergehenden Problemen keine Sucht-, sondern eine konsequente Drogenpolitik entgegenzusetzen sei. Im therapeutischen Bereich hielt man Abstinenz dabei als Mittel wie auch als Ziel für unabdinglich, sollte doch am Ende einer idealerweise drogenfreien Langzeittherapie ein drogenfreies Leben stehen (vgl. Scheerer 1995, S. 105). Erst das angesichts steigender Infektionszahlen zunehmend präsente Aids-Risiko hatte ein Umdenken zur Folge, galt es doch die deutliche Diskrepanz zwischen einer auf prohibitiven Grundsätzen basierenden Drogenpolitik und den Interessen der Betroffenen zu verringern. Zunehmend wurde gefordert, die Abhängigkeit Letzterer zu akzeptieren und Abstinenz nicht länger zur Bedingung für (Überlebens-)Hilfe zu machen (vgl. Scheerer 1995, S. 106), sodass in diesem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts schließlich zwei drogenpolitische Ansätze den Umgang mit illegalen Drogen dominierten (vgl. Schmidt-Semisch/Wehrheim 2007, S. 73). Die nun folgende Vorstellung beider – von SCHEERER auch als „konservativ“ beziehungsweise „liberal“ bezeichneten – Ansätze (vgl. Scheerer 1995, S. 105ff.) geht mit einer Betrachtung ihrer Umsetzung in der Drogenhilfe einher, die sich angesichts des stattgefundenen Wandels in erwähntem Zeitraum „wie kaum ein anderes Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit“ (Loviscach 1996, S. 167), so LOVISCACH, verändert habe.

2.1.1 Das Abstinenzmodell

Der repressive Ansatz zeichnet sich durch das bereits erwähnte Paradigma der Abstinenz aus, welches mit der Bekämpfung illegaler Suchtmittel einhergeht und dessen erklärtes Ziel eine von (illegalen) Drogen befreite Gesellschaft ist (vgl. Scheerer 1995, S. 106). Im Bereich der Therapie soll Letzteres auf dem „Königsweg“ erreicht werden, wie jener geradlinig konzipierte Prozess des abstinenzorientierten Modells oftmals genannt wird, der von der Drogenszene zunächst in die Entgiftung, dann in die – drogenfreie – Therapie mit Nachsorge und schließlich zu dauerhafter Abstinenz führt. Substitutionsbehandlungen mit Methadon oder Diamorphin werden nur in Ausnahmefällen angewandt, da zum einen die Gefahr besteht, dass die jeweilige Substanz auf den Schwarzmarkt gelangt, und die Betroffenen zum anderen in einem Zustand der Hilflosigkeit gehalten und ihre Chancen auf einen Ausstieg zunehmend verringert werden. Häufig werden derartige Hilfsangebote von Vertretern des Abstinenzparadigmas als Kapitulation vor der Sucht gedeutet, welche aus dem fehlenden Veränderungswillen der Betroffenen resultiert (vgl. Scheerer 1995, S. 107f sowie Dyckmans 2010, S. 6). Stattdessen basiert das Modell auf den mit „Leidensdruck“ und „helfendem Zwang“ titulierten Säulen. Um in den Klienten jenen unbedingten Willen zu erzeugen, der dem Modell nach als Voraussetzung gilt, den schwierigen Weg hin zu einem abstinenten Leben durchzuhalten, steht deren Leidensdruck im Fokus der drogentherapeutischen Überlegungen. Seine Verringerung resultiere, so die Ansicht, letztlich in einer Suchtverlängerung. Von der Minimierung des Leidens dienlichen Maßnahmen, wie beispielsweise dem Methadonprogramm, wird daher abgesehen. Die Tatsache, dass die diesem Modell folgenden Angebote der Drogentherapie nur geringen Zulauf erfuhren, wurde nicht auf das die Angebote selbst, sondern den Motivationsmangel der Süchtigen zurückgeführt, welchen man wiederum als Folge durch Drogen verursachter Persönlichkeitsschädigungen oder den Besonderheiten der Heroinsucht betrachtete und dem man in Form des „helfenden Zwangs“ entgegenzuwirken versuchte. Weniger motivierte Abhängige wurden durch die „freiwillige“ Wahl zwischen Gefängnis und Therapie unter Druck gesetzt oder sollten in geschlossenen Drogenkliniken bzw. Spezialabteilungen von Haftanstalten therapiert werden. Eine derartige Kopplung der Hilfe mit Zwangsandrohungen geriet im Zuge einer Umorientierung Mitte der 1980er Jahre zunehmend in die Kritik. Auch die ausschließliche Abstinenzorientierung und geringe Effizienz – das Leidensdruckkonzept führte bei einem Großteil der Klienten lediglich zu größerer Hilflosigkeit und Verelendung – wurden beanstandet. Doch gilt es zu erwähnen, dass offenbar erst die Bedrohung durch Aids dazu imstande war, diese Umorientierung politisch voranzutreiben (vgl. Loviscach 1996, S. 176ff).

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Drogenpolitik und Exklusion
Untertitel
Von der Wirkung akzeptierender Drogenarbeit auf die Inklusion der KonsumentInnen
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
14
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V463722
ISBN (eBook)
9783668953079
ISBN (Buch)
9783668953086
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Drogen Sucht Ansatz Politik Exklusion
Arbeit zitieren
Frauke Oberländer (Autor), 2015, Drogenpolitik und Exklusion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463722

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