Diese Arbeit wird sich mit der Frage beschäftigen, auf welche Weise in Kommentaren argumentiert wird, also welche Textstruktur für diese Textsorte charakteristisch ist. Ein ausführliches Werk zur Einführung in die linguistische Textanalyse stammt von Klaus Brinker, Hermann Cölfen und Steffen Pappert. Brinker u.a. unterscheiden hinsichtlich der Textstruktur zwischen der grammatischen und der thematischen Ebene. Für diese Arbeit relevant ist letztere, wobei der Fokus auf die von Brinker u.a. beschriebene thematische Entfaltung gerichtet wird. Es wird also nach logisch-semantisch definierbaren Kategorien in der Textsorte Kommentar gesucht, die beschreiben, wie einzelne Textsegmente in Relation zum Gesamtthema des Textes stehen. Also: Nach welchem (wiederkehrenden) Schema wollen die Emittenten die Rezipienten von ihrem Standpunkt überzeugen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Thematische Entfaltung von Texten
3. Das Argumentationsschema von Toulimin
4. Textstrukturelle Kategorien in Kommentaren
4.1 Einbettung und Wertbasis nach Brinker
4.2 Orientierung und Opponent nach Lüger
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die charakteristischen Textstrukturen von journalistischen Kommentaren, um zu analysieren, wie Emittenten ihre Argumentation aufbauen und Rezipienten von ihrem Standpunkt überzeugen. Hierbei liegt der Fokus auf der linguistischen Kategorisierung von Textsegmenten anhand der Modelle von Toulmin, Brinker und Lüger.
- Analyse der argumentativen Themenentfaltung in Pressekommentaren
- Anwendung des Toulmin-Schemas auf journalistische Texte
- Untersuchung der Kategorien "Einbettung" und "Wertbasis" nach Brinker
- Evaluation von "Orientierung" und "Opponent" nach Lüger
- Überprüfung der Wirksamkeit von persuasiven Strategien in der Meinungsbildung
Auszug aus dem Buch
3. Das Argumentationsschema von Toulmin
Bevor eine Auseinandersetzung mit den textstrukturellen Kategorien von Brinker und Lüger Sinn macht, soll es daher nun zunächst um das Toulminsche Argumentationsschema gehen, das auf das Jahr 1958 zurückgeht. In seiner ursprünglichen Form werden in diesem Modell These, Argumente, Schlussregel, Stützung, Modaloperator und Ausnahmebedingung berücksichtigt. Die Schlussregel besagt dabei: Wenn die Argumente gelten, muss man annehmen, dass die These gegeben ist. Dabei kann die Schlussregel durch den Verweis auf Regeln, Gesetze, Normen und Werte gestützt (Stützung) werden. Der Modaloperator gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit die These gilt. Die Ausnahmeregel verweist auf mögliche Einschränkungen bezüglich der Gültigkeit der Schlussregel. Anhand des nachfolgenden Kommentars soll überprüft werden, ob sich die genannten Kategorien wiederfinden lassen:
(1) Loveparade-Unglück Der Anspruch der Opfer [1] Gestorben sind 21 Menschen, Hunderte haben Verletzungen davongetragen, manche von ihnen wurden fürs Leben gezeichnet. [2] Fast sieben Jahre sind seit dem Loveparade-Unglück von Duisburg vergangen. [3] 60 000 Seiten Akten, vier Jahre Ermittlungen, fast drei Jahre gerichtlicher Streit über deren Ergebnisse – [3a] doch wer die Verantwortung für das Leid der Opfer trägt, ist immer noch nicht klar. [4] Womöglich wird sich eine rechtliche Schuld niemals jemandem zuschreiben lassen, nicht den Veranstaltern, nicht den Sicherheitsplanern der Stadt, nicht der Polizei. [5] Doch immerhin hat das Landesgericht Düsseldorf jetzt sichergestellt, dass es wenigstens versucht wird, und den Duisburger Richtern unmissverständlich klargemacht: Dieser Aufgabe dürfen sie sich nicht entziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt den Fokus auf die Rolle des Kommentars als meinungsbetonte Textsorte und stellt die linguistische Fragestellung nach der charakteristischen Textstruktur und thematischen Entfaltung vor.
2. Thematische Entfaltung von Texten: Dieses Kapitel erläutert die Grundformen der thematischen Entfaltung nach Brinker und führt den Syllogismus nach Lüger als einfaches Modell zur Argumentation ein.
3. Das Argumentationsschema von Toulimin: Hier wird das Toulmin-Modell mit seinen Bestandteilen wie These, Argumente und Schlussregel detailliert vorgestellt und anhand eines Praxisbeispiels auf seine Anwendbarkeit geprüft.
4. Textstrukturelle Kategorien in Kommentaren: In diesem Hauptteil werden ergänzende Kategorien zur detaillierteren Analyse eingeführt, wobei der Fokus auf den Konzepten Einbettung, Wertbasis, Orientierung und Opponent liegt.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Relevanz der untersuchten Kategorien für die Analyse von Kommentaren und deutet auf weiteren Forschungsbedarf hin.
Schlüsselwörter
Kommentar, Textanalyse, thematische Entfaltung, Argumentationsschema, Toulmin, Brinker, Lüger, Textstruktur, Einbettung, Wertbasis, Opponent, Journalismus, Presse, Meinungsbildung, persuasive Strategien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie in journalistischen Kommentaren argumentiert wird und welche Textstrukturen für diese Textsorte charakteristisch sind.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themenfelder sind die linguistische Textanalyse, die argumentative Themenentfaltung sowie die Identifikation von Strukturmerkmalen in meinungsbetonten journalistischen Texten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu überprüfen, ob sich Kommentare anhand grundlegender linguistischer Schemata kategorisieren lassen, um die persuasive Absicht des Autors transparent zu machen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es wird eine textstrukturelle Analyse vorgenommen, die auf den theoretischen Modellen von Toulmin, Brinker und Lüger basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Toulmin-Schemas, die Untersuchung der Einbettung und Wertbasis sowie die Analyse von Orientierung und Opponenten in Kommentaren.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie argumentative Entfaltung, Textsortenanalyse, persuasive Strategien und kommunikative Einbettung geprägt.
Warum ist das Konzept der "Einbettung" laut der Arbeit so wichtig für Kommentare?
Die Einbettung dient als Einführung und Orientierung, die den Leser in ein Thema einführt und durch deskriptive Anteile eine subtile Meinungslenkung ermöglicht.
Welche Rolle spielt der "Opponent" in der Argumentation eines Kommentars?
Der Opponent präsentiert eine Gegenposition, die vom Autor gezielt aufgegriffen und entkräftet wird, um die eigene Position schlagkräftiger zu untermauern.
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- Marcel Kling (Autor), 2017, Argumentation in Kommentaren, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463741